Marktentwicklung: Andere Akkumulatoren (CN 850780) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode CN 850780 erfasst als Restkategorie „Elektrische Akkumulatoren" — also alle Akkumulatoren, die nicht den dominierenden Typen Blei-Säure, Nickel-Cadmium, Nickelhydrid oder Lithium-Ionen zugeordnet werden. Dazu zählen unter anderem Nickel-Eisen-Akkumulatoren und andere Nischentechnologien. Im Zeitraum 2015 bis 2025 durchlief der EU-Außenhandel mit diesem Produktsegment eine tiefgreifende strukturelle Transformation: Die Handelsvolumina sanken auf beiden Seiten erheblich, während die Einheitspreise sprunghaft anstiegen. Gleichzeitig verschob sich die geografische Struktur der Handelsströme — sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite — in signifikanter Weise. Der EU-Handelsbilanzsaldo verschlechterte sich von −61,6 Mio. € (2015) auf −106,0 Mio. € (2025), wobei das Maximum bei −268,1 Mio. € lag. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken und ordnet sie in ihren wirtschaftlichen Kontext ein.
1. Preisturbulenzen und Mengeneinbrüche: Die quantitative Transformation des Marktes
Exportvolumina brachen deutlich stärker ein als die Importvolumina
Die auffälligste Entwicklung im betrachteten Zeitraum ist der massive Rückgang der EU-Exporte nach Gewicht: Von 16.175 Tonnen im Jahr 2015 auf nur noch 4.048 Tonnen im Jahr 2025 — ein Rückgang von 75,0 %. Auch die Importmengen sanken, wenn auch weniger drastisch: von 16.783 Tonnen auf 12.626 Tonnen (−24,8 %). Die Stückzahlen (supplementary units) entwickelten sich dabei nicht parallel: Bei den Exporten fiel die Stückzahl um 55,6 % (von 8,9 Mio. auf 4,0 Mio. Stück), bei den Importen sogar um 58,6 % (von 35,3 Mio. auf 14,6 Mio. Stück).
| Kennzahl | Einheit | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Exporte — Wert | Mio. € | 99,6 | 69,1 | −30,6 % |
| Exporte — Menge | Tonnen | 16.175 | 4.048 | −75,0 % |
| Exporte — Stückzahl | Mio. Stück | 8,9 | 4,0 | −55,6 % |
| Importe — Wert | Mio. € | 161,2 | 175,1 | +8,6 % |
| Importe — Menge | Tonnen | 16.783 | 12.626 | −24,8 % |
| Importe — Stückzahl | Mio. Stück | 35,3 | 14,6 | −58,6 % |
| Handelsbilanz | Mio. € | −61,6 | −106,0 | −71,9 % |
Steigende Einheitspreise als dominanter Gegenpol zum Mengenrückgang
Obwohl die physischen Handelsvolumina deutlich schrumpften, blieben die Gesamtwerte — insbesondere bei den Importen — weitgehend stabil oder stiegen sogar an. Dies ist auf drastisch gestiegene Einheitspreise zurückzuführen. Der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne verdreifachte sich beinahe von 6.152 €/t auf 17.059 €/t (+177,3 %). Bei den Importen stieg der Tonnenpreis von 9.603 €/t auf 13.867 €/t (+44,4 %). Der Preis pro exportiertem Stück erhöhte sich um 56,5 % (von 11,16 € auf 17,47 €), während der Importpreis pro Stück sogar um 162,1 % stieg (von 4,57 € auf 11,98 €).
| Preisindikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis pro Tonne (€) | 6.152 | 17.059 | +177,3 % |
| Exportpreis pro Stück (€) | 11,16 | 17,47 | +56,5 % |
| Importpreis pro Tonne (€) | 9.603 | 13.867 | +44,4 % |
| Importpreis pro Stück (€) | 4,57 | 11,98 | +162,1 % |
Die Diskrepanz zwischen dem starken Rückgang der Mengen und dem moderaten Rückgang (bzw. Anstieg) der Werte deutet auf eine fundamentale Verschiebung im Produktmix hin. Exportseitig sank die durchschnittliche Menge pro Stück von 1,81 kg auf 1,03 kg — die EU exportierte also leichtere, aber pro Gewichtseinheit deutlich teurere Akkumulatoren. Importseitig stieg die durchschnittliche Menge pro Stück von 0,48 kg auf 0,87 kg — es wurden weniger, dafür schwerere und wertvollere Einheiten importiert.
EU-Produktion zeigt analoge Trendverschiebung
Auch die EU-Inlandsproduktion (erfasst über PRODCOM-Code 27.20.23.96) spiegelt diese Dynamik wider: Die Produktionsmenge sank um 33,8 %, während der Produktionswert um 20,5 % stieg (von 224 Mio. € auf 270 Mio. €). Der Produktionswert pro Einheit erhöhte sich damit erheblich, was auf eine Verlagerung hin zu höherwertigen, möglicherweise spezialisierteren Akkumulatortypen hindeutet.
2. China im Aufwind, Großbritannien im Abwind: Verschiebungen der Lieferantenlandschaft
China festigt seine Position als dominanter Importlieferant
Die Importpartnerstruktur hat sich im Beobachtungszeitraum erheblich konzentriert. China stieg zum mit Abstand wichtigsten Lieferanten auf: Die Importe aus China wuchsen von 62,5 Mio. € auf 94,5 Mio. € (+51,3 %), was einem Anstieg des Anteils an den gesamten EU-Importen von 38,8 % auf 54,0 % entspricht. Gleichzeitig erhöhte sich der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importkonzentration nach Werten von 1.965 auf 3.392 (+72,6 %) — ein Wert, der auf einen moderat konzentrierten Markt mit steigender Tendenz hindeutet.
| Importpartner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Anteil 2015 | Anteil 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| China | 62,5 | 94,5 | 38,8 % | 54,0 % | +51,3 % |
| Südkorea | 21,3 | 27,0 | 13,2 % | 15,4 % | +26,6 % |
| Japan | 13,6 | 18,4 | 8,5 % | 10,5 % | +34,7 % |
| Großbritannien | 11,6 | 3,0 | 7,2 % | 1,7 % | −73,7 % |
| Schweiz | 11,5 | 15,0 | 7,1 % | 8,6 % | +30,5 % |
| Türkei | 0,4 | 2,6 | 0,2 % | 1,5 % | +594,7 % |
Zusammengenommen entfielen 2025 rund 91 % der EU-Importe aus Nicht-EU-Ländern auf nur fünf Partner (China, Südkorea, Japan, Schweiz, Türkei), was die geopolitische Verwundbarkeit des Marktes unterstreicht.
Südkorea als volatiler Akteur im Zuge der globalen Batterie-Hochkonjunktur
Südkorea zeigt im Beobachtungszeitraum eine extrem hohe Volatilität mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,73. Die Importe aus Südkorea erreichten in einem Spitzenjahr 199,4 Mio. € — fast das Zehnfache des Endwerts von 27,0 Mio. €. Dieser extreme Ausschlag, der zeitlich mit der globalen Hochkonjunktur im Batteriesektor (2021/2022) zusammenfällt, deutet auf temporäre Nachfrage-Schocks, mögliche Reklassifikationseffekte oder Großaufträge im Kontext der europäischen Gigafactory-Entwicklung hin. Hongkong (CV = 1,23) und Kanada (CV = 1,13) weisen als Importpartner ebenfalls hohe, wenngleich mengenmäßig kleinere Schwankungen auf.
Brexit und geopolitische Verwerfungen verändern die Handelsströme
Der Rückgang der Importe aus Großbritannien um 73,7 % (von 11,6 Mio. € auf 3,0 Mio. €) ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Brexit und die damit verbundenen Handelsbarrieren zurückzuführen. Großbritannien fiel damit vom viertgrößten Importpartner auf einen unbedeutenden Rang zurück. Der Variationskoeffizient von 0,87 bestätigt die anhaltende Instabilität dieser Handelsbeziehung. Auf der Exportseite spiegelt sich ein ähnliches Bild: Die EU-Exporte nach Großbritannien sanken von 12,6 Mio. € auf 4,4 Mio. € (−65,3 %).
Demgegenüber stehen Preisschocks bei Exporten in Drittländer: Ein markanter Preisschock im Jahr 2017 betraf die Ausfuhren in die Türkei (+1.417 %) und nach Australien (+245 %). Ein weiterer Schock wurde 2020 bei Exporten nach Südafrika (+647 %) festgestellt. Diese Ereignisse deuten auf episodische, stark schwankende Handelsmuster mit einzelnen Abnehmern hin, die das Gesamtbild der Exportvolatilität prägen.
3. Polens Aufstieg und die wachsende Handelsautonomie der EU
Polen avanciert zum führenden EU-Exporteur
Die Exportstruktur innerhalb der EU hat sich dramatisch verschoben. Der herausragende Trend ist der Aufstieg Polens: Die polnischen Exporte in Nicht-EU-Länder stiegen von 0,9 Mio. € im Jahr 2015 auf 21,6 Mio. € im Jahr 2025 — eine Steigerung von 2.253 %. Damit wurde Polen zum größten EU-Exporteur in dieser Produktkategorie, noch vor Frankreich (12,0 Mio. €) und der Ukraine-Richtung. Parallel dazu sanken die traditionellen Exporteure: Frankreichs Ausfuhren halbierten sich nahezu (von 27,2 Mio. € auf 12,0 Mio. €, −55,7 %), Spanien verlor 75,3 % und Italien 74,4 %.
| EU-Exporter | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Polen | 0,9 | 21,6 | +2.252,9 % |
| Frankreich | 27,2 | 12,0 | −55,7 % |
| Deutschland | 8,3 | 6,2 | −25,2 % |
| Spanien | 25,2 | 6,2 | −75,3 % |
| Niederlande | 6,7 | 4,8 | −29,2 % |
| Belgien | 5,8 | 1,3 | −77,3 % |
Auf der Importseite zeigt sich ein differenziertes Bild: Deutschland steigerte seine Importe von 31,4 Mio. € auf 40,3 Mio. € (+28,1 %), während Frankreich (−38,3 %), die Niederlande (−46,8 %) und Italien (−41,3 %) Rückgänge verzeichneten. Auffällig ist der Einbruch der slowakischen Importe von einem Spitzenwert von 115,8 Mio. € auf lediglich 0,05 Mio. € — ein auf einen Einmaleffekt hindeutender Ausschlag, der möglicherweise mit einem einzelnen Großprojekt oder einer temporären Umschlagaktivität zusammenhängt.
Ukraine als aufstrebender Exportmarkt
Ein bemerkenswerter Trend auf der Exportseite ist der Anstieg der EU-Exporte in die Ukraine von 0,5 Mio. € auf 18,7 Mio. € (+3.435 %). Die Ukraine avancierte damit zum zweitgrößten Nicht-EU-Abnehmer der EU-Exporte in dieser Kategorie. Angesichts des Krieges und der damit verbundenen massiven Energie- und Infrastrukturbedarfe ist dieser Anstieg plausibel: Akkumulatoren dieser Art dürften insbesondere für Notstromversorgung, Telekommunikation und militärische Anwendungen nachgefragt werden.
Sinkende Nettostrom-Importabhängigkeit als Zeichen wachsender Autonomie
Trotz der steigenden Importwerte zeigt die Netto-Importabhängigkeit als Anteil am scheinbaren Verbrauch einen deutlichen Rückgang: von 41,0 % im Jahr 2015 auf 25,5 % im Jahr 2025 (−37,9 %). Die Handelsintensität sank von 66,2 % auf 56,9 %, und die Exportneigung von 32,0 % auf 29,4 %.
| Autonomie-Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Nettostrom-Importabhängigkeit (%) | 41,0 | 25,5 | −37,9 % |
| Handelsintensität (%) | 66,2 | 56,9 | −14,1 % |
| Exportneigung (%) | 32,0 | 29,4 | −7,9 % |
Dieses Muster ist konsistent mit einer gestiegenen EU-Inlandsproduktion bei gleichzeitig rückläufigem Außenhandelsvolumen. Der Exportkonzentrationsindex (HHI) nach Mengen sank dabei drastisch von 2.794 auf 549 (−80,4 %), was bedeutet, dass die EU-Exporte mengenmäßig deutlich diversifizierter wurden — ein gegenläufiges Bild zur zunehmenden Importkonzentration.
Schluss
Der Markt für „Andere Akkumulatoren" (CN 850780) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt. Drei Kernbefunde bestimmen das Bild:
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Preisgetriebene Transformation: Die physischen Handelsvolumina sind auf beiden Seiten erheblich geschrumpft — Exportmengen um 75 %, Importmengen um 25 %. Die Einheitspreise stiegen jedoch so stark an, dass die Gesamtwerte weitgehend stabil blieben bzw. bei Importen sogar leicht zunahmen. Dies deutet auf eine Verlagerung hin zu hochwertigeren, spezialisierteren Akkumulatortypen innerhalb der Restkategorie hin.
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Zunehmende Importkonzentration: China hat seinen Anteil an den EU-Importen von 39 % auf 54 % ausgebaut, während der Brexit den bilateralen Handel mit Großbritannien drastisch reduzierte. Der HHI der Importkonzentration stieg um 73 % — ein wachsendes geopolitisches Risiko für die EU-Versorgungssicherheit in diesem Segment.
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Intra-EU-Strukturwandel und verbesserte Autonomie: Polen stieg zum führenden EU-Exporteur auf (+2.253 %), die Ukraine wurde zum zweitwichtigsten Exportmarkt, und die Netto-Importabhängigkeit sank von 41 % auf 26 %. Diese Entwicklungen deuten auf eine zunehmende Eigenständigkeit der EU in diesem Marktsegment hin — wenngleich die wachsende Abhängigkeit von China als Lieferant die strategische Resilienz weiterhin herausfordert.