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Marktentwicklung: Hemden aus Baumwolle, für Männer oder Knaben (ausg. aus Gewirken oder Gestricken sowie Nachthemden und Unterhemden) (CN 620520) — 2015–2025

Einleitung

Der europäische Markt für Baumwoll-Herren- und Knabenhemden (KN-Code 620520) hat sich im Zeitraum von 2015 bis 2025 grundlegend verändert. Geprägt von drei großen Einflussgrößen — dem Rückgang des einheimischen Produktionsstandorts, der COVID-19-Pandemie und dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt (Brexit) — vollzog sich eine strukturelle Transformation der Handelsströme. Die Importe der EU aus Drittländern sanken im Wert von 2,30 Mrd. EUR (2015) auf 1,65 Mrd. EUR (2025), was einem Rückgang von 28,4 % entspricht. Die Exporte verloren im gleichen Zeitraum 24,1 % und lagen 2025 bei 626 Mio. EUR. Dabei stiegen die Einheitspreise sowohl bei Importen als auch bei Exporten deutlich an, was auf eine Verlagerung hin zu hochwertigeren Produkten und steigende Kosten in den Lieferketten hindeutet.

Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Marktdynamiken und gliedert sich in drei Abschnitte: Erstens werden die gesamtwirtschaftlichen Handelsströme und ihre Volatilität betrachtet. Zweitens wird die Umstrukturierung der Liefer- und Absatzländer untersucht. Drittens werden die Auswirkungen auf die strukturelle Abhängigkeit der EU von Drittlandimporten beleuchtet.

Die Analyse stützt sich auf die allgemeine Übersicht auf dem EU Trade Dashboard.


1. Schrumpfende Handelsvolumina bei steigenden Preisen — eine doppelte Transformation

1.1 Die Importe verloren ein Drittel ihres Werts und mehr als ein Drittel ihres Volumens

Der EU-Import von Baumwoll-Herrenhemden aus Drittländern sank im Zeitraum 2015–2025 sowohl im Wert als auch in der Menge erheblich. Der Importwert fiel von 2.300 Mio. EUR (2015) auf 1.648 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 28,4 % entspricht. Noch deutlicher war der Rückgang in den Mengen: von 90.495 Tausend Stück (2015) auf 59.223 Tausend Stück (2025), ein Minus von 34,6 %. Der absolute Tiefpunkt wurde 2021 mit nur 46.282 Tausend Stück und 1.178 Mio. EUR Importwert erreicht — ein Spiegelbild der pandemiebedingten Nachfrage- und Lieferkettenkrise.

Jahr Importwert (Mio. EUR) Importmenge (Tsd. Stück)
2015 2.300 90.495
2016 2.220 89.460
2017 2.111 85.373
2018 2.008 83.563
2019 2.015 80.121
2020 1.391 55.073
2021 1.178 46.282
2022 1.848 62.836
2023 1.758 59.462
2024 1.635 56.564
2025 1.648 59.223

Quelle: Allgemeine Übersicht – Handelsströme

1.2 Die EU-Exporte schrumpften noch stärker — das Handelsdefizit verbesserte sich dennoch

Die EU-Exporte in Drittländer litten ebenfalls unter dem strukturellen Rückgang und den Krisenjahren. Der Exportwert sank von 825 Mio. EUR (2015) auf 626 Mio. EUR (2025; −24,1 %). Die exportierte Menge halbierte sich nahezu: von 11.548 Tausend Stück auf 5.766 Tausend Stück (−50,1 %). Der Tiefpunkt wurde 2021 mit 504 Mio. EUR und nur 6.115 Tausend Stück erreicht.

Trotz des Rückgangs bei den Exporten verbesserte sich das Handelsbilanzdefizit mit Drittländern von −1.475 Mio. EUR (2015) auf −1.022 Mio. EUR (2025), da die Importe stärker zurückgingen. Der Saldo erreichte seinen besten Wert 2022 mit −673 Mio. EUR.

1.3 Preissteigerungen als neues Normal: Steigende Einheitspreise bei fallenden Mengen

Ein wesentlicher Trend über den gesamten Beobachtungszeitraum ist der kontinuierliche Anstieg der Einheitspreise — bei den Exporten sogar drastisch. Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen von 71.402 EUR/Tsd. Stück (2015) auf 108.546 EUR/Tsd. Stück (2025), was einem Anstieg von 52,0 % entspricht. Die durchschnittlichen Importpreise stiegen moderater von 25.416 EUR/Tsd. Stück auf 27.818 EUR/Tsd. Stück (+9,4 %).

Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertigere und spezialisiertere Hemden exportiert — eine Verlagerung weg von Massenware hin zu Premium- und Markenprodukten. Gleichzeitig blieben die Importpreise relativ stabil, was auf einen Wettbewerbsmarkt mit vielen Lieferanten und Kostendruck in den Produktionsländern hindeutet.


2. Umstrukturierung der Handelspartner — Brexit, Diversifizierung und der Niedergang Chinas

2.1 Das Vereinigte Königreich fiel als Handelspartner fast vollständig weg

Die gravierendste Verschiebung in den Handelsbeziehungen der EU vollzog sich im Verhältnis zum Vereinigten Königreich nach dem Brexit. Die EU-Importe aus Großbritannien sanken von 108 Mio. EUR (2015) auf nur noch 20 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 81,0 % entspricht. Der dramatischste Einbruch erfolgte 2021, als der Handelswert auf lediglich 19 Mio. EUR fiel — dem Jahr nach dem Ende der Übergangsphase.

Noch deutlicher war der Rückgang bei den Mengen: von 5.032 Tausend Stück (2015) auf nur noch 1.468 Tausend Stück (2025), wobei 2021 mit lediglich 277 Tausend Stück ein historischer Tiefstand verzeichnet wurde.

Auch die EU-Exporte nach Großbritannien brachen ein — von 207 Mio. EUR (2015) auf 84 Mio. EUR (2025; −59,4 %). Das Vereinigten Königreich war 2015 das wichtigste Exportziel der EU und sank 2021 auf einen Wert von nur 77 Mio. EUR.

Quelle: Top-Handelspartner nach Werten

2.2 China verliert Marktanteile, Bangladesh festigt seine Führungsposition

Unter den Drittländern war China 2015 mit 421 Mio. EUR der zweitgrößte Importeur in die EU. Bis 2025 sank der Wert auf 210 Mio. EUR (−50,1 %). Der Mengenrückgang war ähnlich dramatisch: von 15.444 Tausend Stück auf 7.607 Tausend Stück. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: steigende Lohnkosten in China, US-chinesische Handelskonflikte mit Auswirkungen auf globale Lieferketten, die zunehmende Diversifizierung der europäischen Einkäufer und die geopolitische Neuausrichtung der Handelspolitik.

Bangladesh hingegen behauptete seine Position als wichtigster Lieferant der EU über den gesamten Zeitraum. Der Importwert schwankte zwischen 330 Mio. EUR (2021) und 572 Mio. EUR (2022) und lag 2025 bei 530 Mio. EUR (−3,5 % gegenüber 2015). In Mengenterminen war Bangladesh ebenfalls dominant mit rund 25.000 Tausend Stück (2025). Die relative Stabilität Bangladeshs unterstreicht die Bedeutung des Landes als globales Produktionszentrum für günstige Massenware.

Land 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Bangladesh 549 530 −3,5 %
China 421 210 −50,1 %
Türkiye 306 181 −40,9 %
India 235 213 −9,3 %
Viet Nam 150 138 −7,8 %
Myanmar 47 40 −15,0 %
United Kingdom 108 20 −81,0 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Werten

2.3 Türkiye verliert stark, während Indien und Viet Nam an Bedeutung gewinnen

Der drittgrößte Lieferant, Türkiye, verlor 40,9 % seines Handelswerts (von 306 Mio. EUR auf 181 Mio. EUR). Der Rückgang ist teilweise auf die Abwertung der türkischen Lira und wirtschaftliche Instabilität zurückzuführen. In Mengenterminen sanken die Importe aus der Türkiye von 8.561 Tausend Stück auf 4.350 Tausend Stück.

Indien und Viet Nam zeigten sich dagegen deutlich widerstandsfähiger. Indien verlor lediglich 9,3 % seines Werts und erholte sich nach dem pandemiebedingten Tief von 114 Mio. EUR (2021) auf 213 Mio. EUR (2025). Viet Nam verlor nur 7,8 % und stieg in Mengenterminen von 3.996 Tausend Stück (2019) auf 3.556 Tausend Stück (2025) — relativ stabil angesichts der Pandemie-Auswirkungen.

2.4 Die Exportziele der EU verlagern sich: Schweiz und USA als stabile Märkte

Auf der Exportseite blieben die Schweiz (97 Mio. EUR in 2025, −2,2 % gegenüber 2015) und die Vereinigten Staaten (90 Mio. EUR, −0,2 %) die stabilsten Absatzmärkte. Beide Märkte erholten sich nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020–2021 schnell. Die Exporte nach Russland hingegen sanken von 46 Mio. EUR auf 22 Mio. EUR (−51,8 %), was auf Sanktionen und geopolitische Spannungen nach 2022 zurückzuführen ist.

Ein bemerkenswerter Trend: Die Exporte nach China stiegen von 35 Mio. EUR (2015) auf 50 Mio. EUR (2025) — trotz des allgemeinen Rückgangs der Exporte. Dies spiegelt die wachsende Nachfrage nach europäischen Markenprodukten in China wider.

Quelle: Top-Handelspartner nach Werten


3. Strukturelle Abhängigkeit und konzentrierte Märkte — die EU als Nettoimporteur mit wachsender Verwundbarkeit

3.1 Die EU-Produktion von Baumwollhemden kollabierte um fast 80 %

Die einheimische Produktion von Baumwoll-Herren- und Knabenhemden in der EU erlebte einen dramatischen Niedergang. Die Produktionsmenge sank von 135,7 Mio. Stück (2003) auf nur noch 29,5 Mio. Stück (2024), was einem Rückgang von 78,3 % entspricht. Im gleichen Zeitraum halbierte sich der Produktionswert von 1,51 Mrd. EUR auf 645 Mio. EUR (−57,2 %).

Besonders betroffen waren die Jahre 2020–2021, in denen die Produktion auf 32,2 bzw. 28,4 Mio. Stück fiel. Eine leichte Erholung auf 35,6 Mio. Stück (2022) folgte, bevor die Produktion 2024 wieder auf 29,5 Mio. Stück sank.

Jahr Produktionsmenge (Mio. Stück) Produktionswert (Mio. EUR)
2015 49,8 868
2017 52,1 910
2019 47,8 834
2020 32,2 611
2021 28,4 493
2022 35,6 596
2023 34,8 667
2024 29,5 645

Quelle: Produktionsvolumen

3.2 Die Importabhängigkeit stieg auf über 66 %

Die Netto-Importabhängigkeit der EU (Net Import Reliance) stieg im Beobachtungszeitraum drastisch an: von 14,0 % (2003) auf 66,9 % (2024). Das bedeutet, dass mittlerweile mehr als zwei Drittel des in der EU verbrauchten Baumwoll-Herrenhemden-Bedarfs aus Drittlandimporten gedeckt werden. Der Höchststand wurde 2022 mit 70,9 % erreicht.

Die Exportquote (Export Propensity) stieg ebenfalls stark an — von 3,1 % (2003) auf 148,5 % (2024). Dieser scheinbar paradoxe Wert erklärt sich dadurch, dass die EU zwar die Produktion stark zurückgefahren hat, verbleibende Produzenten jedoch zunehmend auf Exportmärkte ausgerichtet sind.

Quelle: Netto-Importabhängigkeit

3.3 Die Importkonzentration nahm zu, die Exportkonzentration ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 1.292 (2015) auf 1.600 (2025; +23,9 %). Dies signalisierter eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Lieferländer — insbesondere Bangladesh und, in geringerem Maße, Indien. Für die Exporte hingegen sank der HHI von 1.037 auf 813 (−21,6 %), was auf eine Diversifizierung der Exportmärkte hindeutet.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den EU-Mitgliedstaaten. Deutschland war mit 428 Mio. EUR (2025) der größte Importeur innerhalb der EU, verlor aber 38,3 % gegenüber 2015. Spanien (−37,8 %), Italien (−34,2 %) und Frankreich (−25,8 %) verzeichneten ebenfalls deutliche Rückgänge. Einzig Polen zeigte ein starkes Wachstum bei den Importen: von 41 Mio. EUR (2015) auf 82 Mio. EUR (2025; +102,5 %), was auf die Verlagerung von Produktions- und Logistikkapazitäten nach Osteuropa hindeutet.

Quelle: Konkonzentrationsindizes (HHI)

3.4 Preis-Schocks und Volatilität: Bangladesh 2022 und die Sensitivität der Lieferketten

Die Analyse der Preisvolatilität zeigt, dass die Lieferketten für Baumwollhemden anfällig für abrupte Preisschocks sind. Im Jahr 2022 wurde bei den Importen aus Bangladesh ein abnormaler Preisanstieg von 23,7 % gegenüber der Basislinie (2020–2021) festgestellt — ein Anstieg, der als „Shock"-Ereignis klassifiziert wurde. Der Importpreis stieg von durchschnittlich 17.644 EUR/Tsd. Stück (2020–2021) auf 21.826 EUR/Tsd. Stück (2022). Die Mengen stiegen gleichzeitig um 28,3 %, was auf einen starken Nachfrageanstieg nach der Pandemie bei gleichzeitig angespanntem Angebot hindeutet.

Ein ähnlicher, wenn auch schwächerer Preisschock wurde bei den Importen aus Myanmar im selben Jahr beobachtet (+22,3 % im Preis). Auf der Exportseite fiel der Preisanstieg bei Exporten nach Mexiko 2023 besonders auf: Die Exportpreise verdoppelten sich nahezu (von 44.175 EUR/Tsd. Stück auf 92.967 EUR/Tsd. Stück), bei gleichzeitig stark rückläufigen Mengen.

Partnerland Art des Schocks Jahr Preissprung Abnormalitäts-Index
Bangladesh (Import) Preis 2022 +23,7 % 13,4
Myanmar (Import) Preis 2022 +22,3 % 11,5
Mexico (Export) Preis 2023 +110,5 % 28,3
Ukraine (Export) Preis 2023 +15,6 % 3,6

Quelle: Volatilität und Schocks


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Baumwoll-Herrenhemden (KN 620520) befindet sich in einer Phase des tiefgreifenden Strukturwandels. Die einheimische Produktion ist auf ein Fünftel ihres historischen Höchststands geschrumpft, während die Importabhängigkeit auf über 66 % gestiegen ist. Die COVID-19-Pandemie (2020–2021) verstärkte bestehende Trends, führte aber zu keinem nachhaltigen Kurswechsel. Der Brexit hat die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich — sowohl bei Importen als auch bei Exporten — dauerhaft dezimiert.

Zentral ist die Verschiebung der Lieferantenlandschaft: Bangladesh hat sich als dominanter Partner etabliert und seine Position trotz kurzfristiger Preisschocks behauptet. China und Türkiye hingegen verlieren kontinuierlich an Bedeutung, während Indien und Viet Nam als stabilere Alternativen aufsteigen. Die steigende Importkonzentration (HHI) birgt jedoch Risiken für die Versorgungssicherheit.

Gleichzeitig zeigen die Daten eine klare Premiumisierung: Die steigenden Exportpreise bei fallenden Mengen deuten darauf hin, dass die verbleibende europäische Produktion sich auf hochwertige Nischenprodukte konzentriert. Die Zukunft des Marktes wird wesentlich davon abhängen, ob es gelingt, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferantenländern zu reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion in der gehobenen Preisklasse zu sichern.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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