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Marktentwicklung: Nickel Cadmium Akkus (CN 850730) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Nickel-Cadmium-Akkumulatoren (CN 850730) durchlebt im betrachteten Zeitraum 2015–2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Obwohl NiCd-Technologie gegenüber Lithium-Ionen-Batterien zunehmend an Marktbedeutung verliert, zeigt der Handel der EU mit Drittländern ein bemerkenswertes Bild: Während die physischen Handelsvolumina — insbesondere auf der Importseite — stark schrumpfen, steigen die Werte und Preise teils dramatisch an. Die EU ist dabei unverändert ein Nettoexporteur dieses Produktsegments. Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Dynamiken auf Basis der vorliegenden Handels- und Produktionsdaten.


1. Preisgetriebenes Wachstum bei sinkenden Mengen

1.1 Die EU bleibt ein relevanter Nettoexporteur

Die EU weist im gesamten Zeitraum einen positiven Handelsbilanzüberschuss bei NiCd-Akkumulatoren auf. Dieser stieg von rund 169 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 213 Mio. EUR im Jahr 2025 an — ein Plus von 25,9 % (Übersicht). Gleichzeitig verringerte sich die Nettoimportabhängigkeit von −100,6 % auf −27,3 %, was bedeutet, dass die EU ihre Exportüberschüsse zwar reduzierte, aber weiterhin deutlich mehr exportiert als importiert.

1.2 Volumina gehen zurück — Werte steigen dennoch

Ein zentrales Paradox des Marktes liegt im Zusammenspiel von Mengen- und Wertentwicklung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 253,0 Mio. EUR 310,3 Mio. EUR +22,6 %
Exportmenge 20.692 t 17.039 t −17,7 %
Importwert 83,7 Mio. EUR 97,1 Mio. EUR +16,1 %
Importmenge 11.165 t 3.266 t −70,7 %

(Quelle: Allgemeine Übersicht)

Die Exportmenge sank um fast 18 %, der Exportwert stieg jedoch um über 22 %. Auf der Importseite ist der Effekt noch drastischer: Die Einfuhren brachen volumenmäßig um über 70 % ein, während der Importwert um 16 % zulegte.

1.3 Extreme Preissteigerungen als dominante Marktdynamik

Die zugrundeliegende Erklärung liegt in den massiven Preissteigerungen:

Preisentwicklung 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (EUR/t) 12.221 18.207 +49,0 %
Importpreis (EUR/t) 7.494 29.740 +296,9 %

(Quelle: Allgemeine Übersicht)

Die durchschnittlichen Importpreise vervierfachten sich nahezu (+297 %). Dies ist zum Teil auf eine Verschiebung der Produktmischung hin zu hochwertigeren gasdichten Akkus zurückzuführen (deren Importpreis von 17.134 EUR/t auf 43.911 EUR/t stieg), zum Teil aber auch auf strukturelle Angebotsverknappungen und Lieferkettenkostensteigerungen, die sich insbesondere ab 2021/2022 bemerkbar machten. Auch die EU-Produktion verzeichnete einen Wertanstieg von 397 Mio. EUR auf 968 Mio. EUR (+143,5 %) bei lediglich moderater Mengensteigerung (+6,5 %), was den preisgetriebenen Charakter der gesamten Wertschöpfungskette bestätigt (Produktionsvolumina).


2. Umwälzungen bei den Handelspartnern

2.1 Importquellen: China verliert, die USA und die Ukraine gewinnen

Die Struktur der EU-Importe hat sich im Zeitraum grundlegend verändert. China, 2015 mit 38,3 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Importpartner, verlor bis 2025 über die Hälfte seines Handelsvolumens (−53,6 %). Japan verlor sogar 77,3 % seines Importwerts. Demgegenüber stehen bemerkenswerte Zuwächse bei anderen Partnern:

Importpartner 2015 2025 Veränderung
China 38,3 Mio. EUR 17,8 Mio. EUR −53,6 %
USA 16,3 Mio. EUR 56,2 Mio. EUR +245,2 %
Ukraine 0,001 Mio. EUR 5,9 Mio. EUR +466.089 %
Indien 2,3 Mio. EUR 4,5 Mio. EUR +95,3 %
Vereinigtes Königreich 7,6 Mio. EUR 5,3 Mio. EUR −30,7 %

(Quelle: Handelspartner)

Die USA entwickelten sich vom drittgrößten zum mit Abstand wichtigsten Importlieferanten der EU — ein bemerkenswerter Anstieg um 245 %. Die Ukraine stieg von einem vernachlässigbaren Handelsvolumen auf fast 6 Mio. EUR auf, was möglicherweise mit der geopolitischen Neuorientierung und gestiegenen Recyclingaktivitäten zusammenhängt.

2.2 Konzentration der Importe nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.669 auf 3.806 (+42,6 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet (Konzentration). Die Importe verteilen sich auf weniger, dafür größere Partner — ein potenzielles Risiko für die Versorgungssicherheit. Demgegenüber blieb die Exportkonzentration mit einem HHI von ca. 821–844 stabil auf niedrigem Niveau, was auf eine breite Diversifizierung der Exportmärkte hindeutet.

2.3 Exportmärkte: Naher Osten und Südostasien als Wachstumstreiber

Auf der Exportseite zeichnet sich eine leichte Verschiebung ab. Die traditionell wichtigsten Märkte USA und Vereinigtes Königreich blieben stabil bzw. wuchsen (UK: +78,2 %). Besonders dynamisch entwickelten sich jedoch Märkte in Nahost und Südostasien:

Exportpartner 2015 2025 Veränderung
USA 53,7 Mio. EUR 58,4 Mio. EUR +8,7 %
Vereinigtes Königreich 23,4 Mio. EUR 41,8 Mio. EUR +78,2 %
Vereinigte Arabische Emirate 20,6 Mio. EUR 32,1 Mio. EUR +56,0 %
Saudi-Arabien 17,0 Mio. EUR 23,4 Mio. EUR +37,5 %
Singapur 11,9 Mio. EUR 22,2 Mio. EUR +86,0 %
Malaysia 4,7 Mio. EUR 11,1 Mio. EUR +136,4 %

(Quelle: Handelspartner)

Malaysia (+136 %), Singapur (+86 %) und das Vereinigte Königreich (+78 %) verzeichneten die stärksten relativen Zuwächse. Die zunehmende Bedeutung südostasiatischer Märkte könnte mit der Verlagerung von Elektronikfertigung in diese Region zusammenhängen.


3. Wandel der europäischen Produktionslandschaft und Spezialisierung

3.1 Schweden, Frankreich und Deutschland dominieren die EU-Exporte

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Hierarchie bei den Exporten. Schweden (99,9 Mio. EUR), Frankreich (85,9 Mio. EUR) und Deutschland (75,1 Mio. EUR) sind 2025 die drei größten Exportländer und zusammen für über 84 % des EU-Exportwerts verantwortlich (EU-Reporter):

EU-Exporteur 2015 2025 Veränderung
Schweden 105,5 Mio. EUR 99,9 Mio. EUR −5,4 %
Frankreich 66,5 Mio. EUR 85,9 Mio. EUR +29,1 %
Deutschland 46,5 Mio. EUR 75,1 Mio. EUR +61,4 %
Italien 8,6 Mio. EUR 16,6 Mio. EUR +92,9 %

Insbesondere Deutschland (+61 %) und Italien (+93 %) konnten ihre Exporte stark ausbauen. Die Spezialisierungsindizes bestätigen diese Dominanz: Schweden (RSCA 0,62), Frankreich (0,54) und Deutschland (0,34) weisen die höchsten bereinigten komparativen Kostenvorteile auf (Spezialisierung). Die Niederlande, einst ein relevanter Importeur mit 20,7 Mio. EUR, brachen auf 3,2 Mio. EUR ein (−84 %), was auf eine Umstrukturierung der Handelsströme innerhalb der EU hindeuten könnte.

3.2 Produktsegmente: Gasdichte Akkus gewinnen an Bedeutung

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt eine klare Verschiebung in der Produktmischung. Gasdichte NiCd-Akkus (85073020) sind deutlich teurer als nichtgasdichte (85073080):

Kennzahl (2025) Nichtgasdicht (85073080) Gasdicht (85073020)
Importpreis (EUR/t) 22.772 43.911
Exportpreis (EUR/t) 15.889 93.849
Exportanteil (Wert) 84,7 % 15,3 %
Importanteil (Wert) 51,3 % 48,7 %

(Quelle: Produktsegmente)

Die Exporte dominieren mengenmäßig klar durch nichtgasdichte Akkus (16.532 t vs. 506 t), doch die gasdichten Akkus erzielen mit 93.849 EUR/t fast sechsmal höhere Preise. Auf der Importseite hat sich die Zusammensetzung dramatisch verschoben: Die Importmenge nichtgasdichter Akkus sank von 8.290 t auf 2.189 t (−74 %), gasdichter Akkus von 2.875 t auf 1.077 t (−63 %). Die Preisexplosion bei Importen — insbesondere bei gasdichten Akkus (von 17.134 auf 43.911 EUR/t, +156 %) — spiegelt den Übergang zu hochwertigeren Nischenanwendungen wider.

3.3 Volatilität und Schocks: Störungen im Handelsgefüge

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass Importpartner generell höhere Schwankungen aufweisen als Exportmärkte. Besonders volatil sind Importe aus Hongkong (CV 1,28) und Indonesien (CV 2,06) (Volatilität). Drei markante Preisschocks wurden identifiziert (Lieferketten-Schocks):

  • Algerien (Exporte, 2022): Anormalitäts-Score von 263, Preisanstieg von 79,5 % — möglicherweise durch die Energiekrise nach dem Ukraine-Konflikt bedingt.
  • Türkei (Exporte, 2023): Anormalitäts-Score von 48,1, Preisanstieg von 68,2 % — potenziell im Zusammenhang mit der Währungskrise und Inflation.
  • Japan (Importe, 2023): Anormalitäts-Score von 15,7, Preisanstieg von 362,1 % — ein außergewöhnlicher Sprung, der auf extreme Angebotsverknappung oder qualitative Verschiebung hindeutet.

Diese Ereignisse unterstreichen die Anfälligkeit des NiCd-Marktes für exogene Schocks, insbesondere angesichts der ohnehin schrumpfenden und sich konzentrierenden Lieferbasis.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Nickel-Cadmium-Akkumulatoren (CN 850730) befindet sich im Zeitraum 2015–2025 in einer Phase des strukturellen Übergangs. Die physischen Handelsvolumina schrumpfen deutlich — die Importe sogar um über 70 % —, während die Handelswerte durch extreme Preissteigerungen gestützt werden. Die EU bleibt ein relevanter Nettoexporteur mit einem Überschuss von 213 Mio. EUR, wobei Schweden, Frankreich und Deutschland die Produktion und den Export dominieren.

Drei zentrale Trends bestimmen die Marktdynamik: Erstens eine Wert-Mengen-Entkopplung, bei der steigende Preise sinkende Volumina kompensieren und überlagern. Zweitens eine Neuausrichtung der Handelspartnerströme — weg von China und Japan hin zu den USA, dem Nahen Osten und Südostasien — bei gleichzeitiger Zunahme der Importkonzentration. Drittens ein Produktmix-Wandel hin zu hochwertigeren gasdichten Akkutypen, die in Nischenanwendungen wie Notstromversorgung, Luftfahrt und sicherheitskritischen Systemen nachgefragt werden.

Angesichts der regulatorischen Einschränkungen von NiCd-Batterien (EU-Batterieverordnung, REACH-Beschränkungen) ist der weitere Rückgang der Mengen absehbar. Die Marktentwicklung wird künftig stärker durch Nischenanwendungen, Spezialmärkte und die Notwendigkeit der Altgeräteentsorgung geprägt sein als durch Volumenwachstum.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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