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Marktentwicklung: Styrol-Butadien-Kautschuk (CN 400219) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 400219 — Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) und carboxyliertem Styrol-Butadien-Kautschuk (XSBR) in Primärformen oder in Platten, Blättern oder Streifen (ausgenommen Latex) — über den Zeitraum von 2015 bis 2025. SBR ist ein wesentlicher synthetischer Kautschuk, der vor allem in der Reifenindustrie, in technischen Gummiwaren sowie — in Form von SBS-Blockcopolymeren — in Asphaltmodifikation und Klebstoffen verwendet wird. Der CN-Code 400219 ist dabei ein Sammelcode, der mehrere Untergliederungen umfasst: E-SBR (Emulsionspolymerisation), S-SBR (Lösungspolymerisation), SBS-Blockcopolymere sowie sonstige SBR/XSBR-Formen.

Die Daten zeigen einen Markt, der sich über den untersuchten Zeitraum in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert hat: Preisanstiege, geopolitische Umbrüche, Verschiebungen in der geografischen Herkunft der Lieferanten und ein struktureller Wandel bei der inländischen Produktion. Im Folgenden werden diese Dynamiken in drei Abschnitten beleuchtet.

Einführung & Definitionen


Wachstum im Wert trotz rückläufiger Mengen: Der Preis als Treiber des EU-SBR-Marktes

Der EU-Außenhandel mit SBR: Wertsteigerung bei stagnierenden Volumina

Die EU blieb über den gesamten Betrachtungszeitraum ein Nettoexporteur von SBR. Der Handelsbilanzüberschuss lag 2015 bei 204 Mio. EUR und 2025 bei 208 Mio. EUR. Hinter dieser scheinbaren Stabilität verbergen sich jedoch erhebliche Verschiebungen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 686 Mio. EUR 839 Mio. EUR +22,3 %
Exportmenge 437.960 t 425.655 t −2,8 %
Exportpreis 1.567 EUR/t 1.971 EUR/t +25,8 %
Importwert 483 Mio. EUR 631 Mio. EUR +30,8 %
Importmenge 283.523 t 283.977 t +0,2 %
Importpreis 1.702 EUR/t 2.222 EUR/t +30,6 %

Auffällig ist, dass die exportierte Menge sogar leicht sank, während der Exportwert um über ein Fünftel stieg. Auf der Importseite blieb das Volumen praktisch unverändert (+0,2 %), der Wert jedoch stieg um fast ein Drittel. Der Preisanstieg war also der zentrale Werttreiber auf beiden Seiten des Handels.

Handelsübersicht

Zwei Preisspitzen prägen die Dynamik

Die Preisentwicklung war nicht linear, sondern von zwei deutlichen Spitzen geprägt. Die Importpreise erreichten 2022 mit 2.521 EUR/t ihr Maximum, die Exportpreise im selben Jahr mit 2.288 EUR/t. Der Preisanstieg zwischen 2020 und 2022 — bedingt durch die COVID-19-Pandemie, Lieferkettenstörungen und den Energiepreisschock nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges — war außergewöhnlich. Bis 2025 gaben die Preise wieder leicht nach, blieben aber deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau.

Die EU-Produktion von SBR: Struktureller Rückgang

Parallel zur Handelsentwicklung zeigt sich bei der EU-Inlandsproduktion ein beunruhigender Trend. Die Produktionsmenge sank im Zeitraum von 2.321 Mio. kg (2015) auf 1.675 Mio. kg (2025), was einem Rückgang von 27,8 % entspricht. Der Mindestwert wurde 2023 mit nur 1.601 Mio. kg erreicht.

Produktionsindikator 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 2.321 Mio. kg 1.675 Mio. kg −27,8 %
Produktionswert 3.428 Mio. EUR 3.659 Mio. EUR +6,7 %

Dies bedeutet: Obwohl weniger produziert wurde, stieg der Produktionswert — ein weiterer Beleg für die dominante Rolle des Preiseffekts. Gleichzeitig nahm die Nettoimportabhängigkeit der EU von 13,2 % auf 18,8 % zu (+42,5 %), was den Trend zur zunehmenden Importabhängigkeit bei gleichzeitig sinkender Eigenproduktion unterstreicht.


Geopolitische Umwälzungen und die Neuordnung der Handelsströme

Russlands Bedeutungseinbruch und der Aufstieg asiatischer Lieferanten

Die dramatischste Veränderung vollzog sich bei den Importquellen der EU. Russland war 2015 mit 84 Mio. EUR der wichtigste SBR-Lieferant der EU und stand damit an erster Stelle. Bis 2025 fiel der Importwert auf 34 Mio. EUR — ein Rückgang von 59,8 %. Die Sanktionen nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 und die politische Umorientierung Europas führten zu einem nachhaltigen Bedeutungsverlust Russlands als Handelspartner.

Herkunftsland Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Korea, Republik 57 138 +142,7 %
Taiwan 17 71 +330,1 %
China 30 64 +113,9 %
USA 95 101 +6,0 %
Japan 89 49 −44,7 %
Mexiko 36 36 −0,9 %
Russland 84 34 −59,8 %

An die Stelle Russlands traten vor allem südkoreanische und taiwanesische Lieferanten. Korea stieg zum mit Abstand wichtigsten Importpartner auf — mit einem Zuwachs von 142,7 % auf 138 Mio. EUR. Taiwan verfünffachte seine Exporte in die EU nahezu (+330,1 %). Auch China mehr als verdoppelte seine Lieferungen.

Importpartner nach Werten

Die Exportseite: Diversifizierung und neue Wachstumsmärkte

Auch auf der Exportseite verschoben sich die Gewichte. Die USA blieben der wichtigste Exportmarkt der EU (164 Mio. EUR), gefolgt von China (158 Mio. EUR). Deutliche Zuwächse verzeichneten die Türkei (+110,9 %, von 35 Mio. EUR auf 75 Mio. EUR) und Indien (+90,0 %), während traditionelle Märkte wie das Vereinigte Königreich (−48,5 %, teilweise bedingt durch den Brexit) und Brasilien (−26,7 %) an Bedeutung verloren.

Bestimmungsland Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
USA 152 164 +8,3 %
China 119 158 +32,8 %
Türkei 35 75 +110,9 %
Indien 33 62 +90,0 %
Thailand 34 47 +38,7 %
Brasilien 45 33 −26,7 %
Vereinigtes Königreich 64 33 −48,5 %

Exportpartner nach Werten

Schwankungen und Preisschocks

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass bestimmte Handelsbeziehungen besonders schwankungsanfällig waren. Bei den Importen wies Japan mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,545 die höchste Instabilität auf, Indonesien sogar einen CV von über 1,0. Die Preisschock-Analyse identifiziert das Jahr 2017 als einen Wendepunkt: Bei den russischen SBR-Importen wurde ein abnormaler Preisanstieg von 40,4 % festgestellt, bei den Exporten nach Indien ein Anstieg von 38,2 %. Diese Schocks deuten auf eine Phase der Preisbereinigung und Marktanpassung hin, die möglicherweise mit Rohstoffpreisschwankungen (Butadien, Styrol) zusammenhängt.

Volatilitätsanalyse


Strukturwandel innerhalb der EU und Segmentverschiebungen bei SBR-Produkten

Deutschland und Polen als Säulen des EU-SBR-Handels

Innerhalb der EU konzentrieren sich Importe und Exporte auf wenige Mitgliedstaaten. Deutschland blieb der mit Abstand wichtigste Exporteur mit 347 Mio. EUR im Jahr 2025 (+39,4 % gegenüber 2015). Polen folgte mit 175 Mio. EUR (+39,7 %). Frankreich blieb mit 170 Mio. EUR relativ stabil.

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 249 347 +39,4 %
Polen 125 175 +39,7 %
Frankreich 166 170 +2,4 %
Italien 56 33 −40,7 %
Spanien 45 27 −40,4 %

Auf der Importseite fällt vor allem Ungarn auf: Die Importe stiegen von 13 Mio. EUR auf 97 Mio. EUR (+654,6 %) — ein extremer Zuwachs, der auf Expansionsbestrebungen in der lokalen verarbeitenden Industrie (insbesondere Automotive) hindeuten könnte. Auch die Niederlande verzeichneten ein starkes Wachstum (19 Mio. EUR → 55 Mio. EUR, +191,3 %), was auf die Rolle der niederländischen Häfen als europäisches Distributionszentrum hinweisen kann.

EU-Mitgliedstaaten – Exporte

Rückläufiges E-SBR, wachsendes S-SBR und SBS: Ein Produktmix im Wandel

Die Segmentierung nach Untergliederungen des CN-Codes 400219 offenbart einen tiefgreifenden Strukturwandel im Produktmix. Drei Trends sind besonders bemerkenswert:

Importseitig:

Produktsegment Importmenge 2015 (t) Importmenge 2025 (t) Veränderung
40021910 – E-SBR (Ballen) 63.548 29.383 −53,8 %
40021920 – SBS-Blockcopolymere 69.233 111.932 +61,7 %
40021930 – S-SBR (Ballen) 64.799 98.578 +52,1 %
40021990 – Sonstiges SBR/XSBR 85.943 44.084 −48,7 %

Exportseitig:

Produktsegment Exportmenge 2015 (t) Exportmenge 2025 (t) Veränderung
40021910 – E-SBR (Ballen) 187.189 143.827 −23,1 %
40021920 – SBS-Blockcopolymere 100.812 73.530 −27,1 %
40021930 – S-SBR (Ballen) 135.247 159.929 +18,3 %
40021990 – Sonstiges SBR/XSBR 14.712 48.368 +228,8 %

Produktsegmentvergleich

Der traditionelle Emulsions-SBR (E-SBR, CN 40021910) verliert sowohl bei Importen als auch bei Exporten deutlich an Bedeutung. E-SBR-Importe halbierten sich nahezu (−53,8 %), Exporte sanken um 23,1 %. Dies spiegelt den globalen Trend wider: E-SBR wird zunehmend durch lösungspolymerisierten SBR (S-SBR) ersetzt, der aufgrund seiner überlegenen Rollwiderstandseigenschaften für moderne, kraftstoffeffiziente Reifen benötigt wird. S-SBR-Importe stiegen um 52,1 %, Exporte um 18,3 %.

Besonders dynamisch entwickelten sich die SBS-Blockcopolymere (CN 40021920) — ein thermoplastisches Elastomer mit Anwendungen in Asphaltmodifikation, Schuhsohlen und Klebstoffen. Die Importe stiegen um 61,7 %, was auf die wachsende Nachfrage insbesondere im Straßenbau und in der Bauindustrie hindeuten kann.

Spezialisierung und Konzentration: Wer produziert was in der EU?

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Ungarn (RSCA: 0,59) und Slowenien (RSCA: 0,40) die stärkste komparative Spezialisierung im SBR-Handel aufweisen, während Kroatien und Estland praktisch keine SBR-Produktion haben. Die Handelskonzentration (Herfindahl-Hirschman-Index) blieb sowohl bei Importen als auch bei Exporten auf moderatem Niveau — die Werte von rund 1.000–1.300 deuten auf einen wettbewerblich diversifizierten Markt hin, ohne extreme Abhängigkeit von einzelnen Partnern.

Die Exportquote der EU stieg von 26,8 % auf 43,4 % (+62,1 %), die Handelsintensität von 48,4 % auf 66,0 % (+36,3 %). Die EU-Produktion wird also zunehmend exportorientiert, während der Binnenverbrauch stärker über Importe gedeckt wird.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Styrol-Butadien-Kautschuk (CN 400219) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert:

  1. Preisdominanz über Mengenwachstum: Der Handelswert stieg erheblich (Exporte +22 %, Importe +31 %), während die Mengen stagnierten oder sanken. Der Preisanstieg — insbesondere die Spitzen 2021/2022 — war der zentrale Werttreiber, getrieben durch Rohstoffkosten, Energiepreise und Lieferkettenengpässe.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Der Bedeutungsverlust Russlands als Importlieferant (−60 %) und der gleichzeitige Aufstieg asiatischer Lieferanten — allen voran Südkorea (+143 %), Taiwan (+330 %) und China (+114 %) — haben die geografische Struktur der EU-SBR-Importe nachhaltig verändert. Diese Umorientierung ist eng mit den Sanktionen gegen Russland und der strategischen Diversifizierung europäischer Beschaffungsstrategien verknüpft.

  3. Technologischer Strukturwandel: Innerhalb des Produktmixes vollzieht sich ein deutlicher Übergang vom traditionellen Emulsions-SBR (E-SBR) hin zu lösungspolymerisiertem SBR (S-SBR), das für moderne Hochleistungsreifen erforderlich ist. Parallel dazu gewinnen SBS-Blockcopolymere an Bedeutung — sowohl bei Importen als auch bei Exporten.

Die sinkende EU-Produktion (−28 %) bei gleichzeitig steigender Nettoimportabhängigkeit (von 13 % auf 19 %) stellt die europäische SBR-Industrie vor strategische Herausforderungen. Sollte der Trend zur Verlagerung der Produktionskapazitäten außerhalb Europas anhalten, könnte die EU in einem Schlüsselrohstoff für die Automobil- und Reifenindustrie zunehmend von Drittlandlieferungen abhängig werden.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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