Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Blei-Akkumulatoren von der zum Starten von Kolbenverbrennungsmotoren verwendeten Art "Starterbatterien" (ausg. ausgebrauchte) (CN 850710) — 2015–2025

Einführung

Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Blei-Starterbatterien (KN-Code 850710) im Zeitraum 2015 bis 2025. Diese Produktgruppe umfasst sowohl Batterien mit flüssigem Elektrolyt (KN 85071020) als auch solche mit nichtflüssigem Elektrolyt (KN 85071080), die zum Starten von Kolbenverbrennungsmotoren verwendet werden. Die EU fungiert in diesem Segment als Nettoexporteur mit einem kontinuierlich positiven und wachsenden Handelsbilanzüberschuss. Im Untersuchungszeitraum haben sich die globalen Lieferketten durch geopolitische Ereignisse, Handelsumlenkungen und Preischocks erheblich verändert, was die Marktstruktur nachhaltig geprägt hat.


1. Stärkeres Wachstum der Exporte als der Importe: Die EU festigt ihre Nettoexporteur-Position

Der Handelsüberschuss hat sich von 379 Mio. € auf 661 Mio. € fast verdoppelt

Die EU verzeichnete im gesamten Beobachtungszeitraum einen positiven Handelsbilanzüberschuss bei Starterbatterien. Dieser stieg von 379 Mio. € (2015) auf 661 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 74,3 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit 753 Mio. € erreicht. Die Netto-Importabhängigkeit lag durchgehend im negativen Bereich (zwischen −21,0 % und −14,2 %), was die Rolle der EU als Nettoexporteur bestätigt.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. €) 0,87 1,41 +61,3 %
Importwert (Mrd. €) 0,49 0,74 +51,2 %
Handelsbilanz (Mio. €) 379 661 +74,3 %
Netto-Importabhängigkeit (%) −18,0 −14,2 Verbesserung

Die Preisdynamik trug stärker zum Exportwertwachstum bei als die Mengenausweitung

Während die Exportmengen im Zeitraum von 342.299 Tonnen (2015) auf 437.450 Tonnen (2025) um 27,8 % stiegen, wuchs der Exportwert um 61,3 % — nahezu doppelt so stark. Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich von 2.546 €/t auf 3.212 €/t (+26,2 %). Auf der Importseite lag das Mengenwachstum mit 35,8 % zwar höher, doch blieb der Preisanstieg mit 11,3 % (von 2.475 €/t auf 2.755 €/t) deutlich geringer. Die EU konnte also steigende Preise stärker an ihre Abnehmer weitergeben, als sie selbst bei Importen akzeptieren musste — ein Hinweis auf eine vergleichsweise günstige Verhandlungsposition.

Die EU-Produktion blieb relativ stabil, mit leichtem Aufwärtstrend

Die EU-Produktionsvolumina lagen zwischen 2019 und 2024 bei geschätzten 81,7 Mio. bis 103,3 Mio. Stück pro Jahr (Wert: 3,5 Mrd. € bis 5,1 Mrd. €). Die Produktion erholte sich nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 (81,7 Mio. Stück) und erreichte 2024 schätzungsweise 101 Mio. Stück. Die EU-Exporte repräsentierten 2024 rund 27,6 % der EU-Produktion (Exportquote).


2. Geopolitische Umbrüche verändern die Handelspartner-Struktur radikal

Russland als Exportmarkt ist nahezu vollständig weggebrochen

Der dramatischste Strukturwandel zeigt sich im Export nach Russland. Die Ausfuhren stiegen zunächst von 49 Mio. € (2015) auf einen Höchststand von 116 Mio. € (2021), brachen dann 2022 auf 55 Mio. € ein und fielen 2023 auf lediglich 7 Mio. €. Ab 2024 liegen praktisch keine Exporte mehr vor. Der Schock markiert einen vollständigen Marktexit mit einer Abweichung von −97,9 % gegenüber der Basislinie (2015–2022). Dies ist unmittelbar auf die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verhängten Sanktionen zurückzuführen.

Die USA und die Türkei sind zu den am stärksten wachsenden Exportmärkten geworden

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigte Staaten 47,6 250,5 +426,4 %
Türkei 27,0 117,0 +333,2 %
Südafrika 27,2 70,3 +158,3 %
Ukraine 14,5 52,2 +259,3 %
Vereinigtes Königreich 194,4 220,1 +13,2 %

Die Exporte in die USA stiegen besonders sprunghaft — von unter 50 Mio. € auf über 250 Mio. € — und kompensierten damit teilweise den Wegfall des russischen Marktes. Interessanterweise war der US-Markt jedoch stark volatil (Variationskoeffizient: 0,43), mit einem Preisschock von +25,6 % im Jahr 2023.

China hat sich vom Export- zum Importmarkt für die EU gewandelt

Besonders bemerkenswert ist die Umkehrung des Handelsstroms mit China: Die EU-Exporte nach China sanken von 131 Mio. € (2015) auf 24 Mio. € (2025, −81,3 %). Gleichzeitig stiegen die EU-Importe aus China von 88 Mio. € auf 180 Mio. € (+105,4 %). China ist damit vom zweitgrößten Exportziel (2015) zum zweitgrößten Importlieferanten (2025) der EU avanciert. Dies spiegelt den Aufbau chinesischer Produktionskapazitäten und die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Hersteller wider.

Die Importseite wird zunehmend von südost- und osteuropäischen Lieferanten geprägt

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Republik Korea 133,9 192,0 +43,3 %
China 87,7 180,1 +105,4 %
Türkei 28,1 93,5 +232,5 %
Nordmazedonien 20,3 65,5 +222,2 %
Vietnam 17,6 31,3 +77,8 % (geschätzt)
Mexiko 27,6 40,7 +47,5 %

Die Türkei und Nordmazedonien haben ihre Exporte in die EU jeweils mehr als verdreifacht. Nordmazedonien profitiert dabei vermutlich von seiner geografischen Nähe und Handelsabkommen mit der EU. Der Import-HHI stieg leicht von 1.359 auf 1.575, was auf eine moderate Konzentrierung der Importe hindeutet.

Innerhalb der EU sind Deutschland und Spanien die dominierenden Exporteure

EU-Mitgliedstaat Exportanteil 2025 Veränderung 2015–2025
Deutschland 533,8 Mio. € (38 %) +46,1 %
Spanien 261,9 Mio. € (19 %) +327,0 %
Frankreich 94,2 Mio. € (7 %) −15,3 %
Italien 95,2 Mio. € (7 %) +23,7 %
Österreich 86,4 Mio. € (6 %) +177,6 %

Deutschland bleibt mit Abstand der größte EU-Exporteur, doch Spaniens Exporte wuchsen von 61 Mio. € auf 262 Mio. € — ein Anstieg von 327 %. Dies korrespondiert mit Spezialisierungsdaten, die Spanien mit einem RSCA-Index von 0,45 als spezialisierten Produzenten ausweisen. Tschechien (RSCA: 0,55), Slowenien (0,51) und Bulgarien (0,54) weisen die höchste Spezialisierung innerhalb der EU auf, auch wenn ihre absoluten Exportvolumina kleiner sind.


3. Preischocks im Jahr 2022 und sinkende Exportkonzentration prägen die Marktvolatilität

Das Jahr 2022 brachte massive Preisschocks bei Importen aus Asien

Die Schockerkennung identifizierte im Jahr 2022 drei signifikante Preisschocks bei Importen:

Lieferant Preisschock 2022 Abnormalität Wertanteil
Republik Korea +17,5 % 19,2 36,9 %
Indonesien +63,0 % 5,5 5,1 %
China +52,0 % 4,9 25,9 %

Der koreanische Preis schockte bei einem Abnormalitätsindex von 19,2 — dem höchsten Wert aller erkannten Ereignisse — obwohl die koreanischen Mengen gleichzeitig um 9 % sanken. Die Preise aus Indonesien und China stiegen 2022 ebenfalls drastisch an. Diese Schocks sind wahrscheinlich auf die Kombination aus Nach-COVID-Lieferkettenstörungen, gestiegenen Rohstoffkosten (insbesondere Blei) und der Energiekrise 2022 zurückzuführen. Die Importpreise normalisierten sich 2023–2024 teilweise, blieben aber über dem Vorkrisenniveau.

Der Exportmarkt zeigt eine deutlich geringere Konzentration als der Importmarkt

Der Export-HHI sank von 891 (2015) auf 775 (2025, −13,0 %), was eine zunehmende Diversifizierung der Exportmärkte anzeigt. Im Gegensatz dazu stieg der Import-HHI von 1.359 auf 1.575 (+15,8 %). Die Exporte sind damit über mehr Märkte verteilt, während die Importe sich — trotz steigender Vielfalt der Lieferanten — leicht auf wenige Hauptquellen konzentrieren. Innerhalb der EU exportieren die sieben größten Mitgliedstaaten zusammen über 90 % der Ausfuhren.

Die Volatilität variiert stark zwischen den Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Unterschiede in der Mengenvolatilität (Variationskoeffizient) zwischen den Handelspartnern:

Importe: Stabilste Lieferanten CV Exporte: Stabilste Märkte CV
Republik Korea 0,11 Serbien 0,08
Vereinigtes Königreich (Importe) 0,43 Vereinigtes Königreich 0,13
Türkei 0,50 Schweiz 0,19
Importe: Volatilste Lieferanten CV Exporte: Volatilste Märkte CV
Türkei 0,50 China 0,73
Vereinigtes Königreich (Importe) 0,43 Saudi-Arabien 0,73

China weist auf der Exportseite mit 0,73 den höchsten Variationskoeffizienten auf, was mit dem kontinuierlichen Rückgang der EU-Ausfuhren dorthin zusammenhängt. Südkorea hingegen ist der mengenmäßig stabilste Importpartner — ein Hinweis auf etablierte Lieferbeziehungen.

Produktsegmente: Flüssigelektrolyt-Batterien dominieren, Nicht-Flüssig-Elektrolyt-Technologie gewinnt an Bedeutung

Die Segmentanalyse zeigt, dass konventionelle Batterien mit flüssigem Elektrolyt (KN 85071020) mit rund 74 % der Exportmenge (2025: 387.714 von 437.452 Tonnen) dominieren. Batterien mit nichtflüssigem Elektrolyt (KN 85071080) sind mengenmäßig kleiner, weisen aber signifikant höhere Preise auf — sowohl bei Exporten (2025: 4.306 €/t gegenüber 3.073 €/t bei KN 85071020) als auch bei Importen. Die Exportpreise für KN 85071080 stiegen im Zeitraum um 67 %, deutlich stärker als bei KN 85071020 (+21 %). Dies deutet auf eine technologische Aufwertung hin, möglicherweise hin zu AGM- oder Gel-Batterien, die insbesondere für Start-Stopp-Systeme und Hybridfahrzeuge relevant sind.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Blei-Starterbatterien hat sich zwischen 2015 und 2025 trotz des technologischen Wandels hin zur Elektromobilität als robust erwiesen. Die EU konnte ihre Position als Nettoexporteur nicht nur halten, sondern ausbauen: Der Handelsüberschuss wuchs um 74 % auf 661 Mio. €, getrieben vor allem durch steigende Preise und die Erschließung neuer Absatzmärkte.

Die strukturell bedeutsamste Veränderung betrifft die geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme. Der Wegfall des russischen Marktes, die massive Zunahme der Exporte in die USA und die Türkei sowie die Umkehrung des China-Handelsstroms vom Export- zum Importmarkt haben die Wertschöpfungsketten nachhaltig umgezeichnet. Gleichzeitig haben asiatische Lieferanten — insbesondere aus China, der Türkei und Nordmazedonien — ihre Stellung auf der EU-Importseite erheblich ausgebaut.

Die Preischocks des Jahres 2022 verdeutlichten die Anfälligkeit der EU-Importseite gegenüber globalen Lieferkettenstörungen, auch wenn sich die Märkte bis 2024 weitgehend stabilisierten. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Verbrenner-Aus in der EU werden Blei-Starterbatterien mittelfristig weiterhin benötigt — sowohl für den Bestand an Verbrennungsfahrzeugen als auch als Bordnetzbatterien in Hybridfahrzeugen. Die zunehmende Spezialisierung auf hochwertigere Nicht-Flüssig-Elektrolyt-Technologien könnte der EU-Industrie dabei helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit auch über den Höhepunkt der Verbrenner-Ära hinaus zu sichern.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.