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Marktentwicklung: Eisenerze und ihre Konzentrate, agglomeriert (ausg. Schwefelkiesabbrände) (CN 260112) — 2015–2025

Einleitung

Der europäische Markt für agglomerierte Eisenerze (KN 260112) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 tiefgreifend verändert — getrieben durch geopolitische Erschütterungen, drastische Preisausschläge und eine strukturelle Umorientierung der Handelsströme. Dieser Bericht analysiert die Hauptentwicklungen des EU-Handels und beleuchtet die zentralen Dynamiken auf Import-, Export- und Angebotsseite.


1. Veränderte Handelsströme: Vom Volumen- zum Preiswachstum im Export

Die EU verzeichnete im Beobachtungszeitraum eine bemerkenswerte Verschiebung zwischen Import- und Exportentwicklung. Während die Exporte insgesamt wuchsen, sanken die Importmengen erheblich — ein Indikator für eine sich wandelnde europäische Stahl- und Rohstofflandschaft.

Die Exporte stiegen im Wert um 53 %, blieben mengenmäßig jedoch nahezu stabil

Die EU-Exporte von agglomerierten Eisenerzen entwickelten sich über den gesamten Zeitraum folgendermaßen:

Kennzahl 2015 2021 (Höchstwert) 2025 Veränderung 2015→2025
Wert (Mio. EUR) 657 1.830 1.005 + 53 %
Menge (t) 8.368 k 14.126 k (2020) 8.612 k + 2,9 %
Preis (EUR/t) 78,5 177,9 (2021) 116,6 + 48,6 %

Das Exportvolumen schwankte zwischen 7,4 Mio. t (2024) und 14,1 Mio. t (2020), wobei der Höchststand 2020 pandemiebedingt vermutlich temporäre Ursachen hatte. Bemerkenswert ist, dass der Exportwert trotz vergleichsweise geringer Mengenentwicklung stark stieg — ein klares Ergebnis der weltweiten Preissteigerungen ab 2020/2021.

Die Importmengen sanken um 32,5 %, der Wert blieb jedoch nahezu unverändert

Kennzahl 2015 Höchstwert 2025 Veränderung 2015→2025
Wert (Mio. EUR) 2.087 4.663 (2021) 2.099 + 0,6 %
Menge (t) 27.254 k 29.390 k (2018) 18.393 k − 32,5 %
Preis (EUR/t) 76,6 175,2 (2021) 111,4 + 45,4 %

Die Importmengen erreichten 2018 mit 29,4 Mio. t ihren Höhepunkt und fielen bis 2025 auf nur noch 18,4 Mio. t — ein Rückgang um fast ein Drittel. Der Importwert blieb dennoch auf Vorjahresniveau, da der Rückgang der Mengen durch höhere Preise kompensiert wurde. Dies spiegelt die strukturelle Schwäche der europäischen Stahlindustrie und den Rückgang der Roheisenproduktion wider.

Der Handelsbilanzdefizit verbesserte sich um 23,5 %, bleibt aber signifikant

Die EU bleibt ein Nettoimporteur von agglomerierten Eisenerzen. Die Handelsbilanz verbesserte sich von −1.430 Mio. EUR (2015) auf −1.095 Mio. EUR (2025), entsprechend einer Verbesserung um 23,5 %. Der geringste Defizitwert wurde 2025 mit −725 Mio. EUR erreicht, das größte 2021 mit −2.833 Mio. EUR. Die Nettoimportabhängigkeit bewegte sich zwischen rund 45 % (2015, 2025) und einem Tiefststand von 22 % (2020).


2. Geopolitische Umorientierung: Russland raus, Kanada und die USA rein

Die größte qualitative Veränderung im EU-Handel mit agglomerierten Eisenerzen betraf die Herkunftsländer. Sanktionen gegen Russland und die Umorientierung der globalen Lieferketten führten zu einer radikalen Neuaufstellung der Importpartnerlandschaft.

Russland: Vollständiger Kollaps der Importe

Die dramatischste Veränderung vollzog sich bei den Importen aus Russland:

Jahr Wert (Mio. EUR) Menge (t) Anteil am Gesamtimport (Wert)
2015 183 2.635 k 8,8 %
2021 1.502 8.697 k 32,2 %
2022 376 2.379 k 9,8 %
2023 55 332 k 1,9 %
2024 1,3 9 k 0,0 %
2025 0,04 2 k 0,0 %

Russland war 2021 mit 1,5 Mrd. EUR der wichtigste Einzellieferant der EU und wurde infolge des Kriegs gegen die Ukraine und der damit verbundenen Sanktionen nahezu vollständig vom EU-Markt verdrängt. Die Menge sank von 8,7 Mio. t auf rund 2.000 t. Dieser Lieferantenausfall betrug rund 16 % des Gesamtimportwerts und musste durch andere Quellen kompensiert werden.

Kanada wurde zum mit Abstand wichtigsten Lieferanten

Importe aus Kanada stiegen von 512 Mio. EUR (2015) auf 999 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 95 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit 1.479 Mio. EUR erreicht, als Kanada den russischen Ausfall weitgehend kompensierte. Mit einem Koeffizienten der Variation (CV) von nur 0,08 war Kanada zugleich der mengenmäßig stabilste Importpartner — ein klarer Vorteil in unsicheren Zeiten.

Ukraine: Hohe Bedeutung trotz Kriegsendauer

Die Importe aus der Ukraine entwickelten sich bemerkenswert resilient: Sie stiegen von 398 Mio. EUR (2015) auf 582 Mio. EUR (2025), trotz des Krieges ab Februar 2022. Allerdings sank die Menge zwischenzeitlich 2020 auf unter 2,8 Mio. t, was den CV von 0,20 erklärt. Der ukrainische Anteil verharrte zwischenzeitlich hoch — 2021 importierte die EU ukrainische Erze im Wert von 946 Mio. EUR.

Brasilien verlor zwei Drittel seiner Exporte an die EU

Brasilien, einst größter Einzellieferant (2015 fast 967 Mio. EUR), verlor bis 2025 zwei Drittel seines Exportvolumens: Der Wert sank auf 326 Mio. EUR (−66,3 %). Die mengenmäßige Volatilität war hoch (CV = 0,74). Einen Tiefpunkt erreichten die brasilianischen Lieferungen 2020, als nur 439 k t exportiert wurden — vermutlich pandemie- und produktionsbedingt.

Neue Quellen: USA und Südafrika gewannen bedeutsam an Gewicht

  • Vereinigte Staaten: Importe aus den USA stiegen von praktisch null (2015) auf 153 Mio. EUR (2025). Der Höchstwert lag 2022 bei 375 Mio. EUR. Allerdings war die Volatilität extrem hoch (CV = 0,93).
  • Südafrika: Auch Südafrika trat als neuer Lieferant auf, mit einem Höchstwert von 121 Mio. EUR im Jahr 2021, fiel danach aber wieder auf unter 1 Mio. EUR zurück (CV = 1,12).

Exportziele: Saudi-Arabien, Naher Osten und Nordafrika im Aufwind

Auch auf der Exportseite vollzog sich eine geografische Verschiebung:

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Saudi-Arabien 173 312 + 80,4 %
Ägypten 61 172 + 180,1 %
Qatar 113 181 + 60,9 %
Vereinigtes Königreich 123 70 − 43,1 %
Türkei 101 119 + 17,9 %
VAE 71 74 + 5,1 %
Vereinigte Staaten 0,002 0,001

Saudi-Arabien wurde vom wichtigsten Exportpartner mit 312 Mio. EUR, gefolgt von Ägypten und der Türkei. Der Trend weist klar in Richtung des Nahen Ostens und Nordafrikas — Regionen mit expandierender Stahlproduktion. Das Vereinigte Königreich, einst zweitgrößter Abnehmer, halvierte sich nahezu.

Lieferantenkonzentration nahm zu

Die Importkonzentration (HHI) stieg von 3.191 (2015) auf 3.329 (2025), nach einem Tiefststand von 2.281 im Jahr 2022. Für das Jahr 2025 entfielen über 47 % des Importwerts allein auf Kanada, 28 % auf die Ukraine — eine hohe Konzentration. Auch die Exportkonzentration nahm zu (HHI von 2.172 auf 2.319), wobei Saudi-Arabien rund 31 % des Exportwerts dominierte.


3. Der Preisschock von 2021 und seine Nachwirkungen

Das Jahr 2021 markierte einen Wendepunkt im globalen und europäischen Eisenerzhandel. Ein außergewöhnlicher Preisschock erfasste den gesamten Markt und prägte die Handelsbilanzen für Jahre.

2021: Preisverdopplung auf beinahe allen Handelsströmen

Sowohl bei Importen als auch bei Exporten stiegen die durchschnittlichen Preise im Jahr 2021 sprunghaft an — nahezu eine Verdoppelung gegenüber 2019/2020:

Richtung 2020 (EUR/t) 2021 (EUR/t) Anstieg
Importpreis 109,5 175,2 + 60 %
Exportpreis 105,2 177,9 + 69 %

Die Schockanalyse identifiziert besonders extreme Ausschläge bei den Exportpartnern

Die Schockerkennung identifizierte mehrere extreme Preisschocks im Jahr 2021, jeweils gemessen an der Abweichung vom Vorjahresniveau:

Partner Schocktyp Anstieg 2020→2021 Normalität-Score Wertanteil
Ägypten (Export) Preis + 90,1 % 33,7 14,9 %
Saudi-Arabien (Export) Preis + 63,4 % 16,9 33,0 %
Vereinigtes Königreich (Export) Preis + 62,0 % 13,3 19,5 %
VAE (Export) Preis + 66,5 % 10,0 13,5 %

Auch bei den Importen ergab sich für Brasilien ein signifikanter Preisschock (+67,6 %), während die mengenmäßigen Lieferungen gleichzeitig sanken. Die Ursachen des breiten Preisanstiegs 2021 sind vielschichtig: globale Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie, das Nachholeffekte in der Stahlproduktion (insbesondere in China), sowie steigende Energie- und Frachtkosten.

Die Preise erholten sich 2022–2025 teilweise, blieben aber auf hohem Niveau

Nach dem Höchststand 2021 sanken die Preise kontinuierlich, erreichten 2025 aber immer noch nicht das Vorkrisenniveau von 2015. Der Importpreis 2025 (111,4 EUR/t) lag 45 % über dem von 2015 (76,6 EUR/t), der Exportpreis (116,6 EUR/t) 49 % höher als 2015 (78,5 EUR/t). Die Normalisierung verlief damit asymmetrisch — ein Phänomen, das auf anhaltende Produktionskostensteigerungen und strukturelle Verknappung hindeutet.

Auch bei den Lieferanten aus Russland war der Preisanstieg 2021 spürbar

Russland weist als einziger Lieferant einen markanten Preisschock von 172,7 EUR/t im Jahr 2021 auf — ein Anstieg von 57 % gegenüber 2020. Danach sanken sowohl Volumina (durch Sanktionen) als auch Preise rapide.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für agglomerierte Eisenerze (KN 260112) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei wesentlichen Dimensionen verändert:

  1. Mengen-Preis-Entkopplung: Der Trend weg von wachsenden Importmengen hin zu steigenden Preisen deutet auf einen reiferen, umstrukturierten Markt hin. Die europäische Stahlindustrie verbraucht weniger Eisenerz, zahlt aber pro Tonne deutlich mehr.

  2. Geopolitische Neuaufstellung: Der vollständige Wegfall Russlands als Lieferant (von 32 % Marktanteil in 2021 auf nahezu null) war der bestimmende Strukturbruch. Kanada und in geringerem Maße die Ukraine und die USA füllten diese Lücke — allerdings bei tendenziell höherer Konzentration.

  3. Preisvolatilität als neues Normal: Der Preisschock von 2021 betraf sowohl Importe als auch Exporte gleichermaßen und führte bei allen Hauptpartnern zu deutlichen Anpassungen. Die Preise haben sich bis 2025 nur teilweise normalisiert und liegen rund 45–50 % über dem Ausgangsniveau von 2015.

Die EU-Produktion agglomerierter Eisenerze sank im Zeitraum 2019–2024 um 36 % (von 30 Mio. auf 19,1 Mio. t), was den Trend zur verminderten Inlandsproduktion und erhöhten Importabhängigkeit unterstreicht — trotz einer nominellen Zunahme des Produktionswerts (+ 29 %, bedingt durch höhere Marktpreise). Die Exportquote sank parallel dazu von 66 % (2019) auf 42 % (2024) — ein weiteres Anzeichen für eine sich vertiefende europäische Abhängigkeit vom Weltmarkt.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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