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Marktentwicklung: Lebensmittelzubereitungen aus Mehl, Grütze, Grieß, Stärke oder Malzextrakt, ohne Gehalt an Kakao oder mit einem Gehalt an Kakao von < 40 GHT, berechnet als vollständig entfetteter Kakao, a.n.g. sowie Lebensmittelzubereitungen aus Milch, Rahm, Buttermilch, saurer Milch, saurem Rahm, Molke, Joghurt, Kefir oder ähnl. Waren der Pos. 0401 bis 0404, ohne Gehalt an Kakao oder mit einem Gehalt an Kakao von < 5 GHT, berechnet als vollständig entfetteter Kakao, a.n.g., zur Ernährung von Kindern, in Aufmachungen für den Einzelverkauf (CN 190110) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 190110 umfasst Säuglings- und Kindernahrung auf Basis von Mehl, Grütze, Grieß, Stärke oder Milcherzeugnissen — Produkte, die in Einzelverpackungen für den Endverbraucher bestimmt sind. Die Europäische Union ist in diesem Segment ein globaler Schwergewichtsexporteur mit einer ausgeprägten Handelsbilanzüberschussposition. Im Zeitraum 2015 bis 2025 vollzog sich eine bemerkenswerte Transformation: Während die Exportwerte um 26,4 % auf zuletzt rd. 4,92 Mrd. EUR stiegen, sanken die exportierten Mengen um 3,7 % — ein Indiz für eine preisgetriebene Dynamik. Gleichzeitig brachen die EU-Importe sowohl mengen- (−58,0 %) als auch wertmäßig (−33,1 %) ein. Der vorliegende Bericht analysiert die wesentlichen Trends und strukturellen Verschiebungen im Detail.

Detaillierte Handelsübersicht


1. Preisgetriebenes Wachstum bei rückläufigen Mengen: Die Wert-Mengen-Schere

Die Exportpreise stiegen um 31,2 %, während die Mengen leicht schrumpften

Die zentrale Dynamik im untersuchten Zeitraum ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen Exportwert und -volumen. Der EU-Gesamtexportwert wuchs von 3,89 Mrd. EUR (2015) auf 4,92 Mrd. EUR (2025), was einem Zuwachs von 26,4 % entspricht. Demgegenüber sank die exportierte Menge von 486.728 Tonnen auf 468.684 Tonnen (−3,7 %). Der durchschnittliche Exportpreis kletterte damit von 7.992 EUR/t auf 10.485 EUR/t — ein Anstieg um 31,2 % und der höchste Wert im gesamten Beobachtungszeitraum.

Kennzahl 2015 2019 2022 2025 Veränderung 2015–2025
Exportwert (Mrd. EUR) 3,89 4,79 5,26 4,92 +26,4 %
Exportmenge (t) 486.728 616.247 575.023 468.684 −3,7 %
Exportpreis (EUR/t) 7.992 7.770 9.146 10.485 +31,2 %

Besonders auffällig: Der Exportpreisanstieg konzentrierte sich auf die Jahre 2021–2025, parallel zur globalen Inflationswelle und den gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten im Zuge der COVID-19-Pandemie sowie des Ukraine-Kriegs. Die Exportmenge erreichte ihren Höchststand im Jahr 2018 (632.275 t) und sank seitdem kontinuierlich.

Auch bei den Importen dominiert der Preisanstieg

Die EU-Importe verzeichneten einen noch dramatischeren Einbruch: Das Volumen sank von 10.138 t (2015) auf nur noch 4.258 t (2025), ein Rückgang von 58,0 %. Gleichzeitig stieg der Importpreis von 5.716 EUR/t auf 9.097 EUR/t (+59,1 %). Der Importwert fiel entsprechend von rd. 58 Mio. EUR auf rd. 39 Mio. EUR (−33,1 %). Dies deutet auf eine zunehmende Importsubstitution hin — die EU bezieht weniger, aber teurere Restmengen aus Drittländern.

Kennzahl 2015 2019 2022 2025 Veränderung 2015–2025
Importwert (Mio. EUR) 57,9 50,8 54,4 38,7 −33,1 %
Importmenge (t) 10.138 7.451 6.564 4.258 −58,0 %
Importpreis (EUR/t) 5.716 6.818 8.291 9.097 +59,1 %

Produktion und Exportpropension belegen die steigende Exportorientierung

Die EU-Inlandsproduktion von Kindernahrung (Prodcom 10.86.10.70) stieg im gleichen Zeitraum deutlich an: von rd. 907 Mio. t und rd. 4,05 Mrd. EUR (2015) auf rd. 1 Mrd. t und rd. 5,50 Mrd. EUR (2024). Damit erhöhte sich die Exportpropension — der Anteil der Produktion, der in Drittländer exportiert wird — von 41,9 % (2003) bzw. rd. 96 % (2015) auf rd. 87 % (2025). Die EU produziert zunehmend für den Weltmarkt, insbesondere für den asiatischen Raum.


2. China als dominierender Absatzmarkt, Schweiz als schwindende Importquelle

China absorbiert knapp die Hälfte aller EU-Exporte

Die mit Abstand wichtigste Exportdestination ist die Volksrepublik China. Im Jahr 2025 gingen Exporte im Wert von rd. 2,38 Mrd. EUR dorthin — das entspricht rd. 48 % des gesamten EU-Außenhandelswerts in CN 190110. Im Vergleich zu 2015 (1,22 Mrd. EUR) bedeutet dies eine Verdopplung (+94,9 %). Die konjunkturelle Nachfrage nach westlicher Kindernahrung in China, getrieben von Vertrauensvorteilen europäischer Marken und einer wachsenden Mittelschicht, blieb trotz geopolitischer Spannungen ein struktureller Wachstumstreiber.

Demgegenüber sanken die Exporte nach Hongkong von 766 Mio. EUR (2015) auf 216 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 71,9 %. Hongkong fungierte historisch als Durchlaufstation für Re-Exporte in die chinesische Festlandsmarkt; die Abnahme spiegelt teilweise eine Direktverlagerung der Lieferketten wider.

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 1.220 2.377 +94,9 %
Vereinigtes Königreich 225 265 +17,7 %
Saudi-Arabien 272 202 −25,7 %
Hongkong 766 216 −71,9 %
Algerien 129 88 −31,7 %
Türkei 86 140 +63,1 %
Russische Föderation 102 84 −17,8 %

Nischenmärkte mit starkem Wachstum: Türkei und Irak

Zwei bemerkenswerte Wachstumsmärkte sind die Türkei (+63,1 % auf 140 Mio. EUR) und der Irak, der in der Top-7 der Konzentrationsanalyse mit Exporten von rd. 125 Mio. EUR (2025) erscheint — ein Anstieg von rd. 37 Mio. EUR im Jahr 2015. Diese Märkte profitieren von urbanisierungsbedingt steigender Nachfrage nach verarbeiteter Säuglingsnahrung.

Importseite: Strukturelle Umwälzung der Lieferanten

Die Importseite zeigt eine tiefgreifende Umstrukturierung. Die Schweiz, 2015 mit rd. 37 Mio. EUR größter Importeur, sank auf nur noch 8,8 Mio. EUR (−76,2 %). Die Schweizer Lieferungen sind mengenmäßig von 6.314 t auf 878 t eingebrochen — ein Zeichen für die Verlagerung der Produktion in die EU oder den Bedeutungsverlust bestimmter Schweizer Hersteller.

Gleichzeitig stiegen die Importe aus Neuseeland von unter 0,5 Mio. EUR (2015) auf rd. 12,4 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg um den Faktor 25. Neuseeland profitiert hier vermutlich von seiner starken Position im Bereich Milchpulver-basierter Kindernahrung (z. B. Marken wie a2 Milk).

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Schweiz 37,1 8,8 −76,2 %
Vereinigtes Königreich 17,0 11,1 −34,9 %
Neuseeland 0,5 12,4 +2.453 %
China 0,005 0,5 +11.562 %
Türkei 0,06 1,4 +2.079 %

Konzentration: Exporte werden weniger diversifiziert

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Exportseite stieg von 1.505 (2015) auf 2.453 (2025) — ein Zuwachs von 62,9 %. Dies signalisierende Zunahme der Exportkonzentration, primär bedingt durch die wachsende Dominanz Chinas. Auf der Importseite fiel der HHI hingegen von 5.081 auf 2.677 (−47,3 %), was auf eine Diversifizierung der ohnehin kleinen Importströme hindeutet.


3. Starke Binnenstruktur: Mitgliedstaaten mit komparativen Vorteilen und Volatilität in Nischenmärkten

Irland, Frankreich und Dänemark besitzen die ausgeprägtesten komparativen Vorteile

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für 2025 zeigt, dass innerhalb der EU erhebliche Unterschiede in der Exportkompetenz bestehen:

Mitgliedstaat RSCA RCA Anteil an EU-Produktion Anteil an EU-Exporten
Irland 0,675 5,15 10,8 % 2,1 %
Kroatien 0,507 3,06 1,2 % 0,4 %
Dänemark 0,403 2,35 4,0 % 1,7 %
Frankreich 0,392 2,29 17,9 % 7,8 %
Lettland 0,360 2,12 0,7 % 0,3 %

Irland zeichnet sich durch eine besonders hohe RCA von 5,15 aus — das Land produziert überproportional viel Kindernahrung im Verhältnis zu seiner Gesamtwirtschaft. Die Niederlande dominieren absolut: 2025 exportierten sie Kindernahrung im Wert von rd. 2,09 Mrd. EUR, was rd. 42 % der EU-Gesamtexporte entspricht. Deutschland verzeichnete mit +208,3 % das stärkste Wachstum unter den Top-Exporteuren (von 268 Mio. EUR auf 827 Mio. EUR).

Volatilitätsprofile der Handelspartner variieren stark

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient der Mengen) zeigt für die Exportseite ein heterogenes Bild:

Exportpartner CV (Menge) Bewertung
Vereinigtes Königreich 0,084 Sehr stabil
Türkei 0,135 Stabil
Algerien 0,184 Stabil
Saudi-Arabien 0,205 Moderat
China 0,261 Moderat
Russische Föderation 0,380 Moderat-volatil
Hongkong 0,664 Volatil
Vereinigte Staaten 0,975 Hoch volatil

Das Vereinigte Königreich ist mit einem CV von nur 0,084 der stabilste Exportmarkt — ein Ausdruck der etablierten Lieferbeziehungen und geografischen Nähe. Demgegenüber stehen die USA und Hongkong als mengenmäßig volatile Märkte, die stärkeren konjunkturellen und regulatorischen Schwankungen unterliegen.

Preischocks in ausgewählten Märkten

Die Analyse anomaler Preisverschiebungen identifiziert drei signifikante Preisschocks bei EU-Exporten:

Markt Schocktyp Zeitpunkt Preisabweichung Preisänderung
Israel Preis 2021 27,4σ +33,5 %
Saudi-Arabien Preis 2023 24,9σ +25,0 %
Algerien Preis 2023 23,5σ +22,9 %

Der Israel-Schock 2021 fällt mit dem Ende der COVID-19-Lieferkettenstörungen zusammen; die Preise stiegen von 6.179 EUR/t (2020) auf 8.320 EUR/t (2021) und erreichten 2022–2023 ein neues Hochniveau (8.632 bzw. 10.129 EUR/t). Die Saudi-Arabien- und Algerien-Schocks von 2023 markieren ebenfalls Übergänge zu einem höheren Preisregime — die Preise blieben auch 2024–2025 auf erhöhtem Niveau.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für CN 190110 — Kindernahrung in Einzelverpackungen — befindet sich in einer Phase struktureller Reifung. Die zentralen Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Preis- statt Mengenwachstum: Der Anstieg der Exportwerte (+26,4 %) wird fast vollständig durch Preissteigerungen (+31,2 %) getragen, bei gleichzeitig rückläufigen Mengen (−3,7 %). Die EU exportiert weniger, aber teurer — ein Indiz für eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktkategorien oder schlicht für Kostenweitergabe im Zuge der Inflation.

  2. Asiatische Abhängigkeit: China ist mit rd. 48 % der Exportwerte der dominierende Absatzmarkt. Die Exportkonzentration (HHI) ist entsprechend gestiegen. Dies birgt Chancen (hohe Nachfrage, steigende Mittelschicht) wie Risiken (geopolitische Abhängigkeit, regulatorische Änderungen).

  3. Selbstversorgung und Überschuss: Die EU ist mit einem Nettoimportreliance-Wert von rd. −620 % (2025) ein extremer Nettoexporteur. Die Importe sind marginal (rd. 39 Mio. EUR vs. rd. 4.920 Mio. EUR Exporte). Die inländische Produktionsbasis ist robust und wachsend.

  4. Mitgliedstaatliche Differenzierung: Während die Niederlande und Deutschland absolut dominieren, weisen Irland, Frankreich und Dänemark die stärksten komparativen Vorteile auf. Die Binnenmarktstruktur ist heterogen, was auf unterschiedliche industrielle Traditionen und Herstellerprofile (z. B. Danone, Nestlé, HiPP, Nutricia) zurückzuführen ist.

Die kommenden Jahre werden voraussichtlich durch drei Faktoren geprägt: die demografische Entwicklung in China (rückläufige Geburtenraten), regulatorische Verschärfungen (z. B. EU-Vorschriften zu Säuglingsnahrung, chinesische Registrierungsanforderungen) und die geopolitische Neuordnung der Handelsbeziehungen. Die Fähigkeit der EU-Exporteure, in andere Wachstumsregionen (Südostasien, Naher Osten, Afrika) zu diversifizieren, wird die künftige Marktentwicklung maßgeblich bestimmen.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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