Marktentwicklung: Kunststoffbekleidung (CN 392620) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum von 2015 bis 2025 für die Warengruppe CN 392620, die Kleidung und Bekleidungszubehör aus Kunststofffolien umfasst (z. B. Handschuhe, Regenbekleidung, Schürzen). Der Markt zeichnet sich durch einen hohen Grad an Internationalisierung aus, war aber im Betrachtungszeitraum erheblichen Schwankungen unterworfen. Eine detaillierte Betrachtung der Handelsübersicht zeigt, dass trotz eines rückläufigen Handelsvolumens strukturelle Verschiebungen bei Handelspartnern und der Wettbewerbsfähigkeit stattfanden.
Sinkende Handelsvolumina, aber steigende Preise für EU-Exporte
Der Gesamthandel der EU mit diesem Produkt außerhalb der Union ist im betrachteten Jahrzehnt spürbar geschrumpft. Die Werte für Importe und Exporte sind jeweils signifikant gefallen, wobei die Dynamik bei Menge und Wert unterschiedlich verlief.
Ein deutlicher Rückgang der Importmengen und -werte
Die Importe der EU von Nicht-EU-Ländern sind zwischen 2015 und 2025 um rund 23 % gefallen, sowohl im Wert (von 570 Mio. € auf 441 Mio. €) als auch in der Menge (von ca. 119.000 t auf ca. 91.700 t). Der Höchststand wurde 2021 mit einem Importwert von über 1,4 Mrd. € erreicht, was auf pandemiebedingte Nachfrage und Lieferengpässe zurückzuführen sein könnte. Der Preis pro Tonne blieb im langjährigen Vergleich mit einem Rückgang von nur 0,2 % nahezu stabil.
EU-Exporte: Mengeneinbruch bei gleichzeitigem Preiswachstum
Die Exporte der EU litten noch stärker unter dem Mengenrückgang. Das exportierte Volumen halbierte sich fast, von 7.795 t auf 5.988 t (-23,2 %). Bemerkenswert ist jedoch, dass der Exportwert trotzdem nur um 6,2 % sank (von 107 Mio. € auf 101 Mio. €). Dieser Widerspruch löst sich bei Betrachtung des durchschnittlichen Exportpreises auf, der im selben Zeitraum um beeindruckende 22 % stieg, von rund 13.755 €/t auf 16.779 €/t. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren oder stärker veredelten Produkten hin.
Leicht verbesserte Handelsbilanz durch Importrückgang
Die EU weist in diesem Segment traditionell ein deutliches Handelsdefizit auf. Die Defizitbilanz verbesserte sich von -463 Mio. € (2015) auf -340 Mio. € (2025), was vor allem auf den stärkeren Rückgang der Importe gegenüber den Exporten zurückzuführen ist. Der Handelsverlauf zeigt, dass das Defizit 2021 mit -1,29 Mrd. € seinen Höhepunkt erreichte.
Strukturelle Verschiebungen bei Handelspartnern und Produktion
Neben den Volumenentwicklungen haben sich die Handelsströme und die Produktionslandschaft innerhalb der EU verändert. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten hat abgenommen, während sich die Exportmärkte diversifiziert haben.
China dominiert die Importe, verliert aber Marktanteile
China war und ist der mit Abstand wichtigste Lieferant für die EU. Im Jahr 2015 kamen 78,9 % des Importwertes aus China (450 Mio. €). Bis 2025 sank der Anteil auf 72,7 % (320 Mio. €), obwohl China seinen Spitzenplatz behauptete. Der Importpartner-Vergleich zeigt, dass auch andere asiatische Lieferanten wie Vietnam und Malaysia an Bedeutung verloren, während der Import aus Pakistan um 141 % auf 17,5 Mio. € anstieg.
Der Binnenmarkt wird für Exporte wichtiger
Bei den Exporten ist eine klare Tendenz zur Konzentration auf europäische und westliche Märkte zu erkennen. Die Exportpartner-Übersicht zeigt, dass die Exporte in die USA um 34,8 % auf 14,9 Mio. € stiegen und in die Türkei sich sogar mehr als verdoppelten (105 %). Hingegen sanken die Exporte in das Vereinigte Königreich nach dem Brexit dramatisch um 76 % von 35,8 Mio. € auf 8,5 Mio. €. Innerhalb der EU heben sich Polen (+72 %) und Schweden (+84 %) als stark wachsende Exporteure hervor.
Einbruch der inländischen Produktion bei steigender Effizienz
Die EU-Produktionsdaten offenbaren einen dramatischen Rückgang der Produktionsmenge um 73 % von 150 Mio. kg auf nur 40 Mio. kg. Der Produktionswert sank im gleichen Zeitraum jedoch nur um 2,9 % (von 257 Mio. € auf 250 Mio. €). Dies kann als massiver Produktivitätsgewinns interpretiert werden: Die verbleibende Produktion findet in höherwertigen Segmenten statt oder ist effizienter geworden. Die Spezialisierung nach RCA-Index zeigt, dass Länder wie Polen, Spanien und Italien ihre komparativen Vorteile in diesem Segment ausbauen konnten.
Volatilität, Schocks und reduzierte Importabhängigkeit
Der Markt war verschiedenen externen Schocks ausgesetzt, gleichzeitig hat sich die strukturelle Verwundbarkeit der EU verringert. Die Handelsströme einzelner Partnerländer zeigten dabei eine hohe Volatilität.
Preisschocks in der Lieferkette von China
Die Analyse von Volatilität und Schocks identifiziert den größten Schock in den Importen aus China im Jahr 2020. Die Abnormalität lag bei 55,1, was einem extremen Preisanstieg von 70,1 % entsprach. Dieser Schock macht 100 % der detektierten Schock-Ereignisse im Import aus und steht vermutlich in Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie, die globale Lieferketten störte und Nachfrageverschiebungen verursachte. Die Volatilität (Variationskoeffizient) war bei Handelsströmen mit dem Vereinigten Königreich und Myanmar besonders hoch.
Diversifizierung der Importquellen senkt die Konzentration
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für den Importwert sank von 6.309 auf 5.475 (-13,2 %). Ein niedrigerer HHI bedeutet eine breitere Verteilung der Importe auf mehr Herkunftsländer, was die Anfälligkeit für Störungen in einem einzelnen Land reduziert. Die Exportkonzentration sank sogar noch stärker um 19,3 %, was eine Diversifizierung der Absatzmärkte anzeigt.
Deutlicher Rückgang der Importabhängigkeit
Die Nettoimportabhängigkeit der EU ist im Zeitraum spürbar gesunken. Der Anteil der Nettoimporte am inlandischen Verbrauch fiel von 81,7 % (2015) auf 60,6 % (2025). Dieser Rückgang von 25,8 % unterstreicht die oben festgestellten Trends: Die inländische Produktion, auch wenn mengenmäßig kleiner, sowie die gestiegene Exportwettbewerbsfähigkeit haben die Abhängigkeit von externen Lieferungen verringert. Gleichzeitig sank auch die Handelsintensität (Anteil des Handels am BIP), was auf eine leichte Entkopplung vom globalen Markt hindeuten könnte.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend zeigt die Analyse des EU-Marktes für Kunststoffbekleidung (CN 392620) zwischen 2015 und 2025 ein Bild des Wandels. Der Handel ist geschrumpft, wobei die EU ihre Importabhängigkeit spürbar reduzieren konnte. Die inländische Produktion hat sich stark rationalisiert und konzentriert sich offenbar auf höherwertige Nischen, was sich in den gestiegenen Exportpreisen widerspiegelt. Die Handelsströme haben sich diversifiziert, sowohl bei den Lieferanten als auch bei den Absatzmärkten, was die Widerstandsfähigkeit gegen Schocks erhöht hat. Der Brexit hatte einen erheblichen, negativen Effekt auf die Exporte in das Vereinigte Königreich. Zukünftig könnten weitere Lieferkettenverschiebungen, wie der leichte Zuwachs an Importen aus Pakistan, und der Fokus auf Wertschöpfung anstatt auf Volumen die Marktdynamik prägen.