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Marktentwicklung: rohes Palmöl (CN 15111090) — 2015–2025

Einleitung

Roher Palmöl (Zolltarifnummer 15111090) ist ein strategisch bedeutsamer Agrarrohstoff für die europäische Lebensmittel- und Industrieverarbeitung. Obwohl die EU selbst in geringem Umfang produziert, ist sie in hohem Maße auf Importe angewiesen: Die Nettoimportabhängigkeit lag im gesamten Betrachtungszeitraum zwischen 94,4 % und 97,8 %. Der Markt für CN 15111090 umfasst dabei rohes Palmöl, das nicht ausschließlich zu technischen oder industriellen Zwecken bestimmt ist; das verwandte Code 15111010 deckt den rein industriellen Einsatz ab. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 durchlief der EU-Palmölmarkt tiefgreifende Veränderungen: Preissteigerungen bei gleichzeitig sinkenden Importvolumina, eine Verschiebung der Lieferantenstruktur, eine zunehmende Exportkonzentration auf das Vereinigte Königreich sowie eine steigende Bedeutung der Exportquote. Der vorliegende Bericht analysiert diese Dynamiken auf Grundlage der verfügbaren Handelsdaten.


1. Strukturwandel der EU-Importe: Volumenrückgang bei steigenden Werten

1.1 Die EU importiert weniger Volumen, zahlt aber deutlich mehr

Die zentrale Entwicklung im untersuchten Zeitraum ist ein bemerkenswertes Auseinanderlaufen von Mengen- und Wertentwicklung bei den EU-Importen. Während das Importvolumen von 1.991.061 Tonnen im Jahr 2015 auf 1.512.507 Tonnen im letzten verfügbaren Jahr sank (−24,0 %), stieg der Importwert von 1.214.803.138 € auf 1.661.892.154 € (+36,8 %). Der durchschnittliche Importpreis veränderte sich von 610 €/t auf 1.099 €/t — ein Anstieg von 80,1 %. Die EU hat also trotz gesunkener Mengenimporte ihre Ausgaben für rohes Palmöl um über ein Drittel erhöht.

Kennzahl Erster Wert Letzter Wert Min. Max. Veränderung
Importvolumen (t) 1.991.061 1.512.507 1.512.507 2.696.199 −24,0 %
Importwert (€) 1.214.803.138 1.661.892.154 1.214.803.138 2.580.787.979 +36,8 %
Importpreis (€/t) 610 1.099 516 1.172 +80,1 %

1.2 Guatemala und Costa Rica gewinnen stark an Bedeutung, Indonesien verliert

Die Herkunftsländer der EU-Importe haben sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben. Besonders auffällig ist der Aufstieg mittelamerikanischer Lieferanten:

Lieferant Wert 2015 (€) Wert aktuell (€) Veränderung
Guatemala 121.812.299 379.016.891 +211,1 %
Costa Rica 1.942.275 135.534.127 +6.878,1 %
Honduras 103.154.912 147.613.078 +43,1 %
Malaysia 325.807.263 326.563.681 +0,2 %
Papua-Neuguinea 211.743.085 257.372.423 +21,5 %
Kolumbien 122.183.242 150.686.725 +23,3 %
Indonesien 291.360.915 139.626.037 −52,1 %

Indonesien — traditionell einer der beiden dominierenden Palmölproduzenten weltweit — hat seinen Anteil an den EU-Importen in diesem Zeitraum mehr als halbiert. Gleichzeitig ist Guatemala zum wichtigsten Einzellieferanten aufgestiegen. Costa Rica, das 2015 mit unter 2 Mio. € praktisch keine Rolle spielte, stieg auf über 135 Mio. € — ein Anstieg von fast 6.900 %. Diese Verschiebung spiegelt wahrscheinlich sowohl Handelspolitik (z. B. Präferenzabkommen mit mittelamerikanischen Staaten) als auch Nachhaltigkeitszertifizierungsprogramme wider, die bestimmte Lieferanten bevorzugen.

1.3 Die Importkonzentration nimmt ab — die Lieferantenbasis wird breiter

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 1.876 auf 1.454 (−22,5 %). Werte unter 1.500 gelten als Zeichen eines niedrig konzentrierten Marktes. Die EU hat ihre Importbasis für rohes Palmöl somit im Laufe des Jahrzehnts merklich diversifiziert — von einer Struktur, in der wenige Länder dominierten, hin zu einer breiteren Lieferantenlandschaft. Dies reduziert grundsätzlich das Lieferantenrisiko, auch wenn die neue geografische Konzentration in Mittelamerika eigene Anfälligkeiten mit sich bringt.


2. Exporte als neuer Wachstumstreiber: Konzentration auf das Vereinigte Königreich

2.1 EU-Exporte wachsen überproportional, bleiben aber mengenmäßig marginal

Obwohl die EU-Exporte von rohem Palmöl absolut gesehen klein sind, haben sie sich im Betrachtungszeitraum außerordentlich entwickelt. Der Exportwert stieg von 2.268.511 € auf 13.865.006 € (+511,2 %), das Volumen von 2.800 Tonnen auf 14.462 Tonnen (+416,4 %). Die Exportpreise stiegen moderat von 810 €/t auf 959 €/t (+18,4 %). Die Exportquote erhöhte sich von 10,1 % auf 15,4 % — ein Anstieg von 52,9 %. Dennoch bleibt die Handelsbilanz mit −1.648.027.148 € (letzter Wert) stark negativ; die EU ist und bleibt ein Nettoimporteur.

Kennzahl Erster Wert Letzter Wert Veränderung
Exportvolumen (t) 2.800 14.462 +416,4 %
Exportwert (€) 2.268.511 13.865.006 +511,2 %
Exportpreis (€/t) 810 959 +18,4 %
Handelsbilanz (€) −1.212.534.628 −1.648.027.148 −35,9 %

2.2 Das Vereinigte Königreich dominieren den EU-Palmölexport

Die Exportstruktur ist stark auf ein einziges Partnerland ausgerichtet. Das Vereinigte Königreich nahm 2025 Exporte im Wert von 12.772.535 € ab — dies entspricht nahezu dem gesamten EU-Exportwert. Im Vergleich dazu beliefen sich die Exporte nach 2015 lediglich auf 1.034.056 €, was einem Anstieg von 1.135 % entspricht. Der HHI für Exporte stieg entsprechend von 2.962 auf 8.523 (+187,7 %) — ein extrem hoher Konzentrationsgrad, der die Exporte als weitgehend bilateralen Handelsstrom mit dem UK charakterisiert.

Exportziel Wert 2015 (€) Wert aktuell (€) Veränderung
Vereinigtes Königreich 1.034.056 12.772.535 +1.135,2 %
Schweiz 611.720 716.117 +17,1 %
Suriname 346.630 121.680 −64,9 %
Gabun 258.350 135.966 −47,4 %
Ecuador 373.903 53.084 −85,8 %
Marokko 59.910 40 −99,9 %

2.3 Die Niederlande als zentraler Umschlagplatz im EU-Handel

Sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten innerhalb der EU spielen die Niederlande eine herausragende Rolle. Mit einem RCA-Wert von 6,19 und einem RSCA von 0,72 weisen die Niederlande die mit Abstand höchste Spezialisierung aller EU-Mitgliedstaaten auf. Die niederländischen Importe stiegen von 597.911.541 € auf 1.036.647.324 € (+73,4 %), die Exporte sogar von 1.517.224 € auf 13.636.728 € (+798,8 %). Die Niederlande fungieren damit als zentraler Hub: Rohpalmöl wird über die Häfen von Rotterdam und Amsterdam importiert, in der heimischen Verarbeitungsindustrie weiterverarbeitet und teilweise — insbesondere in Richtung UK — wieder exportiert.

Land Importe aktuell (€) Veränderung Exporte aktuell (€) Veränderung
Niederlande 1.036.647.324 +73,4 % 13.636.728 +798,8 %
Spanien 283.848.689 +148,2 % 18.346 −59,1 %
Deutschland 174.182.728 −43,8 % 27.758 −94,1 %
Italien 83.565.420 −39,6 % 61.964 −11,0 %

3. Preisvolatilität, Lieferrisiken und geopolitische Schocks

3.1 Die Preisentwicklung zeigt deutliche Volatilität mit Höchstwerten um 2022

Die Importpreise schwankten im Betrachtungszeitraum erheblich: von einem Minimum von 516 €/t bis zu einem Maximum von 1.172 €/t. Der Maximalwert wurde 2022 erreicht — inmitten der globalen Energie- und Rohstoffpreiskrise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Die Verdopplung der Preise innerhalb weniger Jahre stellt eine erhebliche Belastung für die europäische Verarbeitungsindustrie dar.

3.2 Versorgungsländer mit hoher Volatilität erhöhen das Lieferrisiko

Die Analyse des Variationskoeffizienten (CV) der Importe nach Herkunftsland zeigt, dass einige Lieferanten deutlich höhere Schwankungen aufweisen als andere:

Lieferant Variationskoeffizient (CV) Bewertung
Côte d'Ivoire 1,005 Sehr hoch
Liberia 0,975 Sehr hoch
Costa Rica 0,769 Hoch
Ecuador 0,758 Hoch
Gabun 0,709 Hoch
Indonesien 0,667 Hoch
Kolumbien 0,518 Mittel
Honduras 0,265 Niedrig
Malaysia 0,277 Niedrig
Papua-Neuguinea 0,214 Niedrig
Guatemala 0,297 Niedrig

Während Malaysia und Guatemala als relativ stabile Lieferanten erscheinen, weisen afrikanische Herkunftsländer wie Côte d'Ivoire und Liberia sowie kleinere mittelamerikanische Produzenten wie Costa Rica und Ecuador eine hohe Volatilität auf. Die stark gestiegenen Importe aus Costa Rica (+6.878 %) erfolgen somit aus einer Quelle mit vergleichsweise instabiler Lieferhistorie.

3.3 Ein signifikanter Preisschock im Exportmarkt 2020

Die Schockanalyse identifiziert ein bemerkenswertes Ereignis im Jahr 2020: Im Exportverkehr mit dem Vereinigten Königreich wurde ein Preisschock mit einer Anomalie von 18,3 und einer Preisverschiebung von +69,8 % festgestellt. Dieses Ereignis fiel zeitlich mit dem Beginn der COVID-19-Pandemie und dem Ausgang des Brexit-Übergangszeitraums zusammen. Die unmittelbare Umstellung der Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem UK — einschließlich neuer Zollformalitäten und regulatorischer Anforderungen — dürfte zu temporären Verwerfungen im Handelsfluss und damit zu ungewöhnlichen Preisbewegungen geführt haben. Der Umstand, dass dieser Schock den gesamten EU-Exportwert dieses Jahres zu 100 % betraf, unterstreicht die extreme Exportkonzentration auf das UK.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für rohes Palmöl (CN 15111090) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens haben sich die Importströme geografisch neu ausgerichtet. Der Rückgang der indonesischen Lieferungen (−52,1 %) und der gleichzeitige Aufstieg mittelamerikanischer Lieferanten — allen voran Guatemala (+211 %) und Costa Rica (+6.878 %) — haben die Lieferantenbasis diversifiziert (HHI-Rückgang um 22,5 %). Die Nettoimportabhängigkeit bleibt jedoch mit rund 94 % auf sehr hohem Niveau.

Zweitens sind die Preise erheblich gestiegen (+80,1 %), während die Importmengen zurückgingen (−24 %). Dies hat den Wert der Importe trotz Mengenrückgang um 37 % ansteigen lassen — eine Kostenbelastung, die sich in der gesamten Wertschöpfungskette niederschlägt.

Drittens haben die EU-Exporte zwar prozentual stark zugenommen (+511 %), sind aber mengen- und wertmäßig nach wie vor marginal und konzentrieren sich in extremer Weise auf das Vereinigte Königreich (HHI: 8.523). Die Niederlande fungieren dabei als zentraler europäischer Umschlag- und Verarbeitungshub.

Insgesamt zeigt der Markt ein Bild einer strukturell importabhängigen EU, die ihre Quellen zwar diversifiziert hat, dabei jedoch neue Risiken — etwa die hohe Volatilität einzelner neuer Lieferanten und die Konzentration der Exporte auf ein einziges Drittland — in Kauf nimmt. Die anhaltende Preisinstabilität unterstreicht die Notwendigkeit einer strategischen Rohstoffpolitik für pflanzliche Öle in der Europäischen Union.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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