Marktentwicklung: Flacherzeugnisse aus nichtrostendem Stahl, mit einer Breite von >= 600 mm, nur kaltgewalzt, mit einer Dicke von 0,5 mm bis 1 mm (CN 721934) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit kaltgewalzten Flacherzeugnissen aus nichtrostendem Stahl (Zolltarifnummer CN 721934) im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Erzeugnis umfasst Bänder und Bleche mit einer Breite von mindestens 600 mm, die ausschließlich kaltgewalzt wurden und eine Dicke zwischen 0,5 und 1 mm aufweisen. Es wird in zwei Unterpositionen unterteilt: solche mit einem Nickelgehalt von mindestens 2,5 % (CN 72193410) und solche mit einem Nickelgehalt unter 2,5 % (CN 72193490). Im Prodcom-System entspricht das Produkt dem Code 24.10.42.00.
Der Beobachtungszeitraum ist von einschneidenden Veränderungen geprägt: Während die EU im Jahr 2015 noch einen deutlichen Nettoexporteur-Status besaß, hat sich die Handelsbilanz bis 2025 grundlegend gewandelt. Gleichzeitig vollzog sich eine markante Verschiebung der Lieferanten- und Absatzmärkte, und das Jahr 2022 markiert eine Phase extremer Preisschocks, die den gesamten Markt nachhaltig beeinflusst haben.
1. Struktureller Exportrückgang und wachsende Importabhängigkeit der EU
1.1 Die EU-Ausfuhren sind seit 2015 um mehr als die Hälfte eingebrochen
Der auffälligste Trend im gesamten Beobachtungszeitraum ist der anhaltende Rückgang der EU-Ausfuhren. Der Exportwert fiel von 362,8 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 196,3 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Rückgang von 45,9 % entspricht. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei der Ausfuhrmenge aus: Von 164.283 Tonnen sank diese auf 76.402 Tonnen – ein Minus von 53,5 %. Parallel dazu stieg der durchschnittliche Exportpreis von 2.208 EUR/t auf 2.570 EUR/t (+16,4 %), was darauf hindeutet, dass die EU sich zunehmend auf höherwertige Nischenprodukte konzentriert und preissensible Märkte verliert.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 362,8 | 196,3 | −45,9 % |
| Exportmenge (t) | 164.283 | 76.402 | −53,5 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 2.208 | 2.570 | +16,4 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
1.2 Die Einfuhren blieben volumenmäßig stabil, während die Handelsbilanz sich drastisch verschlechterte
Im Gegensatz zu den Exporten blieben die EU-Einfuhren über den gesamten Zeitraum bemerkenswert stabil: Der Importwert lag 2015 bei 599,8 Mio. EUR und 2025 bei 595,1 Mio. EUR (−0,8 %), die Einfuhrmenge sank lediglich von 312.578 auf 303.260 Tonnen (−3,0 %). Der durchschnittliche Importpreis stieg leicht von 1.919 EUR/t auf 1.962 EUR/t (+2,3 %). Infolge des divergierenden Trends zwischen Exporten und Importen verschlechterte sich die Handelsbilanz von −237 Mio. EUR (2015) auf −399 Mio. EUR (2025), eine Verschlechterung um 68,2 %. Der tiefste Punkt wurde 2022 mit −1.025 Mio. EUR erreicht.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 599,8 | 595,1 | −0,8 % |
| Importmenge (t) | 312.578 | 303.260 | −3,0 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.919 | 1.962 | +2,3 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | −237 | −399 | −68,2 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
1.3 Die Nettoimportabhängigkeit der EU hat sich umgekehrt
Der Indikator der Nettoimportabhängigkeit veranschaulicht den Strukturwandel besonders eindrücklich. Im Jahr 2015 betrug die Nettoimportabhängigkeit −14,7 %, was bedeutete, dass die EU bei diesem Produkt Nettexporteur war. Bis 2024 drehte sich dieser Wert auf +1,2 % — die EU wurde damit erstmals zum leichten Nettimporteur. Der Höchstwert wurde 2022 mit +17,7 % erreicht, als der massive Preisanstieg die Importwerte stark anschwellen ließ. Gleichzeitig sank die Exportquote — also der Anteil der Produktion, der in Drittländer exportiert wird — von 23,2 % (2015) auf 14,5 % (2024), was einen Rückgang von 37,4 % darstellt.
| Indikator | 2015 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Nettoimportabhängigkeit (%) | −14,7 | +1,2 | +107,9 % |
| Exportquote (%) | 23,2 | 14,5 | −37,4 % |
| Handelsintensität (%) | 30,5 | 26,1 | −14,3 % |
Quelle: Nettoimportabhängigkeit, Exportquote
1.4 Die EU-Produktion blieb mengenmäßig weitgehend stabil, doch der Produktionswert stieg stark
Die inländische EU-Produktion entwickelte sich deutlich anders als die Exporte. Die Produktionsmenge lag 2015 bei rund 3,0 Mrd. kg und sank bis 2024 auf 3,1 Mrd. kg (−6,9 %) — ein moderater Rückgang. Der Produktionswert stieg hingegen von 5,9 Mrd. EUR auf 7,6 Mrd. EUR (+57,3 %), bedingt durch den globalen Rohstoffpreisanstieg. Der durchschnittliche Produktionspreis erhöhte sich von 1,98 EUR/kg auf 2,46 EUR/kg. Dies deutet darauf hin, dass die europäische Produktion zunehmend für den heimischen Markt und weniger für den Export produziert, da die inländische Nachfrage offenbar stabil blieb.
2. Geopolitische Umwälzungen und die Neuordnung der Handelspartner
2.1 Taiwan und asiatische Lieferanten haben die Importlandschaft dominiert
Auf der Importseite vollzog sich eine bemerkenswerte Verschiebung der Lieferantenstrukturen. Taiwan entwickelte sich zum wichtigsten Importpartner der EU: Die Einfuhren aus Taiwan stiegen von 59,0 Mio. EUR (2015) auf 149,4 Mio. EUR (2025), was einer Steigerung von 153,2 % entspricht. Im Krisenjahr 2022 erreichten die taiwanesischen Lieferungen sogar 307,1 Mio. EUR. Korea blieb mit 134,1 Mio. EUR (2025) der zweitwichtigste Lieferant, verzeichnete aber einen Rückgang von 17,2 %. Die folgende Tabelle zeigt die Top-Importpartner:
| Partner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Taiwan | 59,0 | 149,4 | +153,2 % |
| Korea, Republik | 162,0 | 134,1 | −17,2 % |
| Türkiye | 59,4 | 65,2 | +9,8 % |
| Südafrika | 37,9 | 26,8 | −29,5 % |
| Vietnam | 50,5 | 57,1 | +13,1 % |
| Thailand | 33,2 | 43,2 | +30,0 % |
| Indien | 58,9 | 17,0 | −71,2 % |
Quelle: Top-Importpartner
2.2 Indien und China als instabile Importquellen
Besonders auffällig ist der dramatische Rückgang der indischen Lieferungen: Von 58,9 Mio. EUR (2015) auf nur noch 17,0 Mio. EUR (2025) – ein Minus von 71,2 %. Die indischen Einfuhren waren zudem extrem volatil, wie der Variationskoeffizient von 0,47 zeigt. China zeigt ein ähnliches Muster extremer Schwankungen (CV von 1,49): Nach Jahren mit vernachlässigbaren Importmengen stiegen die chinesischen Lieferungen 2022 sprunghaft auf 176,9 Mio. EUR an, um danach wieder auf 62,0 Mio. EUR (2025) zu fallen. Diese Volatilität unterstreicht die Unberechenbarkeit bestimmter Beschaffungsmärkte.
2.3 Die EU-Exportmärkte haben sich deutlich zusammengezogen
Auf der Exportseite ist der Rückgang breit angelegt. Die Ausfuhren in die Türkei — 2015 noch das wichtigste Exportziel mit 91,3 Mio. EUR — brachen bis 2025 auf 28,2 Mio. EUR ein (−69,1 %). Der britische Markt, als zweitgrößter Abnehmer, schrumpfte um 36,3 %. Die Exporte nach China sanken sogar um 78,2 %. Nur die USA konnten als Zielmarkt einigermaßen stabilisiert werden (−17,1 %), blieben aber unter dem Niveau von 2017, als 80,2 Mio. EUR erreicht wurden.
| Partner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkiye | 91,3 | 28,2 | −69,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 64,2 | 40,9 | −36,3 % |
| Vereinigte Staaten | 57,0 | 47,3 | −17,1 % |
| Schweiz | 29,7 | 21,4 | −28,1 % |
| China | 28,1 | 6,1 | −78,2 % |
| Ägypten | 11,2 | 4,4 | −61,0 % |
| Indien | 5,8 | 2,3 | −60,3 % |
Quelle: Top-Exportpartner
2.4 Russland als Exportmarkt ist praktisch verschwunden
Ein Sonderfall ist die Entwicklung der EU-Exporte nach Russland. Diese lagen 2015 bei 11,6 Mio. EUR und sanken bis 2021 auf 4,3 Mio. EUR. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine und der Verhängung von Sanktionen brachen die Ausfuhren 2022 auf 1,5 Mio. EUR ein und erreichten 2023 nur noch 38.288 EUR. Die Daten für 2024 und 2025 zeigen null bzw. keine Meldungen. Diese Entwicklung ist ein Beispiel für die direkte geopolitische Auswirkung auf die Handelsströme.
2.5 Italien dominiert als EU-interner Importeur
Innerhalb der EU zeigt sich bei den Hauptmeldern eine klare Konzentration. Italien war 2015 mit 314,3 Mio. EUR und 2025 mit 318,3 Mio. EUR der mit Abstand größte EU-Importeur von Drittlandserzeugnissen. Italien deckt damit mehr als die Hälfte aller EU-Einfuhren ab, was mit der dortigen starken Edelstahl verarbeitenden Industrie zusammenhängt. Die Niederlande verzeichneten hingegen einen dramatischen Rückgang von 78,6 Mio. EUR auf 15,6 Mio. EUR (−80,1 %), was auf eine Umstrukturierung der Handelsströme innerhalb der EU hindeuten könnte. Auf der Exportseite dominierten Spanien (59,3 Mio. EUR, relativ stabil) und Italien (31,8 Mio. EUR, −56,0 %).
| EU-Melder (Importe) | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 314,3 | 318,3 | +1,3 % |
| Belgien | 73,1 | 95,9 | +31,1 % |
| Niederlande | 78,6 | 15,6 | −80,1 % |
| Polen | 41,7 | 29,7 | −28,8 % |
| Spanien | 20,0 | 41,6 | +108,5 % |
| Deutschland | 14,9 | 6,7 | −55,4 % |
Quelle: EU-Hauptmelder
2.6 Die Importkonzentration hat sich erhöht
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importe nach Wert stieg von 1.260 (2015) auf 1.553 (2025), eine Zunahme von 23,2 %. Ein HHI über 1.500 deutet auf einen moderat konzentrierten Markt hin. Die höchste Konzentration wurde 2023 mit 1.738 erreicht. Die Exportkonzentration blieb mit einem Anstieg von 1.360 auf 1.418 (+4,3 %) relativ stabil. Der Anstieg der Importkonzentration spiegelt wider, dass sich die EU zunehmend auf wenige große Lieferanten — insbesondere Taiwan und Korea — stützt, was bei geopolitischen Spannungen in der Region ein potenzielles Risiko darstellt.
2.7 Spezialisierung innerhalb der EU: Finnland und Belgien führen
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Finnland mit einem RSCA-Wert von 0,88 am stärksten auf dieses Produkt spezialisiert ist — der RCA-Wert von 16,04 ist außergewöhnlich hoch, wenngleich Finnlands Anteil am EU-Gesamtexport mit lediglich 1,0 % gering ist. Belgien (RSCA 0,52, RCA 3,16) und Italien (RSCA 0,39, RCA 2,27) sind ebenfalls klar spezialisiert und zusammen für rund 16 % der EU-Exporte verantwortlich. Deutschland hingegen zeigt eine negative Spezialisierung (RSCA −0,47), obwohl es 21,2 % der EU-Produktion stellt — es ist also ein großer Produzent, der überproportional für den Binnenmarkt produziert.
| Land | RSCA | RCA | Anteil Produktion | Anteil Exporte |
|---|---|---|---|---|
| Finnland | 0,88 | 16,04 | 16,1 % | 1,0 % |
| Belgien | 0,52 | 3,16 | 26,7 % | 8,5 % |
| Italien | 0,39 | 2,27 | 18,2 % | 8,0 % |
| Spanien | 0,15 | 1,34 | 7,8 % | 5,8 % |
| Deutschland | −0,47 | 0,36 | 7,7 % | 21,2 % |
Quelle: Spezialisierung
3. Der Preisschock von 2022 und seine Nachwirkungen
3.1 Das Jahr 2022 markierte eine beispiellose Preisexplosion
Das Jahr 2022 steht im Zentrum der markanten Preisentwicklung. Die Daten zeigen bei den Importpreisen dramatische Anstiege gegenüber dem Vorjahresniveau:
| Partner | Importpreis 2021 (EUR/t) | Importpreis 2022 (EUR/t) | Anstieg |
|---|---|---|---|
| Südafrika | 1.952 | 3.038 | +55,6 % |
| Vietnam | 2.235 | 3.648 | +63,2 % |
| Indien | 2.102 | 3.497 | +66,3 % |
| Thailand | 2.071 | 3.598 | +73,7 % |
| Korea, Republik | 1.947 | 3.050 | +56,7 % |
| Taiwan | 1.772 | 2.725 | +53,8 % |
Quelle: Preisschocks
3.2 Globale Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme als Auslöser
Die Preisschocks von 2022 waren ein globales Phänomen. Die Rohstoffpreise für Nickel — ein wesentlicher Bestandteil von rostfreiem Stahl — stiegen in der Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine und der damit verbundene Sanktionen gegen russische Lieferanten sprunghaft an. Gleichzeitig führten die anhaltenden Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie zu erhöhten Transportkosten und Lieferverzögerungen. Die Preisanomalien mit Abnormalitäts-Werten von bis zu 13,7 (bei US-Exporten) belegen die Einzigartigkeit dieses Schocks.
3.3 Die EU-Exportpreise stiegen besonders stark in die USA und nach China
Auch auf der Exportseite zeigen die Daten signifikante Preisschocks. Die EU-Exportpreise in die USA stiegen 2022 auf 3.862 EUR/t (+57,0 % gegenüber dem Basiswert), wobei die Anomalität von 13,7 den höchsten aller beobachteten Schocks darstellt. Noch extremer war die Preisentwicklung bei Exporten nach China: Hier verdoppelte sich der Preis nahezu auf 7.574 EUR/t (+99,6 %). Die Exporte in das Vereinigte Königreich und die Türkei verzeichneten Preisanstiege von 60,7 % bzw. 68,4 %.
3.4 Nach 2022: Preise blieben erhöht, Mengen erholten sich nur teilweise
Die Daten für 2023 und 2024 zeigen, dass die Preise zwar gegenüber dem Spitzenjahr 2022 gesunken sind, aber deutlich über dem Vorkrisenniveau blieben. So lagen die Importpreise aus Taiwan 2024 bei 1.856 EUR/t — über dem Niveau von 2021 (1.772 EUR/t), aber weit unter dem Spitzenwert von 2022 (2.725 EUR/t). Die Importmengen erholten sich bei einigen Partnern, blieben aber bei anderen unter dem Vorkrisenniveau. Vietnam etwa verzeichnete 2023 und 2024 zusammengefasst eine durchschnittliche Einfuhrmenge von nur 20.880 Tonnen, verglichen mit 42.432 Tonnen im Krisenjahr 2022.
3.5 Die Schwankungsanfälligkeit variiert stark zwischen den Handelspartnern
Der Variationskoeffizient (CV) als Maß für die Volatilität zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern. Bei den Importen weisen China (CV 1,49) und die USA (CV 1,41) die höchste Schwankungsanfälligkeit auf, gefolgt von Indonesien (0,96). Korea (0,18) und die Türkei (0,25) zeigen hingegen die geringste Volatilität und damit die zuverlässigsten Handelsbeziehungen. Auf der Exportseite zeigt sich ein ähnliches Bild: Die EU-Exportmengen nach Mexiko (CV 0,96) und China (CV 0,83) sind am stärksten schwankend, während die Schweiz (0,21) und das Vereinigte Königreich (0,21) die stabilsten Absatzmärkte darstellen.
3.6 Segmentanalyse: Hochnickel-Produkte sind anfälliger für Preisschwankungen
Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass CN 72193410 (Nickelgehalt ≥ 2,5 %) sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten das mengen- und wertmäßig dominierende Segment darstellt. Die Importe dieses Segments lagen 2025 bei 179.103 Tonnen (Wert: 397,1 Mio. EUR), verglichen mit 124.158 Tonnen (198,0 Mio. EUR) bei CN 72193490. Der Preisunterschied ist signifikant: Hochnickel-Produkte wurden 2025 zu durchschnittlich 2.217 EUR/t importiert, Niedrignickel-Produkte zu 1.595 EUR/t — ein Aufschlag von 39 %. Die Preisschwankungen sind beim Hochnickel-Segment ebenfalls stärker ausgeprägt, da der Nickelpreis direkt in die Produktionskosten eingeht. Der Importpreis für CN 72193410 stieg 2022 auf 3.562 EUR/t, während CN 72193490 nur 2.309 EUR/t erreichte.
| Segment | Importmenge 2025 (t) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Preis 2025 (EUR/t) | Preis 2022 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|
| CN 72193410 (Ni ≥ 2,5 %) | 179.103 | 397,1 | 2.217 | 3.562 |
| CN 72193490 (Ni < 2,5 %) | 124.158 | 198,0 | 1.595 | 2.309 |
Quelle: Produktsegmente
Schlussfolgerung
Die Analyse des EU-Außenhandels mit CN 721934 im Zeitraum 2015–2025 offenbart drei zentrale Erkenntnisse:
Erstens hat sich die EU von einem Nettoexporteur zu einem leichten Nettimporteur entwickelt. Die Exporte sind mengenmäßig um mehr als die Hälfte eingebrochen, während die Importe volumenmäßig stabil blieben. Die EU-Produktion konnte den inländischen Bedarf zwar weiterhin decken, die Exportquote sank jedoch deutlich — ein Hinweis auf einen zunehmend nachfrageorientierten Binnenmarkt.
Zweitens haben geopolitische Ereignisse und Handelsverschiebungen die Partnerlandschaft grundlegend verändert. Taiwan und asiatische Lieferanten haben ihre Marktstellung bei den EU-Importen ausgebaut, während traditionelle Exportmärkte wie die Türkei, Russland und China an Bedeutung verloren haben. Die steigende Importkonzentration birgt strategische Risiken.
Drittens hat der Preisschock von 2022 — ausgelöst durch die Konvergenz von Rohstoffpreisanstiegen, Sanktionen und Lieferkettenstörungen — den Markt nachhaltig verändert. Die Preise haben sich zwar normalisiert, bleiben aber über dem Vorkrisenniveau. Die Erfahrung von 2022 unterstreicht die Bedeutung diversifizierter Lieferketten und robuster Handelsbeziehungen für die Versorgungssicherheit der EU mit diesem wichtigen Grundstoff.