Marktentwicklung: Folien, Filme, Bänder, Streifen und andere Flacherzeugnisse, selbstklebend, aus Kunststoffen, in Rollen mit einer Breite von <= 20 cm (CN 391910) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für die Zollposition CN 391910 — selbstklebende Folien, Filme, Bänder, Streifen und andere Flacherzeugnisse aus Kunststoffen, in Rollen mit einer Breite von höchstens 20 cm. Die Produktgruppe umfasst vier Unterpositionen und bedient zahlreiche industrielle und konsumnahe Anwendungsfelder, darunter Verpackung, Elektronik, Automobil und Bauwesen. Die EU fungiert dabei sowohl als bedeutender Produzent als auch als aktiver Handelspartner auf dem Weltmarkt.
Im Folgenden werden drei zentrale Erkenntnisbereiche untersucht: erstens die aggregierte Handelsdynamik von Importen und Exporten; zweitens die geostrukturale Verschiebung der Handelspartner und die zunehmende Konzentration der Importseite; und drittens die Preis- und Schockdynamik sowie die strategische Autonomie der EU in diesem Segment.
Weitere Details zu Produktdefinition und Datenabdeckung finden sich im Überblick auf dem Trade Dashboard.
1. Wachstum bei divergierenden Mengen- und Preistrends: Die Gesamthandelsbilanz der EU
1.1. Die Exporte stiegen nominal, stagnierten aber mengenmäßig
Der EU-Außenhandel mit CN 391910 verzeichnete über den gesamten Betrachtungszeitraum ein deutliches Wertwachstum. Die Exporte stiegen von 618 Mio. EUR (2015) auf 803 Mio. EUR (2025), was einem Plus von 29,9 % entspricht. Der Höchststand wurde 2022 mit 840 Mio. EUR erreicht. Gleichzeitig sank die exportierte Menge von 81.601 Tonnen (2015) auf 73.379 Tonnen (2025) — ein Rückgang von 10,1 %. Dieses Muster deutet auf eine klare Verschiebung hin: Die EU exportiert zwar weniger Volumen, erzielt aber höhere Werte pro Einheit.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 618,2 | 802,9 | +29,9 % |
| Exportmenge (t) | 81.601 | 73.379 | −10,1 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 7.572 | 10.934 | +44,4 % |
1.2. Die Importe wuchsen sowohl in Wert als auch in Menge kräftig
Im Gegensatz zu den Exporten stiegen die Importe sowohl mengen- als auch wertmäßig erheblich. Der Importwert erhöhte sich von 475 Mio. EUR auf 657 Mio. EUR (+38,4 %), während die importierte Menge von 82.888 t auf 110.767 t anstieg (+33,6 %). Der durchschnittliche Importpreis blieb dabei nahezu stabil (von 5.728 EUR/t auf 5.930 EUR/t, +3,5 %). Das bedeutet: Die EU importiert zunehmend größere Mengen zu nur moderat gestiegenen Preisen — ein Hinweis auf wettbewerbsfähige Lieferanten außerhalb der EU.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 474,9 | 657,0 | +38,4 % |
| Importmenge (t) | 82.888 | 110.767 | +33,6 % |
| Importpreis (EUR/t) | 5.728 | 5.930 | +3,5 % |
1.3. Das Handelsbilanzdefizit blieb positiv, geriet aber unter Druck
Die EU erzielte im gesamten Zeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo, der von 143 Mio. EUR (2015) auf 146 Mio. EUR (2025) leicht zunahm (+1,8 %). Der Saldo war jedoch stark schwankend: 2021 sank er auf lediglich 130 Mio. EUR, 2020 erreichte er hingegen einen Tiefstwert von nur 86 Mio. EUR, bevor er 2022 mit 177 Mio. EUR sein Maximum erzielte. Der sich ausweitende Importvolumenanstieg bei gleichzeitig stagnierendem Exportvolumen untergräbt die Handelsbilanz zunehmend, auch wenn der Wertsaldo noch positiv bleibt.
2. China als dominierender Importlieferant und die geopolitische Umstrukturierung der Handelsströme
2.1. China verdoppelte seine EU-Importe und trieb die Konzentration nach oben
Der mit Abstand größte Wandel auf der Importseite vollzog sich bei den Lieferungen aus China. Diese stiegen von 106 Mio. EUR (2015) auf 212 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 99,5 %. Mengenmäßig wuchsen die chinesischen Lieferungen von 32.565 t auf 64.713 t, also fast eine Verdopplung. China ist damit der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU in diesem Segment. Die Dominanz spiegelt sich auch im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) wider: Der Import-HHI stieg von 1.491 (2015) auf 1.737 (2025, +16,5 %). Werte oberhalb von 1.500 deuten auf einen moderat konzentrierten Markt hin — die steigende Tendenz signalisiert zunehmende Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten.
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 106,1 | 211,6 | +99,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 92,6 | 98,8 | +6,7 % |
| Vereinigte Staaten | 82,4 | 105,5 | +28,1 % |
| Schweiz | 63,2 | 77,2 | +22,1 % |
| Taiwan | 37,8 | 31,3 | −17,1 % |
| Serbien | 0,8 | 20,0 | +2.286 % |
| Indien | 9,4 | 16,3 | +73,1 % |
2.2. Serbien als rasch aufsteigender Lieferant und neue Handelskorridore
Ein bemerkenswerter Trend ist der meteorische Aufstieg Serbiens als EU-Importeur. Von nur 0,8 Mio. EUR im Jahr 2015 stiegen die Importe aus Serbien auf 20,0 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Anstieg um über 2.286 %. Mengenmäßig wuchs das Volumen von 189 t auf 7.105 t. Serbien profitiert dabei als EU-Beitrittskandidat von Handelspräferenzen und der geografischen Nähe. Gleichzeitig verlor Taiwan an Bedeutung (−17,1 %), was auf eine Verschiebung der globalen Lieferketten in Richtung Festlandchina und Südosteuropa hindeuten könnte.
2.3. Die Exportseite ist geografisch diversifizierter, aber Russland brach ein
Auf der Exportseite zeigt sich ein deutlich geringerer Konzentrationsgrad. Der Export-HHI sank von 769 (2015) auf 650 (2025, −15,5 %), was eine breitere Streuung der Exportziele anzeigt. Die wichtigsten Exportmärkte blieben das Vereinigte Königreich (121,7 Mio. EUR, −3,3 %), die USA (99,7 Mio. EUR, +91,8 %) und die Schweiz (78,3 Mio. EUR, +59,1 %). Der dramatischste Einbruch betraf Russland: Die EU-Exporte dorthin sanken von 32,9 Mio. EUR auf 13,2 Mio. EUR (−60,1 %) — ein direktes Ergebnis der Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die russischen Exportmengen fielen von 3.477 t auf nur noch 1.008 t.
| Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 125,9 | 121,7 | −3,3 % |
| Vereinigte Staaten | 52,0 | 99,7 | +91,8 % |
| Schweiz | 49,2 | 78,3 | +59,1 % |
| Türkei | 30,4 | 32,3 | +6,2 % |
| Marokko | 19,5 | 29,8 | +53,0 % |
| Russische Föderation | 32,9 | 13,2 | −60,1 % |
2.4. Deutschland bleibt der unbestrittene Kern der EU-Produktion und -Ausfuhr
Innerhalb der EU ist Deutschland mit großem Abstand der wichtigste Produzent und Exporteur. Die deutschen Exporte beliefen sich 2025 auf 306 Mio. EUR (2015: 257 Mio. EUR, +19,3 %), was einem Anteil von rund 38 % an allen EU-Außenexporten entspricht. Italien folgt mit 119 Mio. EUR (−4,0 %). Bemerkenswert ist der Aufstieg Polens, dessen Exporte von 19 Mio. EUR auf 61 Mio. EUR (+217,6 %) stiegen und das Land zum drittgrößten EU-Exporteur machten. Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) bestätigt die komparativen Vorteile: Luxemburg (RSCA 0,63), Italien (0,49) und Griechenland (0,40) weisen die höchste Spezialisierung auf, während Deutschland mit einem RSCA von 0,18 und einer Produktionsquote von 30,4 % die absolute Mengendomina
3. Preispremiu
3. Preisaufwertung, Produktionsrückgang und steigende Importabhängigkeit der EU
3.1. Der EU-Produktionswert wuchs stark, die Produktionsmengen blieben volatil
Die EU-Produktion verzeichnete im Zeitraum einen deutlichen Wertanstieg: Der Produktionswert stieg von 904 Mio. EUR (2003, frühester verfügbarer Wert) auf 2.802 Mio. EUR (2024), was einem Plus von 209,9 % entspricht. Die Produktionsmenge blieb hingegen stark schwankend: Von 451 Mio. EUR (2015) bewegte sie sich zwischen 347 Mio. und 521 Mio. EUR und erreichte 2024 einen Wert von 398 Mio. Der durchschnittliche Produktionspreis stieg von 4,94 EUR/kg (2015) auf 7,04 EUR/kg (2024), was einer Aufwertung von 42,5 % entspricht. Diese Preisdynamik spiegelt sowohl höhere Inputkosten (Rohstoffe, Energie) als auch eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten wider.
3.2. Preisunterschiede zwischen Import und Export zeigen Qualitätsgefälle
Ein durchgängiges Merkmal des betrachteten Zeitraums ist die Differenz zwischen Export- und Importpreisen. Die EU exportierte 2025 zu einem Durchschnittspreis von 10.934 EUR/t, importierte jedoch zu nur 5.930 EUR/t — ein Verhältnis von fast 1,8:1. Dieses Gefälle hat sich über den Zeitraum verstärkt (2015: 7.572 vs. 5.728 EUR/t, Verhältnis 1,3:1). Die Interpretation liegt nahe: Die EU exportiert tendenziell höherwertige, spezialisierte Produkte (etwa Bänder für technische Anwendungen) und importiert mengenmäßig große Volumina preisgünstiger Standardfolien, insbesondere aus Asien.
3.3. Ein spezifischer Preisschock bei Importen aus dem Vereinigten Königreich
Die Schockanalyse identifiziert einen signifikanten Preisschock bei Importen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2021. Der Importpreis stieg sprunghaft um 131,5 % (Abnormalitäts-Score: 92,1), bei gleichzeitigem Mengenrückgang auf nur noch 49,4 % des Vorjahresniveaus. Die Importmengen aus dem UK sanken von 18.373 t (2019) auf 8.797 t (2021) und erholten sich danach nicht mehr — 2025 lag der Wert bei nur noch 5.927 t. Gleichzeitig stieg der Importpreis auf über 16.676 EUR/t. Dieses Muster ist konsistent mit den Auswirkungen des Brexits: Höhere Handelsreibungen, Zollformalitäten und regulatorische Divergenz führten zu dauerhaften Mengenrückgängen und einer Verschiebung zu hochpreisigen Nischenlieferungen.
| Phase | Zeitraum | Menge (t) | Preis (EUR/t) |
|---|---|---|---|
| Basislinie | 2019–2020 | 17.792 | 4.948 |
| Schock | 2021 | 8.797 | 11.456 |
| Nach-Schock | 2022–2023 | 7.856 | 13.314 |
3.4. Die Exporte der EU zeigen eine moderate Volatilität, Russland als Ausnahme
Die Volatilitätsanalyse der Exportmengen zeigt bei den wichtigsten Partnern moderate Schwankungskoeffizienten. Die stabilsten Exportbeziehungen bestehen zur Schweiz (CV 0,04) und Norwegen (CV 0,07). Höhere Volatilität weisen Kanada (CV 0,38) und die Russische Föderation (CV 0,41) auf. Auf der Importseite ist die Russische Föderation mit einem CV von 1,18 der volatilste Partner — hier spiegelt sich der vollständige Zusammenbruch der Handelsbeziehungen wider: Die EU-Importe aus Russland stiegen von 34 t (2015) auf 3.453 t (2021), um dann auf praktisch null (0,004 t, 2025) zu fallen.
4. Wachsende Importabhängigkeit bei gleichzeitiger Exportstärke
4.1. Die Nettostrom-Importabhängigkeit der EU blieb moderat negativ
Der Indikator der Netto-Importabhängigkeit lag über den gesamten Zeitraum im negativen Bereich, d. h. die EU war Nettoexporteur. Der Wert schwankte zwischen −3,6 % (2016, niedrigste Abhängigkeit) und −8,4 % (2018, höchste Abhängigkeit). Im Jahr 2025 betrug er −5,6 %. Obwohl die EU also insgesamt mehr exportiert als importiert, hat sich die Nettobilanz in den letzten Jahren eingetrübt — die stark wachsenden Importe aus China und anderen Drittländern nagen am Überschuss.
4.2. Die Handelsintensität und Exportneigung nahmen deutlich zu
Die Exportneigung — gemessen als Anteil der Exporte an der EU-Produktion — stieg von 23,2 % (2015) auf 29,1 % (2025, +25,5 %). Der Höchstwert wurde 2023 mit 37,3 % erreicht. Die Handelsintensität (Summe aus Im- und Exporten relativ zur Produktion) erhöhte sich von 34,4 % auf 42,8 %. Diese Zahlen zeigen, dass der EU-Markt für CN 391910 zunehmend in den globalen Handel integriert ist. Die steigende Exportneigung deutet auf eine erfolgreiche Positionierung der EU-Produzenten in hochwertigen Marktsegmenten hin, während die wachsende Handelsintensität die zunehmende Verflechtung mit Drittmärkten unterstreicht.
4.3. Produktsegment 39191080 dominiert die Handelsströme
Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass die Unterposition 39191080 (selbstklebende Flacherzeugnisse aus Kunststoffen, ausgenommen mit Kautschuk bestrichene Bänder) sowohl bei Importen als auch bei Exporten dominiert. Auf der Importseite machte 39191080 im Jahr 2025 einen Wert von 457 Mio. EUR aus (69,5 % aller Importe), bei einer Menge von 72.669 t. Auf der Exportseite belief sich der Wert auf 488 Mio. EUR (60,8 % aller Exporte). Die Unterposition 39191015 (PP-Bänder mit Kautschukbeschichtung) verlor auf der Exportseite mengenmäßig deutlich: von 32.552 t (2015) auf 23.431 t (2025, −28,0 %), was auf Verschiebungen in der Produktions- und Wettbewerbslandschaft hindeutet.
| Unterposition | Imp. 2025 (Mio. EUR) | Exp. 2025 (Mio. EUR) | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| 39191080 | 456,9 | 487,9 | Sonstige selbstklebende Flacherzeugnisse |
| 39191015 | 49,9 | 121,6 | PP-Bänder mit Kautschuk |
| 39191012 | 72,5 | 108,2 | PVC/PE-Bänder mit Kautschuk |
| 39191019 | 75,3 | 85,7 | Sonstige Bänder mit Kautschuk |
Fazit
Der EU-Außenhandel mit selbstklebenden Folien und Bändern aus Kunststoffen (CN 391910) hat sich zwischen 2015 und 2025 strukturell verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
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Wertsteigerung trotz Mengenstagnation bei Exporten: Die EU konnte ihre Exportwerte um fast 30 % steigern, obwohl die exportierten Mengen rückläufig waren. Die Preisaufwertung um 44,4 % deutet auf eine erfolgreiche Positionierung im Hochwertsegment hin. Die EU-Produzenten verkaufen weniger, aber teurer.
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Zunehmende Konzentration der Importseite auf China: Chinas Anteil an den EU-Importen hat sich nahezu verdoppelt, was den HHI auf über 1.700 ansteigen ließ. Gleichzeitig führten geopolitische Ereignisse (Brexit, Russland-Sanktionen) zu einer Umstrukturierung der Handelsströme — das Vereinigte Königreich verlor als Lieferant an Bedeutung, Russland als Exportmarkt brach zusammen, und Serbien stieg als neuer EU-Lieferant auf.
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Wachsende Marktverflechtung bei moderater Autonomie: Die EU bleibt zwar Nettoexporteur, doch die Importabhängigkeit nimmt zu. Die Handelsintensität von über 42 % zeigt einen hochgradig internationalisierten Markt. Die größte strategische Herausforderung liegt in der wachsenden Abhängigkeit von chinesischen Volumenimporten, die bei einem HHI von 1.737 bereits ein spürbares Konzentrationsrisiko darstellen.