Marktentwicklung: Polysulfide, Polysulfone und andere, durch chemische Synthese hergestellte Polymere und Prepolymere, a.n.g., in Primärformen (CN 391190) — 2015–2025
Einführung
Der Zolltarifcode CN 391190 umfasst als Restkategorie eine Vielzahl leistungsstarker Spezialpolymere — darunter Polysulfide, Polysulfone, Polyethersulfon (PESU), Polyphenylensulfid (PPS) sowie diverse Kondensations- und Umlagerungspolymerisationserzeugnisse in Primärformen. Diese Werkstoffe finden breite Anwendung in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, der Elektronik, der Wasseraufbereitung und der Medizintechnik. Zwischen 2015 und 2025 durchlief der EU-Handel mit dieser Warengruppe eine bemerkenswerte Transformation: Die Handelsvolumina wuchsen kräftig, während die Einheitspreise — insbesondere bei Exporten — spürbar nachgaben. Gleichzeitig verschoben sich die Handelsströme geopolitisch: China stieg zum zweitgrößten Importpartner auf, während die Exporte nach Russland nach 2021 nahezu vollständig zum Erliegen kamen. Auf der Angebotsseite ging die EU-Produktion mengenmäßig zurück, doch die Diversifizierung der Importquellen nahm zu, und die EU positionierte sich zunehmend als Exporteur.
Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken in drei Abschnitten: erstens das mengengetriebene Wachstum bei sinkenden Preisen, zweitens die tektonischen Verschiebungen im Handelspartnersystem und drittens die strategische Neupositionierung der EU hinsichtlich Produktion, Spezialisierung und Resilienz.
1. Mengengetriebenes Wachstum bei anhaltendem Preisdruck — Volumenexpansion als zentraler Wachstumstreiber
1.1 Die EU-Exporte stiegen vor allem mengenmäßig, während die Einheitspreise deutlich fielen
Der EU-Außenhandel mit CN 391190 verzeichnete zwischen 2015 und 2025 ein beachtliches Mengenwachstum: Die Exportmenge stieg von 146.646 auf 236.499 Tonnen — ein Anstieg um 61,3 %. Demgegenüber wuchs der Exportwert lediglich um 13,9 % von 670,9 Mio. € auf 763,9 Mio. €. Die Differenz zwischen Mengen- und Wertwachstum erklärt sich durch einen deutlichen Preisrückgang: Der durchschnittliche Exportpreis sank um 29,4 % von 4.575 €/t im Jahr 2015 auf 3.230 €/t im Jahr 2025 — den niedrigsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. €) | 670,9 | 763,9 | +13,9 % |
| Exportmenge (t) | 146.646 | 236.499 | +61,3 % |
| Exportpreis (€/t) | 4.575 | 3.230 | −29,4 % |
Die Entwicklung der Handelsströme zeigt dabei eine ausgeprägte Zyklik: Der Exportwert erreichte 2022 mit 965,9 Mio. € seinen Höchststand, bevor er 2023 auf 816,9 Mio. € und 2025 weiter auf 763,9 Mio. € zurückging. Die Exportmenge hingegen durchlief 2023 mit 128.008 Tonnen einen Tiefpunkt, bevor sie 2025 sprunghaft auf 236.499 Tonnen anstieg — was zu einem historisch niedrigen Einheitspreis führte. Dieser sprunghafte Mengenanstieg im Jahr 2025 ist teilweise auf die Unterkategorie 39119099 (Restkategorie „Polymere und Prepolymere, a.n.g.") zurückzuführen, deren Exportmenge von 52.548 Tonnen (2024) auf 146.972 Tonnen (2025) fast verdreifacht wurde, bei gleichzeitigem Preisverfall von 5.610 auf 1.880 €/t — ein Muster, das auf eine mögliche Neuklassifizierung von Waren in diese Restkategorie hindeuten könnte.
1.2 Die Importe folgten einem analogen Muster der Mengenausweitung
Auch auf der Importseite dominierte das Mengenwachstum. Die EU-Importe stiegen von 58.963 Tonnen (2015) auf 94.427 Tonnen (2025), ein Plus von 60,1 %. Der Importwert erhöhte sich im selben Zeitraum um 48,9 % von 410,2 Mio. € auf 610,7 Mio. €. Der durchschnittliche Importpreis sank um 7,0 % von 6.957 €/t auf 6.467 €/t — ebenfalls den Tiefststand im Beobachtungszeitraum.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. €) | 410,2 | 610,7 | +48,9 % |
| Importmenge (t) | 58.963 | 94.427 | +60,1 % |
| Importpreis (€/t) | 6.957 | 6.467 | −7,0 % |
Bemerkenswert ist, dass der Importpreis strukturett deutlich über dem Exportpreis liegt (2025: 6.467 vs. 3.230 €/t). Dies deutet darauf hin, dass die EU tendenziell höherwertige Spezialpolymere importiert — etwa Polyphenylensulfid (39119013), das 2025 mit 147,3 Mio. € rund 24 % des Importwerts ausmachte — während exportseitig mengenmäßig die preisgünstigere Restkategorie 39119099 dominiert. Der Importwert erreichte 2022 mit 792,0 Mio. € ebenfalls seinen Spitzenwert, bedingt durch die globale Preisinflation und Nachholeffekte nach der COVID-19-Pandemie.
1.3 Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte im Trend deutlich
Trotz des überproportionalen Exportwachstums schmolz der positive Handelsbilanzüberschuss der EU im Zeitverlauf erheblich. Er sank von 260,7 Mio. € (2015) auf 153,2 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 41,2 % entspricht. Im Jahr 2022 betrug der Überschuss nur noch 174,0 Mio. €, da die Importe stärker stiegen als die Exporte. Die Nettoimportabhängigkeit veränderte sich dabei von −12,0 % (2015, d. h. Nettoexporteur) auf +6,5 % (2025, d. h. Nettoimporteur). Die EU hat sich somit innerhalb eines Jahrzehnts von einer Position als Nettoexporteur zu einer Position als Nettoimporteur in dieser Warengruppe entwickelt.
2. Tektonische Verschiebungen im Handelspartnersystem — Chinas Importaufstieg und der geopolitische Umbruch
2.1 China: Vom Nischenlieferanten zum zweitgrößten Importpartner der EU
Die dynamischste Veränderung im Handelspartnersystem vollzog sich bei den EU-Importen aus China. Der Importwert stieg von lediglich 12,3 Mio. € (2015) auf 110,4 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 800,4 % entspricht. Damit avancierte China vom achten zum zweitgrößten Importpartner der EU — hinter den USA, deren Importe sich mit 265,7 Mio. € (2025) vergleichsweise stabil entwickelten (+3,3 %). Chinas Anteil an den EU-Importen wuchs im selben Zeitraum von rund 3 % auf 18 %.
| Importpartner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 257,3 | 265,7 | +3,3 % |
| China | 12,3 | 110,4 | +800,4 % |
| Japan | 53,1 | 84,5 | +59,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 39,1 | 40,2 | +2,9 % |
| Südkorea | 15,6 | 47,3 | +202,4 % |
| Indien | 14,7 | 7,1 | −51,4 % |
| Mexiko | 4,1 | 4,0 | −4,2 % |
Im Jahr 2022 wurde zudem ein erheblicher Preisschock bei den Importen aus China festgestellt: Der Preis pro Tonne stieg um 89,5 % auf 7.348 €/t (gegenüber einem Basiswert von 3.877 €/t in den Vorjahren), was als abnormaler Ausschlag mit einer Abnormalität von 8,0 klassifiziert wurde. Dieser Preisschock fiel in die Phase der globalen Energie- und Rohstoffkrise nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts. In den Folgejahren normalisierten sich die chinesischen Importpreise wieder (2025: 3.827 €/t).
Parallel zu China verzeichneten auch Südkorea (+202,4 %) und Japan (+59,2 %) als Importpartner deutliche Zuwächse, was auf die zunehmende Bedeutung ostasiatischer Produktionskapazitäten für Spezialpolymere hinweist. Südkorea und China weisen mit Variationskoeffizienten von 0,59 bzw. 0,47 allerdings auch eine überdurchschnittliche Importvolatilität auf.
2.2 Russland: Zusammenbruch der Exporte nach 2021 als geopolitische Zäsur
Der dramatischste Einbruch auf der Exportseite betraf den Handel mit Russland. Die EU-Exporte nach Russland sanken von 22,4 Mio. € (2015) auf nur noch 0,6 Mio. € (2024), was einem Rückgang von 97,4 % entspricht. Für 2025 liegen keine Exportdaten mehr vor. Der Zusammenhang mit den Sanktionen nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts 2022 ist offensichtlich: Bereits 2022 sanken die Exportmengen von 10.789 Tonnen (2021) auf 6.436 Tonnen, 2023 auf 2.248 Tonnen und 2024 auf lediglich 158 Tonnen. Der Preisschock bei den Exporten nach Russland im Jahr 2022 (+54,7 % auf 4.656 €/t) reflektiert die verbleibenden Transaktionen unter erschwerten Bedingungen. Russland war 2015 noch der sechstwichtigste Exportpartner der EU in dieser Warengruppe; sein Ausscheiden hinterließ eine Lücke, die teilweise durch das Wachstum in anderen Märkten kompensiert wurde.
2.3 Weitere dynamische Verschiebungen im Exportpartnergefüge
Neben dem Russland-Exporteinbruch zeichneten sich weitere bemerkenswerte Verschiebungen im Partnergefüge ab:
- Türkei als Wachstumsmarkt: Die Exporte stiegen von 31,2 Mio. € auf 56,5 Mio. € (+81,0 %). Die Türkei profitiert von ihrer Position als aufstrebender Industriestandort und Brücke zwischen EU und Nahost.
- China als Exportziel: Die EU-Exporte nach China wuchsen von 73,4 Mio. € auf 108,3 Mio. € (+47,6 %), was die beidseitige Verflechtung widerspiegelt — die EU importiert und exportiert gleichzeitig große Mengen an Spezialpolymeren mit China.
- Vereinigtes Königreich: Die Exporte sanken von 86,9 Mio. € auf 67,8 Mio. € (−21,9 %), was teilweise auf die Handelsreibung nach dem Brexit und die Auswirkungen der neuen Zollformalitäten zurückzuführen sein dürfte.
- Südkorea: Die Exporte gingen von 47,3 Mio. € auf 30,4 Mio. € (−35,7 %) zurück, obwohl die Importe aus Südkorea gleichzeitig stark stiegen — ein Hinweis auf eine zunehmende einseitige Handelsverflechtung.
| Exportpartner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 113,8 | 147,8 | +29,9 % |
| China | 73,4 | 108,3 | +47,6 % |
| Vereinigtes Königreich | 86,9 | 67,8 | −21,9 % |
| Japan | 47,7 | 65,6 | +37,3 % |
| Türkei | 31,2 | 56,5 | +81,0 % |
| Südkorea | 47,3 | 30,4 | −35,7 % |
| Russland | 22,4 | 0,6 | −97,4 % |
Die Volatilitätsanalyse bestätigt die unterschiedlichen Risikoproile der Partner: Die Exporte in die Türkei (CV 0,10) und nach China (CV 0,12) verliefen bemerkenswert stabil, während die Exporte nach Russland (CV 0,49) und ins Vereinigte Königreich (CV 1,00) hohe Schwankungen aufwiesen. Auf der Importseite war Taiwan (CV 0,98) der instabilste Partner.
3. Europas strategische Neupositionierung — Produktion, Spezialisierung und wachsende Autonomie im Wandel
3.1 EU-Produktion: Mengenrückgang bei steigender Wertschöpfung
Die EU-Produktion von CN 391190 verzeichnete im Zeitraum 2015–2024 einen spürbaren mengenmäßigen Rückgang. Die Produktionsmenge sank von 555.779 Tonnen (2015) auf 400.000 Tonnen (2024), was einem Rückgang von rund 21 % entspricht. Der Tiefpunkt wurde 2023 mit 377.950 Tonnen erreicht. Der Höhepunkt lag 2020 bei 628.000 Tonnen — ein Wert, der möglicherweise durch die pandemiebedingte Nachfrage nach Spezialpolymeren für die Medizintechnik und Schutzausrüstung begünstigt wurde.
| Jahr | Produktionsmenge (t) | Produktionswert (Mio. €) | Preis (€/kg) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 555.779 | 1.721,7 | 3,10 |
| 2017 | 589.715 | 1.725,3 | 2,93 |
| 2019 | 508.000 | 1.474,0 | 2,90 |
| 2020 | 628.000 | 1.666,9 | 2,65 |
| 2022 | 440.000 | 2.000,0 | 4,55 |
| 2023 | 377.950 | 1.499,1 | 3,97 |
| 2024 | 400.000 | 1.500,0 | 3,75 |
Der Produktionspreis (Wert pro Kilogramm) stieg insbesondere 2022 sprunghaft auf 4,55 €/kg — den höchsten Wert im Beobachtungszeitraum — und reflektiert die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten in der europäischen chemischen Industrie nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts. Bis 2024 normalisierte sich der Preis auf 3,75 €/kg, blieb aber über Vor-Krisen-Niveau.
Innerhalb der EU zeigt die Spezialisierungsanalyse für 2025 eine deutliche regionale Konzentration: Belgien (RSCA 0,50, RCA 3,01) und Deutschland (RSCA 0,25, RCA 1,65) sind die mit Abstand spezialisiertesten Produzenten und Exporteure. Deutschland allein erzeugt rund 35 % der EU-Produktion und tätigt 60 % der EU-Exporte (2025: 461,3 Mio. €). Italien verzeichnete mit einem Anstieg von 23,9 Mio. € auf 78,3 Mio. € (+228,1 %) das stärkste Exportwachstum innerhalb der EU.
3.2 Diversifizierung der Importquellen als strategische Maßnahme
Während die EU-Exporte geografisch konzentriert blieben, vollzog sich auf der Importseite eine deutliche Diversifizierung. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank von 4.236 (2015) auf 2.538 (2025), was einem Rückgang von 40,1 % entspricht. Ein HHI-Wert unter 2.500 gilt gemeinhin als Indikator für einen moderat konzentrierten Markt; die EU hat sich diesem Schwellenwert angenähert.
| Jahr | Import-HHI | Export-HHI |
|---|---|---|
| 2015 | 4.236 | 785 |
| 2017 | 3.427 | 893 |
| 2019 | 3.049 | 903 |
| 2021 | 2.762 | 918 |
| 2022 | 2.616 | 886 |
| 2023 | 2.452 | 850 |
| 2025 | 2.538 | 878 |
Diese Diversifizierung ist vor allem dem Aufstieg Chinas, Südkoreas und Taiwans als Importlieferanten zu verdanken, die die Dominanz der USA als Hauptlieferant (von 63 % auf 43 % des Importwerts) schrittweise relativierten. Die USA blieben zwar der mit Abstand wichtigste Importpartner, doch ihr relativer Anteil ging zurück. Der Export-HHI blieb mit Werten zwischen 785 und 918 throughout stabil niedrig, was die ohnehin breite Streuung der EU-Exportmärkte widerspiegelt.
3.3 Wachsende Exportorientierung trotz zunehmender Nettoimportabhängigkeit
Ein scheinbar paradoxes Ergebnis der Analyse besteht darin, dass die EU gleichzeitig ihre Exportorientierung ausbaute und ihre Nettoimportabhängigkeit erhöhte. Der Exportpropensity — der Anteil der inländischen Produktion, der exportiert wird — stieg innerhalb des Beobachtungszeitraums von 48,3 % (2015) auf 62,3 % (2024). Im Jahr 2021 erreichte er sogar 78,0 %, als die Exporte pandemiebedingt stark nach oben schossen.
Gleichzeitig verschob sich die Nettoimportabhängigkeit von −12,0 % (2015) auf +6,5 % (2024) — d. h. die EU entwickelte sich von einem Überschuss-Exporteur zu einem Nettoimporteur. Erklären lässt sich dieses Spannungsfeld durch das Zusammenspiel zweier Faktoren: Erstens exportiert die EU hochwertige Spezialpolymere in große Teile der Welt, insbesondere in die USA, die Türkei und China. Zweitens steigen die Importe noch schneller, da die europäische Nachfrage — etwa nach PPS und Kondensationspolymeren aus Ostasien — das heimische Angebot übersteigt.
| Indikator | 2015 | 2020 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Exportpropensity (%) | 48,3 | 47,5 | 62,3 |
| Nettoimportabhängigkeit (%) | −12,0 | −2,0 | +6,5 |
Betrachtet man die Handelsintensität (Exporte plus Importe als Anteil der Produktion), so stieg diese im langfristigen Vergleich von 40,6 % auf 77,8 % — ein Beleg dafür, dass der EU-Markt für CN 391190 zunehmend global verflochten ist.
Schlussfolgerung
Der EU-Handel mit Polysulfiden, Polysulfonen und anderen synthetischen Spezialpolymeren (CN 391190) hat sich zwischen 2015 und 2025 in dreierlei Hinsicht grundlegend gewandelt. Erstens war das Wachstum der Handelsvolumina — sowohl bei Exporten (+61 %) als auch bei Importen (+60 %) — mengengetrieben, während die Einheitspreise, insbesondere bei Exporten, unter erheblichen Druck gerieten (−29 %). Dies deutet auf eine zunehmende Kommoditisierung bestimmter Segmente innerhalb der Restkategorie hin, verstärkt durch möglicherweise reklassifizierte Waren in der Unterkategorie 39119099.
Zweitens verschob sich das Handelspartnersystem geopolitisch. China avancierte mit einem Wachstum von über 800 % zum zweitgrößten Importpartner der EU, während der Exportmarkt Russland nach 2021 faktisch zusammenbrach (−97 %). Diese Verschiebungen reflektieren sowohl den industriellen Aufstieg Chinas im Bereich Spezialpolymere als auch die unmittelbaren handelspolitischen Konsequenzen des Ukraine-Konflikts.
Drittens positionierte sich die EU strategisch neu: Die Produktion ging mengenmäßig zurück, doch die Exportquote stieg deutlich. Die Importquellen wurden diversifiziert (HHI −40 %), während die EU gleichzeitig — erstmals im Beobachtungszeitraum — zur Nettoimporteur wurde. Deutschland bleibt das unbestrittene Zentrum der europäischen Wertschöpfungskette für diese Warengruppe, doch Italien und Belgien gewinnen als Produktions- und Exportstandorte an Bedeutung.
Für die kommenden Jahre werden insbesondere die weitere Entwicklung der chinesischen Importpreise, die Erholung (oder nicht) des russischen Marktes sowie die Frage relevant sein, ob die EU ihre heimischen Produktionskapazitäten stabilisieren kann, um die zunehmende Importabhängigkeit zu begrenzen.