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Marktentwicklung: Walzdraht aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl, in Ringen regellos aufgehaspelt, mit kreisförmigem Querschnitt mit einem Durchmesser von < 14 mm (ausg. aus Automatenstahl sowie Walzdraht mit vom Walzen herrührenden Einschnitten, Rippen [Wülsten], Vertiefungen oder Erhöhungen) (CN 721391) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 721391 erfasst Walzdraht aus unlegiertem Stahl mit kreisförmigem Querschnitt und einem Durchmesser unter 14 mm, der in Ringen regellos aufgehaspelt ist. Dieses Produkt dient als Grundmaterial für eine Vielzahl industrieller Anwendungen — von der Betonarmierung über Reifencord bis hin zu allgemeinen Drahterzeugnissen. Der analysierte Zeitraum von 2015 bis 2025 war für diesen Markt von drei dominanten Entwicklungen geprägt: einem langfristigen Strukturwandel im EU-Exportsektor, geopolitischen Schocks durch Sanktionen gegen Russland und Belarus sowie einer beispiellosen Preisexplosion im Zuge der globalen Rohstoffkrise 2021–2022.

Der vorliegende Bericht untersucht die Handelsströme der EU mit Drittländern und stützt sich dabei ausschließlich auf die vorliegenden Daten (Übersicht Dashboard).


1. Strukturelle Asymmetrie: Schrumpfende EU-Exporte bei resilientem Importvolumen

Die Exporte sind im untersuchten Zeitraum drastisch eingebrochen

Die EU-Exporte von Walzdraht (CN 721391) an Drittländer haben sich im Zeitraum 2015–2025 in erheblichem Maße zurückgebildet. Der Exportwert sank von 473 Mio. € (2015) auf 159 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 66,4 % entspricht. Noch deutlicher fällt der Rückgang der exportierten Mengen aus: von rund 1.086.000 Tonnen (2015) auf nur noch rund 242.000 Tonnen (2025) — ein Minus von 77,7 % (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2018 (Höchstwert) 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mrd. €) 0,47 0,56 0,16 −66,4 %
Exportmenge (t) 1.085.918 1.011.705 241.893 −77,7 %
Exportpreis (€/t) 436 552 656 +50,7 %

Der Exportwert erreichte seinen Höhepunkt bereits 2018 mit 558 Mio. €, die Exportmenge sogar schon 2015 mit rund 1,09 Mio. Tonnen. Der Preis hingegen stieg über den gesamten Zeitraum und erreichte 2022 mit 974 €/t sein Maximum. Die EU exportierte also zwar zu höheren Stückpreisen, aber in stark sinkenden Mengen.

Die Importe blieben mengenmäßig weitgehend stabil

Im Gegensatz zu den Exporten entwickelten sich die EU-Importe deutlich robuster. Der Importwert stieg von 671 Mio. € (2015) auf 937 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 39,6 % entspricht. Die importierte Menge blieb mit zwischen 1,53 und 2,36 Mio. Tonnen relativ stabil und lag 2025 bei rund 1,69 Mio. Tonnen (+6,0 % gegenüber 2015) (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2022 (Höchstwert) 2025 Veränderung 2015→2025
Importwert (Mrd. €) 0,67 1,76 0,94 +39,6 %
Importmenge (t) 1.598.905 2.157.079 1.694.709 +6,0 %
Importpreis (€/t) 420 817 553 +31,7 %

Die EU ist vom Nettoimporteur zum deutlichen Nettoimporteur geworden

Die Handelsbilanz verschlechterte sich über den gesamten Zeitraum erheblich. Das Defizit vertiefte sich von −198 Mio. € (2015) auf −778 Mio. € (2025), was einer Verschlechterung von 292,4 % entspricht. Das Maximum des Defizits wurde 2022 mit −1.337 Mio. € erreicht, als die Importpreise infolge der Rohstoffkrise explodierten. Die Nettoimportabhängigkeit stieg von 7,3 % (2015) auf 12,9 % (2025). Der Exportanteil an der Produktion sank im selben Zeitraum von 8,1 % auf 6,2 %.

Die EU-Produktion verlor mengenmäßig an Dynamik

Die inländische Produktion von Walzdraht (CN 721391) sank mengenmäßig von rund 10,4 Mrd. kg (2015) auf 8,7 Mrd. kg (2024), was einem Rückgang von 24,7 % entspricht. Der Produktionswert hingegen stieg im gleichen Zeitraum um 50,4 % — von 3,4 Mrd. € auf 5,1 Mrd. €. Dies spiegelt die allgemeine Preisinflation im Stahlsektor wider: Die EU produzierte weniger Volumen, erzielte aber aufgrund höherer Preise einen höheren Gesamtwert.

Südeuropäische Exporte brachen ein, Deutschland konsolidierte sich

Die Analyse der wichtigsten EU-Exportmitgliedstaaten offenbart eine markante regionale Verschiebung (Exportpartner):

Land Exportwert 2015 (Mio. €) Exportwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Spanien 125,4 7,7 −93,9 %
Italien 142,8 19,4 −86,4 %
Portugal 69,9 5,7 −91,8 %
Deutschland 77,1 81,9 +6,2 %
Griechenland 20,5 23,4 +14,1 %
Frankreich 2,7 7,1 +164,1 %

Spanien, Italien und Portugal — traditionell bedeutende Exporteure von Walzdraht in Drittländer — verloren innerhalb des Jahrzehnts fast ihr gesamtes Exportvolumen. Deutschland hingegen konnte seinen Exportwert leicht steigern und ist 2025 mit Abstand der größte EU-Exporteur. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt, dass Deutschland (RSCA: 0,22), Italien (0,29), Tschechien (0,42), Griechenland (0,44) und Portugal (0,55) im Jahr 2025 über einen relativen komparativen Vorteil verfügen, wobei die tatsächlichen Exportvolumina stark divergieren.


2. Geopolitische Schocks und Handelsumlenkung: Die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland und Belarus

Russland und Belarus waren bis 2022 bedeutende Lieferanten

Russland und Belarus gehörten bis 2022 zu den wichtigsten Importquellen der EU für Walzdraht (Importpartner):

Lieferant Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2021 (Mio. €) Importwert 2022 (Mio. €) Importwert 2023–2025
Russische Föderation 74,3 171,3 134,6 0 € (keine Lieferungen)
Belarus 38,7 137,4 60,7 0 € (keine Lieferungen)

Russland steigerte seine Lieferungen an die EU von 74 Mio. € (2015) auf einen Höchstwert von 171 Mio. € (2021). Belarus vergrößerte sein Exportvolumen sogar von 39 Mio. € auf 137 Mio. € im selben Zeitraum. Zusammen stellten beide Länder 2021 Lieferungen im Wert von rund 309 Mio. € bereit — dies entsprach einem Anteil von etwa 24 % an den gesamten EU-Importen dieses Jahres.

Ab 2023 fielen die Importe aus beiden Ländern aufgrund der EU-Sanktionen vollständig auf null (Volatilität und Schocks). Der Schock war mengenmäßig gravierend: Russland exportierte im Durchschnitt der Jahre 2015–2022 rund 274.000 Tonnen pro Jahr an die EU, Belarus rund 183.000 Tonnen. Diese rund 457.000 Tonnen jährlich mussten durch andere Quellen ersetzt werden.

Malaysia und Südostasien füllten die Versorgungslücke teilweise

Als direkte Reaktion auf den Wegfall russischer und belarussischer Lieferungen gewannen neue Lieferanten an Bedeutung (Importpartner):

Neuer Lieferant Importwert 2019 (Mio. €) Importwert 2022 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €)
Malaysia 11,6 245,2 33,8
Indonesien k.A. k.A. in Daten erkennbar
Vietnam k.A. k.A. in Daten erkennbar

Malaysia trat ab 2019 als neuer Lieferant auf und erreichte 2022 mit 245 Mio. € einen Spitzenwert — eine Steigerung von 192,4 % gegenüber dem Vorjahr. Allerdings schwankte das Volumen in den Folgejahren stark (2025: 34 Mio. €). Die Volatilität der malaysischen Lieferungen war mit einem Variationskoeffizienten von 1,04 extrem hoch (Volatilitätsanalyse).

Die Türkei und die Ukraine blieben trotz Schwankungen zentrale Partner

Die Türkei und die Ukraine zählten über den gesamten Zeitraum zu den wichtigsten Handelspartnern, wenngleich mit erheblichen Schwankungen. Die türkischen Lieferungen variierten zwischen 45 Mio. € (2015) und 428 Mio. € (2018), was auf die zyklische Natur der türkischen Stahlindustrie und Wechselkurseffekte zurückzuführen ist. Ukraine-Lieferungen lagen zwischen 75 Mio. € (2020) und 165 Mio. € (2022). Beide Länder profitierten tendenziell vom Wegfall russischer und belarussischer Konkurrenz ab 2023.

Die Herkunftskonzentration der Importe nahm ab

Trotz des geopolitischen Schocks sank der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe von 1.475 (2015) auf 1.277 (2025), was einer geringeren Konzentration und damit einer Diversifizierung der Bezugsquellen entspricht. Der HHI erreichte 2018 mit 1.869 sein Maximum, als die Türkei allein Importe im Wert von 428 Mio. € stellte. Die niedrigste Konzentration wurde 2022 mit 814 erreicht — ein Jahr, in dem mehrere Lieferanten gleichzeitig größere Volumina lieferten.


3. Preiszyklen und Volatilität: Die Stahlpreisexplosion 2021–2022

Eine globale Rohstoffkrise trieb die Walzdrahtpreise auf Rekordhöhen

Der Zeitraum 2021–2022 war von einer beispiellosen Preisexplosion bei Walzdraht geprägt. Die durchschnittlichen EU-Importpreise stiegen von 420 €/t (2015) bzw. 378 €/t (dem Tiefstwert 2016) auf 817 €/t im Jahr 2022 — eine Verdopplung innerhalb von sechs Jahren (Handelsübersicht). Die Exportpreise folgten einem ähnlichen Muster und erreichten 974 €/t im Jahr 2022.

Jahr Importpreis (€/t) Exportpreis (€/t) Veränderung Import (Vj.)
2019 493 510
2020 434 460 −12,0 %
2021 650 670 +49,8 %
2022 817 974 +25,7 %
2023 624 694 −23,6 %
2024 584 692 −6,4 %
2025 553 656 −5,3 %

Der Preisanstieg war branchenübergreifend und wird durch Faktoren wie die COVID-19-Nachholeffekte, gestiegene Energiekosten, Lieferkettenengpässe und den starken chinesischen Stahlbedarf erklärt.

Signifikante Preisschocks bei einzelnen Handelspartnern

Die analytische Schockerkennung identifizierte mehrere extreme Preisereignisse:

Partner Schocktyp Zeitpunkt Preissprung Abnormalität
Algerien (Export) Preis 2021 +118,7 % 13,8
Schweiz (Export) Preis 2021 +52,6 % 10,4
Malaysia (Import) Preis 2022 +67,3 % 7,6
Nordmazedonien (Export) Preis 2021 +41,8 % 6,7

Algerien weist den extremsten Schock auf: Der Exportpreis stieg 2021 um 118,7 % auf 964 €/t, bei gleichzeitigem Einbruch der exportierten Menge von 68.000 Tonnen (2020) auf nur 2.527 Tonnen (2021). Dies deutet auf selektive Lieferungen zu Höchstpreisen hin, die möglicherweise mit der Baukonjunktur in Algerien zusammenhängen.

Auch bei den Importpreisen waren die Schocks erheblich. Der Importpreis aus Malaysia verdoppelte sich von 472 €/t (2020) auf 754 €/t (2022), obwohl sich das Volumen im selben Zeitraum von 24.000 Tonnen auf 325.000 Tonnen verzwanzigfachte — was auf eine kurzfristige, preisintensive Beschaffung zur Deckung der durch Sanktionen entstandenen Versorgungslücke hindeutet.

Die meisten Handelsbeziehungen zeigten hohe Mengen- oder Preisvolatilität

Der Variationskoeffizient (CV) quantifiziert die Schwankungsintensität der Handelsmengen. Besonders auffällig:

Partner (Import) CV (Menge) Bewertung
Vietnam 1,79 Extrem volatil
Indonesien 1,22 Sehr volatil
Malaysia 1,04 Sehr volatil
Türkei 0,72 Volatil
Algerien 0,77 Volatil
Norwegen 0,11 Stabil
Vereinigtes Königreich 0,28 Relativ stabil

Norwegen und das Vereinigte Königreich zeigten die konstantesten Liefermengen, während die südostasiatischen Lieferanten (Malaysia, Indonesien, Vietnam) sowie Algerien extrem schwankende Volumina aufwiesen — ein Indiz für sporadische, opportunistische Handelsbeziehungen rather than etablierte Lieferketten.

Die Preise normalisierten sich ab 2023, bleiben aber über Vor-Krisen-Niveau

Nach dem Höchststand 2022 setzte eine schrittweise Normalisierung ein. Die Importpreise sanken von 817 €/t (2022) auf 553 €/t (2025), die Exportpreise von 974 €/t auf 656 €/t. Dennoch lagen die Preisniveaus 2025 noch deutlich über denen von 2015 (Importpreis: +31,7 %; Exportpreis: +50,7 %). Dies deutet darauf hin, dass die Krise 2021–2022 eine strukturelle Preisverschiebung ausgelöst hat, die sich nur teilweise rückgängig machen lässt — vermutlich weil höhere Energie- und Umweltkosten in der europäischen Stahlproduktion dauerhaft in die Preise eingepreist werden.


Fazit

Der EU-Markt für Walzdraht (CN 721391) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die EU von einem ambivalenten Handelspartner zu einem zunehmend importabhängigen Markt entwickelt. Die Exporte sind mengenmäßig um über 77 % eingebrochen, während die Importe weitgehend stabil blieben. Das Handelsdefizit hat sich auf fast 778 Mio. € verfünffacht. Die südeuropäischen Exportnationen (Spanien, Italien, Portugal) haben ihre Position an Drittländermärkten fast vollständig verloren, während Deutschland seinen Anteil behaupten konnte.

Zweitens haben geopolitische Ereignisse — insbesondere die Sanktionen gegen Russland und Belarus ab 2022/2023 — die Handelsströme nachhaltig umgelenkt. Der Verlust von rund 300 Mio. € jährlicher Lieferungen aus diesen beiden Ländern führte zu einer temporären Diversifizierung über neue Lieferanten wie Malaysia, Indonesien und Vietnam, deren Lieferungen jedoch hochvolatil blieben.

Drittens markierte die globale Rohstoffkrise 021–2022 einen Wendepunkt bei den Preisniveaus. Die beobachteten Preisschocks — teils über 100 % Abweichung vom Normalwert — haben sich bis 2025 nur teilweise normalisiert. Die Nettoimportabhängigkeit der EU bei diesem strategisch relevanten Grundstoff ist auf fast 13 % gestiegen, was angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der Volatilität der Lieferketten eine gewisse Verwundbarkeit der europäischen Stahlverarbeitungskette signalisiert.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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