Marktentwicklung: Styrol-Butadien-Kautschuk "SBR" oder von carboxyliertem Styrol-Butadien-Kautschuk "XSBR", in Primärformen oder in Platten, Blättern oder Streifen (ausg. Latex) (CN 400219) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für den Zolltarifposten 400219, der Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) und carboxylierten Styrol-Butadien-Kautschuk (XSBR) in Primärformen sowie Platten, Blättern und Streifen (ausgenommen Latex) umfasst. SBR ist einer der mengenmäßig bedeutendsten synthetischen Kautschuke und findet breite Anwendung insbesondere in der Reifenindustrie, bei technischen Gummiwaren und in der Automobilzulieferung. Der analysierte CN-Code ist ein Sammelposten, der sowohl Emulsions-SBR (E-SBR), lösungspolymerisiertes S-SBR, thermoplastische SBS-Blockcopolymere als auch sonstige SBR-/XSBR-Formen abdeckt.
Der Betrachtungszeitraum umfasst eine außergewöhnlich ereignisreiche Dekade: die Pandemie 2020, die Sanktionswelle gegen Russland ab 2022, die globale Rohstoffpreisinflation 2021–2022 sowie eine langfristige Strukturverschiebung in der europäischen Kautschukproduktion. Die folgenden Abschnitte analysieren die wesentlichen Handelsdynamiken, die sich aus diesen Daten ergeben.
Für eine vertiefte Darstellung der Rohdaten siehe die Übersicht des EU Trade Dashboards.
1. Stabiler Handelsüberschuss unter steigender Preis- und Importbelastung
1.1 Die EU bleibt Nettoexporteur — doch das Mengenwachstum stagniert
Die EU verzeichnete über den gesamten Zeitraum einen durchgehenden Handelsüberschuss bei CN 400219. Der Überschuss bewegte sich zwischen einem Tief von rund 165 Mio. € (2020, Pandemiejahr) und einem Hoch von rund 347 Mio. € (2022) und lag 2025 bei rund 208 Mio. € — nahezu unverändert gegenüber 2015 (204 Mio. €). Die Stabilität der absoluten Überschussgröße verdeckt jedoch tiefgreifende strukturelle Veränderungen.
| Kennzahl | 2015 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 0,686 | 1,040 | 0,839 | +22,3 % |
| Importwert (Mrd. €) | 0,483 | 0,746 | 0,631 | +30,8 % |
| Saldo (Mrd. €) | 0,204 | 0,294 | 0,208 | +2,1 % |
| Exportmenge (kt) | 437,960 | 454,602 | 425,655 | −2,8 % |
| Importmenge (kt) | 283,523 | 296,015 | 283,977 | +0,2 % |
Quelle: Handelsübersicht
Während die Handelsmengen über das Jahrzehnt hinweg weitgehend stabil blieben, stiegen die Handelswerte erheblich — ein Indiz dafür, dass die Preisentwicklung der dominante Treiber der Wertveränderungen war. Nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie (2020), als Mengen und Preise gleichermaßen nachgaben, erholte sich der Handel 2021–2022 dynamisch und erreichte bei Exporten einen Spitzenwert von über 1,04 Mrd. € und bei Importen von 0,75 Mrd. €.
1.2 Preisentwicklung: Zwei Schockwellen prägen das Jahrzehnt
Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen von 1.567 €/t im Jahr 2015 auf 1.971 €/t im Jahr 2025 (+25,8 %). Die Importpreise entwickelten sich mit 1.702 €/t auf 2.222 €/t (+30,6 %) sogar noch dynamischer. Zwei herausragende Preisspitzen sind erkennbar:
| Kenngröße | 2015 | 2017 | 2020 | 2022 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportpreis (€/t) | 1.567 | 1.862 | 1.254 | 2.288 | 1.971 |
| Importpreis (€/t) | 1.702 | 2.058 | 1.508 | 2.521 | 2.222 |
Quelle: Handelsübersicht — Overview-Tab
Die erste Preiswelle (2017) war durch eine simultane Verteuerung bei den wichtigsten Importpartnern gekennzeichnet: Die Importpreise aus Russland stiegen um 40,4 %, aus Südkorea um 36,9 % und aus Indien (Export) um 38,2 % gegenüber der Basislinie. Dies ist auf steigende Rohstoffkosten für Styrol und Butadien — die petrochemischen Ausgangsstoffe — zurückzuführen.
Die zweite, weitaus stärkere Welle (2021–2022) fiel mit der globalen Rohstoffpreisinflation nach der Pandemie zusammen. Die Importpreise erreichten 2022 mit 2.521 €/t ihr Maximum; die Exportpreise mit 2.288 €/t. Die Preisschocks waren dabei marktbreit: Importseitig betrafen sie besonders Taiwan (+54,8 % in 2022), Mexiko (+52,9 % in 2021–2022) und die USA (+49,3 %). Exportseitig waren die USA (+49,3 %), Südafrika (+53,1 %), die Türkei (+42,3 %) und Thailand (+43,0 %) besonders stark betroffen.
Weitere Details zu den identifizierten Preisschocks finden sich im Volatility-Tab.
1.3 Steigende Importabhängigkeit trotz Überschuss
Obwohl die EU Nettoexporteur bleibt, hat sich die Netto-Importabhängigkeit merklich erhöht. Sie lag 2015 bei 13,2 % und stieg bis 2022 auf 21,4 %, bevor sie sich 2025 bei 18,8 % einpendelte. Parallel dazu erhöhte sich die Handelsintensität von 48,4 % auf 66,0 %, was bedeutet, dass ein wachsender Anteil des in- und ausländischen SBR-Verbrauchs über den grenzüberschreitenden Handel abgewickelt wird.
| Indikator | 2006 | 2015 | 2020 | 2022 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit (%) | 13,2 | 13,8 | 12,6 | 21,4 | 18,8 |
| Exportquote (%) | 26,8 | 45,8 | 46,8 | 45,4 | 43,4 |
| Handelsintensität (%) | 48,4 | k.A. | k.A. | k.A. | 66,0 |
Quelle: Vulnerability-Indikatoren
Die Steigerung der Netto-Importabhängigkeit um 42,5 % gegenüber 2015 ist ein Signal dafür, dass die rückläufige inländische Produktion (siehe Abschnitt 3) die EU zunehmend auf Importe angewiesen macht, auch wenn der absolute Überschuss noch positiv bleibt.
2. Geopolitische Umbrüche: Russlands Rückzug und der Aufstieg asiatischer Lieferanten
2.1 Der dramatische Rückgang russischer Lieferungen
Eines der auffälligsten Ergebnisse der Datenanalyse ist der Zusammenbruch der Importe aus der Russischen Föderation. Russland war 2015 und in den Folgejahren der drittgrößte SBR-Lieferant der EU mit Importen von 83,7 Mio. € und erreichte 2021 mit 159,3 Mio. € sogar den Spitzenrang unter allen Lieferanten. Die mengenmäßige Spitze lag 2021 bei rund 98.267 t. Bereits vor den umfassenden Sanktionen nach dem Februar 2022 war russisches SBR durch eine hohe Volatilität (Variationskoeffizient 0,33) gekennzeichnet.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Importwert Russland (Mio. €) | 83,7 | 105,3 | 159,3 | 114,1 | 47,7 | 33,7 | n.d. |
| Importmenge Russland (t) | 68.330 | 71.694 | 98.267 | 58.831 | 32.811 | 26.338 | n.d. |
| Anteil am EU-Importwert (%) | 17,4 | 17,0 | 27,3 | 15,3 | 9,1 | 5,2 | n.d. |
Quelle: Länderübersicht — Partner
Auffällig ist, dass der Rückgang nicht sofort nach der Verhängung der Sanktionen 2022 einsetzte — in jenem Jahr beliefen sich die Importe noch auf 114,1 Mio. €. Erst 2023 vollzog sich der eigentliche Einbruch (−58,2 % gegenüber 2022), vermutlich bedingt durch Bestandsabverkäufe, Übergangsfristen und die schrittweise Umsetzung der Handelsbeschränkungen. In den Daten für 2025 fehlen russische Lieferungen vollständig — der Verlust von rund 160 Mio. € Importvolumen (2021-Spitze) markiert einen der gravierendsten Lieferantenverluste in der europäischen Kautschukhandelsgeschichte.
2.2 Südkorea und Taiwan als neue strategische Partner
Der Rückgang Russlands wurde teilweise durch das starke Wachstum südkoreanischer und taiwanesischer Lieferungen kompensiert:
| Lieferant | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Südkorea | 56,7 | 137,6 | +142,7 % |
| Taiwan | 16,6 | 71,5 | +330,1 % |
| China | 29,8 | 63,8 | +113,9 % |
| Japan | 89,2 | 49,4 | −44,7 % |
| Mexiko | 35,9 | 35,6 | −0,9 % |
| USA | 94,9 | 100,6 | +6,0 % |
Quelle: Länderübersicht — Partner
Südkorea entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU mit 137,6 Mio. € im Jahr 2025 — ein Zuwachs von über 142 % gegenüber 2015. Die mengenmäßige Steigerung (von 37.956 t auf 65.793 t; +73 %) fiel dabei schwächer aus als die Wertsteigerung, was auf höhere Qualitätspreise oder eine Verschiebung hin zu wertvolleren SBR-Varianten (z. B. S-SBR) hindeutet. Die durchschnittlichen Importpreise aus Südkorea stiegen von 1.494 €/t auf 2.091 €/t.
Taiwan verzeichnete mit +330 % das stärkste relative Wachstum aller Lieferanten und stieg von einem marginalen Lieferanten (16,6 Mio. €) zu einem bedeutenden Partner (71,5 Mio. €) auf. Die taiwanesischen Liefermengen waren allerdings stark schwankend (Variationskoeffizient 0,38) und erreichten 2025 mit 38.512 t einen historischen Höchstwert.
Gleichzeitig verloren Japan (−44,7 %) und insbesondere Thailand als Lieferant an Bedeutung: Die thailändischen Importmengen sanken von 7.713 t (2015) auf 6.085 t (2025), und Thailand verschwand aus der Top-7 der Lieferanten.
2.3 Umstrukturierung der EU-Exportdestinationen
Auch auf der Exportseite vollzog sich eine deutliche Verschiebung. Die wichtigsten Trends:
- Türkei (+110,9 %) und Indien (+90,0 %) verzeichneten das stärkste Wachstum unter den Top-Exportzielen und ersetzten teilweise den rückläufigen Handel mit dem Vereinigten Königreich (−48,5 %).
- Vereinigtes Königreich: Der Exportrückgang um fast die Hälfte — von 63,7 Mio. € auf 32,8 Mio. € — ist eine klare Spätfolge des Brexits, der Handelsbarrieren und regulatorische Mehrkosten mit sich brachte.
- USA und China blieben die beiden größten Exportmärkte mit 164,4 Mio. € bzw. 158,0 Mio. € im Jahr 2025, wobei China (+32,8 %) stärker wuchs als die USA (+8,3 %).
- Brasilien (−26,7 %) verlor über den Zeitraum hinweg an Bedeutung als Exportziel.
Quelle: Länderübersicht — Partner, Exporte
2.4 Verschiebungen innerhalb der EU: Ungarn und die Niederlande als neue Knotenpunkte
Bemerkenswert sind auch die Entwicklungen innerhalb der EU-Mitgliedstaaten:
- Ungarn steigerte seine Importe von 12,8 Mio. € (2015) auf 96,6 Mio. € (2025) — eine Steigerung von 655 %. Damit ist Ungarn zum fünftgrößten Importeur innerhalb der EU aufgestiegen, was auf den Ausbau der Gummi- und Reifenproduktion (z. B. durch asiatische Direktinvestitionen in der Automobilzulieferung) hindeutet.
- Die Niederlande erhöhten ihre Importe von 18,8 Mio. € auf 54,8 Mio. € (+191 %), was auf die Funktion der Häfen Rotterdam und Antwerpen als europäische Verteilerzentren hindeutet.
- Deutschland, der größte EU-Exporteur (346,7 Mio. € in 2025, +39,4 % gegenüber 2015), verzeichnete gleichzeitig einen Rückgang der Importe (−34,3 %), was auf eine zunehmende Binnenverwertung der eigenen Produktion hindeutet.
Quelle: Länderübersicht — Reporter
3. Sinkende EU-Produktion und Sortimentsverschiebung zugunsten hochwertiger SBR-Varianten
3.1 Ein langfristiger Produktionsrückgang um fast 30 %
Die EU-Produktion von synthetischem Kautschuk (CN 400219) zeigt über den gesamten verfügbaren Zeitraum (2006–2024) einen deutlichen mengenmäßigen Rückgang, der den Handelsveränderungen zugrunde liegt:
| Jahr | Produktionsmenge (kt) | Produktionswert (Mrd. €) | Durchschnittspreis (€/kg) |
|---|---|---|---|
| 2006 | 2.321 | 3,43 | 1,48 |
| 2015 | 2.016 | 3,43 | 1,70 |
| 2019 | 1.922 | 3,46 | 1,80 |
| 2020 | 1.750 | 2,86 | 1,64 |
| 2022 | 1.725 | 4,57 | 2,65 |
| 2024 | 1.675 | 3,66 | 2,18 |
Die Produktionsmenge sank von 2.321 kt (2006) auf 1.675 kt (2024), ein Rückgang von 27,8 %. Der Produktionswert hingegen stieg um 6,7 % — was bedeutet, dass die Produktion auf höhere Wertsegmente umschichtet und/oder die Erzeugerpreise erheblich gestiegen sind. Der durchschnittliche Produktionspreis stieg von 1,48 €/kg (2006) auf 2,18 €/kg (2024), mit einer Spitze von 2,65 €/kg im Krisenjahr 2022.
Hinweis: Die Produktionsdaten sind teilweise gerundet oder geschätzt, was bei der Interpretation der jährlichen Schwankungen zu beachten ist (insbesondere 2021–2022).
3.2 Produktmischung: Verschiebung von E-SBR zu S-SBR und SBS
Ein detaillierter Blick auf die Unterposten von CN 400219 offenbart eine klare Sortimentsverschiebung sowohl bei Importen als auch bei Exporten:
Importe nach Unterposten:
| Unterposten | Beschreibung | Menge 2015 (kt) | Menge 2025 (kt) | Trend |
|---|---|---|---|---|
| 40021910 | E-SBR (Ballen) | 63,5 | 29,4 | ↓ stark |
| 40021920 | SBS-Blockcopolymere | 69,2 | 111,9 | ↑ stark |
| 40021930 | S-SBR (Ballen) | 64,8 | 98,6 | ↑ moderat |
| 40021990 | Sonstiges SBR/XSBR | 85,9 | 44,1 | ↓ stark |
| Gesamt | 283,5 | 284,0 | ≈ stabil |
Exporte nach Unterposten:
| Unterposten | Beschreibung | Menge 2015 (kt) | Menge 2025 (kt) | Trend |
|---|---|---|---|---|
| 40021910 | E-SBR (Ballen) | 187,2 | 143,8 | ↓ |
| 40021930 | S-SBR (Ballen) | 135,2 | 159,9 | ↑ |
| 40021920 | SBS-Blockcopolymere | 100,8 | 73,5 | ↓ |
| 40021990 | Sonstiges SBR/XSBR | 14,7 | 48,4 | ↑ stark |
| Gesamt | 438,0 | 425,7 | ≈ stabil |
Quelle: Produktvergleich
Drei zentrale Trends werden sichtbar:
-
E-SBR (40021910) — der traditionelle Massenstandard — verliert sowohl bei Importen (−54 %) als auch bei Exporten (−23 %) an Volumen. Dies spiegelt die technologische Verschiebung in der Reifenindustrie wider, die zunehmend auf leistungsfähigere S-SBR-Sorten für kraftstoffsparende Reifen setzt.
-
S-SBR (40021930) — das hochwertigere Lösungspolymerisationsprodukt — gewinnt insbesondere bei Exporten stark an Bedeutung (+18 % mengenmäßig). Die Exportpreise für S-SBR liegen mit 2.221 €/t (2025) deutlich über denen von E-SBR (1.552 €/t), was den Trend zur Wertschöpfung in der EU bestätigt.
-
SBS-Blockcopolymere (40021920) — die thermoplastischen Elastomere — werden zunehmend importiert (+62 % mengenmäßig), während die heimischen Exporte rückläufig sind (−27 %). Die Importpreise liegen mit 1.889 €/t unter den Exportpreisen von 2.238 €/t, was auf einen Preisvorteil asiatischer Anbieter hindeutet.
3.3 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU
Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt ein heterogenes Bild innerhalb der EU:
| Land | RSCA | RCA | Produktionsanteil (%) | Anteil am EU-Handel (%) |
|---|---|---|---|---|
| Ungarn | 0,59 | 3,88 | 10,4 | 2,7 |
| Slowenien | 0,40 | 2,34 | 2,4 | 1,0 |
| Frankreich | 0,36 | 2,14 | 16,7 | 7,8 |
| Polen | 0,29 | 1,82 | 12,1 | 6,6 |
| Spanien | 0,28 | 1,78 | 10,3 | 5,8 |
| Belgien | 0,17 | 1,41 | 12,0 | 8,5 |
| Deutschland | −0,03 | 0,95 | 20,1 | 21,2 |
Obwohl Deutschland mit 20,1 % den größten Anteil an der EU-Produktion hält und mit 21,2 % am Gesamthandel beteiligt ist, zeigt es nur einen ausgeglichenen Spezialisierungsindex (RSCA nahe null), da es als größte Volkswirtschaft in vielen Sektoren vergleichsweise stark ist. Die stärkste relative Spezialisierung weist Ungarn auf (RSCA 0,59), gefolgt von Slowenien (0,40), Frankreich (0,36), Polen (0,29) und Spanien (0,28). Diese Länder haben sich offenbar überproportional auf die SBR-Produktion und den -Handel konzentriert.
3.4 Lieferantenkonzentration: mäßige Diversifizierung auf niedrigerem Niveau
Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) zeigen sowohl bei Importen als auch bei Exporten eine moderate bis niedrige Konzentration, die über den Zeitraum leicht rückläufig war:
| Flow | HHI 2015 | HHI (Tiefpunkt) | HHI 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Importe (Wert) | 1.316 | 1.019 (2023) | 1.271 | −3,5 % |
| Exporte (Wert) | 1.070 | 950 (2024) | 1.007 | −5,9 % |
Der Rückgang des Import-HHI von 1.316 auf 1.271 spiegelt die Diversifizierung der Bezugsquellen wider: Der Wegfall Russlands wurde durch das Wachstum mehrerer asiatischer Lieferanten kompensiert, was zu einer gleichmäßigeren Verteilung führte. Der Export-HHI unter 1.000 (Tiefpunkt) signalisiert eine bereits recht diversifizierte Exportbasis, wenngleich die USA und China dominieren.
Fazit
Der europäische Markt für Styrol-Butadien-Kautschuk (CN 400219) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend gewandelt:
-
Handelsstruktur: Die EU bleibt Nettoexporteur mit einem Überschuss von rund 208 Mio. € (2025), doch die Importe sind mit +30,8 % deutlich stärker gewachsen als die Exporte (+22,3 %). Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 13,2 % auf 18,8 %. Die mengenmäßige Stabilität verdeckt eine erhebliche Preisinflation — die Preise stiegen um 25–31 % über den gesamten Zeitraum, mit einer markanten Spitze 2021–2022.
-
Geopolitische Neuausrichtung: Der Zusammenbruch der russischen SBR-Lieferungen (von 159 Mio. € Spitze in 2021 auf praktisch null in 2025) ist das gravierendste strukturelle Ereignis. Südkorea (+143 %) und Taiwan (+330 %) sind als neue Schlüsselpartner aufgestiegen. Auf der Exportseite verliert das Vereinigte Königreich (Brexit) an Bedeutung, während die Türkei und Indien als Wachstumsmärkte hervortreten.
-
Produktions- und Sortimentswandel: Die EU-Produktion sank mengenmäßig um fast 28 % auf 1,675 kt (2024), wobei der Produktionswert durch die Verschiebung zu hochwertigeren Qualitäten (S-SBR statt E-SBR) gestützt wurde. Die Importe von S-SBR und SBS-Blockcopolymeren wachsen, während E-SBR an Bedeutung verliert — ein Spiegelbild der technologischen Anforderungen der modernen Automobil- und Reifenindustrie.
Die Gesamtentwicklung deutet auf einen Markt hin, der sich von einem mengenorientierten Massengeschäft hin zu einem qualitäts- und wertgetriebenen Handel mit zunehmender Asienabhängigkeit und sinkender inländischer Produktionsbasis entwickelt. Für die europäische Kautschukindustrie ergibt sich daraus die strategische Herausforderung, die heimische Wertschöpfungskette zu stärken und die Lieferantenbasis weiter zu diversifizieren, um die Resilienz gegenüber geopolitischen Schocks zu erhöhen.