Marktentwicklung: Chemiefaserabfälle (CN 5505) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit der Ware „Abfälle von Chemiefasern" (CN 5505) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Er umfasst sowohl Einfuhren als auch Ausfuhren mit Drittländern. Die Daten zeigen eine Phase der Volatilität, gekennzeichnet durch signifikante Preisschwankungen, eine Verlagerung der Handelsströme und eine zunehmende Importabhängigkeit. Der Zeitraum wurde durch globale Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie und Unterbrechungen in Lieferketten geprägt.
Übersicht über den Handel mit CN 5505
1. Steigende Importmengen bei sinkenden Werten und wachsendem Handelsdefizit
DerEU-Handel mit Chemiefaserabfällen ist durch einen deutlichen Trend zu höheren Importvolumina gekennzeichnet, während der Wert dieser Importe und insbesondere die Exporte erheblich geschwankt sind. Dies hat zu einer Verschärfung des Handelsbilanzdefizits geführt.
1.1 Einfuhren: Mengenwachstum überwiegt Preisrückgänge
Die importierte Menge an Chemiefaserabfällen (CN 5505) stieg im Betrachtungszeitraum um 34,5 % an, von 33.436 Tonnen im Jahr 2015 auf 44.960 Tonnen im Jahr 2025. Der Höhepunkt wurde 2022 mit 64.463 Tonnen erreicht. Parallel dazu unterlag der durchschnittliche Importpreis starken Schwankungen und fiel in der Gesamtbetrachtung um 24,9 %. Die Kombination aus steigenden Mengen und fallenden Preisen führte dazu, dass der Gesamtwert der Einfuhren mit lediglich +0,9 % kaum stieg.
| Kennzahl (Einfuhren) | 2015 | 2025 | Änderung |
|---|---|---|---|
| Wert (EUR) | 28,45 Mio. | 28,72 Mio. | +0,9 % |
| Menge (t) | 33.436 | 44.960 | +34,5 % |
| Preis (EUR/t) | 850,83 | 638,72 | -24,9 % |
1.2 Ausfuhren: Deutlicher Rückgang in Wert und Menge
Im Gegensatz zu den Einfuhren verzeichneten die EU-Ausfuhren einen erheblichen Rückgang. Der Exportwert halbierte sich nahezu und sank um 50,4 % von 13,83 Mio. EUR auf 6,86 Mio. EUR. Auch die exportierte Menge ging um 15,6 % zurück. Der Exportpreis fiel sogar um 41,2 %, was auf einen Verfall der Nachfrage oder der Preisgestaltungsmacht der EU auf den Weltmärkten hindeuten kann.
| Kennzahl (Ausfuhren) | 2015 | 2025 | Änderung |
|---|---|---|---|
| Wert (EUR) | 13,83 Mio. | 6,86 Mio. | -50,4 % |
| Menge (t) | 23.100 | 19.505 | -15,6 % |
| Preis (EUR/t) | 598,58 | 351,89 | -41,2 % |
1.3 Ausweitung des Handelsbilanzdefizits
Aus dem divergenten Verlauf von Importen und Exporten resultierte eine deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits. Die EU war in diesem Segment stets Nettoimporteur. Das Defizit im Handelswert wuchs von -14,62 Mio. EUR (2015) auf -21,85 Mio. EUR (2025), was einer Verschlechterung um 49,5 % entspricht. Den Höhepunkt erreichte das Defizit 2022 mit über -61 Mio. EUR.
2. Strukturelle Umwälzung der Handelspartner
Während die Gesamthandelsströme schwankten, vollzog sich eine signifikante Umstrukturierung der wichtigsten Handelspartner sowohl bei den Einfuhren als auch bei den Ausfuhren der EU.
2.1 Einfuhren: Abkehr von traditionellen Partnern, Zulauf aus der Türkei und Asien
Die führenden Importpartner haben sich zwischen 2015 und 2025 deutlich verändert:
- Rückgänge: Der Wert der Einfuhren aus Marokko sank um 87,1 %, und die aus den USA um 40,7 %. Der Anteil des Vereinigten Königreichs ging ebenfalls um 43,1 % zurück.
- Zuwächse: Die Einfuhren aus der Türkei (+131,4 %) und aus Indien (+100,9 %) stiegen stark an. Bemerkenswert ist das exponentielle Wachstum der Importe aus China (+654,9 %) und Malaysia (+2.487,0 %), die von niedrigen Basisniveaus ausgingen.
Diese Verschiebung lässt auf eine Diversifizierung der Bezugsquellen oder Verlagerungen in globalen Produktions- und Recyclingketten schließen.
2.2 Ausfuhren: Konzentration auf wenige Märkte und neue Akteure
Auch bei den Exporten sind starke Verlagerungen erkennbar:
- Rückgänge: Der Wert der Ausfuhren nach Marokko brach um 93,6 % ein. Auch die Exporte in das Vereinigte Königreich (-70,9 %) und nach Indien (-75,2 %) sanken drastisch. Besonders auffällig ist der Rückgang der Ausfuhren aus den Niederlanden, dem einst führenden Exporteur innerhalb der EU, um 93,9 %.
- Zuwächse: Die Türkei (+40,8 %) und Indonesien (Wachstum von 17.131 EUR auf 544.129 EUR) entwickelten sich zu wichtigeren Abnehmern. Innerhalb der EU gewannen Italien (+117,7 %) und Rumänien (+482,6 %) an Bedeutung als Exporteure.
2.3 Marktstruktur: Zunehmende Spezialisierung einzelner EU-Staaten
Die Analyse der Marktstruktur zeigt eine zunehmende Spezialisierung innerhalb der EU für dieses Produktsegment. Im Jahr 2025 verfügten Belgien (RSCA: 0,62), Bulgarien (0,59) und Lettland (0,48) über den höchsten Index für normalisierte spezifische Handelsvorteile (RSCA). Gleichzeitig sank der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Einfuhren um 15 %, was auf eine geringere Konzentration der Importquellen hindeutet.
3. Hohe Preisvolatilität und identifizierbare Marktschocks
Der Markt für Chemiefaserabfälle war durch eine ausgeprägte Preisvolatilität gekennzeichnet, die in bestimmten Handelsbeziehungen zu markanten Schocks führte.
3.1 Extreme Preisschwankungen bei Schlüsselpartnern
Die Volatilität der Handelspreise, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), war bei mehreren Partnern extrem hoch:
- Bei den Einfuhren aus China (CV: 1,54) und Malaysia (CV: 1,00) lagen die Preise über den gesamten Zeitraum stark schwankend.
- Bei den Ausfuhren nach Malaysia (CV: 2,63) und Indien (CV: 1,11) waren die Preisschwankungen noch gravierender. Dies deutet auf spekulative Märkte, unregelmäßige Lieferungen oder Qualitätsunterschiede hin.
3.2 Identifizierte Preisschocks im Zeitraum 2021/2022
Die Datenanalyse deckt mehrere signifikante Preisschocks auf, die globale oder regionale Ereignisse widerspiegeln könnten:
- Malaysia (Importe, 2022): Ein extremer Preisanstieg um 67,2 % mit einer „Abnormality“ von 13,8.
- Indien (Importe, 2021): Ein Preischock mit einer Steigerung von 109 %.
- Kanada (Exporte, 2022): Ein Preisprung um 42,5 %.
Diese Schocks, die oft im Zeitraum 2021-2022 auftraten, können mit den globalen Störungen der Lieferketten, Energiepreisspitzen und der Nachfrageerholung nach der Pandemie in Verbindung gebracht werden.
Fazit
Zwischen 2015 und 2025 hat sich der EU-Markt für Chemiefaserabfälle (CN 5505) grundlegend gewandelt. Die EU entwickelte sich zu einem noch stärkeren Nettoimporteur, wobei die importierten Mengen stiegen, während die Exporte an Wert und Volumen verloren. Diese Dynamik führte zu einer Verdopplung des Handelsbilanzdefizits.
Strukturell vollzog sich eine geografische Neuausrichtung. Traditionelle Lieferanten wie Marokko verloren an Bedeutung, während die Türkei, Indien und ostasiatische Staaten wie China und Malaysia an Gewicht gewannen. Die EU-Exporte konzentrierten sich stärker auf die Türkei und Indonesien, während Märkte in Nordafrika und Indien an Attraktivität einbüßten.
Ein zentrales Merkmal des untersuchten Zeitraums war die extreme Preisvolatilität, die zu mehreren markanten Preisschocks führte, insbesondere in den Jahren 2021 und 2022. Diese Entwicklungen unterstreichen die Anfälligkeit des Segments für globale Lieferkettenunterbrechungen und weisen auf eine mögliche Zunahme der Recyclingaktivitäten und Nachfrage in neuen Schwellenländern hin.