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Marktentwicklung: Raffiniertes Palmöl (CN 15119099) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der EU für raffiniertes Palmöl und seine flüssigen Fraktionen (Zolltarifnummer 15119099) im Zeitraum 2015 bis 2025. Der betrachtete Code umfasst chemisch unmodifiziertes, auch raffiniertes Palmöl und seine flüssigen Fraktionen – ausgenommen rohes Palmöl sowie Erzeugnisse für technische oder industrielle Zwecke. Er fällt unter die Produktgruppen „Palmöl und seine Fraktionen" (KN 1511) innerhalb der Kategorie tierischer und pflanzlicher Fette und Öle (KN 15).

Im Analysezeitraum hat sich der EU-Markt für dieses Produkt grundlegend verändert. Die Importe haben sich sowohl im Wert als auch im Volumen stark erhöht, während die Exporte – insbesondere in Mengen – deutlich zurückgingen. Die Lieferantenstruktur verschob sich zugunsten Indonesiens, geopolitische Ereignisse veränderten die Exportströme, und die Abhängigkeit der EU von Drittlandsimporten nahm signifikant zu. Im Folgenden werden diese Dynamiken in drei Abschnitten analysiert.


1. Importwachstum und die Verschiebung der Lieferantenlandschaft

Die EU-Importe stiegen deutlich stärker als das Binnenwachstum

Die Einfuhren von raffiniertem Palmöl in die EU verzeichneten im Untersuchungszeitraum ein beachtliches Wachstum. Der Importwert stieg von 272,7 Mio. € (2015) auf 715,5 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 162,4 % entspricht. Die importierte Menge erhöhte sich im selben Zeitraum von 373.766 t auf 595.238 t (+59,3 %). Der deutlich höhere Wertzuwachs gegenüber dem Mengenwachstus spiegelt den starken Preisanstieg wider: der durchschnittliche Importpreis kletterte von 730 €/t auf 1.202 €/t (+64,8 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. €) 272,7 715,5 +162,4 %
Importmenge (t) 373.766 595.238 +59,3 %
Importpreis (€/t) 730 1.202 +64,8 %

Indonesien überholte Malaysia als wichtigster Lieferant

Die Lieferantenstruktur durchlief eine bemerkenswerte Umwälzung. Malaysia war 2015 mit 149,9 Mio. € der mit Abstand wichtigste EU-Lieferant, gefolgt von Indonesien mit 76,1 Mio. €. Bis 2025 entwickelte sich Indonesien jedoch zum dominanten Anbieter mit 332,3 Mio. € (+336,7 %), während Malaysias Importe auf 268,5 Mio. € stiegen (+79,1 %). Indonesien hat damit Malaysia als Hauptlieferant abgelöst.

Lieferant 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Indonesien 76,1 332,3 +336,7 %
Malaysia 149,9 268,5 +79,1 %
Vereinigtes Königreich 4,7 44,1 +829,7 %
Papua-Neuguinea 30,0 0,04 −99,9 %
Ecuador 1,0 6,5 +536,3 %
Türkei 0,3 9,1 +3.215,4 %

Gleichzeitig sind neue Lieferanten hinzugekommen: Die Importe aus der Türkei stiegen von lediglich 274.000 € auf 9,1 Mio. € (+3.215 %), und Ecuador gewann an Bedeutung. Demgegenüber brachen die Importe aus Papua-Neuguinea von 30,0 Mio. € auf nur noch 41.000 € (−99,9 %) zusammen, was auf eine vollständige Neuausrichtung der Beschaffungsströme hindeutet.

Italien und die Niederlande waren die dynamischsten Importmärkte innerhalb der EU

Innerhalb der EU zeigt sich ein heterogenes Bild bei den Importländern. Italien erhöhte seine Importe von 76,1 Mio. € auf 275,1 Mio. € (+261,7 %) und ist damit der größte EU-Importeur. Die Niederlande stiegen von 16,4 Mio. € auf 123,7 Mio. € (+652,3 %), was auf eine zunehmende Rolle als Handels- und Logistikdrehkreuz hindeuten könnte. Irland verzeichnete den stärksten prozentualen Anstieg (+3.815,8 %), von 1,6 Mio. € auf 63,2 Mio. €.

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Italien 76,1 275,1 +261,7 %
Niederlande 16,4 123,7 +652,3 %
Griechenland 46,2 85,8 +85,9 %
Irland 1,6 63,2 +3.815,8 %
Dänemark 39,7 49,1 +23,8 %
Deutschland 7,1 19,6 +178,6 %

2. Exportrückgänge und geopolitische Verwerfungen

Die EU exportierte weniger Volumen zu höheren Preisen

Während die Importe stiegen, verzeichneten die EU-Exporte von raffiniertem Palmöl einen deutlichen Rückgang. Die exportierte Menge sank von 157.554 t auf 65.603 t (−58,4 %) – ein Rückgang um mehr als die Hälfte. Der Exportwert ging jedoch nur um 12,4 % zurück (von 114,1 Mio. € auf 100,0 Mio. €), da der durchschnittliche Exportpreis von 724 €/t auf 1.524 €/t (+110,4 %) anstieg – ein Plus, das nahezu das Doppelte des Preisniveaus von 2015 entspricht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 114,1 100,0 −12,4 %
Exportmenge (t) 157.554 65.603 −58,4 %
Exportpreis (€/t) 724 1.524 +110,4 %

Russland als Exportmarkt brach zusammen, das Vereinigte Königreich blieb stabil

Die Exportpartnerstruktur wurde durch geopolitische Ereignisse stark verändert. 2015 war Russland mit 47,1 Mio. € einer der beiden wichtigsten Exportmärkte – gleichauf mit dem Vereinigten Königreich (48,2 Mio. €). Bis 2025 brachen die Exporte nach Russland jedoch auf 5,6 Mio. € ein (−88,2 %), was höchstwahrscheinlich mit den seit 2022 geltenden Sanktionen im Zusammenhang steht.

Das Vereinigten Königreich hingegen stellte sich als stabiler Partner heraus und steigerte seine Importe aus der EU auf 64,5 Mio. € (+33,8 %). Es ist damit zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt der EU für dieses Produkt geworden.

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 48,2 64,5 +33,8 %
Russische Föderation 47,1 5,6 −88,2 %
Serbien 6,4 8,8 +37,8 %
Ukraine 0,5 5,2 +867,4 %

Bemerkenswert ist zudem das Wachstum der Exporte in die Ukraine (+867,4 %), das sich ebenfalls im Kontext der geopolitischen Neuordnung Osteuropas erklären lässt.

Die Niederlande verloren an Exportbedeutung, Schweden und Spanien gewannen hinzu

Innerhalb der EU verschoben sich die Exportmuster. Die Niederlande – 2015 mit 63,4 Mio. € größter EU-Exporter – verloren an Bedeutung und exportierten 2025 nur noch 35,0 Mio. € (−44,8 %). Deutschland als zweitgrößter Exporteur verzeichnete ebenfalls einen Rückgang (34,5 Mio. € auf 28,8 Mio. €, −16,4 %). Demgegenüber gewannen kleinere Exporteure deutlich an Gewicht: Schweden erhöhte seine Exporte um 379,4 % auf 8,8 Mio. €, und Spanien verzeichnete sogar einen Anstieg von 3.371 % (von 0,1 Mio. € auf 3,5 Mio. €).


3. Wachsende Importabhängigkeit und Konzentrationsrisiken

Die Netto-Importabhängigkeit der EU stieg signifikant

Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die zunehmende Importabhängigkeit der EU. Die Netto-Importquote (Net Import Reliance) stieg von 35,7 % im Jahr 2015 auf 48,7 % im Jahr 2025 (+36,4 %). Im Höchststand erreichte sie 55,0 % (vermutlich 2022, als die Energie- und Rohstoffpreise durch den Ukraine-Krieg stark anstiegen). Parallel dazu erhöhte sich die Handelsintensität von 41,9 % auf 56,1 % (+33,9 %), und die Exportquote (Export Propensity) wuchs von 6,1 % auf 10,0 % (+65,1 %).

Indikator 2015 2025 Veränderung
Netto-Importquote (%) 35,7 48,7 +36,4 %
Handelsintensität (%) 41,9 56,1 +33,9 %
Exportquote (%) 6,1 10,0 +65,1 %

Die Handelsbilanz verschlechterte sich dementsprechend: Das Defizit weitete sich von −158,6 Mio. € auf −615,6 Mio. € aus (−288,2 %). Die EU ist damit 2025 für raffiniertes Palmöl stärker importabhängig als noch zu Beginn des Untersuchungszeitraums.

Die Binnenproduktion wuchs, konnte aber die Nachfrage nicht decken

Die EU-Produktion von raffiniertem Palmöl stieg im Mengenproduktionswert von 1,24 Mrd. kg auf 1,59 Mrd. kg (+28,4 %), und der Produktionswert erhöhte sich von 753 Mio. € auf 1.771 Mio. € (+135,0 %). Obwohl dies ein beachtliches Wachstum darstellt, reichte es nicht aus, die gestiegene Nachfrage zu kompensieren – wie die gleichzeitig steigende Netto-Importquote belegt.

Die Lieferantenkonzentration blieb moderat, verschärfte sich jedoch leicht

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 3.930 auf 4.179 (+6,3 %). Ein HHI-Wert zwischen 2.500 und 10.000 gilt als Zeichen einer moderaten bis hohen Konzentration. Die Zunahme ist zwar gering, aber bemerkenswert: Sie spiegelt die zunehmende Dominanz Indonesiens wider, dessen Anteil an den EU-Importen kräftig wuchs.

Auf der Exportseite war die Konzentration mit einem Anstieg von 3.538 auf 4.327 (+22,3 %) sogar noch stärker – bedingt durch den Rückgang der Exporte in viele Märkte und die zunehmende Dominanz des Vereinigten Königreichs als Abnehmer.

Die Niederlande und Dänemark sind am stärksten auf Palmölexporte spezialisiert

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, dass die Niederlande mit einem RSCA-Wert von 0,59 und einem RCA von 3,88 am stärksten auf den Export von raffiniertem Palmöl spezialisiert sind – gefolgt von Dänemark (RSCA 0,44, RCA 2,56) und Italien (RSCA 0,32, RCA 1,92). Länder wie Frankreich, Rumänien und Ungarn weisen hingegen eine sehr geringe Spezialisierung auf (RSCA nahe −1,0).

EU-Mitgliedstaat RSCA RCA
Niederlande 0,59 3,88
Dänemark 0,44 2,56
Italien 0,32 1,92
Griechenland −0,07 0,87
Spanien −0,14 0,75

Preis- und Lieferkettenvolatilität variierte stark zwischen den Partnern

Die Volatilitätsanalyse (gemessen am Variationskoeffizienten, CV) zeigt ein differenziertes Bild. Die Importe aus Malaysia waren bemerkenswert stabil (CV 0,06), was auf eine zuverlässige Lieferbeziehung hindeutet. Indonesien war moderat volatil (CV 0,40). Demgegenüber zeigten kleinere Lieferanten wie Papua-Neuguinea (CV 1,23) und Kolumbien (CV 1,62) eine hohe Schwankungsintensität.

Auf der Exportseite war die Volatilität gegenüber Russland (CV 1,07) und der Ukraine (CV 1,11) besonders hoch – beides Märkte, die durch geopolitische Ereignisse stark beeinflusst wurden.

Darüber hinaus wurden Preisschocks identifiziert, darunter ein außergewöhnlicher Preisanstieg bei Importen aus Singapur im Jahr 2018 (+2.388 %) sowie ein starker Preisschock bei Exporten nach Belarus im selben Jahr (+942 %). Diese Ereignisse deuten auf außergewöhnliche Marktbewegungen hin, die möglicherweise mit Verlagerungen von Handelsströmen oder kurzfristigen Angebotsengpässen zusammenhängen.


Fazit

Der EU-Markt für raffiniertes Palmöl (CN 15119099) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert:

  • Steigende Importabhängigkeit: Die EU ist heute stärker denn je auf Palmölimporte angewiesen. Die Netto-Importquote stieg von 35,7 % auf 48,7 %, und das Handelsbilanzdefizit weitete sich auf 615,6 Mio. € aus. Trotz eines Wachstums der Binnenproduktion um 28,4 % (Menge) konnte diese die gestiegene Nachfrage nicht decken.

  • Verschiebung der Lieferantenstruktur: Indonesien hat sich als dominantester Palmöl-Lieferant der EU etabliert und Malaysia überholt. Gleichzeitig sind neue Handelspartner wie die Türkei und Ecuador hinzugekommen, während traditionelle Lieferanten wie Papua-Neuguinea an Bedeutung verloren.

  • Geopolitische Verwerfungen: Der Zusammenbruch der Exporte nach Russland (−88,2 %) spiegelt die Sanktionswirkung wider. Das Vereinigte Königreich hat sich als wichtigster und stabilster Exportmarkt der EU herauskristallisiert. Die steigende Konzentration sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite birgt mittelfristige Risiken für die Versorgungssicherheit.

  • Preisturbulenzen: Sowohl Import- als auch Exportpreise haben sich nahezu verdoppelt. Die identifizierten Preisschocks – insbesondere 2018 – unterstreichen die Anfälligkeit des Marktes für kurzfristige Störungen.

Insgesamt zeichnet sich ein Bild eines Marktes, der durch ein wachsendes Ungleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch, eine zunehmende Konzentration der Lieferantenbasis und eine erhebliche Anfälligkeit gegenüber geopolitischen und preislichen Schocks gekennzeichnet ist. Diese Entwicklungen sind für die strategische Planung der EU im Bereich Ernährungssicherheit und Handelspolitik von erheblicher Relevanz.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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