Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Rohöl (CN 27090090) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Rohöl (Zolltarifnummer 27090090) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Der Fokus liegt auf den Import- und Exportströmen, den wichtigsten Handelspartnern, der Marktkonzentration sowie auftretenden Preisschocks. Die Daten beziehen sich auf den Handel mit Drittländern.

1. Nachhaltige Abhängigkeit von Importen und ein dominierendes Handelsdefizit

Die EU ist ein stark importabhängiger Markt für Rohöl, wobei das Handelsdefizit über den gesamten Zeitraum hinweg erheblich bleibt. Trotz Schwankungen in Mengen und Werten bleibt die Grundstruktur bestehen.

Das Handelsdefizit im Wert ist von 2015 auf 2025 um 22,4 % gestiegen

Das Handelsdefizit (Importwert minus Exportwert) ist von -170,8 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf -209,1 Mrd. EUR im Jahr 2025 gestiegen. Dieser Anstieg ist fast ausschließlich auf steigende Importpreise zurückzuführen, da die importierten Mengen im selben Zeitraum um 12,6 % sanken. Der durchschnittliche Importpreis pro Tonne erhöhte sich von 348 EUR (2015) auf 476 EUR (2025), was einem Anstieg von 36,9 % entspricht. (Gesamtübersicht)

Die Exporte sind mengen- und wertmäßig marginal und stark rückläufig

Die EU exportiert nur geringe Mengen Rohöl im Vergleich zu den Importen. Die exportierte Menge sank von 1,31 Mio. Tonnen (2015) auf 0,81 Mio. Tonnen (2025), ein Rückgang von 38,1 %. Der Exportwert fiel um 32,6 % auf 315 Mio. EUR. Die Exportpreise sind leicht gestiegen (8,9 %), konnten den Mengenrückgang jedoch nicht ausgleichen. (Gesamtübersicht)

Die großen Volkswirtschaften sind die wichtigsten Importeure

Innerhalb der EU konzentrieren sich die Importe auf die größten Mitgliedstaaten. Die Niederlande, Deutschland, Spanien und Italien waren 2025 die Top-4-Importeure. Die Niederlande verzeichnete den stärksten Zuwachs (+42,1 % im Wert gegenüber 2015), während Deutschland nur moderat wuchs (+5,7 %). (Top-Importeure nach Wert)

2. Dramatische Umstrukturierung der Importquellen nach dem Jahr 2022

Das Jahr 2022 markiert eine radikale Verschiebung der Handelsströme, die direkt mit dem Krieg in der Ukraine und den darauf folgenden Sanktionen gegen Russland zusammenhängt. Die EU hat ihre Abhängigkeit von Russland rapide reduziert und diese durch Lieferungen aus anderen Quellen ersetzt.

Der Import aus Russland ist um über 90 % eingebrochen

Russland war 2015 mit einem Importwert von 50,2 Mrd. EUR der mit Abstand größte Lieferant der EU. Bis 2025 sank dieser Wert auf nur noch 4,0 Mrd. EUR, was einem Rückgang von 92,0 % entspricht. (Top-Importpartner nach Wert)

Die USA, Norwegen und Kasachstan haben Russland als Hauptlieferanten abgelöst

Die Vakanz wurde von anderen Partnern gefüllt:

  • USA: Der Importwert stieg von 77 Mio. EUR (2015) auf 31,5 Mrd. EUR (2025) – ein Anstieg von über 40.000 %.
  • Norwegen: Der Wert verdoppelte sich nahezu auf 29,6 Mrd. EUR (+111,2 %).
  • Kasachstan: Der Wert stieg ebenfalls um 101,3 % auf 27,0 Mrd. EUR.

Dies zeigt eine erfolgreiche Diversifizierung der EU-Importquellen. (Top-Importpartner nach Wert)

Die Konzentration der Importe ist deutlich gesunken

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für den Importwert sank von 1.275 (2015) auf 874 (2025), was einer Verringerung der Konzentration um 31,4 % entspricht. Ein niedrigerer HHI weist auf eine diversifiziertere und damit potenziell widerstandsfähigere Lieferantenbasis hin. (Konzentration (HHI))

3. Hohe Volatilität und bemerkenswerte Preisschocks im Handel

Der Rohölmarkt ist naturgemäß volatil, aber spezielle geopolitische Ereignisse haben in der jüngeren Vergangenheit zu extremen Preisbewegungen geführt, insbesondere bei den EU-Exporten.

Die Preisvolatilität bei Exporten ist höher als bei Importen

Der Variationskoeffizient (VK), ein Maß für die Volatilität, ist bei den Exporten im Allgemeinen deutlicher höher als bei den Importen. Beispielsweise betrug der VK für Exporte nach Norwegen 2,73, während der VK für Importe aus Norwegen nur 0,22 betrug. Dies deutet darauf hin, dass die EU-Exportmärkte für Rohöl instabiler sind. (Volatilitätsanalyse)

Zwei extreme Preisschocks dominieren die Exportstatistik

Zwei signifikante Schockereignisse wurden identifiziert:

  1. 2022 (Vereinigtes Königreich): Ein Preisschock mit einer abnormal hohen Preisabweichung von 130,8 und einer Preisänderung von 1.312 %. Der Exportwert machte 2022 39,8 % der EU-Rohöl-Exporte in dieses Land aus.
  2. 2023 (USA): Ein weiterer starker Preisschock mit einer abnormalen Preisabweichung von 60,0 und einer Preisänderung von 1.747 %.

Diese Schocks spiegeln die extreme Marktvolatilität in den Jahren nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine wider. (Analyse von Schockereignissen)

Die Niederlande sind das Zentrum des EU-Rohölhandels

Laut Daten zur Spezialisierung für das Jahr 2025 weisen die Niederlande mit Abstand den höchsten RCA-Wert (6,50) und einen positiven RSCA-Wert (0,73) auf. Dies deutet darauf hin, dass die Niederlande nicht nur ein großer Importeur sind, sondern auch eine stark spezialisierte Stellung im Handel (z.B. als Raffinerie- und Handelsdrehkreuz) einnehmen. Andere große Importeure wie Deutschland, Spanien und Italien haben hingegen negative RSCA-Werte, was auf eine Importabhängigkeit hinweist. (Spezialisierung der Mitgliedstaaten)

Schlussfolgerung

Die EU-Rohölimporteure haben zwischen 2015 und 2025 eine fundamentale Transformation durchlaufen. Der Zeitraum ist geprägt von der drastischen und schnellen Loslösung von russischen Lieferungen nach 2022, die durch eine erfolgreiche Diversifizierung zu Lieferanten wie den USA, Norwegen und Kasachstan kompensiert wurde. Diese Umstrukturierung führte zu einer niedrigeren Konzentration der Importe, erhöhte jedoch die durchschnittlichen Kosten erheblich. Der Markt bleibt von hoher Volatilität und geopolitischen Schocks gekennzeichnet, wie die extremen Preisspitzen bei Exporten 2022/2023 zeigen. Die Rolle der Niederlande als zentrales Handels- und Raffinieredrehkreuz innerhalb der EU ist unverändert dominant. Die Zukunftsentwicklung hängt stark von der globalen Energiesicherheitslage, der OPEC-Produktionspolitik und dem Tempo des Übergangs zu erneuerbaren Energien ab.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.