Marktentwicklung: Konstruktionen und Konstruktionsteile, aus Aluminium, a.n.g. sowie zu Konstruktionszwecken vorgearbeitete Bleche, Stangen "Stäbe", Profile, Rohre und dergl., aus Aluminium, a.n.g. (ausg. vorgefertigte Gebäude der Pos. 9406, Tore, Türen, Fenster, und deren Rahmen und Verkleidungen, Tor- und Türschwellen) (CN 761090) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU im Bereich Aluminiumkonstruktionen und -konstruktionsteile (KN-Code 761090) im Zeitraum 2015 bis 2025. Der Produktcode umfasst Brücken und Brückenelemente, Türme, Gittermaste sowie diverse vorgefertigte Aluminiumprofile, -rohre und -bleche für Konstruktionszwecke — ausgenommen vorgefertigte Gebäude (Position 9406) sowie Tore, Türen und Fenster (Position 761010). Es handelt sich um einen Residualcode innerhalb der Position 7610, der das Segment der allgemeinen Aluminiumkonstruktionen abbildet.
Im analysierten Zeitraum hat sich das Marktbild grundlegend verändert: Die Einfuhren sind preislich um 134 % und mengenmässig um 83 % gestiegen, während die Ausfuhren preislich zwar um 54 % zulegten, mengenmässig jedoch um 14 % schrumpften. Die Handelsbilanz verschlechterte sich um 43 %. Diese Dynamik spiegelt tiefgreifende Verschiebungen in der globalen Wertschöpfungskette wider — von der Rohstoffpreisentwicklung über geopolitische Verwerfungen bis hin zur steigenden Importabhängigkeit der EU bei Aluminiumstrukturprodukten.
1. Strukturelle Verschiebung: Von Überschuss zu wachsender Importabhängigkeit
1.1 Die Handelsbilanz hat sich zwischen 2015 und 2025 um fast die Hälfte verschlechtert
Die EU verzeichnete im gesamten Beobachtungszeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo bei Aluminiumkonstruktionen, doch die Dynamik zeigt eine klare Abwärtstendenz. Der Überschuss sank von 656 Mio. € im Jahr 2015 auf 373 Mio. € im Jahr 2025, was einem Rückgang von 43,2 % entspricht. Der niedrigste Wert wurde 2022 mit 319 Mio. € erreicht, als die Importe infolge der Aluminiumpreisexplosion und der Nachfragenerholung nach COVID-19 sprunghaft anstiegen.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2022 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Ausfuhren (Mrd. €) | 1,15 | 1,46 | 1,54 | 1,53 | +32,8 % |
| Einfuhren (Mrd. €) | 0,49 | 0,78 | 1,22 | 1,15 | +134,0 % |
| Saldo (Mio. €) | 656 | 683 | 319 | 373 | −43,2 % |
(Quelle: Gesamtübersicht)
1.2 Volumen- und Preisentwicklung zeigen gegenläufige Trends bei Importen und Exporten
Ein bemerkenswerter Befund ist die Entkopplung von Mengen- und Preisentwicklung bei den Ausfuhren: Während der Exportwert um 32,8 % stieg, sank das Volumen um 13,9 % — von 150.487 Tonnen (2015) auf 129.590 Tonnen (2025). Der durchschnittliche Ausfuhrpreis erhöhte sich dementsprechend um 54,2 % von 7.639 €/t auf 11.781 €/t. Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung der EU-Exporte hin: Höherwertige, stärker verarbeitete Aluminiumkonstruktionen werden exportiert, während die einfache Volumenproduktion in Drittländer verlagert wird.
Bei den Einfuhren verlief die Entwicklung anders: Sowohl Menge (+82,9 %) als auch Preis (+27,9 %) stiegen. Der durchschnittliche Einfuhrpreis lag 2025 bei 5.367 €/t — weniger als die Hälfte des Ausfuhrpreises. Dieser Preisunterschied unterstreicht den Qualitäts- und Verarbeitungsunterschied zwischen den Import- und Exportströmen der EU.
(Quelle: Gesamtübersicht)
1.3 Die Handelsintensität spiegelt die zunehmende globale Verflechtung des Sektors wider
Der Indikator für die Handelsintensität (Trade Intensity) stieg von 13,3 % im Jahr 2003 auf 21,5 % im Jahr 2024 (+61,2 %). Auch die Nettoumportsabhängigkeit (Net Import Reliance) näherte sich dem Nullpunkt an: Lag die EU 2007 noch bei −10,4 %, so betrug der Wert 2024 lediglich −4,2 % (Netto-Importabhängigkeit). Das heisst, die EU ist zwar nach wie vor Nettoexporteur, doch die Differenz zwischen Exporten und Importen wird immer kleiner — ein Indiz für eine sich verschiebende Wettbewerbslandschaft.
2. China und die Türkei als bestimmende Importpartner — steigende Konzentration und Abhängigkeiten
2.1 China ist mit Abstand der grösste Lieferant und hat seinen Anteil massiv ausgebaut
China dominiert die Einfuhren der EU bei Aluminiumkonstruktionen. Der Importwert stieg von 246 Mio. € (2015) auf 667 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 170,8 % entspricht. China machte 2025 rund 58 % der gesamten EU-Importe aus. Die importierte Menge wuchs von 80.207 auf 152.067 Tonnen — fast eine Verdopplung. Der chinesische Einfuhrpreis blieb mit rund 4.388 €/t im Jahr 2025 deutlich unter dem EU-Durchschnittspreis, was auf die Kostenvorteile der chinesischen Aluminiumproduktion und -verarbeitung hinweist.
(Quelle: Top-Partner nach Wert)
2.2 Die Türkei hat sich als zweitgrösster Importeur mit einem Anstieg von 331 % etabliert
Der bemerkenswerteste Trend bei den Importpartnern betrifft die Türkei: Der Einfuhrwert explodierte von 38 Mio. € (2015) auf 165 Mio. € (2025) — ein Zuwachs von 330,8 %. Die importierte Menge verfünffachte sich von 9.604 auf 29.765 Tonnen. Der türkische Einfuhrpreis lag 2025 bei 5.559 €/t, was deutlich über dem chinesischen Niveau liegt, aber unter dem EU-Ausfuhrpreis. Die Türkei profitiert hierbei von geografischer Nähe, bestehenden Handelsabkommen und einer gewachsenen Aluminiumverarbeitungsindustrie. Ein besonders starker Anstieg war 2022 zu beobachten, als die Importe aus der Türkei 200 Mio. € erreichten.
2.3 Bosnien und Herzegowina als aufstrebender Lieferant — Importe stiegen um 558 %
Bosnien und Herzegowina verzeichnete mit 557,6 % den prozentual stärksten Anstieg aller Importpartner — von 4,2 Mio. € (2015) auf 27,5 Mio. € (2025). Obwohl der absolute Betrag im Vergleich zu China und der Türkei gering bleibt, signalisiert dies die zunehmende Integration der westbalkanischen Staiten in die europäische Aluminium-Lieferkette.
2.4 Die Importkonzentration hat signifikant zugenommen — HHI stieg um 25,7 %
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration nach Wert stieg von 2.914 (2015) auf 3.664 (2025), was einem Anstieg von 25,7 % entspricht (Konzentration HHI). Der HHI liegt damit über 2.500, was auf einen hochkonzentrierten Markt hindeutet. Diese Konzentration ist primär auf das Dominanzwachstum Chinas und der Türkei zurückzuführen. In Kombination mit der steigenden Nettoumportsabhängigkeit ergibt sich ein strategisches Risiko für die EU: Sollten Lieferunterbrechungen bei den Hauptlieferanten eintreten, wäre die Versorgungssicherheit gefährdet.
(Quelle: Konzentration HHI)
| Partner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| China | 246 | 667 | +170,8 % | ~58 % |
| Türkei | 38 | 165 | +330,8 % | ~14 % |
| Schweiz | 67 | 75 | +12,6 % | ~7 % |
| Vereinigtes Königreich | 56 | 57 | +3,1 % | ~5 % |
| Norwegen | 8 | 18 | +114,2 % | ~2 % |
| Bosnien und Herzegowina | 4 | 27 | +557,6 % | ~2 % |
3. Exportmärkte unter geopolitischem Druck — Russland-Kollaps und Preispremieneffekte
3.1 Das Vereinigte Königreich ist der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU
Das Vereinigte Königreich war 2025 mit 506 Mio. € das grösste Exportziel der EU für Aluminiumkonstruktionen — ein Anstieg von 94,8 % gegenüber 2015 (260 Mio. €). Damit entfielen rund 33 % aller EU-Ausfuhren auf das VK. Die exportierte Menge blieb mit rund 40.723 Tonnen relativ stabil, was auf eine deutliche Preissteigerung (von 7.326 €/t auf 12.437 €/t) hindeutet. Die starke Position des VK als Exportmarkt ist unter anderem auf die enge wirtschaftliche Verflechtung und die Nachfrage im Infrastrukturbereich zurückzuführen.
(Quelle: Top-Partner nach Wert)
3.2 Der Zusammenbruch der Exporte nach Russland — ein geopolitischer Schock
Das gravierendste Ereignis im Beobachtungszeitraum ist der praktisch vollständige Wegfall der Ausfuhren nach Russland: Von 43,5 Mio. € (2015) auf lediglich 0,17 Mio. € (2025) — ein Rückgang von 99,6 %. Der systematische Abbau begann ab 2021 und beschleunigte sich ab 2022 im Kontext der Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Im Zeitraum 2015–2022 lag der durchschnittliche jährliche Exportwert bei rund 3,6 Mio. Tonnen; 2023–2025 waren es nur noch 70 Tonnen im Schnitt. Dieser vollständige Ausfall wurde als Angebots-Schock identifiziert (Abnormalitäts-Score: 2,4).
(Quelle: Top-Partner nach Wert)
3.3 Die Exportkonzentration hat ebenfalls zugenommen — die Schweiz und die USA bleiben wichtig
Der HHI für die Exportkonzentration stieg von 1.104 (2015) auf 1.678 (2025), was einem Anstieg von 51,9 % entspricht. Die Schweiz blieb als zweitgrösster Exportmarkt stabil (218 Mio. € auf 314 Mio. €, +44,1 %), während die USA trotz einiger Volatilität ein bedeutender Abnehmer blieben (126 Mio. € auf 140 Mio. €). Besonders die Ausfuhren nach Saudi-Arabien zeigten eine extreme Preisschwankung: 2022 stieg der Exportpreis sprunghaft um 82 % (Abnormalitäts-Score: 3,9), was auf projektbezogene Grossaufträge im Zuge der Vision-2030-Infrastrukturprogramme hindeuten könnte.
(Quelle: Konzentration HHI)
3.4 Innerhalb der EU zeigt sich eine heterogene Spezialisierungslandschaft
Die Analyse der Spezialisierung für 2025 zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Österreich (RSCA: 0,49, RCA: 2,92) und Polen (RSCA: 0,40, RCA: 2,33) weisen die höchste Spezialisierung auf — sie sind nicht nur grosse Produzenten (25 % bzw. 15 % des EU-Gesamtwerts), sondern auch überdurchschnittlich wettbewerbsfähig in diesem Segment. Portugal (RSCA: 0,33) und Dänemark (RSCA: 0,21) sind weitere Spezialisten.
Demgegenüber stehen Länder wie Malta (RSCA: −0,99), Zypern (−0,77) und Rumänien (−0,63), die eine klare Importabhängigkeit aufweisen. Deutschland, als grösster Produzent (25 % der EU-Produktion) und grösster Exporteur, liegt mit einem RSCA von nur 0,08 nahe am Gleichgewicht — was auf ein diversifiziertes Produktportfolio jenseits der Aluminiumkonstruktionen hindeutet.
| Mitgliedstaat | RSCA 2025 | RCA | Anteil Produktion | Anteil Handel |
|---|---|---|---|---|
| Österreich | 0,49 | 2,92 | 9,6 % | 3,3 % |
| Polen | 0,40 | 2,33 | 15,5 % | 6,6 % |
| Portugal | 0,33 | 1,99 | 2,7 % | 1,4 % |
| Dänemark | 0,21 | 1,55 | 2,7 % | 1,7 % |
| Deutschland | 0,08 | 1,18 | 24,9 % | 21,2 % |
Schlussfolgerung
Der Markt für Aluminiumkonstruktionen (KN 761090) durchlebt zwischen 2015 und 2025 eine Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen. Die drei zentralen Erkenntnisse lauten:
Erstens verschiebt sich die EU zunehmend von einer Position als Nettoexporteur hin zu einer ausgewogeneren Handelsstruktur. Die Handelsbilanz schrumpfte um 43 %, und die Nettoumportsabhängigkeit nähert sich dem Nullpunkt. Die EU exportiert zwar weiterhin mehr als sie importiert, doch die Differenz wird kontinuierlich kleiner.
Zweitens konzentrieren sich die Importe stark auf wenige Lieferanten — allen voran China (+171 %) und die Türkei (+331 %). Der HHI der Importkonzentration stieg um 26 %, was die Anfälligkeit der EU-Lieferketten erhöht. Die steigende Importmenge bei gleichzeitigem Rückgang der Ausfuhrenmengen deutet auf eine Verlagerung der einfachen Volumenproduktion ins Ausland, während die EU sich auf hochwertige Spezialprodukte konzentriert.
Drittens hat die geopolitische Unsicherheit die Handelsströme nachhaltig verändert. Der vollständige Wegfall der Exporte nach Russland (−99,6 %) und die zunehmende Exportkonzentration (HHI +52 %) zeigen, dass geopolitische Ereignisse marktverändernde Wirkung entfalten. Gleichzeitig haben innerhalb der EU besonders Österreich und Polen ihre Position als Spezialisten gefestigt, während die EU-Produktion insgesamt stark gewachsen ist — von 978 Mio. Tonnen (2003) auf fast 3 Mrd. Tonnen (2023), preislich von 5,5 Mrd. € auf 11,4 Mrd. €.
Die Zukunft des Marktes wird massgeblich von drei Faktoren bestimmt: der Entwicklung der globalen Rohstoffpreise, der geopolitischen Stabilität der Lieferketten und der Fähigkeit der EU, ihre Spezialisierungsvorteile im Hochpreissegment zu verteidigen.