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Marktentwicklung: Damen-Slips (CN 610822) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Damen-Slips und andere Unterhosen aus Chemiefasern (Zolltarifnummer 610822) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Die EU ist in diesem Segment ein struktureller Netto-Importeur mit einem Handelsbilanzdefizit, das sich von rund 473 Mio. EUR (2015) auf 517 Mio. EUR (2025) vertieft hat. Gleichzeitig hat sich die heimische Produktion der EU dramatisch zurückgebildet: Die Produktionsmenge sank von 527 Mio. Stück auf 180 Mio. Stück (−65,9 %), der Produktionswert von 806 Mio. EUR auf 262 Mio. EUR (−67,5 %). Dieser Strukturwandel bildet den Hintergrund für drei zentrale Entwicklungen: den Aufstieg süd- und südostasiatischer Lieferanten als Folge der chinesischen Diversifizierung, die Polarisierung innerhalb der EU zwischen Gewinnern und Verlierern der Handelsintegration sowie erhöhte Anfälligkeit gegenüber externen Preisschocks.


I. Strukturwandel der EU-Produktion und steigende Importabhängigkeit

Die heimische Produktion ist eingebrochen

Der wohl auffälligste Befund der Daten ist der dramatische Rückgang der EU-Produktion im Segment 610822. Zwischen 2015 und 2025 sank die Produktionsmenge von 527 Mio. Stück auf 180 Mio. Stück, was einem Rückgang von 65,9 % entspricht. Der Produktionswert fiel im gleichen Zeitraum von 806 Mio. EUR auf 262 Mio. EUR (−67,5 %). Dies deutet auf eine umfassende Verlagerung der Wertschöpfungskette außerhalb der EU hin — ein Muster, das im Bekleidungssektor seit Jahrzehnten zu beobachten ist, sich hier aber in besonders drastischer Form zeigt.

Die Netto-Importabhängigkeit hat sich mehr als verdoppelt

Die Netto-Importquote stieg von 37,0 % im Jahr 2015 auf 79,5 % im Jahr 2025 — eine Steigerung um 114,5 %. Parallel dazu erreichte die Handelsintensität 98,3 % (von 59,6 %), und die Exportquote kletterte von 25,6 % auf 90,2 % (+252,7 %). Diese Kennzahlen zusammen zeigen: Die EU ist zwar weiterhin ein relevanter Exporteur (120 Mio. EUR in 2025), aber die inländische Nachfrage wird fast vollständig durch Importe gedeckt. Die EU fungiert zunehmend als Drehkreuz — importiert große Mengen aus Asien, veredelt oder vertreibt sie und exportiert einen Teil in Nachbarländer.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mio. Stück) 527,2 180,0 −65,9 %
Produktionswert (Mio. EUR) 805,8 262,3 −67,5 %
Netto-Importquote (%) 37,0 79,5 +114,5 %
Handelsintensität (%) 59,6 98,3 +64,8 %
Exportquote (%) 25,6 90,2 +252,7 %

Importmengen und -werte wachsen, während die Stückpreise sinken

Die EU-Importe stiegen im Wert von 576,5 Mio. EUR auf 636,5 Mio. EUR (+10,4 %) und in der Menge von 19.420 t auf 22.705 t (+16,9 %). Interessant ist, dass die Importe in Stückzahl noch deutlicher stiegen — von 368 Mio. auf 474 Mio. Stück (+28,5 %). Der durchschnittliche Import-Stückpreis fiel dabei von 1,56 EUR auf 1,33 EUR (−14,8 %). Dies deutet auf eine zunehmende Verschiebung hin zu günstigeren Produktionsstandorten und auf verstärkten Wettbewerbsdruck unter den Lieferländern.


II. Geografische Diversifizierung der Lieferketten — vom Aufstieg Südasiens zum Brexit-Effekt

China bleibt der dominante Lieferant, verliert aber Marktanteile

China war 2015 mit 311,7 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU im Segment 610822. Bis 2025 sank der chinesische Anteil auf 266,8 Mio. EUR (−14,4 %). In Relation zum gestiegenen Gesamtimportvolumen ist der relative Rückgang noch deutlicher. Dennoch dominiert China weiterhin die Importstruktur, auch wenn der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert von 3.121 auf 2.327 sank (−25,4 %) — ein klarer Hinweis auf zunehmende Diversifizierung der Bezugsquellen.

Bangladesh, Vietnam und Myanmar profitieren am stärksten

Die Gewinner der Lieferkettenverschiebung sind eindeutig in Süd- und Südostasien zu finden:

Lieferland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 311,7 266,8 −14,4 %
Bangladesh 42,5 111,3 +161,7 %
Sri Lanka 49,5 66,4 +34,1 %
Vietnam 20,9 54,5 +161,2 %
Myanmar 3,2 19,4 +499,3 %
Indonesien 16,6 9,4 −43,4 %

Besonders hervorzuheben ist Myanmar, dessen Exporte in die EU von 3,2 Mio. EUR auf 19,4 Mio. EUR stiegen (+499,3 %), wenngleich die Volatilität mit einem Variationskoeffizienten von 0,44 sehr hoch ist — politische Instabilität und Sanktionen machen diesen Handelsstrom anfällig. Bangladesh hat sich mit einem Plus von 161,7 % zum zweitwichtigsten Lieferland entwickelt und Vietnam nahezu gleichgezogen. Sri Lanka zeigt ein moderateres, aber stabiles Wachstum.

Der Brexit hat den Handel mit dem Vereinigten Königreich stark verändert

Das Vereinigte Königreich ist sowohl als Importquelle als auch als Exportmarkt von besonderem Interesse. Die EU-Importe aus dem UK sanken von 16,6 Mio. EUR auf 5,6 Mio. EUR (−66,1 %). Gleichzeitig blieb das UK als Exportziel der EU relativ stabil (von 23,9 Mio. EUR auf 23,2 Mio. EUR, −3,2 %). Die Volatilität der UK-Importe ist mit einem Variationskoeffizienten von 1,12 die höchste aller Partnerländer — ein Hinweis auf die durch den Brexit verursachten Handelsunsicherheiten und Lieferunterbrechungen.

Die EU-Exportmärkte sind konzentriert, aber stabiler

Die EU exportiert Damen-Slips vor allem in europäische Nachbarländer und die Schweiz. Der HHI für Exporte sank leicht von 1.445 auf 1.271 (−12,1 %). Die wichtigsten Exportziele sind:

Exportpartner Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 23,9 23,2 −3,2 %
Russische Föderation 23,6 23,7 +0,3 %
Schweiz 17,3 22,8 +31,8 %
Tunesien 6,3 6,5 +1,7 %
Albanien 1,1 1,7 +46,8 %

III. Regionale Polarisierung innerhalb der EU und Preisschocks

Polen und die Niederlande als große Gewinner der Handelsintegration

Nicht alle EU-Mitgliedstaaten entwickeln sich gleichmäßig. Innerhalb der EU zeigt sich eine bemerkenswerte Polarisierung, sowohl bei Importen als auch bei Exporten:

Importseite:

EU-Mitgliedstaat Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Frankreich 147,9 121,3 −18,0 %
Deutschland 115,9 111,6 −3,7 %
Niederlande 93,1 116,8 +25,4 %
Italien 69,8 72,7 +4,1 %
Spanien 38,5 45,6 +18,3 %
Polen 6,3 40,9 +546,2 %
Schweden 24,0 28,7 +19,5 %

Exportseite:

EU-Mitgliedstaat Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 18,1 29,5 +63,1 %
Deutschland 15,9 22,8 +43,6 %
Frankreich 15,9 12,6 −20,9 %
Niederlande 5,8 9,5 +64,6 %
Spanien 5,0 8,1 +61,3 %
Polen 1,2 6,7 +444,2 %

Quellen: Top-Reporter (Importe) und Top-Reporter (Exporte)

Frankreich verliert an Boden — Polen wird zur Drehscheibe

Frankreich, 2015 noch der größte EU-Importer, hat seinen Importwert um 18,0 % verloren und seinen Exportwert um 20,9 %. Deutschland zeigt auf der Importseite ebenfalls einen leichten Rückgang (−3,7 %), konnte aber seine Exporte deutlich steigern (+43,6 %). Der auffälligste Akteur ist Polen: Sowohl bei den Importen (+546,2 %) als auch bei den Exporten (+444,2 %) verzeichnet das Land ein explosionsartiges Wachstum. Polen hat sich offensichtlich zu einem zentralen Distributions- und Veredelungsstandort in der EU entwickelt, was mit der Spezialisierung (RSCA von 0,169) und der Integration in globale Lieferketten zusammenhängen dürfte. Italien zeigt als traditionelles Textilland eine stabile Spezialisierung (RSCA 0,240) und konnte seine Exporte ebenfalls deutlich ausbauen.

Der russische Markt unter Kriegs- und Sanktionsdruck

Ein besonderes Schockereignis betrifft die Exporte in die Russische Föderation: Im Jahr 2022 (Zentrum des Schocks) stiegen die Exportpreise um 44,8 % bei einer Abnormalität von 10,9. Dies fällt mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine und den nachfolgenden Sanktionen zusammen. Bemerkenswert ist, dass die Exporte in absoluten Zahlen dennoch relativ stabil blieben (23,6 Mio. EUR auf 23,7 Mio. EUR), was auf eine Verschiebung hin zu teureren Produktvarianten oder auf Preissteigerungen durch Lieferkettenunterbrechungen hindeuten könnte.

Importpreise fallen, Exportpreise steigen — Divergenz der Margen

Die Importpreise pro Tonne sanken um 5,6 % (von 29.685 EUR/t auf 28.028 EUR/t), während die Exportpreise pro Tonne leicht stiegen (+1,7 %, von 54.140 EUR/t auf 55.084 EUR/t). Der Preisunterschied zwischen Import und Export ist beträchtlich: Exporte erzielen im Schnitt etwa den doppelten Tonnenpreis der Importe. Dies spiegelt wider, dass die EU hochwertigere, preisintensivere Produkte exportiert (etwa Markenwäsche oder technisch veredelte Textilien), während der Großteil der Massenimporte aus Niedriglohnländern stammt. Der Stückpreis bei Importen (1,33 EUR) und Exporten (2,47 EUR) bestätigt diese qualitative Asymmetrie.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Damen-Slips aus Chemiefasern hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem noch teilweise lokal produzierten Segment zu einem fast vollständig importabhängigen Markt gewandelt. Die Netto-Importquote stieg auf fast 80 %, die heimische Produktion fiel um zwei Drittel. Die Lieferketten haben sich dabei erheblich diversifiziert: China verliert Marktanteile an Bangladesh, Vietnam und Myanmar, was die Importkonzentration (HHI) um ein Viertel senkte. Innerhalb der EU zeigen sich klare Gewinner und Verlierer — Polen und die Niederlande gewinnen als Handelsdrehkreuze hinzu, während Frankreich und das Vereinigte Königreich (letzteres bedingt durch den Brexit) an Bedeutung verlieren. Trotz der Diversifizierung bleiben die geopolitischen Risiken spürbar: Der Schock bei den Russland-Exporten 2022 und die extreme Volatilität des UK-Handels zeigen, dass externe Ereignisse diesen Markt unmittelbar beeinflussen. Für die EU ergibt sich daraus die Herausforderung, die Balance zwischen kosteneffizienter Beschaffung in Asien und strategischer Resilienz der Lieferketten zu finden — ein Spannungsfeld, das durch geopolitische Unsicherheiten und den Green Deal künftig noch an Bedeutung gewinnen dürfte.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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