Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Sonstiger Käse (CN 040690) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifposten CN 040690 bildet innerhalb der Käsegruppe (CN 0406) den Restposten und umfasst sämtliche Käsesorten, die nicht unter die spezifischeren Unterpositionen fallen — darunter insbesondere gereifter Schnittkäse wie Emmentaler, Gouda, Cheddar, Bergkäse oder Greyerzer, jedoch ausdrücklich nicht Frischkäse, Quark, Schmelzkäse, Blauschimmelkäse oder geriebenen/pulverförmigen Käse (Umfang & Definitionen). Damit handelt es sich bei CN 040690 um die mengen- und wertmäßig größte Einzelposition im Käsehandel der EU.

Im Zeitraum 2015 bis 2025 verzeichnete die EU bei diesem Produkt eine außerordentlich dynamische Entwicklung: Die Exportwerte stiegen um über 70 %, während die Handelsbilanz von 2,53 Mrd. EUR auf 4,44 Mrd. EUR Überschuss anwuchs — ein Zuwachs von 75,6 %. Diese Expansion fand allerdings primär über steigende Preise statt, nicht über Mengenwachstum. Der folgende Bericht analysiert die wichtigsten Triebkräfte dieser Entwicklung, identifiziert strukturelle Verschiebungen bei den Handelspartnern und untersucht die Schockereignisse des Jahres 2022.


1. Exportdynamik: Preisgetriebenes Wachstum statt Mengenexpansion

1.1 Die Handelsbilanz entwickelt sich kontinuierlich zu Gunsten der EU

Die EU ist im Segment CN 040690 seit jeher ein Nettoexporteur. Dieses strukturelle Übergewicht hat sich im Betrachtungszeitraum weiter vertieft. Die Netto-Importabhängigkeit lag 2015 bei −9,4 % und verschärfte sich bis 2024 auf −12,7 % (Netto-Importabhängigkeit). Der Handelsbilanzüberschuss wuchs von 2,53 Mrd. EUR (2015) auf 4,44 Mrd. EUR (2025) — ein Plus von 75,6 %.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert 3,16 Mrd. EUR 5,39 Mrd. EUR +70,5 %
Exportmenge 657.533 t 732.621 t +11,4 %
Exportpreis (Ø) 4.810 EUR/t 7.360 EUR/t +53,0 %
Importwert 632 Mio. EUR 949 Mio. EUR +50,1 %
Importmenge 125.153 t 132.666 t +6,0 %
Importpreis (Ø) 5.050 EUR/t 7.152 EUR/t +41,6 %
Handelsbilanz +2,53 Mrd. EUR +4,44 Mrd. EUR +75,6 %

Quelle: Gesamtübersicht Handel

1.2 Der Preisanstieg dominiert das Wachstumsmuster

Das auffälligste Merkmal der gesamten Periode ist die Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung. Während die Exporte in Tonnen lediglich um 11,4 % wuchsen, explodierten die Exportwerte um 70,5 %. Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 4.810 EUR/t (2015) auf 7.360 EUR/t (2025) — ein Plus von 53 %. Ähnlich verlief die Preisentwicklung bei den Importen (+41,6 %), wenngleich das Importvolumen mit lediglich +6,0 % nahezu stagnierte.

Dieses Muster deutet auf eine fundamentale Wertschöpfungsverschiebung hin: Die EU exportiert zwar mengenmäßig nur wenig mehr Käse, erzielt dafür aber deutlich höhere Erlöse pro Tonne. Als Erklärung kommen sowohl eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Käsesorten (z. B. Gourmet- und Spezialitätenkäse) als auch allgemeine Inflationseffekte und gestiegene Produktionskosten (Energie, Milchpreise) in Betracht.

1.3 Mengenhöchststand 2020, danach Korrektur

Die Exportmenge erreichte ihren Höchstwert im Jahr 2020 mit 808.994 Tonnen, sank dann jedoch bis 2022 auf 712.816 Tonnen — ein Rückgang von fast 12 %. Dieser Einbruch korrespondiert mit den globalen Lieferkettenstörungen und der Energiekrise nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Erst 2025 näherte sich die Ausfuhrmenge mit 732.621 Tonnen wieder dem Vorkrisenniveau, blieb aber unter dem 2020er-Peak.


2. Handelspartnerstrukturen: Konzentration auf wenige Märkte, aber zunehmende Diversifizierung

2.1 Das exportseitige Dreigestirn: UK, USA und Japan

Auf der Exportseite dominieren drei Märkte klar die EU-Käseausfuhren im Segment CN 040690:

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung Anteil 2025
Vereinigtes Königreich 860 1.331 +54,6 % 24,7 %
Vereinigte Staaten 729 1.208 +65,6 % 22,4 %
Japan 170 249 +46,8 % 4,6 %
Schweiz 183 285 +55,5 % 5,3 %
Kanada 93 232 +151,0 % 4,3 %
Australien 109 189 +73,8 % 3,5 %
Algerien 80 108 +35,5 % 2,0 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Werten

Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten zusammen machen fast die Hälfte aller EU-Käseexporte aus. Bemerkenswert ist das starke Wachstum der Ausfuhren nach Kanada (+151 %), was teilweise auf das 2017 vorläufig in Kraft getretene CETA-Abkommen zurückzuführen sein dürfte. Ebenfalls beachtlich ist die Steigerung nach Saudi-Arabien (von 66 Mio. EUR auf 104 Mio. EUR), das sich zu einem wichtigen Nahost-Markt entwickelt hat.

2.2 Importseite: Schweiz und UK dominieren, Osteuropa gewinnt an Bedeutung

Die EU bezieht Käse im Segment CN 040690 vor allem aus zwei Quellen:

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Schweiz 347 470 +35,3 %
Vereinigtes Königreich 267 402 +50,3 %
Serbia 1,0 5,7 +487,9 %
Türkei 0,2 8,8 n/a
Norwegen 3,6 12,4 +242,0 %
USA 1,2 11,2 +803,3 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Werten

Auffällig ist das explosionsartige Wachstum der Importe aus der Türkei (von praktisch null auf 8,8 Mio. EUR), Serbien (+488 %) und den USA (+803 %). Diese drei Länder haben ihre Marktanteile am EU-Importmarkt im Segment 040690 innerhalb eines Jahrzehnts erheblich ausgebaut, wenngleich sie absolut gesehen noch immer weit hinter den etablierten Lieferanten Schweiz und UK zurückbleiben. Die Importe aus Norwegen zeigen eine hohe Volatilität mit einem starken Anstieg 2022 und 2025.

2.3 Herkunft der EU-Exporte: Italien überholt die Niederlande und Frankreich

Innerhalb der EU haben sich die exportführenden Mitgliedstaaten verschoben:

Mitgliedstaat 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 574 1.211 +111,1 %
Niederlande 572 804 +40,6 %
Frankreich 558 783 +40,3 %
Irland 434 676 +55,9 %
Deutschland 240 387 +61,5 %
Spanien 129 246 +91,2 %
Dänemark 153 199 +30,5 %

Quelle: Top-Reporter nach Werten

Italien hat seine Exporte mehr als verdoppelt und ist damit zum unangefochtenen Exporteur-Nr. 1 in diesem Segment aufgestiegen — ein Indiz für die wachsende globale Nachfrage nach italienischen Hart- und Schnittkäsesorten (Parmigiano Reggiano, Grana Padano, Pecorino etc.). Spanien verzeichnet ebenfalls ein bemerkenswertes Wachstum (+91 %). Demgegenüber stagnierten die Exporte aus Dänemark und den Niederlanden relativ gesehen.

2.4 Sinkende Konzentration auf beiden Seiten

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt eine Dezentralisierung sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten:

Indikator 2015 2025 Veränderung
HHI Exporte (nach Werten) 1.396 1.242 −11,1 %
HHI Importe (nach Werten) 4.812 4.266 −11,4 %

Quelle: Konzentrationsanalyse

Die Exportseite ist dabei deutlich diversifizierter (HHI ≈ 1.242) als die Importseite (HHI ≈ 4.266). Der Rückgang des Import-HHI spiegelt das Aufkommen neuer Lieferanten wie Türkei, Serbien und Bosnien und Herzegowina wider, die die traditionelle Dominanz von Schweiz und UK abschwächen.


3. Preisshocks 2022 und strukturelle Verschiebungen im Produktmix

3.1 Das Jahr 2022 markiert einen Wendepunkt mit massiven Preisanstiegen

Im Jahr 2022 detektierte die Analyse mehrere signifikante Preisschocks bei den EU-Exporten, die allesamt auf dasselbe Jahr fallen und im Kontext der globalen Energiekrise, gestiegener Milchpreise und der Lieferkettenstörungen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zu sehen sind:

Zielland Preisschock (Abnormalität) Preisänderung 2022 vs. Baseline Exportanteil
Algerien 55,8 +53,0 % 2,4 %
Ägypten 23,5 +29,6 % 1,5 %
Bosnien und Herzegowina 10,8 +51,1 % 1,0 %
Japan 10,6 +47,5 % 8,1 %

Quelle: Volatilität & Schocks

Besonders bemerkenswert ist der Schock bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich: Der Importpreis stieg 2022 um 64,7 % gegenüber der Baseline, bei gleichzeitigem Rückgang der Importmenge um 34,9 % (Preisschock UK-Importe). Dies deutet auf ein klassisches Angebotsschock-Muster hin: Höhere Kosten (Energie, Futter, Arbeitskräfte) wurden an die EU-Importeure weitergegeben, was die Einfuhren dämpfte.

3.2 Der Preisanstieg bei Exporten setzt sich nach 2022 nicht mehr vollständig zurück

Ein entscheidender Befund ist, dass die 2022 eingetretenen Preisniveaus keinen vollständigen Rücksetzer erfuhren. Bei den Exporten nach Algerien etwa lag der Preis im Durchschnitt der Jahre 2023–2024 immer noch 33,7 % über der Baseline von 2020/2021. Ähnlich verhielt es sich bei Japan (Preis 2023–2024 noch 37,3 % über Baseline). Dies deutet darauf hin, dass die Preisanstiege zumindest teilweise struktureller Natur sind — verursacht durch persistent höhere Produktionskosten und eine anhaltend starke Nachfrage nach hochwertigem EU-Käse.

3.3 Verschiebung im Produktmix: Cheddar und Spezialitätenkäse gewinnen an Gewicht

Auf der Exportseite haben sich die führenden Unterpositionen innerhalb von CN 040690 wie folgt entwickelt:

CN-Unterposition Beschreibung Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
04069061 Käse mit Fettgehalt ≤40 GHT, Wassergehalt ≤47 GHT 347 818 +135,7 %
04069092 Käse mit Fettgehalt ≤40 GHT, Wassergehalt >62–72 GHT 178 417 +134,6 %
04069089 Käse mit Fettgehalt ≤40 GHT, Wassergehalt >52–62 GHT 306 539 +76,1 %
04069021 Cheddar 448 585 +30,6 %
04069078 Gouda (≤40 GHT, >47–72 GHT Wassergehalt) 299 594 +99,0 %
04069099 Käse mit Fettgehalt >40 GHT, a.n.g. 267 439 +64,3 %
04069023 Edamer 216 257 +19,2 %

Quelle: Produktsegment-Aufschlüsselung

Am stärksten gewachsen sind die Positionen 04069061 (+136 %) und 04069092 (+135 %) — beides Unterpositionen, die Käse mit definierten Fett- und Wassergehalten erfassen. Dies deutet auf eine zunehmende Segmentierung des Handels hin, bei der spezifische Qualitätsparameter eine größere Rolle spielen. Der Exportpreis bei 04069061 stieg von 8.732 EUR/t auf 14.904 EUR/t (+70,7 %), was die These der Hochpreis-Verschiebung untermauert.

Auf der Importseite dominiert weiterhin Cheddar (04069021) mit einem Importvolumen von 383 Mio. EUR (2025) und einem Preis von 5.657 EUR/t — ein Anstieg um 73 % gegenüber 2015. Die Importe von Emmentaler (04069013) sind mengenmäßig leicht rückläufig (von 12.217 t auf 5.935 t), was auf eine zunehmende inländische Produktion oder Substitution hindeuten könnte.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung von CN 040690 im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als Geschichte eines wertgetriebenen Wachstums bei gleichzeitiger struktureller Reifung charakterisieren. Die EU hat ihre Position als global führender Käseexporteur weiter ausgebaut, allerdings weniger durch mengenmäßige Expansion als durch Preissteigerungen und eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produktsegmenten.

Drei zentrale Befunde stechen hervor:

  1. Preisdominanz: Über 80 % des Exportwertzuwachses sind auf höhere Preise zurückzuführen, nicht auf Mengenwachstum. Die Preissteigerungen haben sich nach dem Schock 2022 als weitgehend persistent erwiesen, was auf strukturelle Kosten- und Nachfrageeffekte hindeutet.

  2. Marktdiversifizierung: Sowohl bei Exporten als auch bei Importen sinkt die Konzentration. Neue Handelspartner (Kanada, Saudi-Arabien, Türkei, Serbien) gewinnen an Bedeutung, während die traditionelle Dominanz weniger Schlüsselmärkte (UK, Schweiz) zwar bestehen bleibt, aber relativ abnimmt.

  3. Italiens Aufstieg: Innerhalb der EU hat sich Italien vom zweitgrößten zum mit Abstand größten Exporteur in diesem Segment entwickelt (+111 %), was die wachsende globale Nachfrage nach italienischen Hartkäsesorten und die hohe Wertschöpfungskette der italienischen Käseindustrie widerspiegelt.

Die EU-Käseproduktion ist im gleichen Zeitraum von rund 4,9 Mrd. kg (2003) auf 6,5 Mrd. kg (2024) gewachsen, bei einem Produktionswertanstieg von 19,4 Mrd. EUR auf 42,0 Mrd. EUR (Produktionsvolumina). Diese fundamentale Stärke der europäischen Käseproduktion bildet die Basis für die anhaltende Exportdominanz — doch die Herausforderungen durch Energiekosten, Nachhaltigkeitsanforderungen und zunehmende Konkurrenz aus Übersee bleiben bestehen.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.