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Marktentwicklung: Malz (CN 110710) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für den Zolltarifposten CN 110710 – Malz, nichtgeröstet. Die EU ist in diesem Segment ein bedeutender Nettoexporteur: Mit einer eigenen Produktionsmenge von rund 7,6 Mio. Tonnen (2025) bei Exporten von rund 2,5 Mio. Tonnen und lediglich rund 37.000 Tonnen Importen übersteigt der Export die Einfuhr um ein Vielfaches (Übersicht). Die drei zentralen Dynamiken des untersuchten Zeitraums sind: (1) ein überwiegend preisgetriebenes Exportwachstum bei mengenmäßiger Stagnation, (2) tiefgreifende Verschiebungen bei den Handelspartnern sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite und (3) ein markanter Preisanstieg entlang der gesamten Wertschöpfungskette, der durch geopolitische Ereignisse und Energiekostenkrisen verstärkt wurde.


1. Preisgetriebenes Exportwachstum bei mengenmäßiger Stabilität

Der Exportwert stieg deutlich, während die Mengen nahezu unverändert blieben

Der auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist die Diskrepanz zwischen der Entwicklung des Exportwertes und der exportierten Menge. Zwischen 2015 und 2025 wuchs der Exportwert um 28,0 % von 974,7 Mio. EUR auf 1.247,8 Mio. EUR, während die exportierte Menge mit −0,5 % nahezu unverändert blieb (von 2.493.032 t auf 2.481.296 t). Der durchschnittliche Exportpreis stieg im gleichen Zeitraum um 28,6 % von 391 EUR/t auf 503 EUR/t (Übersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 974,7 1.247,8 +28,0 %
Exportmenge (t) 2.493.032 2.481.296 −0,5 %
Exportpreis (EUR/t) 391 503 +28,6 %

Das Exportvolumen bewegte sich im gesamten Zeitfenster in einer relativ engen Spanne zwischen einem Minimum von 2.280.720 t und einem Maximum von 2.646.294 t. Der Exportwert hingegen schwankte zwischen 875,3 Mio. EUR und 1.604,5 Mio. EUR – die Preiseinwirkung war somit der dominierende Wachstumstreiber.

Die EU behauptet ihre Rolle als starker Nettoexporteur

Die Netto-Importabhängigkeit lag über den gesamten Zeitraum konstant im negativen Bereich und pendelte zwischen −41,6 % und −86,2 %, was die EU durchgängig als Nettoexporteur ausweist. Der Saldo blieb mit −50,5 % (2015) und −50,6 % (2025) nahezu unverändert. Der Handelsbilanzüberschuss wuchs dabei nominal um 26,8 % von 965,7 Mio. EUR auf 1.224,9 Mio. EUR (Übersicht).

Handelsintensität und Exportquote bestätigen die Offenheit des Marktes

Die Handelsintensität (Exporte + Importe als Anteil der Produktion) lag 2025 bei 34,5 % (2015: 34,8 %), die Exportquote bei 34,1 % (2015: 34,3 %). Beide Kennzahlen blieben über den Zeitraum bemerkenswert stabil, was darauf hindeutet, dass die EU ihre Position auf den globalen Märkten trotz weltwirtschaftlicher Turbulenzen behaupten konnte.


2. Tiefgreifende Verschiebungen bei den Handelspartnern

Importquellen: Neue osteuropäische Lieferanten verdrängen südamerikanische

Auf der Importseite vollzog sich eine bemerkenswerte Neuausrichtung der Lieferantenstruktur. Uruguay, das 2015 mit 34,5 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Importpartner war, verschwand bis 2025 nahezu vollständig aus der Handelsstatistik (−100,0 %). An seine Stelle traten vor allem Ukraine und Serbia, deren Importwerte sich jeweils vervielfachten (Ländervergleich Importe):

Partnerland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 8.377.045 13.614.830 +62,5 %
Ukraine 207.384 5.521.917 +2.562,7 %
Serbia 95.550 2.738.111 +2.765,6 %
Uruguay 34.459.992 145 −100,0 %
Brasilien 201 1.893 +841,8 %

Die Importkonzentration (HHI) sank im Wert von 8.634 auf 4.251 (−50,8 %) und im Volumen von 9.250 auf 3.450 (−62,7 %). Dies bedeutet eine signifikante Diversifizierung der Importquellen: Die EU bezieht ihr Importmalz nicht mehr aus einer dominanten Quelle, sondern verteilt es auf mehrere Lieferländer. Das Verschwinden Uruguays und das Aufsteigen der Ukraine und Serbias spiegeln vermutlich sowohl veränderte Preiswettbewerbsbedingungen als auch die zunehmende Integration osteuropäischer Märkte in die EU-Wertschöpfungsketten wider.

Innerhalb der EU waren die wichtigsten Importländer 2025 Poland (3,6 Mio. EUR), Ireland (3,2 Mio. EUR), France (3,5 Mio. EUR) und Netherlands (1,4 Mio. EUR). Auffällig war das extreme Wachstum Polens (+7.992 %) und Frankreichs (+1.099 %) gegenüber dem Ausgangswert 2015 (EU-Intra-Importe).

Exportmärkte: Afrika und Brasilien gewinnen an Bedeutung

Auf der Exportseite verschoben sich die Gewichte ebenfalls erheblich. Während Vietnam als Exportmarkt an Bedeutung verlor (−44,4 %, von 79,4 Mio. EUR auf 44,1 Mio. EUR), wuchsen mehrere afrikanische Märkte sowie Brasilien stark (Ländervergleich Exporte):

Partnerland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Brasilien 50.528.426 101.847.799 +101,6 %
Japan 73.580.727 96.309.161 +30,9 %
Nigeria 50.707.697 50.882.057 +0,3 %
Vietnam 79.376.071 44.126.564 −44,4 %
Südafrika 28.510.865 47.840.194 +67,8 %
Vereinigtes Königreich 33.183.645 54.732.165 +64,9 %
Kamerun 27.743.768 57.147.201 +106,0 %

Kamerun verdoppelte seinen Importwert und stieg zu einem der wichtigsten afrikanischen Abnehmer auf. Brasilien wurde zum größten einzelnen Exportmarkt der EU – ein bemerkenswerter Anstieg um 101,6 %. Die Exportkonzentration (HHI) blieb dabei mit Werten um 315–316 sehr niedrig, was auf eine breite Diversifizierung der Exportmärkte hindeutet.

Auf EU-Ebene dominieren wenige Mitgliedstaaten den Export

Innerhalb der EU konzentrierte sich der Export 2025 auf drei große Produzenten (EU-Intra-Exporte):

EU-Mitgliedstaat 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Belgien 329.298.054 355.470.405 +7,9 %
Frankreich 215.263.508 285.997.167 +32,9 %
Deutschland 178.333.235 214.019.583 +20,0 %
Niederlande 53.331.709 89.624.525 +68,1 %
Polen 4.212.968 53.142.781 +1.161,4 %

Polen zeigte mit einem Anstieg von 1.161 % das mit Abstand stärkste Wachstum und etablierte sich als relevanter Exporteur innerhalb der EU.


3. Preisexplosion, Schocks und regionale Spezialisierung

Preisanstiege entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Die Preisentwicklung war das dominante Marktmuster des Jahrzehnts. In der EU-Produktion stieg die Produktionsmenge um 20,6 % (von 6.267 Mio. kg auf 7.558 Mio. kg), der Produktionswert jedoch um 140,6 % (von 1.737 Mio. EUR auf 4.179 Mio. EUR). Dies entspricht einer Verdopplung der durchschnittlichen Produktionspreise pro Kilogramm.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mio. kg) 6.267 7.558 +20,6 %
Produktionswert (Mio. EUR) 1.737 4.179 +140,6 %

Auch auf der Importseite waren die Preisanstiege erheblich: Der durchschnittliche Importpreis stieg um 73,3 % von 363 EUR/t auf 629 EUR/t (Übersicht). Diese breit angelegte Preisinflation deutet auf übergreifende Faktoren hin – insbesondere die Energiekrise 2022 und gestiegene Getreidepreise infolge des Ukraine-Kriegs.

Spezifische Preischocks in den Jahren 2022 und 2023

Die Schockanalyse identifizierte mehrere signifikante Preisschocks:

Land Typ Richtung Jahr Abnormalität Preisverschiebung Anteil am Gesamtwert
Guatemala Preis Export 2022 11,2 +63,6 % 2,6 %
Costa Rica Preis Export 2022 9,1 +58,9 % 1,1 %
Serbia Preis Import 2023 5,9 +97,8 % 8,8 %

Die Schocks in Guatemala und Costa Rica im Jahr 2022 fallen mit dem globalen Preisschub nach Beginn des Ukraine-Konflikts zusammen. Der serbische Importschock 2023 (nahezu Verdopplung der Preise) ist angesichts des rapide gewachsenen Handelsvolumens mit Serbia besonders bemerkenswert und könnte auf Engpässe in der serbischen Produktionskapazität oder gestiegene Inputkosten zurückzuführen sein.

Volatilitätsmuster unterscheiden sich zwischen Import- und Exportseite

Die Volatilitätsanalyse zeigt deutliche Unterschiede:

  • Importseite: Sehr hohe Variationskoeffizienten bei neuen Lieferanten wie der Türkei (CV 3,12), Brasilien (CV 2,83) und Russland (CV 2,49), was die labile Natur dieser Handelsbeziehungen unterstreicht.
  • Exportseite: Deutlich geringere Volatilität bei den wichtigsten Abnehmern – Japan (CV 0,08), die USA (CV 0,18) und Nigeria (CV 0,24) zeigten besonders stabile Handelsmuster.

Regionale Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt eine klare räumliche Konzentration der Malzproduktion:

EU-Mitgliedstaat RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Slowakei 0,728 6,37 13,5 %
Frankreich 0,580 3,77 29,4 %
Litauen 0,444 2,60 1,6 %
Tschechien 0,291 1,82 8,7 %
Österreich 0,237 1,62 5,4 %

Frankreich ist mit 29,4 % des EU-Produktionsvolumens der mit Abstand größte Produzent, gefolgt von Tschechien (8,7 %) und Österreich (5,4 %). Slowakei weist trotz eines geringeren Produktionsanteils den höchsten Spezialisierungsindex auf, was auf eine überproportionale Bedeutung des Malzsektors für die slowakische Wirtschaft hindeutet. Am anderen Ende des Spektrums stehen Länder wie Irland (RSCA −1,00) und Italien (RSCA −0,98), die praktisch kein Malz für den Export produzieren (Spezialisierung).

Produktsegment 11071099 dominiert den Handel

Innerhalb des CN-Headings 110710 dominierte das Segment 11071099 (Malz, nichtgeröstet, ausgenommen Weizenmalz und Mehlform) sowohl bei Exporten als auch bei Importen. Bei den Exporten machte es 2025 rund 2.455.224 t (98,9 % der Gesamtmenge) und 1.230,7 Mio. EUR (98,6 % des Gesamtwerts) aus. Die Preise für dieses Hauptsegment lagen bei 501 EUR/t (Produktsegmentvergleich). Weizenmalz in Mehlform (11071011) und als Korn (11071019) sowie Mehlformen von Nichtweizenmalz (11071091) spielen mengenmäßig eine untergeordnete Rolle, weisen aber teils deutlich höhere Einheitspreise auf – insbesondere 11071011 (1.347 EUR/t bei Exporten 2025) und 11071091 (1.181 EUR/t).


Fazit

Der EU-Markt für nichtgeröstetes Malz (CN 110710) zeichnet sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Merkmale aus:

  1. Preisdominanz über Mengenwachstum: Das Exportwachstum von 28 % wurde vollständig durch Preissteigerungen getragen, während die Mengen stagnierten. Die EU konnte ihre Exportpreise in einem Umfeld steigender globaler Energie- und Rohstoffkosten erfolgreich weitergeben.

  2. Strukturelle Neuausrichtung der Partnerschaften: Die Importseite erlebte einen grundlegenden Wandel – Uruguay als einst dominierender Lieferant wurde vollständig durch Ukraine und Serbia ersetzt. Auf der Exportseite gewannen afrikanische Märkte (Kamerun, Südafrika) und Brasilian an Gewicht, während Vietnam an Bedeutung verlor. Die sinkende Importkonzentration (HHI −51 %) signalisiert eine robustere Diversifizierung der Beschaffungsbasis.

  3. Breit angelegte Preisinflation: Der Produktionswert stieg um 141 % bei nur 21 % Mengenwachstum, die Importpreise um 73 %, die Exportpreise um 29 %. Die identifizierten Preischocks in Mittelamerika (2022) und Serbien (2023) deuten auf anhaltende Anfälligkeit gegenüber geopolitischen und klimatischen Störungen hin, wenngleich die breite Diversifizierung der Exportmärkte (HHI ~316) eine gewisse Resilienz bietet.

Insgesamt zeigt sich die EU als stabiler und wettbewerbsfähiger Nettoexporteur von nichtgeröstetem Malz, der seine dominante Marktposition trotz erheblicher globaler Herausforderungen behaupten konnte.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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