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Marktentwicklung: Leichtkrafträder (CN 871120) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 871120 erfasst Krafträder mit Hubkolbenverbrennungsmotor mit einem Hubraum von über 50 cm³ bis 250 cm³ — ein Segment, das Motorroller, Leichtkrafträder (50–125 cm³) und mittlere Motorräder (125–250 cm³) umfasst. Der europäische Markt für diese Fahrzeugklasse hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert: Die Einfuhren in die EU sind nahezu explodiert, während sich die Handelspartnerstruktur sowohl bei Importen als auch bei Exporten grundlegend verschoben hat. Gleichzeitig ist die binnenländische Produktion in Volumina leicht rückläufig, während ihr Wert stark gestiegen ist — ein Hinweis auf eine Verlagerung hin zu höherpreisigen Modellen. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken anhand der vorliegenden Daten und ordnet sie in ihren wirtschaftlichen Kontext ein.


1. Asiatischer Importboom und ein sich vertiefendes Handelsdefizit

1.1 Die Einfuhren haben sich nahezu verdoppelt

Der wohl auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist das massive Wachstum der EU-Einfuhren. Der Importwert stieg von 348,5 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 684,2 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Anstieg von 96,3 %. Auch mengenmäßig (Nettogewicht) nahmen die Importe von 37.119 t auf 61.832 t zu (+66,6 %). Die Stückzahlen (Stückpreis-Einheiten) stiegen von 310.693 auf 499.223 Einheiten (+60,7 %). Diese Zuwächse zeigen, dass die EU ihren Bedarf an Leichtkrafträdern zunehmend durch Importe deckt.

Demgegenüber wuchs der Exportwert im selben Zeitraum lediglich von 242,5 Mio. EUR auf 279,0 Mio. EUR (+15,0 %). Das Handelsdefizit verschärfte sich damit von −106,0 Mio. EUR auf −405,3 Mio. EUR — eine Verschlechterung um 282,4 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 348,5 684,2 +96,3 %
Exportwert (Mio. EUR) 242,5 279,0 +15,0 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −106,0 −405,3 −282,4 %
Importmenge (t) 37.119 61.832 +66,6 %
Exportmenge (t) 10.411 12.036 +15,6 %

1.2 China und Vietnam als Triebkräfte des Importwachstums

Die Hauptursache des Importbooms liegt in der massiven Ausweitung der Lieferungen aus Asien. China blieb mit Abstand der wichtigste Importpartner: Der Wert stieg von 140,8 Mio. EUR auf 347,0 Mio. EUR (+146,5 %). Damit entfielen 2025 rund 50,7 % des gesamten EU-Importwerts auf China.

Noch beeindruckender ist jedoch der Aufstieg Vietnams: Der Importwert verneunfachte sich nahezu von 19,8 Mio. EUR auf 160,0 Mio. EUR (+707,6 %). Vietnam ist damit vom fünftgrößten zum zweitgrößten Importpartner aufgestiegen — ein bemerkenswerter Strukturwandel, der teilweise durch die Verlagerung von Produktionskapazitäten aus China und die EU-Vietnam-Freihandelsvereinbarung (EVFTA) erklärt werden kann.

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 140,8 347,0 +146,5 %
Vietnam 19,8 160,0 +707,6 %
Indonesien 19,0 53,8 +183,3 %
Indien 19,8 39,6 +100,2 %
Thailand 35,7 25,2 −29,4 %
Taiwan 49,5 13,9 −72,0 %
Japan 51,4 40,6 −21,2 %

Während also die südostasiatischen Volkswirtschaften (Vietnam, Indonesien, Indien) stark zulegten, verloren die traditionellen Lieferanten Taiwan (−72,0 %), Japan (−21,2 %) und Thailand (−29,4 %) an Bedeutung. Dies deutet auf eine Verlagerung der globalen Produktionslandschaft für Leichtkrafträder hin — weg von reifen Industrieländern und hin zu kostengünstigeren Produktionsstandorten in Südostasien.

1.3 Zunehmende Importkonzentration auf wenige Partner

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration nach Wert stieg von 2.255 auf 3.273 (+45,1 %). Ein HHI über 2.500 gilt als Hinweis auf einen hoch konzentrierten Markt. Die EU bezieht also einen wachsenden Teil ihrer Leichtkrafträder-Importe aus immer weniger Herkunftsländern — was potenziell Lieferabhängigkeiten erhöht.


2. Umstrukturierung der Exportmärkte: Brexit, Türkei-Boom und neue Akzente

2.1 Der Brexit als Wendepunkt für den EU-Export

Einer der gravierendsten Einbrüche im EU-Export zeigt sich beim wichtigsten Abnehmer: dem Vereinigten Königreich. Die Ausfuhren dorthin sanken von 76,6 Mio. EUR (2015) auf 27,4 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang von 64,2 %. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt hat offensichtlich zu erheblichen Handelsbarrieren geführt, die den Export von Leichtkrafträdern dorthin stark behinderten.

2.2 Die Türkei als neuer Hauptexportmarkt

Als Kehrseite verzeichnete die EU ein explosionsartiges Wachstum der Exporte in die Türkei: von 18,8 Mio. EUR auf 118,7 Mio. EUR (+532,6 %). Damit ist die Türkei 2025 mit Abstand der größte Exportmarkt der EU für dieses Segment. Dieser Anstieg steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Wachstum der türkischen Binnenwirtschaft, der zunehmenden Motorisierung und möglicherweise mit der Zollunion zwischen der EU und der Türkei.

Exportmarkt 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 76,6 27,4 −64,2 %
Türkei 18,8 118,7 +532,6 %
USA 50,4 36,0 −28,5 %
Schweiz 20,9 29,3 +40,0 %
Australien 13,3 5,0 −61,9 %
Israel 6,4 4,6 −27,9 %

2.3 Italien als aufstrebender Exporteur — Österreich und Frankreich verlieren

Innerhalb der EU hat sich die Rangfolge der exportierenden Mitgliedstaaten deutlich verschoben. Italien stieg von 83,6 Mio. EUR auf 163,7 Mio. EUR (+95,8 %) zum größten EU-Exporter auf — ein Ausdruck der starken Wettbewerbsposition italienischer Hersteller (z. B. Piaggio, Aprilia, Ducati) im Segment der Leichtkrafträder.

Österreich hingegen, 2015 noch führend mit 109,1 Mio. EUR, sank auf 60,8 Mio. EUR (−44,2 %). Noch dramatischer war der Rückgang Frankreichs: von 28,7 Mio. EUR auf 5,8 Mio. EUR (−79,8 %). Die Niederlande entwickelten sich dagegen mit einem Anstieg von 6,0 Mio. EUR auf 24,6 Mio. EUR (+309,0 %) zu einem wachsenden Exporteur — möglicherweise als Distributions- und Re-Export-Drehscheibe.

EU-Exporter 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Österreich 109,1 60,8 −44,2 %
Italien 83,6 163,7 +95,8 %
Niederlande 6,0 24,6 +309,0 %
Frankreich 28,7 5,8 −79,8 %
Deutschland 3,4 4,9 +45,0 %

3. Produktsegmente, Preisentwicklung und strukturelle Verschiebungen

3.1 Motorroller dominieren die Importe, kleinere Krafträder wachsen am stärksten

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass Motorroller (CN 87112010) mengenmäßig das größte Importsegment darstellen: von 19.142 t (2015) auf 29.754 t (2025), ein Zuwachs von 55,4 %. Noch stärker wuchsen jedoch die Leichtkrafträder mit 50–125 cm³ (CN 87112092, ausgenommen Roller): von 14.292 t auf 25.691 t (+79,8 %). Die größeren 125–250-cm³-Modelle (CN 87112098) stiegen von 3.685 t auf 6.387 t (+73,3 %).

Segment 2015 (t) 2025 (t) Veränderung
87112010 — Motorroller 19.142 29.754 +55,4 %
87112092 — 50–125 cm³ (ohne Roller) 14.292 25.691 +79,8 %
87112098 — 125–250 cm³ (ohne Roller) 3.685 6.387 +73,3 %

3.2 Preisentwicklung: Steigende Importpreise bei Rollern und 50–125-ccm-Modellen

Die durchschnittlichen Importpreise pro Stück entwickelten sich je Segment unterschiedlich:

  • Motorroller (87112010): Der Stückpreis stieg von 1.071 EUR auf 1.495 EUR (+39,6 %) — ein Hinweis auf aufwertende Produktmix-Verschiebungen und/oder Inflationseffekte.
  • 50–125 cm³ (87112092): Der Preis pro Stück erhöhte sich von 931 EUR auf 1.220 EUR (+31,1 %).
  • 125–250 cm³ (87112098): Hier sank der Stückpreis dagegen von 2.117 EUR auf 1.466 EUR (−30,7 %). Dies könnte auf verstärkte Importe günstigerer Modelle aus Asien hindeuten, die das Preisniveau drücken.
Segment Importpreis 2015 (EUR/Stück) Importpreis 2025 (EUR/Stück) Veränderung
Motorroller 1.071 1.495 +39,6 %
50–125 cm³ 931 1.220 +31,1 %
125–250 cm³ 2.117 1.466 −30,7 %

3.3 Italien als Spezialisierungsmotor der EU-Produktion

Die Produktionsspezialisierung innerhalb der EU zeigt ein klares Bild: Italien weist mit einem RSCA-Index von 0,69 und einem RCA-Wert von 5,48 die mit Abstand höchste Spezialisierung auf — 43,9 % der EU-Produktion stammen von italienischen Herstellern. Österreich (RSCA 0,48) und Frankreich (RSCA 0,37) folgen, wenngleich in deutlichem Abstand.

Die EU-Produktion in Stückzahlen sank im Zeitraum leicht von 703.310 auf 600.000 Einheiten (−14,7 %), der Produktionswert stieg jedoch von 3,06 Mrd. EUR auf 5,00 Mrd. EUR (+63,6 %). Dieser scheinbare Widerspruch — weniger Stücke, aber deutlich mehr Umsatz — weist auf eine Verlagerung der Produktion hin zu höherwertigen Modellen und steigende Durchschnittspreise hin.

3.4 Gestiegene Handelsintensität und Exportneigung

Die Exportquote der EU bei Leichtkrafträdern verdoppelte sich nahezu: von 23,7 % auf 49,7 % (+109,6 %). Die gesamte Handelsintensität (Exporte + Importe relativ zur Produktion) stieg von 56,3 % auf 69,7 %. Gleichzeitig sank die Netto-Importabhängigkeit von 33,7 % auf 13,9 % — ein Rückgang um 58,7 %. Dies bedeutet, dass trotz des absolut gestiegenen Handelsdefizits die EU ihre Produktionsbasis im Verhältnis zum Importbedarf stabilisieren konnte.


Fazit

Der EU-Markt für Leichtkrafträder (CN 871120) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert:

  1. Asiatische Dominanz bei Importen: Die Einfuhren haben sich nahezu verdoppelt, getrieben von China und dem dramatischen Aufstieg Vietnams. Gleichzeitig verloren Taiwan, Japan und Thailand an Bedeutung — ein Hinweis auf eine Verschiebung globaler Produktionsketten.

  2. Exportmarktumbruch: Der Brexit hat den EU-Export in das Vereinigte Königreich um zwei Drittel einbrechen lassen. Die Türkei ist zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt aufgestiegen. Innerhalb der EU hat sich Italien als führender Exporteur etabliert, während Österreich und Frankreich stark verloren.

  3. Strukturelle Anpassung: Die EU produziert weniger Einheiten, aber mit deutlich höherem Wert — ein Zeichen für die Verlagerung zu premiumen Modellen. Die Exportquote hat sich nahezu verdoppelt, was auf eine zunehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit des Sektors hindeutet, auch wenn das absolute Handelsdefizit gewachsen ist.

Insgesamt zeigt der Markt ein Bild zweier gegenläufiger Kräfte: einerseits eine wachsende Importabhängigkeit von asiatischen Herstellern für das Volumengeschäft, andererseits eineeuropäische Industrie, die sich zunehmend auf hochwertigere Fahrzeuge spezialisiert und ihre Exportbasis ausweitet.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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