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Marktentwicklung: Tomatenzubereitungen (CN 200290) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 200290 erfasst Tomaten, zubereitet oder haltbar gemacht, anders als mit Essig oder Essigsäure (ausg. ganz oder in Stücken). Dies umfasst insbesondere Tomatenmark, Passata, Püree und Saucenbasis — Produkte, die im täglichen Lebensmittelkonsum eine zentrale Rolle spielen. Die Kategorie ist als Sammelposition (Bundling-Heading) definiert und fasst sechs detailliertere Unterpositionen zusammen, die nach Trockenmassegehalt und Packungsgröße differenzieren.

Im Untersuchungszeitraum von 2015 bis 2025 hat sich die EU in diesem Segment von einem ohnehin bereits starken Exporteur zu einem noch dominierenderen Akteur auf dem Weltmarkt entwickelt. Der Handelsbilanzüberschuss beinahe verdoppelte sich, die Exportwerte stiegen überproportional zu den Einfuhren, und die Lieferantenbasis wurde gleichzeitig deutlich diversifiziert. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Triebkräfte dieser Entwicklung.


1. Steigende Wertschöpfung bei stagnierenden Volumina: Die EU als Premium-Exporteur

Der Exportwert wächst um über 56 %, während das Mengenvolumen praktisch unverändert bleibt

Die auffälligste Dynamik im untersuchten Zeitraum ist die Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung bei den EU-Ausfuhren. Der Exportwert stieg von 497,8 Mio. EUR (2015) auf 779,3 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 56,5 % entspricht. Demgegenüber blieb die exportierte Menge mit 489.369 t (2015) bzw. 491.783 t (2025) nahezu konstant (+0,5 %). Der durchschnittliche Exportpreis verdichtete sich damit von 1.017 EUR/t auf 1.585 EUR/t (+55,8 %). Der Höchststand wurde 2023 mit 1.760 EUR/t erreicht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 497.845.863 779.262.675 +56,5 %
Exportmenge (t) 489.369 491.783 +0,5 %
Exportpreis (EUR/t) 1.017 1.585 +55,8 %

Dieses Muster deutet auf eine klare Aufwertung der Exporte hin: Die EU exportiert nicht mehr Tomatenprodukte, sondern zunehmend hochwertigere Tomatenprodukte — vermutlich konzentriertere Marksorten, Premium-Saucen oder Bio-Produkte. Die innereuropäische Produktionswertentwicklung stützt diese Interpretation: Der Produktionswert stieg um 158,1 % (von 1,21 Mrd. EUR auf 3,13 Mrd. EUR), während die Produktionsmenge nur um 21,5 % wuchs (von 1,88 Mio. t auf 2,28 Mio. t).

Die Einfuhren entwickeln sich moderater — ein differenziertes Bild

Die Importe verzeichneten im selben Zeitraum einen Wertanstieg von 28,2 % (von 245,7 Mio. EUR auf 315,1 Mio. EUR) und einen Mengenzuwachs von 16,1 % (von 270.698 t auf 314.409 t). Der Importpreis stieg lediglich um 10,4 % (von 908 EUR/t auf 1.002 EUR/t). Damit sind die Importpreise durchgängig niedriger als die Exportpreise — ein Hinweis darauf, dass die EU tendenziell günstigere Basisprodukte importiert und teurere, weiterverarbeitete Erzeugnisse exportiert.

Der Handelsbilanzüberschuss beinahe verdoppelt sich

Der positive Handelsbilanzsaldo verbesserte sich von 252,1 Mio. EUR auf 464,2 Mio. EUR (+84,1 %). Die EU ist und bleibt in diesem Segment ein Nettoexporteur. Die Netto-Importabhängigkeit lag stets im negativen Bereich (von −27 % auf −14 %), was bedeutet, dass die EU mehr ausführt als einführt — und diese Tendenz verstärkte sich.


2. Geopolitische Umbrüche und Diversifizierung der Handelspartnerschaften

Die Importlieferantenbasis wurde erheblich verbreitert

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 3.092 auf 1.687 (−45,4 %). Dies ist ein bemerkenswerter Diversifizierungseffekt: Noch 2015 war der EU-Importmarkt stark auf wenige Lieferanten konzentriert, bis 2025 hatte sich die Konzentration erheblich vermindert. In absoluten Zahlen: China und die USA bleiben die wichtigsten Importpartner, doch haben beide Anteile verloren.

Importpartner Wert 2015 (EUR) Wert 2025 (EUR) Veränderung
China 111.768.625 84.744.880 −24,2 %
USA 73.883.410 59.087.310 −20,0 %
Ukraine 12.601.427 19.377.976 +53,8 %
Türkiye 12.213.916 42.134.194 +245,0 %
Chile 18.485.380 51.637.041 +179,3 %
Ägypten 7.347.028 34.310.036 +367,0 %
Iran 216.867 4.159.910 +1.818,2 %

Besonders hervorzuheben sind die spektakulären Zuwächse bei Ägypten (+367 %), der Türkei (+245 %) und Chile (+179 %). Diese Entwicklung spiegelt sowohl Investitionen in die Tomatenverarbeitung in diesen Ländern als auch eine strategische Diversifizierungsstrategie der EU-Einführer wider.

Preisvolatilität bei einzelnen Lieferanten als Risikofaktor

Die Analyse der Volatilitätskoeffizienten zeigt, dass einige der neu hinzugekommenen Lieferanten eine deutlich höhere Preisvolatilität aufweisen. Iran (CV: 1,41), Tunesien (CV: 1,51) und Israel (CV: 1,47) zeigen die stärksten Schwankungen. Zwei Preisschocks wurden identifiziert:

  • Türkei (2019): Ein Preisschock mit einer Abnormalität von 14,3 und einem Preisanstieg von 41,8 %. Der Anteil am Importwert betrug 13,2 %.
  • Ukraine (2023): Ein Preisschock mit einer Abnormalität von 9,4 und einem Preisanstieg von 85,8 %. Der Anteil am Importwert betrug 11,8 %.

Der Ukraine-Schock fällt zeitlich mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges zusammen, der die ukrainische Landwirtschaft und Logistik erheblich beeinträchtigte. Die Diversifizierung der Lieferantenbasis wirkt hier als natürlicher Puffer.

Exportmärkte: Das Vereinigte Königreich als dominierender Abnehmer

Auf der Exportseite bleibt das Vereinigte Königreich mit großem Abstand der wichtigste Abnehmer. Die Exporte dorthin stiegen von 161,6 Mio. EUR auf 270,8 Mio. EUR (+67,6 %). Der Volatilitätskoeffizient ist mit 0,086 extrem niedrig — das UK ist der stabilste Exportmarkt.

Exportpartner Wert 2015 (EUR) Wert 2025 (EUR) Veränderung CV
Vereinigtes Königreich 161.597.149 270.812.549 +67,6 % 0,086
Japan 45.530.886 93.355.876 +105,0 % 0,129
Australien 13.430.816 44.161.000 +228,8 % 0,225
Schweiz 21.313.569 47.498.756 +122,9 % 0,135
USA 14.286.395 43.980.656 +207,8 % 0,397
Libyen 52.465.125 58.707.094 +11,9 % 0,330
Russland 20.229.676 6.545.152 −67,6 % 0,474

Der Rückgang der Exporte nach Russland (−67,6 %) steht im Einklang mit den nach 2022 verhängten Sanktionen und russischen Importverboten. Dieser Verlust wurde jedoch mehr als kompensiert durch das starke Wachstum in Märkten wie den USA (+208 %), Australien (+229 %) und Japan (+105 %) — allesamt hochpreisige Märkte, was die insgesamt steigenden Exportpreise erklärt.


3. Süd- und Westeuropäische Kernregionen prägen die Produktion und Spezialisierung

Italien dominiert sowohl Export als auch Einfuhr innerhalb der EU

Die Analyse der EU-Mitgliedstaaten zeigt, dass Italien der mit Abstand größte Exporteur ist — mit einem Anstieg von 274,3 Mio. EUR auf 492,0 Mio. EUR (+79,3 %). Gleichzeitig ist Italien auch der größte Importeur (von 112,3 Mio. EUR auf 87,5 Mio. EUR). Dies spiegelt Italiens Rolle als zentrales Verarbeitungs- und Drehkreuz wider: Das Land importiert Tomatenprodukte (insbesondere günstigere Basisprodukte), verarbeitet sie weiter und exportiert hochwertige Erzeugnisse.

EU-Mitgliedstaat Export 2015 (EUR) Export 2025 (EUR) Veränderung
Italien 274.333.584 491.971.272 +79,3 %
Portugal 105.306.397 110.407.091 +4,8 %
Spanien 74.783.260 107.321.843 +43,5 %
Griechenland 22.899.412 21.637.144 −5,5 %
Niederlande 5.672.767 17.575.886 +209,8 %

Spezialisierungsmuster bestätigen die südeuropäische Kernzone

Die Spezialisierungsindizes (RSCA) für 2025 zeigen ein klares Bild: Portugal (RSCA: 0,80), Italien (0,71), Griechenland (0,65) und Spanien (0,59) sind die am stärksten spezialisierten Produzenten. Diese vier Länder zusammen machen über 84 % des EU-Produktionsanteils aus. Demgegenüber sind nordeuropäische Länder wie Irland (RSCA: −1,00), Finnland (−0,99) und Schweden (−0,98) praktisch unspezialisiert.

Die Export-HHI bleibt moderat und stabil

Während die Importkonzentration stark abnahm, blieb die Exportkonzentration mit einem HHI von 1.348 (2015) bzw. 1.543 (2025) moderat und weitgehend stabil (+14,5 %). Die leichte Zunahme ist auf das überproportionale Wachstum Italiens zurückzuführen, das seinen Anteil an den EU-Ausfuhren weiter ausbaute.

Datenlücken bei der Produktsegmentierung

Hinsichtlich der detaillierten Produktunterpositionen ist anzumerken, dass für die Positionen mit hohem Trockenmassegehalt (20029080, 20029041, 20029049, 20029020) erst ab 2024 Daten vorliegen. Lediglich die Positionen für niedrigen Trockenmassegehalt (20029011 und 20029019) sind über den gesamten Zeitraum verfügbar. Dies erschwert eine vollständige Segmentanalyse, doch für 2024–2025 zeigt sich: Das Segment 20029019 (niedriger Trockenmassegehalt, Packungen ≤ 1 kg) ist mit 140.644 t (2024) bzw. 151.013 t (2025) das mengenmäßig größte Exportsegment, gefolgt von 20029049 (mittlerer Trockenmassegehalt, ≤ 1 kg) mit 117.052 t bzw. 100.425 t.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Tomatenzubereitungen (CN 200290) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem volumenorientierten hin zu einem wertorientierten Handelssektor gewandelt. Die EU hat ihren Status als global führender Nettoexporteur gefestigt und ausgebaut — nicht durch Mengenwachstum, sondern durch eine deutliche Aufwertung der Exporte. Der Handelsbilanzüberschuss stieg um 84,1 % auf 464 Mio. EUR.

Gleichzeitig wurde die Lieferantenbasis für Importe erheblich diversifiziert (HHI-Rückgang um 45 %), was die Resilienz gegenüber einzelnen Preisschocks erhöht — wie sie bei der Türkei (2019) und der Ukraine (2023) auftraten. Auf der Exportseite expandierte die EU erfolgreich in hochpreisige Märkte wie Japan, Australien und die USA, während der russische Markt an Bedeutung verlor.

Die zukünftige Herausforderung liegt in der Klimaanfälligkeit der südeuropäischen Kernregion (Italien, Spanien, Portugal, Griechenland), die über 80 % der innereuropäischen Produktion stellt. Eine Trockenperioden-bedingte Ernteausfälle in diesen Regionen könnten sowohl die Exportkapazität als auch die innereuropäische Versorgung beeinträchtigen. Die zunehmende Bedeutung nordafrikanischer und nahöstlicher Lieferanten (Ägypten, Türkei) als Importquellen kann hier als strategischer Puffer dienen.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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