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Marktentwicklung: Knüppel (CN 72071116) — 2015–2025

Einführung

Der EU-Handel mit Knüppeln (CN 72071116) — warm vorgewaltzten oder stranggegossenen Halbzeugen aus unlegiertem Stahl mit einem Kohlenstoffgehalt unter 0,25 % — zeigt über den Zeitraum 2015 bis 2025 eine Reihe bemerkenswerter Strukturveränderungen. Die EU ist in diesem Marktsegment ein starker Nettoimporteur: Das Handelsdefizit verschärfte sich von rund 274 Mio. EUR im Jahr 2015 auf fast 697 Mio. EUR im Jahr 2025, obgleich es in den Zwischenjahren erheblichen Schwankungen unterlag. Gleichzeitig vollzogen sich fundamentale Verschiebungen bei den Handelspartnern — sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite —, die geopolitische Ereignisse, Handelsmaßnahmen und strukturelle Veränderungen der europäischen Stahlindustrie widerspiegeln.

Der vorliegende Bericht untersucht die wichtigsten Handelsströme, die sich verändernde Herkunftsstruktur der Importe, die Entwicklung der EU-Produktion sowie auftretende Schocks und Volatilität. Grundlage sind Handelsdaten der EU im Zeitraum 2015 bis 2025 (Übersicht).


1. Ein sich vertiefendes Handelsdefizit: Wachsende Importe bei rückläufiger Eigenproduktion

1.1 Die EU ist dauerhaft auf Importe angewiesen

Die EU importierte im gesamten Betrachtungszeitraum deutlich mehr Knüppel, als sie exportierte. Im Jahr 2015 beliefen sich die Importe auf 305 Mio. EUR (933.242 t), die Exporte lediglich auf 30,7 Mio. EUR (79.460 t). Bis 2025 stiegen die Importe auf 798 Mio. EUR (1.803.585 t), die Exporte auf 101 Mio. EUR (215.090 t). Das Handelsdefizit erreichte seinen Tiefpunkt (d. h. die größte Unterbilanz) mit rund 785 Mio. EUR, näherte sich aber auch in Jahren mit starker Nachfrage einem Wert von lediglich 114 Mio. EUR (Handelsübersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 305.123.193 798.411.409 +161,7 %
Importmenge (t) 933.242 1.803.585 +93,3 %
Importpreis (EUR/t) 327 443 +35,4 %
Exportwert (EUR) 30.732.084 100.989.838 +228,6 %
Exportmenge (t) 79.460 215.090 +170,7 %
Exportpreis (EUR/t) 387 470 +21,4 %
Handelsbilanz (EUR) −274.391.110 −697.421.570 −154,2 %

1.2 Die EU-Produktion von Knüppeln ist langfristig geschrumpft

Die inländische Produktion von Halbzeug dieser Art sank im betrachteten Zeitraum von rund 10,0 Mrd. kg (2015) auf 8,3 Mrd. kg (2025), was einem Rückgang von 17,2 % entspricht. Der Tiefpunkt lag bei 6,9 Mrd. kg. Parallel dazu stieg der Produktionswert von 2,7 Mrd. EUR auf 5,6 Mrd. EUR (+102,9 %), was auf erheblich gestiegene Preise und nicht auf Mengenwachstum hindeutet (Produktionsvolumina). Die EU kompensierte den Produktionsrückgang durch verstärkte Importe — ein Trend, der die strukturelle Abhängigkeit von Drittlandslieferungen vertiefte.

1.3 Binnenmarkt-Spezialisierung zeigt ungleiche Rollenverteilung innerhalb der EU

Innerhalb der EU weisen einzelne Mitgliedstaaten sehr unterschiedliche Spezialisierungsgrade auf. Mit einem Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) von 0,74 ist Frankreich der mit Abstand am stärksten spezialisierte Produzent und Exporteur in diesem Segment, gefolgt von Griechenland (RSCA 0,49) und der Slowakei (0,34). Auf der anderen Seite sind die Niederlande (RSCA −1,0), Kroatien, Portugal und Ungarn praktisch unspezialisiert — sie sind reine Nachfrager auf dem EU-Markt (Spezialisierung).


2. Umbruch bei den Handelspartnern: Geopolitik und neue Lieferantenstrukturen

2.1 Ukraine dominiert die Importe — mit deutlicher Volatilität

Die Ukraine war durchgehend der wichtigste Lieferant von Knüppeln an die EU. Der Importwert stieg von 137 Mio. EUR (2015) auf 335 Mio. EUR (2025), ein Plus von 144,9 %. In Spitzenjahren erreichte die Ukraine sogar 441 Mio. EUR. Mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,29 war die Ukraine dabei einer der volatilitätsärmsten Partner — ein Indiz für stabile, langfristige Lieferbeziehungen (Ländervolatilität).

2.2 China und Indien als neue, stark wachsende Lieferanten

Der bemerkenswerteste Strukturwandel vollzog sich bei den Importen aus China und Indien. China stellte 2015 Importe im Wert von lediglich 50,5 Mio. EUR bereit; bis 2025 explodierte dieser Wert auf 244 Mio. EUR (+383,9 %). Allerdings war dieser Anstieg keineswegs linear: 2017 brachen die chinesischen Lieferungen um 99,3 % ein (ein dramatischer Angebotsschock), bevor sie ab 2018 mit einem massiven Preisanstieg von +547,2 % gegenüber dem Vorjahr wiederkehrten (Schock-Ereignisse). Der Variationskoeffizient von 1,85 für China bestätigt die extreme Schwankungsanfälligkeit dieser Handelsbeziehung.

Noch spektakulärer war der Aufstieg Indiens: von lediglich 3,5 Mio. EUR (2015) auf 102 Mio. EUR (2025), ein Anstieg von 2.825 %. Indien wurde damit zum viertgrößten Lieferanten — ein klares Zeichen für eine Diversifizierung der EU-Importquellen.

Herkunftsland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Ukraine 136,9 335,3 +144,9 %
Russland 55,1 49,1 −10,9 %
China 50,5 244,1 +383,9 %
Indien 3,5 101,8 +2.825,0 %
Norwegen 0,01 17,3 +136.381 %
Vereinigtes Königreich 21,1 11,7 −44,5 %
Algerien 20,0 9,5 −52,3 %

2.3 Russland verliert als Lieferant — Auswirkungen ab 2022

Russland war 2015 mit 55,1 Mio. EUR der zweitwichtigste Importpartner, erreichte in Spitzenjahren sogar 223 Mio. EUR, verlor aber bis 2025 an Bedeutung (49,1 Mio. EUR, −10,9 %). Der Rückgang ist vor dem Hintergrund der ab 2022 geltenden EU-Sanktionen zu sehen, die den Handel mit russischem Stahl stark einschränkten. Die Ukraine und zunehmend China und Indien füllen diese Lücke (Partnerübersicht).

2.4 Auf der Exportseite: Brexit und neue Märkte

Die EU-Exporte von Knüppeln konzentrieren sich traditionell auf Nachbarländer. Nordmazedonien blieb mit 39 Mio. EUR (2025) der wichtigste Abnehmer, wobei sich die Lieferungen von 22 Mio. EUR (2015) auf 39 Mio. EUR erhöhten (+74,2 %). Der mit Abstand stärkste Rückgang betraf das Vereinigte Königreich: Die Exporte brachen von 16 Mio. EUR auf 0,65 Mio. EUR ein (−95,9 %) — ein klarer Brexit-Effekt. Gleichzeitig stiegen die Exporte nach Marokko (+463 %), in die Türkei (+2.023 %) und in die Schweiz (+152 %), was auf eine Umorientierung der Exportströme hindeutet.

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Nordmazedonien 22,2 38,6 +74,2 %
Vereinigtes Königreich 15,8 0,65 −95,9 %
Marokko 7,0 39,6 +463,3 %
Türkei 0,6 13,2 +2.023,2 %
Schweiz 3,1 7,8 +152,1 %
Tunesien 15,4 3,7 −75,7 %
Kanada 0,6 0,03 −95,3 %

2.5 Marktfragmentierung bei Importen nimmt leicht zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.733 auf 2.893 (+5,8 %), was eine geringfügig höhere Konzentration der Importquellen anzeigt. Der HHI blieb damit stets im moderaten Bereich, was bedeutet, dass der Markt zwar von wenigen Hauptlieferanten dominiert wird (insbesondere Ukraine und China), die Diversifizierung durch das Aufkommen Indiens und Norwegens aber insgesamt erhalten bleibt (Koncentration).


3. Preisdynamik, Schocks und Volatilität

3.1 Preissteigerungen überlagern Mengenwachstum

Sowohl bei Importen als auch bei Exporten stiegen die Preise im Betrachtungszeitraum. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 327 EUR/t auf 443 EUR/t (+35,4 %), der Exportpreis von 387 EUR/t auf 470 EUR/t (+21,4 %). Auffällig ist, dass die Importpreise zeitweise einen Höchstwert von 657 EUR/t und die Exportpreise 694 EUR/t erreichten, was auf Phasen globaler Stahlpreisanstiege (etwa 2021–2022) zurückzuführen ist (Übersicht).

3.2 Drei identifizierte Schock-Ereignisse prägen die Handelsdynamik

Die Analyse der Volatilität identifiziert drei signifikante Schocks im untersuchten Zeitraum (Schock-Ereignisse):

  1. Angebotsschock China (2017): Die Importe aus China brachen um 99,3 % ein, was auf eine temporäre Exportverknappung der chinesischen Seite hindeutet — möglicherweise bedingt durch Kapazitätsbereinigungen oder Handelsbeschränkungen in China. Die Anomalität wurde mit 4,0 bewertet.

  2. Preisschock China (2018): Im Folgejahr stiegen die Importpreise aus China sprunghaft um 547,2 % an (Anomalität 67,2). Dieser extreme Preisschock reflektiert sowohl die nachholende Nachfrage als auch strukturelle Veränderungen im chinesischen Stahlmarkt (Umweltauflagen, Kapazitätsreduktionen).

  3. Preisschock Nordmazedonien — Exporte (2021): Der Exportpreis nach Nordmazedonien stieg um 44,6 % (Anomalität 7,5). Nordmazedonien hat dabei mit einem CV von 0,17 die geringste Volatilität aller Handelspartner — der Schock war somit ein punktueller Preissprung in einem ansonsten stabilen Handelsverhältnis.

3.3 Volatilitätsmuster deuten auf heterogene Risikoprofile hin

Die Volatilität der Handelsströme unterscheidet sich erheblich zwischen den Partnern. Bei den Importen weisen China (CV 1,85), Indien (CV 1,45) und Belarus (CV 1,60) die höchsten Schwankungen auf, was diese Quellen als weniger planbar erscheinen lässt. Demgegenüber sind die Ukraine (CV 0,29) und Russland (CV 0,43) deutlich stabiler. Auf der Exportseite ist Nordmazedonien (CV 0,17) der zuverlässigste Partner, während Kanada (CV 1,27) und Norwegen (CV 1,58) stark schwanken (Volatilitätsanalyse).


Fazit

Der EU-Handel mit Knüppeln (CN 72071116) unterlag im Zeitraum 2015 bis 2025 tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Drei zentrale Entwicklungen lassen sich zusammenfassen:

Erstens hat sich die Abhängigkeit der EU von Importen trotz leicht gestiegener Exporte weiter vertieft. Das Handelsdefizit wuchs auf fast 697 Mio. EUR, gestützt durch einen Rückgang der inländischen Produktion um 17,2 %. Die EU produziert weniger Knüppel und importiert immer mehr — bei steigenden Preisen.

Zweitens haben geopolitische Ereignisse die Handelspartnerlandschaft grundlegend umgestaltet. Der Brexit führte zum praktischen Zusammenbruch der EU-Exporte in das Vereinigte Königreich (−95,9 %). Russland verlor als Importlieferant an Bedeutung, während China und Indien zu dominanten neuen Quellen aufstiegen. Die Diversifizierung der Importquellen ist zwar grundsätzlich positiv für die Versorgungssicherheit, geht jedoch mit erheblicher Volatilität einher — insbesondere bei den chinesischen Lieferungen.

Drittens war der Markt durch erhebliche Preisschwankungen und Schocks gekennzeichnet. Die Preisexplosion bei chinesischen Importen 2018 und die globalen Stahlpreisanstiege 2021–2022 prägten die Periode. Die stabile Ukraine-Lieferbeziehung bildet dabei einen verlässlichen Anker, während Lieferungen aus China und Indien trotz ihres raschen Wachstums mit höheren Unsicherheiten verbunden bleiben.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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