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Marktentwicklung: Baumwollpullover (CN 61102099) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode CN 61102099 erfasst Pullover, Strickjacken und ähnliche Strickwaren aus Baumwolle für Frauen und Mädchen (ausgenommen Unterziehpullis und wattierte Westen). Die EU ist bei diesem Produktsegment ein Nettoimporteur mit einem strukturellen Handelsdefizit, das im gesamten Betrachtungszeitraum bei rund 1,7 Mrd. EUR verbleibt. Im Zeitraum 2015 bis 2025 vollzogen sich jedoch tiefgreifende Veränderungen: Die heimische EU-Produktion brach massiv ein, die Importquellen verschoben sich deutlich, und die EU-Exporte wuchsen überproportional im Wert — was auf eine Aufwertung der exportierten Produkte hindeutet. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken auf Basis der vorliegenden Handelsdaten.


1. Umstrukturierung der Lieferketten: Abkehr von China, Aufstieg Südasiens

Bangladesch wurde zum dominierenden Lieferanten

Die bedeutendste strukturelle Verschiebung im EU-Importmarkt für Baumwollpullover ist der Aufstieg Bangladeschs. Der Importwert aus Bangladesch stieg von 553 Mio. EUR (2015) auf 883 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 59,8 %. Im gleichen Zeitraum sanken die Importe aus China von 753 Mio. EUR auf 492 Mio. EUR (−34,7 %). Damit verlor China seine historische Führungsposition an Bangladesch, das zum mit Abstand wichtigsten EU-Lieferanten aufstieg (Länderdetails).

Lieferant 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Bangladesch 552,8 883,5 +59,8 %
China 752,9 491,8 −34,7 %
Türkei 266,4 328,2 +23,2 %
Pakistan 47,5 154,1 +224,7 %
Kambodscha 138,1 156,8 +13,5 %
Indien 86,0 128,2 +49,2 %
Marokko 35,3 68,8 +95,3 %

Pakistan und Marokko als neue Wachstumsmärkte

Neben Bangladesch verzeichneten insbesondere Pakistan (+224,7 %) und Marokko (+95,3 %) ein überdurchschnittliches Wachstum. Pakistan stieg damit von einem vergleichsweise kleinen Lieferanten (47 Mio. EUR) zu einem relevanten Player (154 Mio. EUR) auf. Marokkos Aufstieg ist im Kontext der EU-Nachbarschaftspolitik und der zunehmenden Nearshoring-Tendenzen zu sehen.

Sinkende Konzentration der Importquellen

Die Importkonzentration (HHI) nach Werten sank von 2.139 auf 1.887 (−11,8 %). Dies signalisiert eine Diversifizierung der Beschaffungsquellen: Während China 2015 noch einen dominanten Anteil hatte, verteilte sich der Importwert 2025 breiter auf mehrere Lieferländer. Die Konzentration nach Volumen stieg hingegen leicht (+14,2 %), was darauf hindeutet, dass Bangladesch zwar mengenmäßig an Bedeutung gewann, die Wertverteilung jedoch heterogener wurde.


2. Produktionsrückgang in der EU und steigende Exportpreise

Dramatischer Einbruch der heimischen EU-Produktion

Die EU-Produktion von Baumwollpullovern für Damen und Mädchen erlebte einen historischen Rückgang. Die Produktionsmenge sank von 93,2 Mio. Stück im Jahr 2015 auf nur noch 10,5 Mio. Stück im Jahr 2025 — ein Rückgang von 88,7 %. Der Produktionswert fiel von 791 Mio. EUR auf 236 Mio. EUR (−70,1 %). Dies reflektiert die anhaltende Verlagerung der textilen Fertigung in Niedriglohnländer und stellt einen strukturellen Bedeutungsverlust der europäischen Bekleidungsindustrie in diesem Segment dar (Produktionsvolumen).

EU-Exporte wachsen stark im Wert — Preiseffekt dominiert

Obwohl die heimische Produktion einbrach, stiegen die EU-Exporte in diesem Segment deutlich. Der Exportwert erhöhte sich von 424 Mio. EUR auf 797 Mio. EUR (+87,9 %). Die exportierte Menge wuchs jedoch nur um 15,4 % (von 10.315 t auf 11.902 t). Entscheidend ist der Preisanstieg: Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 41.114 EUR/t auf 66.955 EUR/t (+62,9 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertige oder premiumpositionierte Baumwollpullover exportiert, während die Masse der Standardproduktion ins Ausland verlagert wurde (Übersicht).

Importpreise sinken trotz Mengenwachstum

Im Gegensatz zu den Exportpreisen fielen die durchschnittlichen Importpreise von 18.429 EUR/t auf 16.600 EUR/t (−9,9 %), obwohl die importierte Menge um 31,5 % auf 153.149 t stieg. Dieses Muster — steigende Mengen bei fallenden Preisen — ist typisch für zunehmenden Wettbewerbsdruck durch kostengünstige Produzenten in Asien.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 424,1 797,0 +87,9 %
Exportmenge (t) 10.315 11.902 +15,4 %
Exportpreis (EUR/t) 41.114 66.955 +62,9 %
Importwert (Mio. EUR) 2.146,9 2.542,5 +18,4 %
Importmenge (t) 116.490 153.149 +31,5 %
Importpreis (EUR/t) 18.429 16.600 −9,9 %

3. Wachsende Abhängigkeit, Preisschocks und neue Exportmärkte

Nettoimportabhängigkeit vervierfacht sich

Die Nettoimportquote stieg von 19,4 % im Jahr 2015 auf 87,4 % im Jahr 2025 — eine Vervierfachung (+350,1 %). Gleichzeitig erhöhte sich die Handelsintensität von 25,4 % auf 121,7 %, und die Exportneigung expl regierte förmlich von 4,2 % auf 346,3 %. Diese Kennzahlen unterstreichen den fundamentalen Wandel: Die EU ist in diesem Segment nicht mehr selbstversorgend, sondern hochgradig in globale Lieferketten eingebunden.

Signifikante Preisschocks bei Schlüssellieferanten

Im Bereich Preisschocks fielen drei Ereignisse besonders auf:

Schock Land Typ Zeitpunkt Abnormalität Preisänderung Anteil am Wert
1 Bangladesch Importpreis 2022 22,2 +26,8 % 39,3 %
2 Schweiz Exportpreis 2019 17,9 +49,7 % 29,7 %
3 Kambodscha Importpreis 2022 12,7 +19,7 % 7,3 %

Der Preisschock bei Bangladesch-Importen im Jahr 2022 — dem wichtigsten Lieferanten mit einem Wertanteil von 39,3 % — ist besonders bedeutsam. Er fällt in die Phase nach der COVID-19-Pandemie und der Energiekrise, in der globale Lieferketten unter Druck standen. Pakistan weist mit einem Variationskoeffizienten von 0,36 die höchste Volatilität unter den Hauptlieferanten auf, gefolgt von Kambodscha (0,24) und Indien (0,22).

Neue Exportziele jenseits des Vereinigten Königreichs

Das Vereinigte Königreich blieb mit 116 Mio. EUR (2025) das wichtigste Exportziel, verlor aber relativ an Bedeutung (−5,9 %). Deutlich dynamischer entwickelten sich Exporte in die Schweiz (+208,3 %), in die Türkei (+226,1 %), in die USA (+185,9 %), nach Norwegen (+280,5 %) und nach China (+199,4 %). Diese Diversifizierung der Exportmärkte korrespondiert mit der sinkenden Exportkonzentration (HHI) von 1.259 auf 1.029 (−18,3 %).

Innerhalb der EU waren Italien (249 Mio. EUR, +164,6 %), Deutschland (182 Mio. EUR, +56,9 %) und Polen (55 Mio. EUR, +1.242,8 %) die exportstärksten Mitgliedstaaten. Polens außergewöhnliches Wachstum spiegelt die zunehmende Rolle osteuropäischer Produzenten in der europäischen Textilwert schöpfung wider (EU-Länderdetails).


Fazit

Die Marktentwicklung von Baumwollpullovern (CN 61102099) in der EU zwischen 2015 und 2025 ist durch drei Kernentwicklungen geprägt:

  1. Strukturelle Umorientierung der Lieferketten: Bangladesch löste China als Hauptlieferanten ab, während Pakistan und Marokko als neue Bezugsquellen hinzukamen. Die Importkonzentration sank — ein Zeichen für strategische Diversifizierung.

  2. Zerfall der heimischen Produktion bei steigenden Exportpreisen: Die EU-Produktion brach um nahezu 90 % ein. Gleichzeitig stiegen die Exportpreise deutlich, was darauf hindeutet, dass die EU sich auf hochwertige Nischenprodukte konzentriert, während die Massenproduktion ins Ausland verlagert wurde.

  3. Zunehmende Verwundbarkeit: Die Nettoimportquote vervierfachte sich auf fast 87 %. Preisschocks bei Bangladesch und Kambodscha im Jahr 2022 zeigen, dass die EU in diesem Segment empfindlich auf Lieferkettenstörungen reagieren kann.

Insgesamt zeigt der Markt für Baumwollpullover ein Muster, das für viele textile Produktsegmente in der EU repräsentativ ist: fortschreitende Deindustrialisierung im Heimatmarkt, wachsende Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten und eine Verlagerung der eigenen Wertschöpfung auf hochwertige Exportnischen.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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