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Marktentwicklung: Schminkmittel "Make-up" für die Lippen (CN 330410) — 2015–2025

Einleitung

Der europäische Markt für Lippenmake-up (KN-Code 330410) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 als außerordentlich dynamisch erwiesen. Die EU ist in diesem Segment ein bedeutender Nettoexporteur, wobei sich der Handelsüberschuss im Betrachtungszeitraum von 433 Mio. € auf 880 Mio. € mehr als verdoppelt hat. Die Exporte wuchsen von 649 Mio. € auf 1.340 Mio. € (+106,5 %), während die Einfuhren von 216 Mio. € auf 461 Mio. € (+113,6 %) stiegen.

Der untersuchte Zeitraum umfasst mehrere strukturelle Umbrüche: die COVID-19-Pandemie mit ihrem Einbruch im Jahr 2020, den Vollzug des Brexit Anfang 2021, westliche Sanktionen gegen Russland ab 2022 sowie den Aufstieg asiatischer Märkte — allen voran Chinas und Südkoreas — als zentrale Handelspartner. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Trends und ordnet die beobachtbaren Dynamiken ein.

Übersicht


1. Verdopplung des Handelsvolumens mit kurzfristigem Pandemieeinbruch

1.1 Das Handelsvolumen hat sich zwischen 2015 und 2025 nahezu verdoppelt

Der Gesamthandel der EU im Segment Lippenmake-up zeigt über den gesamten Zeitraum einen starken Aufwärtstrend. Die Exporte verdoppelten sich nahezu, während die Importe sich mehr als verdoppelten. In absoluten Zahlen überwiegen die Ausfuhren jedoch bei Weitem, sodass der Handelsüberschuss kontinuierlich ausgebaut wurde.

Kennzahl 2015 2019 2020 2021 2025 Δ 2015→2025
Exportwert (Mio. €) 649 1.059 800 1.021 1.340 +106,5 %
Exportmenge (t) 10.451 13.883 9.995 11.147 15.984 +52,9 %
Importwert (Mio. €) 216 304 219 176 461 +113,6 %
Importmenge (t) 7.078 7.486 6.486 5.704 13.840 +95,6 %
Handelsüberschuss (Mio. €) 433 755 581 845 880 +103,0 %

Bemerkenswert ist, dass die Importe 2021 mit lediglich 176 Mio. € ihren Tiefststand des gesamten Zeitraums erreichten — noch unter dem pandemiebedingten Niveau von 2020 (219 Mio. €). Gleichzeitig stiegen die Exporte 2021 bereits wieder auf 1.021 Mio. € an, was den Handelsüberschuss in diesem Jahr auf 845 Mio. € anschwellen ließ.

1.2 Die Exportpreise liegen konsistent etwa doppelt so hoch wie die Importpreise

Die durchschnittlichen Exportpreise liegen konsistent etwa doppelt so hoch wie die Importpreise — ein klares Indiz für die Premiumpositionierung europäischer Lippenmake-up-Produkte auf dem Weltmarkt.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (€/t) 62.093 83.850 +35,0 %
Importpreis (€/t) 30.481 33.286 +9,2 %
Preisverhältnis (Export/Import) 2,04 2,52

Während die Exportpreise um 35,0 % stiegen, blieben die Importpreise mit nur +9,2 % relativ stabil. Der Anstieg der Exportpreise könnte auf eine Verlagerung hin zu hochwertigeren Produkten, Inflationseffekte oder eine gestiegene Marktmacht europäischer Hersteller hindeuten. Das Preisverhältnis hat sich damit im Betrachtungszeitraum von 2,04 auf 2,52 ausgeweitet.

1.3 COVID-19 verursachte einen temporären Schock mit rascher Erholung

Die Pandemie verursachte 2020 einen spürbaren Einbruch. Die Exporte sanken von 1.059 Mio. € (2019) auf 800 Mio. € (2020), ein Rückgang von 24,4 %. Die Exportmenge fiel von 13.883 t auf 9.995 t (−28,0 %). Die Erholung verlief jedoch rasch: Bereits 2021 überstiegen die Exporte wieder die Milliarden-Euro-Marke, und bis 2025 wurde mit 1.340 Mio. € ein neuer Höchststand erreicht.

Die Importentwicklung verlief differenzierter. Nach einem Rückgang auf 219 Mio. € im Jahr 2020 sanken die Einfuhren 2021 weiter auf nur 176 Mio. € — möglicherweise bedingt durch anhaltende Lieferkettenprobleme und verringerte Nachfrage. Ab 2022 setzte dann ein starkes Wachstum ein, das die Importe bis 2025 auf 461 Mio. € anhob — den höchsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum.


2. Dramatische Verschiebungen der Handelspartnerlandschaft

2.1 China und Südkorea sind zu den wichtigsten Importquellen aufgestiegen

Die Importpartnerstruktur der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Die bemerkenswerteste Dynamik zeigt sich bei den Importen aus China, die von 30 Mio. € auf 190 Mio. € anstiegen — ein Wachstum von 526,7 %. Besonders seit 2022 hat sich diese Entwicklung stark beschleunigt.

Noch spektakulärer ist der Aufstieg Südkoreas: Von lediglich 1,4 Mio. € (2015) stiegen die EU-Importe aus Korea auf 77,6 Mio. € (2025) — ein Zuwachs von 5.456,7 %. Dies reflektiert den globalen Erfolg koreanischer Beauty-Marken (K-Beauty), die zunehmend auch europäische Märkte erobern. China und Südkorea machten 2025 zusammen bereits rund 58 % aller EU-Importe in diesem Segment aus.

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
China 30 190 +526,7 %
Vereinigtes Königreich 81 39 −51,5 %
Vereinigte Staaten 53 92 +73,1 %
Südkorea 1,4 77,6 +5.456,7 %
Taiwan 2,8 7,0 +154,4 %
Kanada 7,8 15,4 +97,7 %

2.2 Der Brexit hat den Handel mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig beeinträchtigt

Der Rückgang der EU-Importe aus dem Vereinigten Königreich stellt eine der auffälligsten Verschiebungen dar. Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 81 Mio. € der zweitgrößte Importlieferant der EU. Bereits in den Jahren 2016–2019 sanken die Importe leicht auf 78 Mio. €. Im Jahr 2021 — dem Jahr des vollzogenen Brexit — brachen die Einfuhren dann auf nur noch 26 Mio. € ein. Bis 2025 erholten sie sich lediglich auf 39 Mio. €, was einem Rückgang von 51,5 % gegenüber 2015 entspricht.

Gleichzeitig blieb das Vereinigte Königreich als Exportmarkt für die EU relativ stabil: Die Ausfuhren lagen 2015 bei 117 Mio. € und 2025 bei 127 Mio. € (+8,2 %). Dies asymmetrische Muster — Einbruch bei Importen, Stabilität bei Exporten — könnte auf unterschiedliche Handelsbarrieren, veränderte Zollabfertigungsverfahren oder eine Verschiebung der Produktionsketten zurückzuführen sein.

2.3 China hat sich zum dynamischsten Exportmarkt der EU entwickelt

Auf der Exportseite ist China der mit Abstand am stärksten gewachsene Absatzmarkt. Die EU-Ausfuhren nach China stiegen von 22 Mio. € (2015) auf 251 Mio. € (2025), was einem Wachstum von 1.027,4 % entspricht. China stieg damit vom sechstgrößten zum drittgrößten Exportmarkt der EU auf — nach den USA (219 Mio. €) und dem Vereinigten Königreich (127 Mio. €).

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigte Staaten 123 219 +78,7 %
Vereinigtes Königreich 117 127 +8,2 %
China 22 251 +1.027,4 %
Russische Föderation 65 42 −35,4 %
Singapur 65 118 +79,7 %
Vereinigte Arabische Emirate 27 70 +161,5 %
Schweiz 28 55 +97,7 %

Russland zeigt als einziger wichtiger Partner einen deutlichen Rückgang: Die Exporte sanken von 65 Mio. € auf 42 Mio. € (−35,4 %). Der Großteil des Einbruchs erfolgte dabei nach 2021, im Einklang mit den infolge des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen. Auch die VAE (+161,5 %) und Singapur (+79,7 %) entwickelten sich zu ertragreichen Wachstumsmärkten.


3. Frankreich als unbestrittene Exportnation bei zunehmender Diversifizierung

3.1 Frankreich dominiert den EU-Export mit rund 50 % Marktanteil

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, dass Frankreich mit einem RSCA-Wert von 0,49 und einem RCA-Wert von 2,90 die mit Abstand stärkste Spezialisierung im Bereich Lippenmake-up innerhalb der EU aufweist. Frankreichs Exporte beliefen sich 2025 auf 677 Mio. € und machten damit rund 50 % aller EU-Ausfuhren in diesem Segment aus.

Italien folgt als zweitgrößter Exporteur mit einem RSCA-Wert von 0,41 und Exporten in Höhe von 178 Mio. € (+155,5 % gegenüber 2015). Deutschland, der drittgrößte Exporteur mit 152 Mio. €, zeigt hingegen keinen Spezialisierungsvorteil (RSCA: −0,06), was auf eine breitere exportierte Produktpalette hindeutet.

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. €) Exporte 2025 (Mio. €) RSCA 2025
Frankreich 272 677 0,49
Deutschland 101 152 −0,06
Italien 70 178 0,41
Belgien 80 101 −0,18
Polen 52 66 0,06
Spanien 8 53 −0,29
Tschechien 6 36 0,10

Auffällig ist das außerordentliche Wachstum spanischer (+553 %) und tschechischer (+556 %) Exporte, die aus sehr niedrigen Basen starteten und sich als neue, relevante Exportakteure etabliert haben.

3.2 Die Exportmärkte diversifizieren sich, während sich die Importquellen konzentrieren

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) zeigen eine gegenläufige Entwicklung bei Export- und Importkonzentration:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.328 2.528 +8,6 %
HHI Exporte (Wert) 998 909 −9,0 %

Der Export-HHI sank von 998 auf 909, was eine zunehmende Diversifizierung der Absatzmärkte bedeutet. Die EU exportiert Lippenmake-up inzwischen breiter gestreut über verschiedene Partnerländer, was das Konzentrationsrisiko mindert. Die Zahl der relevanten Exportdestinationen hat sich dabei von den etablierten Märkten USA und Großbritannien auf eine breitere Basis mit China, Singapur, den VAE und der Schweiz erweitert.

Umgekehrt stieg der Import-HHI von 2.328 auf 2.528, was auf eine zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet. Dies ist vor allem auf das rasante Wachstum der Importe aus China und Südkorea zurückzuführen, die zusammen 2025 bereits rund 58 % aller EU-Importe in diesem Segment ausmachen — eine Abhängigkeit, die vor zehn Jahren noch kaum bestand.

3.3 Die Handelsintensität und Exportquote haben sich nahezu verdoppelt

Die Handelsintensität der EU im Segment Lippenmake-up hat sich im Betrachtungszeitraum nahezu verdoppelt:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität 52,5 % 103,9 % +98,1 %
Exportquote 46,0 % 105,3 % +128,8 %
Nettoimportabhängigkeit −48,0 % −248,7 % −418,3 %

Die Exportquote überstieg 2025 erstmals die 100-%-Marke, was bedeutet, dass die EU-Ausfuhren in diesem Segment den Wert der inländischen Produktion übersteigen. Dies deutet auf eine zunehmende Rolle der EU als globale Plattform für die Herstellung und Distribution von Lippenmake-up hin — möglicherweise einschließlich Re-Export importierter Vorprodukte. Die EU-Produktion lag 2024 bei geschätzten 1.200 Mio. €, verglichen mit rund 967 Mio. € im Jahr 2015 (+24 %). Den Höchststand erreichte die Produktion 2019 mit rund 1.379 Mio. €, bevor die Pandemie 2020 einen Einbruch auf 973 Mio. € verursachte.


Fazit

Der europäische Markt für Lippenmake-up (CN 330410) hat sich zwischen 2015 und 2025 als ein Wachstumsmarkt mit beachtlicher Resilienz erwiesen. Trotz des pandemiebedingten Einbruchs im Jahr 2020 und geopolitischer Verwerfungen (Brexit, Russland-Sanktionen) haben sich sowohl Exporte als auch Importe stark erholt und neue Höchststände erreicht.

Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen:

  1. Robuster Aufwärtstrend mit kurzfristigen Schocks: Die Handelsvolumina haben sich nahezu verdoppelt. Die EU hat ihren Handelsüberschuss von 433 Mio. € auf 880 Mio. € ausgebaut, gestützt durch eine Premiumpositionierung mit Exportpreisen, die das Doppelte der Importpreise betragen.

  2. Geographische Neuausrichtung der Handelsbeziehungen: Die Handelspartnerlandschaft hat sich massiv verschoben. China und Südkorea sind zu zentralen Wachstumstreibern geworden — sowohl als Importquellen als auch als Exportmärkte. Gleichzeitig haben der Brexit und die Russland-Sanktionen traditionelle Handelsbeziehungen nachhaltig verändert.

  3. Zunehmende Exportdiversifizierung trotz Importkonzentration: Während die EU ihre Exportmärkte breiter gestreut hat (sinkender HHI von 998 auf 909), konzentrieren sich die Importquellen zunehmend auf wenige asiatische Lieferanten (steigender HHI von 2.328 auf 2.528). Diese Asymmetrie birgt potenzielle Abhängigkeiten, die es künftig zu beobachten gilt.

Insgesamt zeigt die Analyse, dass die EU im Segment Lippenmake-up eine starke und wettbewerbsfähiche Position hält, die auf eine traditionsreiche Kosmetikindustrie — insbesondere in Frankreich und Italien — sowie auf eine zunehmende globale Verflechtung gestützt ist.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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