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Marktentwicklung: Warmband (CN 720839) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 720839 (Warmgewalztes Flacheisen/-stahl in Coils, ungebeizt, < 3 mm Dicke) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine fundamentale Neuausrichtung des EU-Marktes: Während die einheimische Produktion und die Exporte zurückgingen, stiegen die Importe und die Abhängigkeit von Drittstaaten signifikant an. Diese Dynamik wurde durch geopolitische Schocks, die Umstrukturierung globaler Lieferketten und konjunkturelle Schwankungen geprägt.

I. Dramatischer Wandel der Handelsbilanz: Von nahezu ausgeglichen zu stark defizitär

Im Betrachtungszeitraum hat sich die Handelsbilanz der EU für CN 720839 radikal verschlechtert. Aus einem bereits negativen Saldo entwickelte sich ein erhebliches und wachsendes Defizit. Diese Veränderung beruht auf zwei gegenläufigen Trends: einem starken Rückgang der Exporte und einem moderaten Anstieg der Importe, der im Wert durch Preissteigerungen noch verstärkt wurde.

Der Zusammenbruch der EU-Exporte

Die Ausfuhren von CN 720839 aus der EU in Drittländer sind sowohl mengen- als auch wertmäßig eingebrochen. Die exportierte Menge sank von 989.113 Tonnen (2015) auf 314.054 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 68,2 % entspricht. Im gleichen Zeitraum fiel der Exportwert von 368,5 Mio. EUR auf 202,3 Mio. EUR (−45,1 %). Ein wesentlicher Treiber hierfür war der Wegfall traditioneller Exportmärkte. So brachen die Ausfuhren in die Türkei von 121,4 Mio. EUR (2015) um 71,7 % auf 34,4 Mio. EUR (2025) ein. Noch dramatischer war der Rückgang bei Exporten nach Nordmazedonien, Italien und Rumänien, die praktisch zum Erliegen kamen (Exportentwicklung nach Partnerländern).

Stabile Importmengen bei steigenden Werten

Im Gegensatz zu den Exporten blieb die importierte Menge mit rund 2,9 bis 3,6 Mio. Tonnen relativ stabil, was auf eine gleichbleibende Nachfrage nach importiertem Warmband hindeutet. Der Importwert stieg jedoch um 60,9 % von 1,12 Mrd. EUR auf 1,80 Mrd. EUR an. Dieser Widerspruch zwischen stabiler Menge und stark wachsendem Wert erklärt sich durch die signifikante Preisentwicklung. Der durchschnittliche Importpreis stieg von 381 EUR/t (2015) auf 536 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 40,4 % entspricht. Spitzenpreise von über 870 EUR/t wurden 2022 erreicht.

Konsequenzen für die Handelsbilanz

Infolgedessen verschärfte sich das negative Handelsbilanzsaldo stetig. Es stieg von -751 Mio. EUR (2015) auf fast -1,60 Mrd. EUR (2025), eine Verschlechterung um 112,9 %. Der Höchstwert wurde mit -2,35 Mrd. EUR im Jahr 2022 erreicht, einem Jahr globaler Preis- und Lieferkettenkrisen. Die Netto-Importabhängigkeit der EU stieg entsprechend von 16,9 % (2015) auf 26,0 % (2025).

II. Umstrukturierung der Importquellen: geopolitische Schocks und Diversifizierung

Die Herkunft der EU-Importe von CN 720839 hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Der Markt zeigt eine klare Abkehr von traditionellen, nunmehr sanktionierten Lieferanten und eine Hinwendung zu einer breiteren Basis von Lieferanten, was die Importkonzentration tendenziell verringerte.

Der Wegfall der russischen Lieferungen

Der prominenteste Wandel ist der praktische Ausfall von Importen aus der Russischen Föderation. Waren Lieferungen aus Russland 2015 noch mit 305,9 Mio. EUR der zweitwichtigste Importpartner, so brachen sie nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine 2022 ein. Der Importwert fiel auf nur noch 565.200 EUR im Jahr 2025, was einem Rückgang von 99,8 % entspricht. Dieser geopolitische Schock zwang die EU-Wirtschaft zur raschen Suche nach Alternativlieferanten.

Aufstieg neuer und alter Lieferanten

Als Reaktion auf den russischen Lieferausfall stiegen mehrere andere Länder zu wichtigen Importquellen auf. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg aus Südkorea (+464,6 %) und Japan (+7830,8 %), die 2025 zusammen über 285 Mio. EUR importierten. Ebenso stark wuchsen die Lieferungen aus der Türkei (+174,1 % auf 248,3 Mio. EUR) und Indien (+192,9 % auf 37,7 Mio. EUR). Die Ukraine konnte ihre Lieferungen trotz des Krieges sogar leicht ausbauen (+55,2 %). Die Volatilität dieser Handelsströme ist jedoch hoch, wie die Variationskoeffizienten (CV) für Partner wie Japan (1,01) oder Brasilien (0,56) zeigen.

Partner (Importe) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Russische Föderation 305,9 0,6 -99,8 %
Türkei 90,6 248,3 +174,1 %
Ukraine 230,5 357,7 +55,2 %
Südkorea 35,0 197,8 +464,6 %
Japan 1,1 88,0 +7830,8 %
Indien 12,9 37,7 +192,9 %
Taiwan 28,9 65,3 +125,9 %
Quelle: Top-Importpartner nach Wert

Rückläufige EU-Produktion als struktureller Treiber

Die Verlagerung hin zu Importen korreliert mit einem Rückgang der einheimischen EU-Produktion. Die Produktionsmenge sank von 25,8 Mrd. kg (2015) auf 19,9 Mrd. kg (2025), ein Rückgang von 23,0 %. Der Produktionswert verringerte sich im gleichen Zeitraum um 5,5 %. Dieser Rückgang der eigenen Kapazitäten machte die EU zunehmend abhängig von Importen, um die heimische Nachfrage, insbesondere in Sektoren wie der Automobilindustrie und dem Bauwesen, zu decken.

III. Wachsende Anfälligkeit und Konzentration des Marktes

Die strukturellen Verschiebungen in Produktion und Handel haben zu einer erhöhten Verwundbarkeit des EU-Marktes für CN 720839 geführt. Diese zeigt sich in einer gesteigerten Importabhängigkeit, einer schwankenden Exportbasis und ungleichen Handelsströmen innerhalb der EU.

Steigende Nettoundeimportabhängigkeit

Der Saldo der Importabhängigkeit entwickelte sich von einem positiven Wert (-1,1 %) im Jahr 2016 zu einem kritischen Niveau von 26,0 % im Jahr 2025. Diese Kennzahl, die den Nettoimport im Verhältnis zur inländischen Verwendung misst, verdeutlicht die zunehmende Exposition der EU gegenüber globalen Lieferunterbrechungen oder Preisspitzen.

Konzentration und Volatilität der Exporte

Während die Importe sich diversifizierten, wurde die Exportseite der EU zunehmend konzentrierter und volatiler. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte nach Wert stieg dramatisch von 1.489 (2015) auf 4.630 (2025), was auf eine extreme Konzentration hinweist. Gleichzeitig brach die Exportneigung – der Anteil der Produktion, der exportiert wird – von 12,9 % (2015) auf nur noch 7,5 % (2025) ein. Dies deutet darauf hin, dass die EU-Industrie sich primär auf den Binnenmarkt konzentriert und ihre Wettbewerbsfähigkeit auf Weltmärkten verloren hat.

Asymmetrien innerhalb des EU-Binnenmarktes

Die Anfälligkeit zeigt sich auch in den Handelsströmen innerhalb der EU. Italien war 2025 mit 846,1 Mio. EUR der mit Abstand größte Importeur, während die Niederlande mit 91,2 Mio. EUR der größte Exporteur innerhalb der EU waren. Dies verdeutlicht unterschiedliche Spezialisierungsgrade. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt dies: Belgien (RSCA: 0,55) und die Slowakei (0,50) weisen eine starke komparative Spezialisierung im Export auf, während Länder wie Litauen und Dänemark praktisch nicht in diesem Segment exportieren.

Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung von CN 720839 in der EU zwischen 2015 und 2025 ist durch eine strukturelle Transformation gekennzeichnet. Der Markt hat sich von einer Position relativer Handelsbalance mit bedeutenden Exporten zu einem großvolumigen, importabhängigen Markt mit stark gesunkenen Exporten gewandelt. Die geopolitische Krise um Russland war ein Katalysator für eine schnelle Umstrukturierung der Lieferketten, führte jedoch nicht zu einer Reduzierung der Gesamtabhängigkeit.

Stattdessen hat die schwindende einheimische Produktionsbasis die Abhängigkeit von Importen vertieft, wie die gestiegene Netto-Importabhängigkeit von 26 % zeigt. Der Markt ist nun anfälliger für Preisvolatilität (wie die Schocks 2021 zeigten) und Lieferantenkonzentration. Die Zukunft dieses strategischen Stahlsegments wird maßgeblich von der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produktion, der Stabilität neuer Lieferketten (z. B. aus Asien) und der Handelspolitik im Umgang mit den neuen Herausforderungen abhängen.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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