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Marktentwicklung: Malzextrakt; Lebensmittelzubereitungen aus Mehl, Grütze, Grieß, Stärke oder Malzextrakt, ohne Gehalt an Kakao oder mit einem Gehalt an Kakao von < 40 GHT, berechnet als vollständig entfetteter Kakao, a.n.g. sowie Lebensmittelzubereitungen aus Milch, Rahm, Buttermilch, saurer Milch, saurem Rahm, Molke, Joghurt, Kefir oder ähnl. Waren der Pos. 0401 bis 0404, ohne Gehalt an Kakao oder mit einem Gehalt an Kakao von < 5 GHT, berechnet als vollständig entfetteter Kakao, a.n.g. (ausg. zur Ernährung von Kindern, in Aufmachungen für den Einzelverkauf sowie Mischungen und Teig zum Herstellen von Backwaren der Pos. 1905) (CN 190190) — 2015–2025

Einführung

Der Zollcode 190190 umfasst ein breites Spektrum an Lebensmittelzubereitungen, darunter Malzextrakt sowie Produkte aus Mehl, Grütze, Grieß, Stärke oder Milchbasis (ausgenommen Kinderernährung im Einzelverkauf und Backteige). Im Zeitraum 2015 bis 2025 entwickelte sich die Europäische Union zu einem zunehmend dominierenden Exporteur dieser Produktgruppe auf dem Weltmarkt. Die Analyse zeigt einen bemerkenswerten Strukturwandel: Während die EU zu Beginn des Betrachtungszeitraums noch leicht importabhängig war, wandelte sie sich bis 2025 zu einem ausgeprägten Nettoexporteur mit einer Exportquote von knapp 59 %. Die Exporte verdreifachten sich nahezu, während die Importe lediglich moderat stiegen. Diese Dynamik wird im Folgenden in drei thematischen Abschnitten analysiert.


1. Starkes Exportwachstum und zunehmende Handelsbilanzüberschüsse

Die EU konsolidiert ihre Rolle als Nettoexporteur

Die EU-Exporte in die Drittländer verzeichneten zwischen 2015 und 2025 ein kräftiges Wachstum um 69,3 % – von 1,73 Mrd. EUR auf 2,92 Mrd. EUR (Übersicht). Der Anstieg wurde sowohl durch Mengenwachstum (+31,5 %, von 870.453 auf 1.144.359 Tonnen) als auch durch steigende Preise (+28,8 %, von 1.982 auf 2.552 EUR/Tonne) getrieben. Der Exportwert erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt im Jahr 2022 mit 3,06 Mrd. EUR.

Demgegenüber blieben die Importe mit einem Plus von 40,8 % (von 144,5 Mio. EUR auf 203,5 Mio. EUR) deutlich hinter dem Exportwachstum zurück. Die importierte Menge stieg lediglich um 20,6 % von 64.022 auf 77.190 Tonnen. Infolgedessen weitete sich der Handelsbilanzüberschuss von 1,58 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 2,72 Mrd. EUR im Jahr 2025 – ein Anstieg um 71,9 %.

Kennzahl 2015 2019 2022 2025 Veränderung 2015–2025
Exportwert (Mrd. EUR) 1,73 2,26 3,06 2,92 +69,3 %
Exportmenge (1.000 t) 870 1.166 1.144 1.144 +31,5 %
Importwert (Mio. EUR) 144,5 485,2 208,3 203,5 +40,8 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 1,58 1,78 2,86 2,72 +71,9 %

Preiseffekte verstärken den Wertanstieg

Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen im Zeitraum kontinuierlich von 1.982 EUR/Tonne (2015) auf 2.552 EUR/Tonne (2025). Bemerkenswert ist der Preisanstieg bei Importen: Hier lag der durchschnittliche Preis im Jahr 2022 mit 2.667 EUR/Tonne über dem Exportpreis, was auf qualitativ hochwertigere oder spezialisierte Importprodukte hindeuten könnte. In den Folgejahren nivellierten sich die Preisunterschiede wieder.

Die Netto-Importabhängigkeit kehrt sich vollständig um

Der Indikator der Netto-Importabhängigkeit dokumentiert den Strukturwandel eindrücklich: Lag die EU im Jahr 2015 noch bei einer leichten Importabhängigkeit von +11,4 %, so sank dieser Wert bis 2022 auf -188,6 % und stabilisierte sich 2025 bei -120,1 %. Negative Werte bedeuten, dass die EU-Exporte die Importe bei Weitem übersteigen – die EU ist ein signifikanter Nettoexporteur geworden.


2. Regionale Umorientierung: Westafrika und der britische Markt gewinnen an Bedeutung

Das Exportwachstum konzentriert sich auf Afrika und den Nahen Osten

Die Top-Exportpartner der EU zeigen eine klare geografische Schwerpunktverschiebung. Das Vereinigte Königreich blieb mit 306 Mio. EUR (2025) der größte Einzelabnehmer, gefolgt von Senegal (219 Mio. EUR), Saudi-Arabien (182 Mio. EUR), Nigeria (140 Mio. EUR) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (141 Mio. EUR).

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 130,8 306,2 +134,0 %
Senegal 76,7 219,3 +186,0 %
Saudi-Arabien 191,8 181,8 -5,2 %
Nigeria 186,2 140,2 -24,7 %
Vereinigte Arabische Emirate 65,3 140,7 +115,6 %
Mauretanien 35,8 84,3 +135,2 %

Westafrikanische Märkte als Wachstumstreiber

Besonders auffällig ist das dynamische Wachstum der EU-Exporte nach Westafrika. Senegal (+186 %), Mauretanien (+135 %) und die Elfenbeinküste (von 16 Mio. EUR auf 121 Mio. EUR, +638 %) entwickelten sich zu den am stärksten wachsenden Märkten. Diese Dynamik spiegelt die steigende Nachfrage nach Nahrungsmittelzubereitungen in der Region wider – ein Trend, der mit dem Bevölkerungswachstum und der Urbanisierung in Westafrika zusammenhängt. Die Exportmengen nach Senegal stiegen von 40.362 Tonnen (2015) auf 89.589 Tonnen (2025).

Importseitig dominiert das Vereinigte Königreich – Singapur-Volumen kollabiert

Auf der Importseite zeichnet sich eine bemerkenswerte Verschiebung ab: Das Vereinigte Königreich festigte seine Position als wichtigster Importpartner der EU (von 58,6 Mio. EUR auf 111,1 Mio. EUR, +89,8 %), was teilweise durch den Brexit und die damit verbundene Neuordnung der Handelsbeziehungen erklärt werden kann. Singapur, das 2019 mit 336,9 Mio. EUR zeitweise der mit Abstand wichtigste Importeur war, kollabierte auf nur noch 3,6 Mio. EUR im Jahr 2025 (-85,9 %). Dieser extreme Rückgang – die Mengen sanken von 65.562 Tonnen auf 834 Tonnen – deutet auf eine Umstrukturierung von Handelsrouten oder eine Verlagerung der Produktionsstandorte hin. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China von 3,4 Mio. EUR auf 14,7 Mio. EUR (+338,7 %) und aus Südkorea von 1,4 Mio. EUR auf 8,2 Mio. EUR (+476,8 %).

EU-Mitgliedstaaten mit unterschiedlichen Exportprofilen

Innerhalb der EU zeigt sich eine deutliche Spezialisierung (Spezialisierungskarte). Irland weist mit einem RSCA-Wert von 0,68 und einem RCA von 5,28 die mit Abstand höchste Spezialisierung auf – trotz eines nur moderaten Produktionsanteils von 11 % an der EU-Gesamtproduktion. Die großen Exportnationen Irland (705 Mio. EUR), die Niederlande (504 Mio. EUR), Dänemark (446 Mio. EUR) und Deutschland (305 Mio. EUR) dominieren die EU-Ausfuhren.

EU-Exporteur 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Irland 372,3 705,1 +89,4 %
Niederlande 286,0 504,5 +76,4 %
Dänemark 357,9 445,7 +24,6 %
Deutschland 180,7 305,3 +69,0 %
Polen 98,3 320,2 +225,8 %

Polen (+225,8 %) und Belgien (+99,6 %) verzeichneten die stärksten relativen Zuwächse unter den EU-Exporteuren. Auf der Importseite wuchs Irland von 12,9 Mio. EUR auf 41,7 Mio. EUR (+222,8 %) und Frankreich von 14,0 Mio. EUR auf 39,4 Mio. EUR (+181,7 %) am stärksten.


3. Volatilität, Preisschocks und strukturelle Veränderungen in der Produktzusammensetzung

Singapur als extremes Beispiel für Handelsvolatilität

Die Analyse der Volatilität zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern. Bei den Importen weist Singapur mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 1,37 die bei Weitem höchste Schwankung auf – ein Wert, der die extreme Volatilität des Handels mit diesem Partner widerspiegelt. Taiwan (CV 0,77), Kamerun (CV 0,64) und Indien (CV 0,56) zeigen ebenfalls hohe Schwankungen.

Bei den Exporten ist die Volatilität insgesamt geringer, wobei Jemen (CV 0,53) und die Elfenbeinküste (CV 0,41) die höchsten Schwankungsbreiten aufweisen. Die etablierten Märkte wie Saudi-Arabien (CV 0,16) und Mauretanien (CV 0,13) zeichnen sich durch vergleichsweise stabile Handelsbeziehungen aus.

Identifizierte Preisschocks

Die Schockanalyse identifizierte mehrere signifikante Preisverschiebungen im Exportbereich:

Schock-Ereignis Jahr Preisänderung Wertanteil Abnormalität
Vereinigte Arabische Emirate 2022 +37,3 % 5,7 % 27,0
Weißrussland 2018 +197,4 % 0,2 % 15,3
Ghana 2022 +36,2 % 1,6 % 14,4
China 2019 +54,5 % 2,4 % 11,6

Der Preisschock bei den Exporten in die VAE im Jahr 2022 (Preisanstieg um 37,3 % auf 3.201 EUR/Tonne) fällt zeitlich mit den globalen Lieferkettenstörungen und der Inflation nach dem Ukraine-Konflikt zusammen. Der extremste Schock trat bei Weißrussland im Jahr 2018 auf (+197,4 %), wobei der Handel mit diesem Partner in der Folgezeit weitgehend zusammenbrach (von 49.445 Tonnen in 2017 auf 430 Tonnen in 2025).

Im Importbereich stach ein Preis-Schock bei Singapur im Jahr 2020 hervor: Die Einfuhrpreise verdoppelten sich nahezu (+111,9 % auf 9.880 EUR/Tonne), während die Mengen auf ein Viertel des Vorjahresniveaus einbrachen. Dies deutet auf eine strukturelle Veränderung der Handelsbeziehungen hin.

Produktsegmente: Wandel in der Zusammensetzung

Die Produktaufschlüsselung zeigt eine signifikante Verschiebung in der Exportzusammensetzung. Das Segment 19019095 (Pulver aus entrahmter Milch/Molke mit pflanzlichen Fetten, ≤30 % Fettgehalt) wurde ab 2020 als eigenständige Unterposition erfasst und entwickelte sich sofort zum zweitgrößten Exportsegment mit 1,08 Mrd. EUR im Jahr 2025. Die klassische Restkategorie 19019099 (sonstige Lebensmittelzubereitungen) blieb mit 1,34 Mrd. EUR zwar das größte Segment, verlor aber im Zeitraum 2015–2025 relativ an Bedeutung (Mengenrückgang von 766.922 auf 495.864 Tonnen, -35,3 %).

Produktsegment (Exporte) 2020 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
19019099 – Sonstige Lebensmittelzubereitungen 1.311 1.341 +2,3 %
19019095 – Milch/Molke-Pulver mit pflanzl. Fetten 807 1.083 +34,3 %
19019091 – Lebensmittelzubereitungen ohne Milchfett 304 437 +43,9 %
19019019 – Malzextrakt (< 90 % TM) 40 48 +18,3 %

Auf der Importseite dominiert das Segment 19019099 mit 145,8 Mio. EUR (2025), gefolgt von 19019091 (29,0 Mio. EUR). Der Import von Malzextrakt (beide Unterpositionen zusammen) machte 2025 rund 26,4 Mio. EUR aus.

Produktionsentwicklung mit Datenqualitätseinschränkungen

Die EU-Produktionsdaten weisen erhebliche Qualitätsprobleme auf: Ab 2022 wird ein sprunghafter Anstieg auf 1,79 Mrd. Tonnen (2022) bzw. 1,99 Mrd. Tonnen (2023) und 1,85 Mrd. Tonnen (2024) ausgewiesen, nachdem die Werte zuvor zwischen 25 und 76 Mio. Tonnen schwankten. Die Daten sind als „estimate" oder „rounded" gekennzeichnet, sodass dieser Sprung wahrscheinlich auf methodische Änderungen oder verbesserte Erfassung zurückzuführen ist und nicht auf einen tatsächlichen Produktionsanstieg. Die Konzentrationsindizes der Exporte (HHI von 429 auf 351) zeigen eine leichte Dekonzentration, was auf eine Diversifizierung der Absatzmärkte hindeutet.


Schluss

Der EU-Handel mit Produkten des Zollcodes 190190 hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt. Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen:

Erstens hat sich die EU von einem nahezu ausgeglichenen Handelspartner zu einem dominanten Nettoexporteur entwickelt, dessen Exportüberschuss 2025 fast das Achtfache der Importe betrug. Diese Transformation wurde durch steigende Preise und wachsende Mengen gleichermaßen getrieben.

Zweitens vollzog sich eine deutliche regionale Umorientierung: Westafrika (Senegal, Mauretanien, Elfenbeinküste) und der Nahe Osten (VAE, Irak) gewannen als Absatzmärkte stark an Bedeutung, während der einst wichtige Importpartner Singapur nahezu vom Markt verschwand. Innerhalb der EU sind Irland, die Niederlande und Dänemark die Exportdominanz, wobei Polen als dynamischer Aufsteiger hervorsticht.

Drittens zeigt die Produktzusammensetzung einen strukturellen Wandel: Das Segment der Milch/Molke-Pulver mit pflanzlichen Fetten (19019095) wurde ab 2020 zu einem eigenständigen und schnell wachsenden Exportprodukt, das mittlerweile mehr als ein Drittel der EU-Exporte ausmacht. Gleichzeitig sind bei einzelnen Handelspartnern erhebliche Preisschocks zu beobachten gewesen, die teils mit geopolitischen Ereignissen (Weißrussland 2018), teils mit pandemiebedingten Lieferkettenstörungen (VAE 2022) zusammenhängen. Die Datenqualität – insbesondere bei den Produktionszahlen – erfordert jedoch Vorsicht bei der Interpretation längerfristiger Trends.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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