Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Propylen-Copolymere in Primärformen (CN 390230) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union für Propylen-Copolymere in Primärformen (CN 390230) im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Produkt gehört zur Gruppe der Polymere des Propylens oder anderer Olefine und findet breite Anwendung in der Kunststoffverarbeitung, insbesondere in der Automobilindustrie, der Verpackungsbranche und im Bauwesen. Die Datenbasis umfasst den gesamten Handel der EU mit Drittländern auf Jahresbasis. Im Beobachtungszeitraum zeigt sich ein tiefgreifender Strukturwandel: Die EU, die zu Beginn des Zeitraums eine starke Exportposition innehatte, verliert zunehmend an Handelsüberschuss, während sich die Importstruktur durch geopolitische Ereignisse und asiatische Lieferanten grundlegend verändert hat. (Gesamtübersicht)


I. Wachstum der Einfuhren bei sinkenden Ausfuhren: Der schwindende Handelsüberschuss

Die EU-Exporte verlieren sowohl an Volumen als auch an Wert

Im Zeitraum 2015–2025 sind die EU-Ausfuhren von Propylen-Copolymeren spürbar zurückgegangen. Der Exportwert sank von 1,44 Mrd. EUR (2015) auf 1,33 Mrd. EUR (2025), was einem Rückgang von 7,5 % entspricht. Deutlicher fällt der Rückgang bei den exportierten Mengen aus: von rund 1,01 Mio. Tonnen auf 784.669 Tonnen (−21,9 %). Die Exportpreise stiegen zwar um 18,5 % (von 1.435 EUR/t auf 1.701 EUR/t), konnten den Mengenrückgang aber nur teilweise kompensieren. Der Höchststand der Exporte wurde 2022 mit 1,78 Mrd. EUR erreicht, gefolgt von einem deutlichen Einbruch in den Folgejahren.

Kennzahl 2015 2022 (Höchststand) 2025 Veränderung 2015–2025
Exportwert (Mrd. EUR) 1,44 1,78 1,33 −7,5 %
Exportmenge (t) 1.005.062 883.930 784.669 −21,9 %
Exportpreis (EUR/t) 1.435 2.013 1.701 +18,5 %

Die Einfuhren wachsen nahezu kontinuierlich und verdoppeln sich fast

Im Gegensatz zu den Exporten entwickelten sich die Einfuhren dynamisch. Der Importwert stieg von 451 Mio. EUR (2015) auf 769 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg von 70,4 %. Besonders markant ist die Mengenentwicklung: von 302.839 Tonnen auf 584.066 Tonnen, was einem Plus von 92,9 % entspricht. Die Importpreise fielen hingegen leicht um 11,7 % (von 1.490 EUR/t auf 1.316 EUR/t), was auf preisgünstigere Lieferantenquellen insbesondere aus Asien hindeutet. Der Höchststand der Einfuhren wurde 2022 mit 843 Mio. EUR und 456.919 Tonnen erreicht.

Kennzahl 2015 2022 (Höchststand) 2025 Veränderung 2015–2025
Importwert (Mio. EUR) 451 843 769 +70,4 %
Importmenge (t) 302.839 456.919 584.066 +92,9 %
Importpreis (EUR/t) 1.490 1.844 1.316 −11,7 %

Der Handelsüberschuss halbiert sich nahezu

Der EU-Handelsüberschuss bei CN 390230 schrumpfte von 991 Mio. EUR (2015) auf 566 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang von 42,9 %. Der Höchstwert lag 2022 bei 1,05 Mrd. EUR. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich zwar nominell (von −249 % auf −39 %), doch bedeutet dies lediglich, dass sich die EU von einer starken Nettoexportposition hin zu einem deutlich engeren Handelsbilanzverhältnis bewegt hat. Die Handelsintensität sank von 96,6 % auf 76,5 %, was auf eine zunehmende Versorgung des EU-Binnenmarktes durch Drittländer hindeutet.


II. Geopolitische Umbrüche und die Neuordnung der Handelspartnerlandschaft

Südkorea wird zum dominierenden Importlieferanten

Die bemerkenswerteste Veränderung auf der Importseite ist der Aufstieg Südkoreas zum mit Abstand wichtigsten Lieferanten der EU. Die Importe aus Südkorea stiegen von 69 Mio. EUR (2015) auf 306 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 342,5 %. Südkorea machte 2025 bereits 39,8 % des gesamten EU-Importwerts aus. Gleichzeitig wuchsen auch die Lieferungen aus den USA (+139,9 %), Israel (+88,9 %) und Saudi-Arabien (+66,0 %). Vietnam trat als neuer Lieferant auf, mit Importen von nahezu null im Jahr 2015 auf rund 35.000 Tonnen im Jahr 2025.

Herkunftsland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Südkorea 69 306 +342,5 %
USA 38 91 +139,9 %
Israel 29 56 +88,9 %
Saudi-Arabien 43 72 +66,0 %
Singapur 56 66 +18,1 %
Vereinigtes Königreich 120 33 −72,2 %
Brasilien 39 7 −81,2 %

Die Importkonzentration nimmt deutlich zu

Die Herfindahl-Hirschman-Index-Werte für Einfuhren stiegen von 1.417 (2015) auf 2.001 (2025), was einem Anstieg von 41,2 % entspricht. Werte über 2.000 gelten als Hinweis auf einen mäßig konzentrierten Markt. Dies bedeutet, dass die EU-Importe zunehmend von wenigen Lieferanten abhängig sind — ein potenzielles Risiko für die Versorgungssicherheit. Auf der Exportseite hingegen sank der HHI von 1.286 auf 1.055 (−18,0 %), was auf eine leichte Diversifizierung der Absatzmärkte hindeutet.

Das Vereinigte Königreich als Abnahmemarkt verliert stark an Bedeutung

Brexit-assoziierte Veränderungen sind sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite sichtbar. Die EU-Exporte ins Vereinigte Königreich fielen von 404 Mio. EUR (2015) auf 271 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 33,0 %. Gleichzeitig brachen die Importe aus dem Vereinigten Königreich von 120 Mio. EUR auf 33 Mio. EUR ein (−72,2 %). Das Vereinigte Königreich blieb dennoch der zweitwichtigste Exportpartner nach der Türkei, die mit rund 263 Mio. EUR weitgehend stabil blieb (−0,8 %). (Top-Handelspartner)

Russland als Exportmarkt fällt vollständig weg

Der dramatischste Einzelbruch auf der Exportseite betrifft Russland. Die EU-Exporte nach Russland sanken von 81 Mio. EUR (2015) — nach einem Höhepunkt von 118 Mio. EUR (2021) — auf praktisch null im Jahr 2023. Die Daten zeigen einen vollständigen Ausstieg mit einer Veränderung von −100 %, was sich mit den Sanktionsmaßnahmen gegen Russland ab 2022 erklärt. Der Wegfall dieses Marktes (rund 5 % des Exportwerts) musste durch andere Märkte aufgefangen werden.


III. Preisschocks, Volatilität und die Reaktion der EU-Produktion

Das Jahr 2021 markiert einen globalen Preisschock

Im gesamten Beobachtungszeitraum wurden mehrere signifikante Preisschocks identifiziert, die sich konzentriert im Zeitraum 2021–2022 ereigneten. Der stärkste dokumentierte Preisschock auf der Exportseite betraf China im Jahr 2020 (Abnormalität: 16,8, Preisanstieg: 34,9 %), gefolgt von einem Schock bei Exporten in die USA im Jahr 2023 (Preisanstieg: 158,4 %). Auf der Importseite trafen Preiserhöhungen bei Lieferungen aus Singapur (2022, +32,3 %), Israel (2021, +48,3 %) und Saudi-Arabien (2021, +47,6 %) ein. Diese Schocks sind konsistent mit den globalen Energiepreisspitzen und Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Konflikts. Insbesondere der Exportpreisschock bei China (2020) mit einem Anstieg auf 3.090 EUR/t gegenüber einem Basispreis von 1.818 EUR/t zeigt, wie stark sich der globale Markt in diesem Zeitraum verteuerte.

Schock-Ereignis Jahr Fluss Preisänderung Abnormalitätswert
China → EU 2020 Exporte +34,9 % 16,8
Singapur → EU 2022 Importe +32,3 % 15,3
USA → EU 2023 Exporte +158,4 % 8,4
Israel → EU 2021 Importe +48,3 % 5,3

Die Volatilität variiert stark zwischen Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient der Mengen) zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern. Bei den Importen weisen Brasilien (CV: 0,76) und das Vereinigte Königreich (CV: 0,56) die höchste Volatilität auf, was den starken Rückgänge beider Handelsströme widerspiegelt. Südkorea trotz seines starken Wachstums zeigt ebenfalls eine hohe Schwankung (CV: 0,44). Auf der Exportseite ist die Russische Föderation am volatilsten (CV: 0,52), bedingt durch den vollständigen Handelsausfall. Die Schweiz (CV: 0,06) und die Türkei (CV: 0,11) zeigen die stabilsten Exportströme.

Die EU-Produktion wächst, kann den Importanstieg aber nicht vollständig ausgleichen

Die EU-Produktion von Propylen-Copolymeren stieg im Zeitraum 2015–2024 (letzte verfügbare Daten) um 32,9 % in der Menge (von 2,38 Mrd. kg auf 2,01 Mrd. kg — wobei 2022 mit 2,55 Mrd. kg den Höchststand markierte) und um 111,4 % im Wert (von 3,10 Mrd. EUR auf 3,05 Mrd. EUR; Höchststand 2022: 4,03 Mrd. EUR). (Produktionsvolumen) Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass innerhalb der EU Belgien (RSCA: 0,60, RCA: 3,99) und Österreich (RSCA: 0,31, RCA: 1,91) die stärkste Spezialisierung auf CN 390230 aufweisen. Belgien allein deckt 33,8 % der EU-Produktion ab. Deutschland hingegen, trotz seines großen Produktionsanteils (16,3 %), zeigt keinen komparativen Vorteil (RSCA: −0,13), was auf eine eher auf den Binnenmarkt ausgerichtete Produktion schließen lässt.


Schlussfolgerung

Der Markt für Propylen-Copolymere in Primärformen hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Die drei zentralen Entwicklungen sind:

  1. Strukturelle Verschiebung der Handelsbilanz: Die EU bewegt sich von einer Position als starker Nettoexporteur hin zu einem ausgeglicheneren Handelsverhältnis. Die Importe sind nahezu doppelt so stark gewachsen wie die Exporte geschrumpft sind, was den Handelsüberschuss um 43 % schmelzen ließ. Die Einfuhren wachsen dabei sowohl mengen- als auch wertmäßig deutlich, wobei die sinkenden Importpreise auf eine zunehmende Versorgung durch kostengünstigere, insbesondere asiatische Lieferanten hindeuten.

  2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme: Der Aufstieg Südkoreas zum wichtigsten Importpartner, der vollständige Wegfall Russlands als Exportmarkt infolge von Sanktionen sowie die deutlichen Veränderungen im Handel mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit haben die Handelspartnerlandschaft neu geordnet. Die gleichzeitig steigende Importkonzentration birgt Risiken für die Versorgungssicherheit der EU.

  3. Preisvolatilität und Schockanfälligkeit: Die Jahre 2021 und 2022 waren von globalen Preisschocks geprägt, die sowohl Import- als auch Exportpreise erheblich beeinflussten. Trotz wachsender EU-Produktion bleibt der Markt empfindlich gegenüber externen Störungen, wie die unterschiedliche Volatilität der Handelsströme belegt.

Die Daten legen nahe, dass die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit im Exportbereich verteidigen muss, während gleichzeitig die Abhängigkeit von wenigen Importlieferanten — insbesondere Südkorea — strategisch hinterfragt werden sollte. Der anhaltende Strukturwandel erfordert eine aktive industriepolitische Begleitung, um die Versorgungssicherheit und Wertschöpfungskettenresilienz der europäischen Kunststoffindustrie zu gewährleisten.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.