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Marktentwicklung: Konfitüren und Marmeladen (CN 2007) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 2007 umfasst Konfitüren, Fruchtgelees, Marmeladen, Fruchtmuse und Fruchtpasten, die durch Kochen hergestellt werden, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen Süßmitteln. Die Position gliedert sich in drei Unterpositionen: homogenisierte Zubereitungen für Säuglinge/Diät (200710), Erzeugnisse aus Zitrusfrüchten (200791) sowie die übrigen, mengenmäßig dominierenden Konfitüren und Marmeladen (200799). Die EU ist in diesem Marktsegment ein deutlicher Nettoexporteur: Im gesamten Betrachtungszeitraum 2015–2025 lag der Außenhandelsüberschuss stets positiv und wuchs von 292 Mio. € im Jahr 2015 auf 504 Mio. € im Jahr 2025 (+72,8 %). Der Netto-Importabhängigkeitsindikator bestätigt dieses Bild: Er lag 2015 bei −7,4 % und vertiefte sich bis 2025 auf −12,1 %, was bedeutet, dass die EU ihre Position als Nettolieferant auf dem Weltmarkt über den gesamten Zeitraum kontinuierlich ausgebaut hat.


1. Preisgetriebenes Exportwachstum bei stagnierenden Mengen

Die Exportpreise verdoppelten sich nahezu, während das Volumen kaum stieg

Das auffälligste Strukturmerkmal des EU-Außenhandels mit Konfitüren und Marmeladen im Zeitraum 2015–2025 ist die Dominanz des Preiswachstums gegenüber dem Mengenwachstum. Die EU-Exporte stiegen im Wert von 536 Mio. € auf 897 Mio. € (+67,4 %), doch die exportierte Menge wuchs lediglich von 248.194 t auf 255.749 t (+3,0 %). Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich demzufolge von 2.159 €/t auf 3.507 €/t (+62,4 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 536 897 +67,4 %
Exportmenge (t) 248.194 255.749 +3,0 %
Exportpreis (€/t) 2.159 3.507 +62,4 %

Die Importseite zeigt ein differenziertes Bild

Auch bei den Importen stiegen die Preise — von 2.448 €/t auf 3.014 €/t (+23,1 %) — doch hier fiel auch das Mengenwachstum deutlicher aus: von 99.701 t auf 130.292 t (+30,7 %). Der Importwert erhöhte sich von 244 Mio. € auf 393 Mio. € (+60,9 %). Die Importpreise lagen 2015 noch über dem Exportniveau (2.448 vs. 2.159 €/t), kehrten sich aber bis 2025 um (3.014 vs. 3.507 €/t), was auf eine qualitative Aufwertung der EU-Exporte oder eine Verschiebung der Exportmischung hin zu höherwertigen Produkten hindeuten kann.

Innerhalb der Segmente entwickelten sich die Preise sehr unterschiedlich

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass insbesondere das Segment der homogenisierten Zubereitungen (200710) extreme Preisschwankungen durchlief. Die Importpreise für 200710 stiegen von 1.655 €/t (2015) auf 3.853 €/t (2025), mit einem Spitzenwert von 3.907 €/t im Jahr 2024. Parallel dazu sank die importierte Menge in diesem Segment von 15.452 t auf nur noch 4.628 t — ein Rückgang von über 70 %. Dies deutet auf eine zunehmende Binnenproduktion dieser Nische oder eine Verschiebung der Nachfrage hin. Im dominierenden Segment 200799 (nicht-zitrische Standardkonfitüren) stiegen die Importmengen hingegen von 78.306 t auf 120.971 t (+54,5 %), bei einem moderateren Preisanstieg von 2.675 auf 3.002 €/t.


2. Umstrukturierung der Handelspartnerschaften

Die USA und Kanada entwickelten sich zu den dynamischsten Exportmärkten

Bei den wichtigsten Exportzielen vollzog sich zwischen 2015 und 2025 eine bemerkenswerte Verschiebung. Das Vereinigte Königreich blieb zwar mit Abstand der größte Einzelmarkt (2025: 156 Mio. €), doch sein Anteil schmolz relativ, da andere Märkte weit überproportional wuchsen:

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 147 156 +6,0 %
USA 75 239 +219,8 %
Kanada 10 46 +341,8 %
Schweiz 33 57 +71,3 %
Australien 16 36 +128,0 %
Russland 48 20 −59,4 %

Die Exporte in die USA verfünfachten sich nahezu und machten 2025 mit 239 Mio. € fast 27 % der gesamten EU-Drittlandsexporte aus. Kanada wuchs sogar um 342 %. Demgegenüber stehen die russischen Exporte, die sich von 48 Mio. € auf 20 Mio. € halbierten — ein Rückgang, der zu einem erheblichen Teil auf die seit 2014 schrittweise verschärften Handelsbeschränkungen im Kontext geopolitischer Spannungen und insbesondere seit 2022 zurückzuführen ist.

Türkiye dominiert die Importseite, Serbien und Chile gewinnen an Bedeutung

Auf der Importseite ist die EU stark von Türkiye als Hauptlieferant abhängig. Mit 216 Mio. € im Jahr 2025 (+67,9 % gegenüber 2015) entfielen über die Hälfte aller Importe aus Drittländern auf die Türkei. Besonders bemerkenswert sind die Wachstumsraten kleinerer Lieferanten:

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkiye 129 216 +67,9 %
Vereinigtes Königreich 46 25 −46,5 %
Serbien 6 18 +227,7 %
Chile 4 9 +112,2 %
Indien 8 10 +28,2 %
Südafrika 7 9 +29,9 %

Der Rückgang der Importe aus dem Vereinigten Königreich (−46,5 %) korrespondiert mit dem Brexit und den damit verbündeten neuen Handelsbarrieren seit 2021. Serbien hingegen profitiert als Kandidatenland von der EU-Nähe und Zollpräferenzen und hat sich als Lieferant nahezu vervierfacht. Die Importkonzentration (HHI) blieb mit rund 3.178 (Wertbasis) auf einem moderat konzentrierten Niveau und veränderte sich kaum (−0,5 %), was die stabile Dominanz der Türkei widerspiegelt.

Frankreich ist der unangefochtene EU-Exporteur, Italien und Belgien holen auf

Innerhalb der EU zeigt die Aufschlüsselung nach berichtenden Mitgliedstaaten, dass Frankreich 2025 mit 353 Mio. € (91,6 % Wachstum) der mit Abstand größte Exporteur war. Es folgen Italien (120 Mio. €, +129,6 %), Belgien (80 Mio. €, +100,2 %) und Deutschland (72 Mio. €, +42,4 %). Die besondere Stärke Frankreichs erklärt sich aus der langen Tradition der Marmeladen- und Konfitürenproduktion sowie der starken Marke französischer Premiumprodukte. Italiens überdurchschnittliches Wachstum spiegelt möglicherweise die zunehmende Internationalisierung italienischer Lebensmittelprodukte wider. Deutschland wiederum ist sowohl ein bedeutender Exporteur als auch — mit einem Importwachstum von 27 Mio. auf 80 Mio. € (+193 %) — ein zunehmend wichtiger Importeur, was auf die Rolle Deutschlands als Handelsdrehscheibe und Verarbeitungsstandort hindeutet.


3. Steigende Handelsintensität und wachsende Produktion bei differenzierter Spezialisierung

Die EU-Produktion wuchs mengenmäßig moderat, aber wertmäßig stark

Die EU-Produktion von Konfitüren und Marmeladen stieg im Zeitraum von 1,74 Mrd. kg auf 1,91 Mrd. kg (+9,9 % mengenmäßig), während der Produktionswert von 2,58 Mrd. € auf 5,09 Mrd. € nahezu explodierte (+96,7 %). Dieses Missverhältnis zwischen Mengen- und Wertwachstum unterstreicht die generelle Inflationstendenz im Lebensmittelsektor, die sich in den Jahren 2021–2023 — getrieben durch Energiekosten, Lieferkettenprobleme und steigende Rohstoffpreise — besonders stark bemerkbar machte.

Die Handelsintensität und Exportquote verdoppelten sich nahezu

Der Handelsintensitätsindikator (Drittlandshandel als Anteil der Produktion) stieg von 9,3 % auf 23,1 % (+149 %). Die Exportquote erhöhte sich von 8,1 % auf 17,8 % (+118 %). Diese starke Zunahme bedeutet, dass der EU-Binnenmarkt zwar nach wie vor der Hauptabsatzmarkt ist, der Drittlandshandel aber eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Die EU wird in diesem Segment zunehmend globaler — sowohl als Lieferant als auch als Abnehmer.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität (%) 9,3 23,1 +149,1 %
Exportquote (%) 8,1 17,8 +118,4 %
Netto-Importabhängigkeit (%) −7,4 −12,1 −64,2 %

Spezialisierungsmuster variieren stark zwischen den Mitgliedstaaten

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für 2025 zeigt, dass insbesondere südeuropäische Länder eine ausgeprägte komparative Spezialisierung im Konfitürenhandel aufweisen:

Land RCA RSCA Produktanteil an EU-Exporten
Griechenland 2,88 0,485 1,9 %
Italien 2,58 0,441 20,6 %
Lettland 2,38 0,408 0,8 %
Spanien 1,96 0,325 11,4 %
Kroatien 1,81 0,288 0,7 %

Griechenland weist die höchste Spezialisierung auf (RCA 2,88), was sich in der Tradition griechischer Marmeladen und Fruchtkonserven sowie dem Zugang zu Zitrusfrüchten und lokalen Früchten erklärt. Italien ist mit einem Produktionsanteil von über 20 % gleichzeitig der volumenmäßig wichtigste Spezialist. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Finnland (RCA 0,08), Luxemburg (0,09) und Irland (0,12), die in diesem Segment kaum exportkompetitiv sind.

Preisvolatilität und vereinzelte Schocks kennzeichnen den Zeitraum

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Handelsströme insgesamt moderat schwankten, einzelne Partner jedoch erhebliche Instabilität aufwiesen. Costa Rica (CV 1,31 bei Importen) und Mexiko (CV 1,10 bei Exporten) waren die volatilsten Partner — ein Hinweis auf sporadische Handelsbeziehungen oder marktbedingte Schwankungen. Unter den Hauptpartnern waren die russischen Exporte mit einem CV von 0,40 am schwankungsintensivsten, während die Schweizer Exporte (CV 0,06) und japanischen Exporte (CV 0,08) besonders stabil blieben. Im Jahr 2022 wurden zudem Preisschocks bei den Importen aus Südafrika (Preisanstieg +54,9 %, Abnormalität 47,9) und Kolumbien (+42,4 %) festgestellt — beides Ereignisse, die zeitlich mit der globalen Inflationsspirale und den Energiekostensteigerungen nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts zusammenfielen.


Fazit

Der EU-Markt für Konfitüren und Marmeladen (CN 2007) hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens war das markante Wachstum von Exportwert (+67 %) und Handelsüberschuss (+73 %) fast vollständig preisgetrieben — die exportierte Menge stieg nur um 3 %. Zweitens verschoben sich die Handelsströme geopolitisch: Der US-amerikanische Markt wurde zum wichtigsten Wachstumstreiber, während Russland an Bedeutung verlor und der Brexit den bilateralen Handel mit dem Vereinigten Königreich einbrechen ließ. Drittens wuchs die Offenheit der EU gegenüber Drittländern erheblich — sowohl die Handelsintensität als auch die Exportquote verdoppelten sich nahezu. Die EU bleibt in diesem Segment ein stabiler Nettoexporteur mit einem positiven und wachsenden Handelsbilanzüberschuss. Die Hauptgefahren liegen weniger in einer Importabhängigkeit als vielmehr in der Preisentwicklung und der Konzentration auf einzelne Abnehmermärkte — allen voran die USA und das Vereinigte Königreich, die zusammen über ein Drittel der gesamten Drittlandsexporte absorbieren.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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