Marktentwicklung: Speisezwiebeln und Schalotten (CN 070310) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht untersucht die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Speisezwiebeln und Schalotten (KN-Code 070310) über den Zeitraum 2015 bis 2025. Die Europäische Union ist in diesem Segment ein bedeutender Nettoexporteur mit einem Handelsüberschuss, der im gesamten Zeitraum positiv blieb. Gleichzeitig haben sich die Handelsstrukturen erheblich verändert: Die Einfuhren wuchsen überproportional stark, die geografische Zusammensetzung der Handelspartner verschob sich merklich, und das Jahr 2023 markierte einen historischen Preisschock. Die Analyse stützt sich auf aggregierte EU-Handelsdaten und umfasst sowohl Mengen- als auch Wert- und Preisentwicklungen sowie Konzentrations- und Volatilitätsindikatoren.
1. Wachstum bei steigender Importdynamik: Die EU als globaler Nettoexporteur
1.1 Der EU-Außenhandel mit Zwiebeln wuchs über den gesamten Zeitraum, blieb aber von starken Schwankungen geprägt
Der Gesamtwert der EU-Ausfuhren entwickelte sich von 394,2 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 599,6 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Anstieg von 52,1 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2023 mit 738,9 Mio. EUR erreicht, während 2017 mit 371,0 Mio. EUR den Tiefpunkt markierte. Die Einfuhren stiegen im selben Zeitraum von 117,8 Mio. EUR auf 232,0 Mio. EUR — ein Plus von 97,0 %. Der Gesamtüberblick zeigt, dass auch hier 2023 mit 292,5 Mio. EUR den Höchstwert darstellte.
| Jahr | Ausfuhr (Mio. EUR) | Einfuhr (Mio. EUR) | Saldo (Mio. EUR) | Ausfuhr (t) | Einfuhr (t) |
|---|---|---|---|---|---|
| 2015 | 394,2 | 117,8 | 276,5 | 1.234.833 | 224.719 |
| 2016 | 425,4 | 131,7 | 293,7 | 1.244.242 | 256.617 |
| 2017 | 371,0 | 116,8 | 254,2 | 1.362.401 | 214.393 |
| 2018 | 441,0 | 122,1 | 318,9 | 1.183.020 | 252.522 |
| 2019 | 472,3 | 270,8 | 201,5 | 1.136.232 | 542.714 |
| 2020 | 528,1 | 147,3 | 380,8 | 1.437.024 | 279.151 |
| 2021 | 453,3 | 169,5 | 283,8 | 1.318.354 | 298.148 |
| 2022 | 652,0 | 131,9 | 520,1 | 1.427.948 | 212.949 |
| 2023 | 738,9 | 292,5 | 446,4 | 1.053.911 | 450.562 |
| 2024 | 616,1 | 213,3 | 402,8 | 1.301.157 | 333.708 |
| 2025 | 599,6 | 232,0 | 367,6 | 1.374.315 | 403.307 |
1.2 Die Einfuhren wuchsen mengenmäßig fast viermal stärker als die Ausfuhren
Während die Ausfuhrmenge über den gesamten Zeitraum lediglich um 11,3 % stieg (von 1,23 Mio. t auf 1,37 Mio. t), erhöhte sich die Einfuhrmenge um 79,5 % (von 224.719 t auf 403.307 t). Im Jahr 2019 wurde mit 542.714 t sogar ein außergewöhnlicher Importmengen-Höchstwert verzeichnet, der auf eine massive Ausweitung der Beschaffung aus Drittländern hindeutet — möglicherweise als Reaktion auf Ernteausfälle oder pandemiebedingte Vorratsbildung. Die mengenmäßig schwächste Einfuhr verzeichnete 2022 mit nur 212.949 t, dem Jahr mit den höchsten globalen Lieferkettenstörungen.
1.3 Die Handelsbilanz blieb durchgehend positisch, verengte sich jedoch zuletzt strukturel
Der Handelsüberschuss der EU betrug 2025 noch 367,6 Mio. EUR und lag damit über dem Ausgangsniveau von 276,5 Mio. EUR (2015). Die größte Spanne wurde 2022 mit 520,1 Mio. EUR erreicht — ein Jahr, in dem die Einfuhren besonders niedrig, die Ausfuhren aber bereits stark waren. Der engste Überschuss fiel 2019 mit nur 201,5 Mio. EUR, als die Einfuhren sprunghaft anstiegen. Angesichts des stärkeren Importwachstums (+97 %) gegenüber dem Exportwachstum (+52 %) ist langfristig eine leichte strukturelle Verengung der Handelsbilanz erkennbar.
2. Geografische Verschiebungen: Westafrika als Exportmotor und neue Importquellen im Globalen Süden
2.1 Westafrika hat sich zum wichtigsten Exportziel der EU entwickelt, insbesondere Senegal und Côte d'Ivoire
Die vier wichtigsten westafrikanischen Exportmärkte — Senegal, Côte d'Ivoire, Guinea und Mauritania — steigerten ihren Gesamtwert von 91,2 Mio. EUR (2015) auf 208,0 Mio. EUR (2025). Dies entspricht einem Zuwachs von 128 % und einem Anteil von 34,7 % an den gesamten EU-Ausfuhren im Jahr 2025 (gegenüber 23,1 % im Jahr 2015). Die Länderanalyse der Exportpartner zeigt, dass Côte d'Ivoire mit einem Anstieg von 228,8 % das stärkste Wachstum verzeichnete. Das Vereinigte Königreich blieb mit 187,2 Mio. EUR (2025) zwar der größte einzelne Exportmarkt (+70,2 %), doch die westafrikanischen Märkte gewinnen insgesamt an relativer Bedeutung.
| Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 110,0 | 187,2 | +70,2 % |
| Senegal | 44,7 | 87,2 | +95,4 % |
| Côte d'Ivoire | 20,7 | 68,0 | +228,8 % |
| Guinea | 13,9 | 31,9 | +130,1 % |
| Mauritania | 11,8 | 20,8 | +76,8 % |
| Malaysia | 17,6 | 17,4 | −1,4 % |
| Brasilien | 52,1 | 0,6 | −98,9 % |
2.2 Ägypten bleibt der führende Importpartner, doch Peru und die Türkei haben als neue Quellen stark aufgeholt
Ägypten stellte 2025 mit 75,2 Mio. EUR nach wie vor den größten einzelnen Importpartner dar — eine Steigerung von 135,4 % gegenüber 2015. Peru und die Türkei verzeichneten jedoch die mit Abstand dynamischsten Zuwächse: Peru steigerte seine Lieferungen von 5,7 Mio. EUR auf 34,4 Mio. EUR (+501,3 %), die Türkei von 2,2 Mio. EUR auf 16,9 Mio. EUR (+659,9 %). Chile erhöhte seine Ausfuhren in die EU ebenfalls deutlich von 3,4 Mio. EUR auf 15,3 Mio. EUR (+351,8 %). Diese Entwicklung spiegelt eine Diversifizierung der EU-Importquellen wider, die sich auch in einem rückläufigen Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) von 1.753 auf 1.571 (−10,4 %) widerspiegelt.
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Ägypten | 31,9 | 75,2 | +135,4 % |
| Neuseeland | 31,9 | 24,9 | −21,7 % |
| Peru | 5,7 | 34,4 | +501,3 % |
| Türkei | 2,2 | 16,9 | +659,9 % |
| Indien | 4,7 | 6,6 | +42,3 % |
| Chile | 3,4 | 15,3 | +351,8 % |
| Australien | 12,8 | 3,9 | −69,7 % |
2.3 Brasilien und Australien verloren als Handelspartner deutlich an Bedeutung
Zwei bemerkenswerte Rückgänge kennzeichnen den Untersuchungszeitraum: Brasilien, 2015 noch ein bedeutender Exportmarkt der EU mit 52,1 Mio. EUR, brach bis 2025 auf nur noch 0,6 Mio. EUR ein (−98,9 %). Dieser Zusammenbruch könnte auf eine gesteigerte Eigenproduktion in Brasilien, veränderte Handelspräferenzen oder phytosanitäre Barrieren zurückzuführen sein. Auf der Importseite sank Australien von 12,8 Mio. EUR auf 3,9 Mio. EUR (−69,7 %), was teilweise durch die verstärkte Beschaffung aus geografisch näheren Quellen wie der Türkei und Chile erklärt werden kann.
3. Der Preisschock von 2023, die niederländische Handelsdominanz und Produktsegmente
3.1 Das Jahr 2023 brachte einen historischen Preisschock: Exportpreise von über 700 EUR/t bei gleichzeitigem Mengentief
Der Exportpreis der EU stieg 2023 auf 701,1 EUR/t — mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Vorjahre (typischerweise 270–450 EUR/t). Gleichzeitig sank die Exportmenge auf 1.053.911 t, den niedrigsten Wert des gesamten Zeitraums. Dieses Muster — hoher Preis bei niedriger Menge — deutet auf ein globales Angebotsszenario hin, in dem Ernteausfälle oder klimatische Einflüsse das Weltangebot verknappten. Auch die Einfuhren verteuerten sich 2023 auf 649,2 EUR/t, was darauf hinweist, dass der Preisanstieg nicht nur ein EU-internes Phänomen war, sondern den gesamten globalen Markt betraf. Die Volatilitätsanalyse zeigt zudem einen signifikanten Preisschock bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2023 (+66,1 %) sowie einen außergewöhnlichen Preisanstieg bei den Exporten in die Philippinen (+60,6 %).
| Jahr | Exportpreis (EUR/t) | Einfuhrpreis (EUR/t) |
|---|---|---|
| 2015 | 319 | 524 |
| 2016 | 342 | 513 |
| 2017 | 272 | 545 |
| 2018 | 373 | 484 |
| 2019 | 416 | 499 |
| 2020 | 367 | 528 |
| 2021 | 344 | 569 |
| 2022 | 456 | 620 |
| 2023 | 701 | 649 |
| 2024 | 474 | 639 |
| 2025 | 436 | 575 |
3.2 Die Niederlande fungieren als zentrale Handelsdrehscheibe und dominieren sowohl Im- als auch Export
Die Niederlande nahmen 2025 mit 479,7 Mio. EUR rund 80,0 % der gesamten EU-Ausfuhren in Nicht-EU-Länder vor — gegenüber 70,7 % im Jahr 2015. Damit ist die Rolle der Niederlande als logistischer und handelspolitischer Knotenpunkt im Zwiebelexport noch weiter gewachsen. Auf der Importseite betrugen die niederländischen Einfuhren 73,0 Mio. EUR (31,5 % des EU-Gesamtimports), was einen Anstieg von 74,8 % gegenüber 2015 darstellt. Die Analyse der EU-Binnenakteure zeigt zudem, dass Spanien seine Importe von 8,2 Mio. EUR auf 70,1 Mio. EUR steigerte (+753 %) und damit vom Randakteur zum zweitgrößten Importeur innerhalb der EU aufstieg. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt die Dominanz der Niederlande mit einem RCA-Wert von 3,33 und einem RSCA von 0,54 — die höchsten Werte aller EU-Mitgliedstaaten.
| EU-Mitgliedstaat | Exporte 2015 (Mio. EUR) | Exporte 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Niederlande | 278,8 | 479,7 | +72,1 % | 80,0 % |
| Spanien | 72,0 | 52,7 | −26,8 % | 8,8 % |
| Polen | 18,8 | 31,5 | +67,6 % | 5,2 % |
| Frankreich | 9,9 | 11,8 | +18,7 % | 2,0 % |
| Deutschland | 2,6 | 5,2 | +100,1 % | 0,9 % |
3.3 Speisezwiebeln dominieren die Handelsstruktur, während Steckzwiebeln an Exportvolumen verloren
Der Produktsegmentvergleich zeigt, dass reguläre Speisezwiebeln (KN 07031019) sowohl bei Im- als auch Exporten mit Abstand dominieren und 2025 rund 92 % des Exportwerts und 97 % des Importwerts ausmachten. Steckzwiebeln (KN 07031011) verloren mengenmäßig deutlich: Die Exportmenge sank von 38.117 t (2015) über einen Spitzenwert von 91.823 t (2020) auf nur noch 28.760 t (2025). Der Exportwert blieb mit 27,5 Mio. EUR nahezu stabil, was auf eine erhebliche Preissteigerung hindeutet (von 613 auf 955 EUR/t). Schalotten (KN 07031090) bleiben mengenmäßig ein Nischenprodukt (12.947 t Export, 1.254 t Import in 2025), erzielen aber mit 1.471 EUR/t die mit Abstand höchsten Exportpreise — mehr als dreifach so hoch wie reguläre Speisezwiebeln. Der Schalottenpreis hat sich gegenüber 2015 (605 EUR/t) sogar mehr als verdoppelt (+143 %).
| Segment | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Exportmenge 2015 (t) | Exportmenge 2025 (t) | Preis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|---|
| Speisezwiebeln (07031019) | 358,6 | 553,1 | 1.176.396 | 1.332.608 | 415 |
| Steckzwiebeln (07031011) | 23,4 | 27,5 | 38.117 | 28.760 | 955 |
| Schalotten (07031090) | 12,3 | 19,0 | 20.320 | 12.947 | 1.471 |
Fazit
Der EU-Außenhandel mit Speisezwiebeln und Schalotten zeigte zwischen 2015 und 2025 eine insgesamt positive Wachstumsdynamik, die jedoch von substanziellen strukturellen Veränderungen geprägt war. Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen:
Erstens blieb die EU ein starker Nettoexporteur, doch die Einfuhren wuchsen mengen- und wertmäßig deutlich schneller als die Ausfuhren — ein Trend, der langfristig auf eine steigende Importabhängigkeit hindeuten könnte. Zweitens vollzog sich eine bemerkenswerte geografische Neuausrichtung: Westafrika wurde zum zentralen Exportmarkt, während Peru und die Türkei als neue Importquellen aufstiegen und traditionelle Partner wie Brasilien und Australien an Bedeutung verloren. Drittens markierte das Jahr 2023 einen historischen Preisschock, bei dem die Exportpreise auf über 700 EUR/t stiegen — ein Niveau, das sich 2024 und 2025 wieder normalisierte, aber auf die anhaltende Volatilität des globalen Zwiebelmarktes hinweist. Die Niederlande bleiben mit Abstand die dominierende Handelsdrehscheibe der EU, und die Konzentration der Ausfuhren auf wenige Partner hat sogar noch zugenommen. Insgesamt deuten die Daten auf einen Markt hin, der trotz wachsender Volumina anfällig für Preisschwankungen und geopolitische Verschiebungen bleibt.