Marktentwicklung: Milch und Rahm, in Pulverform, granuliert oder in anderer fester Form, mit einem Milchfettgehalt von > 1,5 GHT, ohne Zusatz von Zucker oder anderen Süßmitteln (CN 040221) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode CN 040221 erfasst ungesüßte Milch und Rahm in Pulver-, Granulat- oder fester Form mit einem Milchfettgehalt von über 1,5 Gewichtsprozent. Das Produkt bildet einen zentralen Bestandteil des EU-Außenhandels mit Milcherzeugnissen und wird sowohl industriell (z. B. in der Lebensmittelverarbeitung) als auch im Endverbraucherbereich verwendet. Die Position wird in vier Unterpositionen gegliedert, die sich nach Fettgehalt und Packungsgröße unterscheiden (Scope & Definitions).
Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU-27 mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Die zentrale Erkenntnis dieser Periode ist ein tiefgreifender Strukturwandel: Obwohl die EU weiterhin ein erheblicher Nettoexporteur bleibt, haben sich Handelsvolumina und -wert seit dem Höchststand 2017 spürbar verringert. Gleichzeitig sind die Einheitspreise stark gestiegen – ein Hinweis auf eine Verschiebung von mengen- hin zu wertgetriebener Wettbewerbsfähigkeit.
1. Mengenrückgang bei steigenden Preisen — Die Transformation der EU-Handelsbilanz
1.1 Exporte: Volumen halbiert, Wert nur um ein Viertel gesunken
Die EU-Exporte von CN 040221 in Drittländer haben sich im Beobachtungszeitraum quantitativ deutlich reduziert. Die exportierte Menge fiel von 350.299 Tonnen (2015) auf 171.014 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 51,2 % entspricht. Der Ausfuhrwert sank im selben Zeitraum von 1,06 Mrd. EUR auf 816 Mio. EUR — ein Minus von lediglich 23,1 %. Der Höchstwert wurde 2017 mit 1,28 Mrd. EUR bzw. 387.925 Tonnen erreicht (Allgemeine Übersicht).
| Kennzahl | 2015 | 2017 (Höchst) | 2025 | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|
| Exportvolumen (t) | 350.300 | 387.925 | 171.014 | −51,2 % |
| Exportwert (Mio. EUR) | 1.062 | 1.281 | 816 | −23,1 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 3.032 | 3.304 | 4.774 | +57,5 % |
Die Divergenz zwischen Mengen- und Werteentwicklung erklärt sich durch einen deutlichen Preisanstieg: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 3.032 EUR/t im Jahr 2015 auf 4.774 EUR/t im Jahr 2025 (+57,5 %). Der stärkste Preissprung erfolgte 2022, als der Exportpreis mit 4.906 EUR/t den gesamten Zeitraumhöchstwert erreichte — ein Reflex der globalen Inflation und der Energiekostenkrise nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts.
1.2 Importe: Parallelentwicklung mit noch stärkerer Preisdynamik
Auch die Einfuhren von CN 040221 verzeichneten einen Rückgang. Das Importvolumen sank von 37.959 Tonnen (2015) auf 17.400 Tonnen (2025), ein Minus von 54,2 %. Der Einfuhrwert fiel von 89,5 Mio. EUR auf 71,2 Mio. EUR (−20,4 %). Der Tiefpunkt wurde 2021 mit nur 33,3 Mio. EUR bzw. 10.155 Tonnen erreicht — möglicherweise als Nachwirkung der COVID-19-Pandemie und damit verbundener Lieferkettenstörungen (Allgemeine Übersicht).
| Kennzahl | 2015 | 2021 (Tiefst) | 2025 | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|
| Importvolumen (t) | 37.959 | 10.155 | 17.400 | −54,2 % |
| Importwert (Mio. EUR) | 89,5 | 33,3 | 71,2 | −20,4 % |
| Importpreis (EUR/t) | 2.357 | 3.280 | 4.093 | +73,7 % |
Die Importpreise stiegen mit +73,7 % sogar stärker als die Exportpreise, was auf eine konvergierende Preisentwicklung zwischen inländischer und importierter Ware hindeutet. Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum ein erheblicher Nettoexporteur: Die Handelsbilanz schwankte zwischen 745 Mio. EUR (2025) und 1,21 Mrd. EUR (2017), wobei der Nettoimportanteil von −94,9 % (2015) auf −37,6 % (2025) anstieg — ein Hinweis darauf, dass die Exportdominanz der EU im Zeitverlauf abnimmt.
1.3 Der Preisschock von 2022 als Wendepunkt
Das Jahr 2022 markierte einen deutlichen Wendepunkt in der Preisentwicklung. Für mehrere wichtige Exportziele wurden signifikante Preisschocks identifiziert. So stieg der Exportpreis nach Kuwait im Jahr 2022 um 51,9 % gegenüber dem Vorjahresniveau (Abnormalitätsindex: 630,3). Ähnliche, wenn auch weniger extreme Preissprünge betrafen Mauritania (+55,8 %), Angola (+39,6 %), die Dominikanische Republik (+27,1 %) und den Libanon (+41,5 %) (Volatilität & Schocks). Diese Schocks sind wahrscheinlich auf die Energiekrise 2022 und damit verbundene Produktions- und Transportkostensteigerungen zurückzuführen. In der Regel folgte 2023–2024 eine partielle Normalisierung, wobei die Preise über dem Vorkrisenniveau verblieben.
2. Geopolitische Umorientierung — Verschiebungen der Handelsströme
2.1 Exportzielmärkte: Oman konsolidiert, Algerien und Nigeria brechen ein
Die geografische Struktur der EU-Exporte hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. Oman blieb throughout der gesamte Zeitraum das wichtigste Exportziel und konnte seinen Anteil sogar ausbauen: von 134 Mio. EUR (2015) auf 180 Mio. EUR (2025, +33,7 %), was einem stabilen Volumen von rund 45.000–57.000 Tonnen bei gleichzeitig steigenden Preisen entspricht. Oman weist mit einem Variationskoeffizient von 0,11 die niedrigste Volatilität aller wichtigen Exportpartner auf — ein Indikator für eine besonders stabile Handelsbeziehung (Volatilitätsanalyse).
Demgegenüber erlitten zwei traditionell wichtige afrikanische Märkte massive Einbrüche:
| Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Oman | 134,5 | 179,8 | +33,7 % |
| Algerien | 88,2 | 8,9 | −89,9 % |
| Nigeria | 77,9 | 8,6 | −88,9 % |
| China | 32,3 | 62,1 | +92,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 39,2 | 70,8 | +80,7 % |
| Kuwait | 52,0 | 83,7 | +60,9 % |
Der Export nach Algerien fiel von 88 Mio. EUR auf nur 8,9 Mio. EUR (−89,9 %), wobei die exportierte Menge von 30.711 auf 2.823 Tonnen kollabierte. Algerien zeigt einen extrem hohen Variationskoeffizienten von 0,73, was auf eine hochvolatile und zunehmend unsichere Handelsbeziehung hindeutet. Nigeria verzeichnete einen analogen Rückgang (−88,9 %), mit einem Einbruch der Exportmengen von 27.129 auf 2.636 Tonnen.
2.2 Neue Wachstumsmärkte: China und das Vereinigte Königreich
Als Gegenpol zu den afrikanischen Einbrüchen gewannen China und das Vereinigte Königreich als Exportziele deutlich an Bedeutung. Die EU-Exporte nach China stiegen von 32 Mio. EUR (2015) auf 62 Mio. EUR (2025), erreichten aber 2022 mit 124 Mio. EUR einen Zwischenhöchstwert. Die exportierte Menge nach China blieb relativ stabil bei 9.700–22.000 Tonnen, sodass der Wachstumstreiber primär die Preisentwicklung war.
Das Vereinigte Königreich entwickelte sich nach dem Brexit zu einem zunehmend wichtigen Exportmarkt. Die Ausfuhren stiegen von 39 Mio. EUR auf 71 Mio. EUR (+80,7 %), obwohl das Volumen von 14.981 auf 12.645 Tonnen leicht rückläufig war. Kuwait stieg ebenfalls zu einem Schlüsselpartner auf: von 52 Mio. EUR auf 84 Mio. EUR (+60,9 %) mit einem relativ stabilen Volumen von 12.900–16.700 Tonnen (Handelspartner nach Wert).
2.3 Importquellen: Rückgang des Vereinigten Königreichs, Aufstieg Neuseelands
Auf der Importseite vollzog sich eine bemerkenswerte Umstrukturierung. Das Vereinigte Königreich war 2015 mit Abstand der wichtigste Importpartner (79,7 Mio. EUR) und verlor bis 2025 fast zwei Drittel seines Anteils auf 31,5 Mio. EUR (−60,5 %). Gleichzeitig stiegen die Importe aus Neuseeland von 8,9 Mio. EUR auf 35,0 Mio. EUR (+295 %), sodass Neuseeland 2025 zum wichtigsten EU-Importeur von CN 040221 aufstieg. Die Ukraine entwickelte sich von einem praktisch irrelevanten Lieferanten (6 EUR in 2016) zu einem signifikanten Importeur (2,7 Mio. EUR in 2025) (Handelspartner nach Wert).
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 79,7 | 31,5 | −60,5 % |
| Neuseeland | 8,9 | 35,0 | +295 % |
| Ukraine | 0,0 | 2,7 | — |
| Vereinigte Staaten | 0,2 | 0,9 | +281 % |
Die Importkonzentration (HHI) sank von 8.027 (2015) auf 4.390 (2025, −45,3 %), was eine deutliche Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Auf der Exportseite hingegen stieg der HHI von 460 auf 816 (+77,3 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Exporte auf wenige Schlüsselmärkte — insbesondere Oman, Kuwait und China — hindeutet (Konzentrationsanalyse).
3. Struktureller Wandel der EU als Milchpulver-Exporteur
3.1 EU-Produktion: Wertzuwachs trotz mengenmäßiger Stagnation
Die EU-Produktion von CN 040221 blieb mengenmäßig weitgehend stabil: von 887 Mio. kg (2005) auf 857 Mio. kg (2024). Der Produktionswert hingegen stieg von 2,17 Mrd. EUR auf 3,16 Mrd. EUR (+45,5 %). Dies spiegelt die allgemeine Preisentwicklung auf den Milchmärkten wider, die durch steigende Futter-, Energie- und Arbeitskosten getrieben wurde. Der Höchststand der Produktion wurde 2021 mit 990 Mio. kg und 2,89 Mrd. EUR erreicht, gefolgt von einem leichten Rückgang in den Folgejahren (Produktionsvolumina).
3.2 Sinkende Exportquote bei gleichbleibender Binnenproduktion
Die Exportquote (export propensity) — definiert als Anteil der Exporte an der gesamten inländischen Produktion — sank von 52,5 % (2015) auf 29,2 % (2025, −44,4 %). Auch die Handelsintensität (trade intensity) fiel von 54,2 % auf 30,4 % (−43,8 %). Diese Kennzahlen deuten darauf hin, dass ein wachsender Teil der EU-Produktion im Binnenmarkt verbleibt, während die Exportorientierung abnimmt (Autonomie & Verwundbarkeit).
3.3 Spezialisierung und interne EU-Umverteilung
Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierungspyramide. Im Jahr 2025 wiesen folgende Mitgliedstaaten die höchsten Spezialisierungskoeffizienten (RSCA) auf:
| Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion | Anteil an EU-Exporten |
|---|---|---|---|---|
| Irland | 0,358 | 2,114 | 4,4 % | 2,1 % |
| Belgien | 0,328 | 1,977 | 16,7 % | 8,5 % |
| Niederlande | 0,287 | 1,804 | 26,2 % | 14,5 % |
| Frankreich | 0,270 | 1,740 | 13,6 % | 7,8 % |
| Dänemark | 0,120 | 1,272 | 2,2 % | 1,7 % |
Die Niederlande bleiben der mit Abstand größte EU-Exporteur von CN 040221, obwohl ihr Exportwert von 398 Mio. EUR (2015) auf 305 Mio. EUR (2025, −23,6 %) sank. Deutschland hingegen konnte seinen Exportanteil von 75 Mio. EUR auf 101 Mio. EUR (+34,1 %) ausbauen und ist mittlerweile der zweitgrößte Exporteur innerhalb der EU. Die Exporte Belgiens, Dänemarks und Irlands verzeichneten dagegen Rückgänge von 47–54 % (EU-Mitgliedstaaten nach Exportwert).
3.4 Produktsegmente: Magermilchpulver dominiert, Vollmilchpulver zeigt Stabilität
Die Unterposition 04022118 (Magermilch-/Halbmagermilchpulver in Großgebinden) dominiert sowohl bei Importen als auch bei Exporten. Bei den Exporten machte 04022118 im Jahr 2025 ein Volumen von 59.343 Tonnen (34,7 % des Gesamtexports) und einen Wert von 262 Mio. EUR aus. Die Unterposition 04022199 (Vollmilchpulver in Großgebinden) erreichte 68.623 Tonnen und 306 Mio. EUR. Beide Segmente verzeichneten im Zeitraum Mengenrückgänge, wobei die Preise stiegen. Die Exportpreise für 04022118 stiegen von 2.648 EUR/t auf 4.419 EUR/t (+66,9 %), für 04022199 von 2.632 EUR/t auf 4.456 EUR/t (+69,3 %) (Produktsegmentvergleich).
Schlussfolgerung
Der EU-Außenhandel mit CN 040221 hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
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Volumenrückgang bei Preissteigerungen: Die exportierten Mengen haben sich nahezu halbiert, während die Preise um über 50 % stiegen. Die EU ist von einem mengengetriebenen zu einem zunehmend wertgetriebenen Exporteur geworden.
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Geopolitische Umorientierung: Traditionelle Märkte in Nord- und Westafrika (Algerien, Nigeria) haben dramatisch an Bedeutung verloren, während der Golfstaaten-Korridor (Oman, Kuwait) und der asiatische Raum (China) gewachsen sind. Das Vereinigte Königreich hat sich post-Brexit als wichtiges Export- und Importland etabliert.
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Abnehmende Exportorientierung: Die sinkende Exportquote (von 52 % auf 29 %) bei gleichzeitig stabiler Produktion deutet darauf hin, dass ein wachsender Teil der EU-Milchpulverproduktion im Binnenmarkt verbleibt — möglicherweise bedingt durch regulatorische Anforderungen, Nachfrageverschiebungen und wettbewerbliche Veränderungen auf den Weltmärkten.
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Zunehmende Exportkonzentration: Trotz einer Diversifizierung der Importquellen konzentrieren sich die EU-Exporte zunehmend auf wenige Märkte, was mittelfristig geopolitische Risiken birgt.
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Preisschock 2022 als Katalysator: Die Energie- und Inflationskrise 2022 hat zu nachhaltigen Preissteigerungen geführt, die sich in den Folgejahren nur teilweise normalisierten und die Handelsmuster nachhaltig beeinflussten.
Die EU bleibt zwar ein globaler Akteur im Milchpulverhandel, doch die Zeichen deuten auf eine zunehmende Innenorientierung und eine Konzentration der Exporte auf wenige, preisstabile Märkte hin. Die weitere Entwicklung wird wesentlich von der Weltmarktpreisentwicklung, der geopolitischen Lage in den Hauptabnehmerländern sowie der EU-Agrarpolitik abhängen.