Marktentwicklung: Schuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk oder Kunststoff und Oberteil aus Spinnstoffen (ausg. Sportschuhe, einschl. Tennisschuhe, Basketballschuhe, Turnschuhe, Trainingsschuhe und ähnl. Schuhe sowie Schuhe, die den Charakter von Spielzeug haben) (CN 640419) — 2015–2025
Einleitung
Der Markt für CN 640419 – zu dem unter anderem Alltagsschuhe, Ballerinas, Mokassins, Hausschuhe und ähnliche textile Oberteilschuhe mit Kunststoff- oder Gummisohle zählen, ausgenommen Sportschuhe und Spielzeugschuhe – hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 dynamisch und vielschichtig entwickelt. Der EU-Außenhandel wuchs sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite erheblich, wobei sich die Handelsstruktur, die Lieferantenlandschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Mitgliedstaaten in diesem Segment grundlegend verschoben haben. Die EU blieb über den gesamten Zeitraum hinweg Nettoimporteurin, doch das Handelsdefizit vergrößerte sich stärker als es die reine Wachstumsrate der Exporte erwarten ließ – ein Hinweis auf tieferliegende strukturelle Veränderungen. Die vorliegende Analyse stützt sich auf die offiziellen Handelsdaten der EU und beleuchtet die wichtigsten Trends und treibenden Kräfte.
1. Asymmetrisches Wachstum: Import- und Exportverläufe im Vergleich
1.1 Importe verdoppeln sich nahezu – Exporte fast verachtfachen sich im Wert
Der Außenhandel der EU mit CN 640419 wuchs im Betrachtungszeitraum in beiden Richtungen deutlich, allerdings mit unterschiedlicher Dynamik. Die Einfuhren stiegen um rund 83 % von 2,62 Mrd. EUR (2015) auf 4,79 Mrd. EUR (2025), wobei der Höchstwert 2022 mit 5,25 Mrd. EUR erreicht wurde. Die Ausfuhren hingegen wuchsen um 183 % von 724 Mio. EUR auf 2,05 Mrd. EUR im Wert und erreichten 2023 mit 2,18 Mrd. EUR ihren Spitzenwert.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Importe (Wert, Mrd. EUR) | 2,62 | 3,71 | 5,25 | 4,79 | +83,0 % |
| Exporte (Wert, Mrd. EUR) | 0,72 | 1,75 | 2,16 | 2,05 | +183,4 % |
| Importe (Menge, Tsd. t) | 229.334 | 300.181 | 384.057 | 378.891 | +65,2 % |
| Exporte (Menge, Tsd. t) | 23.334 | 35.912 | 30.909 | 27.645 | +18,5 % |
| Handelsbilanz (Mrd. EUR) | −1,89 | −1,96 | −3,09 | −2,74 | −44,7 % |
Handelsentwicklung nach Wert und Menge
1.2 Preisaufteilung zeigt grundlegend unterschiedliche Positionierung
Ein wesentlicher Befund ist die divergente Preisentwicklung. Die Exportpreise (als berechnete Einheitswerte) stiegen um 139 % von 31.014 EUR/t auf 74.164 EUR/t und liegen damit heute deutlich über dem Niveau der Importpreise. Die Importpreise hingegen blieben relativ moderat und stiegen nur um 11 % von 11.415 EUR/t auf 12.645 EUR/t. Dies deutet darauf hin, dass die EU vor allem hochwertigere Schuhe – etwa Mode- und Markenschuhe mit Textiloberteil – exportiert, während sie überwiegend preisgünstige Standardprodukte einführt.
1.3 Die COVID-19-Pandemie als Wendepunkt
Das Jahr 2020 markierte einen deutlichen Einbruch sowohl bei Importen (−15 % im Wert, −25 % in der Menge) als auch bei Exporten (−4 % im Wert, −7 % in der Menge). Die Erholung danach war jedoch asymmetrisch: Die Importmengen stiegen 2022 auf einen Rekordwert von 384.057 t, was teilweise auf Nachholeffekte und Vorratsbildung zurückzuführen ist. Die Exportmengen erreichten hingegen ihr Niveau von 2019 nie wieder – stattdessen wuchsen die Exportwerte durch steigende Preise weiter, was auf eine qualitative Aufwertung der EU-Exporte hindeutet.
1.4 Steigende Nettoimportabhängigkeit
Die Nettimportabhängigkeit der EU nahm im Zeitraum erheblich zu: von 42,5 % (2015) über einen Höchstwert von 79,6 % (2016) auf 60,6 % (2025). Auch wenn der Wert gegenüber dem Höchststand gesunken ist, signalisiert die Entwicklung, dass die EU in diesem Produktsegment dauerhaft auf Drittlandslieferanten angewiesen ist. Die einheimische Produktion sank mengenmäßig von 63,5 Mio. Paar (2015) auf 51,2 Mio. Paar (2023), stieg 2024 wieder auf 61,9 Mio. Paar an – blieb aber unter dem Ausgangsniveau.
2. Diversifizierung der Lieferketten: Chinas Dominanz nimmt ab, Südostasien gewinnt stark an Bedeutung
2.1 China bleibt größter Einzellieferant, verliert aber Marktanteile
China war 2015 mit 1,73 Mrd. EUR (66 % der EU-Einfuhren) mit Abstand der wichtigste Lieferant und blieb dies 2025 mit 2,21 Mrd. EUR (46 %). Allerdings sank der Anteil Chinas damit um rund 20 Prozentpunkte. Die Importmengen aus China stiegen von 175.682 t auf 190.928 t (+9 %), während der importierte Wert um 27 % zunahm. Der Importpreis aus China lag 2025 bei 11.552 EUR/t – deutlich unter dem EU-Durchschnittspreis.
2.2 Viet Nam als dynamischster Wachstumspartner
Der bemerkenswerteste Trend ist der meteoritische Aufstieg Viet Nams als EU-Lieferant. Die Einfuhren stiegen von 462 Mio. EUR (2015) auf 1,47 Mrd. EUR (2025) – eine Steigerung von 219 %. In der Menge wuchs der Handel von 27.220 t auf 64.497 t (+137 %). Viet Nam vergrößerte seinen Marktanteil von 18 % auf 31 % und ist damit der einzige Partner, der substanziell an Chinas dominierender Stellung rütteln kann. Dies spiegelt den „China Plus One"-Trend in der globalen Schuhindustrie wider.
| Lieferant | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| China | 1.733 | 2.206 | +27,3 % | 46,0 % |
| Viet Nam | 462 | 1.472 | +218,9 % | 30,7 % |
| Indonesien | 69 | 259 | +275,7 % | 5,4 % |
| Kambodscha | 32 | 182 | +463,1 % | 3,8 % |
| Bangladesch | 52 | 144 | +176,0 % | 3,0 % |
| Myanmar | 6 | 106 | +1.816,1 % | 2,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 101 | 38 | −62,0 % | 0,8 % |
2.3 Südostasiatische und südasiatische Lieferanten expandieren rasant
Neben Viet Nam verzeichneten mehrere weitere aufstrebende Produktionsstandorte im Indo-Pazifik ein außergewöhnliches Wachstum:
- Myanmar (+1.816 %, von 6 Mio. EUR auf 106 Mio. EUR) – der stärkste prozentuale Anstieg aller Partner, auch wenn der absolute Wert noch moderat bleibt.
- Kambodscha (+463 %, von 32 Mio. EUR auf 182 Mio. EUR) – ein etablierter Schuhproduktionsstandort mit starkem Ausbau.
- Indonesien (+276 %, von 69 Mio. EUR auf 259 Mio. EUR) – mit steigender Mengenproduktion.
- Bangladesch (+176 %, von 52 Mio. EUR auf 144 Mio. EUR) – diversifiziert von der Bekleidungs- in die Schuhproduktion.
Diese Diversifizierung spiegelt sich in einem deutlichen Rückgang der Handelskonzentration wider: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe fiel von 4.817 (2015) auf 3.159 (2025), was eine signifikant niedrigere Konzentration bedeutet.
2.4 Brexit-Effekt: Vereinigtes Königreich als Handelspartner im Niedergang
Ein Sonderfall ist das Vereinigte Königreich. Als Importpartner sanken die EU-Einfuhren von 101 Mio. EUR (2015) auf 38 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 62 %. Die Mengen brachen von 4.628 t auf 664 t ein. Als Exportzielmarkt verlor das Vereinigte Königreich ebenfalls an Bedeutung: Die EU-Ausfuhren fielen von 308 Mio. EUR (2015) auf 255 Mio. EUR (2025), und die Mengen sanken von 9.986 t auf 4.998 t – ein Rückgang, der ab 2021 (Inkrafttreten des Handels- und Kooperationsabkommens) besonders deutlich wurde.
3. Strukturelle Verschiebungen: EU-Produktion, Spezialisierung und neue Exportmärkte
3.1 EU-Produktion: Mengenrückgang bei steigenden Werten und Preisen
Die EU-eigene Produktionsmenge für CN 640419 sank im Trend: von 63,5 Mio. Paar (2015) auf 51,2 Mio. Paar (2023), mit einem Anstieg auf 61,9 Mio. Paar (2024). Gleichzeitig verdoppelte sich der Produktionswert nahezu: von 561 Mio. EUR auf 1,20 Mrd. EUR. Die durchschnittliche Produktionspreise stiegen von 8,84 EUR/Paar auf 19,38 EUR/Paar – ein Anstieg von 120 %, der auf eine qualitative Aufwertung und/oder Inflationseffekte hinweist.
3.2 Italien, Frankreich und Deutschland dominieren EU-Exporte
Die Rangfolge der EU-exportierenden Mitgliedstaaten verschob sich erheblich:
| EU-Exporter | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 180 | 743 | +311,8 % |
| Frankreich | 72 | 477 | +565,6 % |
| Deutschland | 65 | 354 | +441,5 % |
| Belgien | 130 | 35 | −73,0 % |
| Polen | 11 | 130 | +1.089,2 % |
| Spanien | 81 | 96 | +19,2 % |
Italien ist mit Abstand der führende EU-Exporter und stärkster Spezialisierungsindikator (RSCA = 0,156). Polen zeigt die dynamischste Exportentwicklung (+1.089 %) und weist die höchste Spezialisierung aller EU-Länder auf (RSCA = 0,193), was auf eine erfolgreiche Integration in europäische Schuhlieferketten hindeutet. Belgiens Exporteinbruch (−73 %) ist teilweise auf Verschiebungen im Handelsmuster und die Umverlagerung von Logistikaktivitäten zurückzuführen.
Spezialisierungskarte der EU-Länder
3.3 Neue Exportziele: Die USA und China als Wachstumsmärkte
Auf der Exportseite vollzog sich eine bemerkenswerte Verschiebung der Zielmärkte:
| Exportziel | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 75 | 364 | +383,7 % |
| Vereinigte Staaten | 45 | 294 | +547,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 308 | 255 | −17,1 % |
| China | 14 | 196 | +1.294,3 % |
| Türkei | 45 | 111 | +148,0 % |
| Norwegen | 23 | 75 | +230,4 % |
| Russische Föderation | 39 | 70 | +81,6 % |
China wurde zum spektakulärsten EU-Exportwachstumsmarkt: Die Ausfuhren stiegen von 14 Mio. EUR auf 196 Mio. EUR (+1.294 %). Dies deutet auf eine zunehmende Nachfrage nach europäischen Marken- und Designschuhen in China hin. Die Vereinigten Staaten vergrößerten sich als Zielmarkt von 45 Mio. EUR auf 294 Mio. EUR (+548 %), mit einem besonderen Preisanstieg (von 63.077 EUR/t auf 126.343 EUR/t). Die Schweiz blieb der größte Einzelexportmarkt mit 364 Mio. EUR, wobei die Preise hier ebenfalls stark stiegen.
Gleichzeitig sank die Konzentration der Exporte (HHI von 2.084 auf 916), was auf eine breitere Diversifizierung der EU-Exportziele hindeutet.
3.4 Segmentaufschlüsselung: Hausschuhe vs. übrige textile Schuhe
Die CN 640419 umfasst zwei Unterpositionen: 64041910 (Hausschuhe/Pantoffeln) und 64041990 (übrige Schuhe). Im Import dominiert 64041990 mit rund 95 % des Gesamtwerts (4,54 Mrd. EUR in 2025). Bei den Exporten ebenfalls: 64041990 macht rund 98 % aus (2,00 Mrd. EUR). Die Exportpreise für 64041990 liegen mit 77.648 EUR/t deutlich über den Importpreisen (13.200 EUR/t), was die These der qualitativen Differenzierung untermauert.
Fazit
Der EU-Markt für CN 640419 zeigt im Zeitraum 2015–2025 drei zentrale Trends:
-
Dynamisches Wachstum bei zunehmender Asymmetrie: Die EU hat sich zu einem noch stärkeren Nettoimporteur entwickelt (Nettoimportabhängigkeit von 42 % auf 61 %), obwohl die Exporte im Wert überproportional wuchsen. Der Handelsbilanzdefizit vertiefte sich auf −2,74 Mrd. EUR. Die EU importiert mengenmäßig weit mehr als sie exportiert, gewinnt aber durch höhere Preise pro exportierter Einheit an Wert.
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Umstrukturierung der Lieferketten: Viet Nam, Indonesien, Kambodscha, Myanmar und Bangladesch haben substanzielle Marktanteile gewonnen, während Chinas Dominanz – wenn auch in absoluten Zahlen weiter dominant – relativ abnahm. Diese Diversifizierung senkte die Konzentrationsrisiken, birgt aber neue Abhängigkeiten von Südostasien.
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Aufwertung der EU-Exporte: Italien, Frankreich und Deutschland haben ihre Exportposition erheblich gestärkt. Gleichzeitig eröffneten sich neue Absatzmärkte (China, USA), und die EU-eigene Produktion hat sich mengenlich verringert, qualitativ aber aufgewertet. Die steigenden Exportpreise bei gleichzeitig moderaten Importpreisen unterstreichen die Positionierung der EU als Exporteur hochwertiger Textilschuhe – ein Trend, der die komparativen Vorteile der europäischen Schuhindustrie im gehobenen Segment widerspiegelt.