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Marktentwicklung: Fischmehl (CN 0309) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Warencode 0309 – „Mehl, Pulver und Pellets von Fischen, Krebstieren, Weichtieren oder anderen wirbellosen Wassertieren, genießbar" – für den Zeitraum von 2015 bis 2025. Grundlage der Analyse sind die verfügbaren Daten ab dem Jahr 2022, da der Datenbereich vorherige Jahre als unvollständig ausschließt. Im Mittelpunkt stehen die fundamentalen Veränderungen im Handelsvolumen, die Verschiebung der Handelsbilanz sowie die sich wandelnden Marktstrukturen und Handelsströme. Weitere Details zum betrachteten Produkt finden Sie in der Übersicht auf dem Trade Dashboard.

Dramatische Wende: Von der Import- zur Exportabhängigkeit

Der auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist die vollständige Umkehr der Handelsposition der EU bei Fischmehl. Die Union hat sich von einem erheblichen Nettoimporteur zu einem starken Nettoexporteur entwickelt.

Anhaltende Importe bei gleichzeitigem Preisverfall

Die EU-Importe sind im Zeitraum 2022 bis 2025 um 73,5 % (von 1.027 Tonnen auf 1.782 Tonnen) gestiegen. Parallel dazu sank der durchschnittliche Importpreis um 28,7 % (von 8.788 €/t auf 6.269 €/t). Dies deutet auf ein gut versorgtes oder preissensibles Importsegment hin, wobei die Hauptlieferanten Norwegen, Neuseeland und Grönland ihre Liefermengen teils deutlich erhöhten.

Exponentielles Exportwachstum und fallende Preise

Dem steht ein explosives Wachstum der EU-Exporte gegenüber. Das exportierte Volumen stieg um 3.675 % (von 266 Tonnen auf über 10.000 Tonnen), der Exportwert sogar um 1.053 %. Bemerkenswert ist, dass dieser Exportboom bei einem starken Preisverfall stattfand (Rückgang um 69,5 % auf 2.217 €/t). Dies lässt auf eine massive Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit oder eine Neuausrichtung auf Volumen- statt Premiummärkte schließen. Die Veränderungen werden auf der allgemeinen Übersichtsseite detailliert dargestellt.

Umkehr der Netto-Importabhängigkeit

Diese entgegengesetzten Entwicklungen führten zu einer fundamentalen Veränderung der Handelsbilanz. Die anfängliche Netto-Importabhängigkeit von 74,4 % im Jahr 2022 kehrte sich bis 2025 in eine marginale Netto-Importabhängigkeit von nur noch 0,2 % um. Die EU ist faktisch autark bzw. ein Nettoexporteur geworden.

Produktsegmente und Herkunft der Wertschöpfung

Die Analyse der untergeordneten Warengruppen (030910 und 030990) zeigt, dass der Exportboom vor allem auf ein Produktsegment zurückzuführen ist.

Fischmehl (030910) als dominierender Exporttreiber

Das Segment „Mehl, Pulver und Pellets von Fischen" (030910) ist der klare Motor des Exportwachstums. Die Exportmengen explodierten von 254 Tonnen (2022) auf 9.639 Tonnen (2025), der Exportwert stieg von 1,6 Mio. € auf über 21 Mio. €. Der durchschnittliche Exportpreis blieb im Vergleich zum Segment 030990 jedoch hoch und stabil (ca. 2.180 €/t in 2025). Dieses Segment dominiert die EU-Exporte mit über 94 % des Gesamtwerts in 2025.

Gegensätzliche Dynamik bei Meeresfrüchtemehl (030990)

Das Segment der Krebstier- und Weichtiermehle (030990) zeigt eine gegensätzliche Entwicklung. Es ist das dominierende Importprodukt (über 65 % der Importmenge 2025), und seine Importe haben sich mehr als verdoppelt. Gleichzeitig blieben die Exporte dieses Segments mit 416 Tonnen (2025) marginal. Die EU ist also in diesem Nischenprodukt ein starker Nettoimporteur, während sie beim allgemeinen Fischmehl zum Nettoexporteur wurde.

Kennzahl (2025) Fischmehl (030910) Meeresfrüchtemehl (030990)
EU-Exportanteil (Wert) 94,2 % 5,8 %
EU-Importanteil (Menge) 27,7 % 72,3 %
Durchschnittlicher Preis (€/t) 2.180 5.707
Quelle: Eigene Berechnung basierend auf Daten des Product Segment Breakdown.

Geografische Neuausrichtung der Handelsströme

Mit der explosionsartigen Zunahme der Exporte hat sich auch die geografische Ausrichtung des EU-Handels grundlegend verändert.

Norwegen und das Vereinigte Königreich als neue Hauptabsatzmärkte

Die stärkste Transformation zeigt sich bei den Exportpartnern. Norwegen entwickelte sich von einem Nebenspieler zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt der EU, mit einem Anstieg der Exporte von 93.000 € auf 15,3 Mio. €. Das Vereinigte Königreich stieg zum zweitgrößten Abnehmer auf (5,2 Mio. € in 2025). Diese beiden Märkte absorbierten 2025 zusammen fast 93 % der EU-Exporte, was zu einer stark erhöhten Konzentration auf nur zwei Partner führte (steigender HHI-Wert).

Stabilität bei den Importpartnern und innerhalb der EU

Auf der Importseite dominiert konstant Norwegen, dessen Lieferungen von 5,9 Mio. € auf 6,8 Mio. € wuchsen. Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Arbeitsteilung. Schweden, Deutschland und Dänemark sind die größten Importeure. Bei den Exporten sticht Dänemark als absoluter EU-Exporteur hervor: Seine Exporte wuchsen astronomisch von 12.000 € auf über 20 Mio. €, was auf eine führende Position oder ein bedeutendes Umschlagzentrum für Fischmehl in der EU hindeutet. Die Spezialisierungsmuster der einzelnen EU-Länder sind im Spezialisierungsbericht detailliert aufgeführt.

Erhöhte Volatilität in neuen Exportbeziehungen

Die neuen, wachstumsstarken Exportbeziehungen zeigen eine höhere Volatilität (gemessen am Variationskoeffizienten). Die Handelsströme nach Norwegen und ins Vereinigte Königreich sind deutlich volatiler als die etablierten Importströme aus Norwegen oder Neuseeland. Dies spiegelt möglicherweise die Anfangsphase neuer Handelsbeziehungen oder spezifische Nachfrageschwankungen wider, wie in der Volatilitätsanalyse zu sehen ist.

Schlussfolgerung

Im Zeitraum 2022–2025 durchlief der EU-Handel mit Fischmehl (CN 0309) eine fundamentale Transformation. Die EU wandelte sich von einem Nettoimporteur mit einer Importabhängigkeit von über 74 % in einen nahezu ausgeglichenen Markt bzw. einen starken Exporteur. Dieser Wandel wurde fast vollständig durch eine massive Steigerung der Exporte von Fischmehl (030910) angetrieben, insbesondere nach Norwegen und in das Vereinigte Königreich, während die Importe relativ stabil blieben.

Diese Entwicklung führte zu einer neuen Marktstruktur: Die EU ist nun für das Kernprodukt (Fischmehl) exportorientiert, während sie für das hochpreisigere Nischenprodukt (Meeresfrüchtemehl) weiterhin importabhängig ist. Gleichzeitig hat sich die Exportkonzentration auf wenige Drittstaatenpartner erhöht. Die treibenden Kräfte dieser Umkehr – seien es gesteigerte inländische Produktionskapazitäten (die EU-Produktion wuchs von 66.000 Tonnen auf 655.000 Tonnen), veränderte regulatorische Rahmenbedingungen oder gezielte Handelsstrategien – bedürfen einer weitergehenden Analyse, um die langfristige Nachhaltigkeit dieser neuen Handelsposition der EU zu beurteilen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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