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Marktentwicklung: Baumwollhemden (CN 610510) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Baumwollhemden für Männer und Knaben (KN-Code 610510) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Das Berichtsprodukt umfasst Strick- und Wirkwaren aus Baumwolle, ausgenommen Nachthemden, T-Shirts und Unterhemden. Die EU verzeichnet in diesem Segment ein strukturelles Handelsdefizit, das sich im Betrachtungszeitraum zwar leicht verringert hat, aber nach wie vor erheblich ist. Die folgenden Abschnitte beleuchten die zentralen Dynamiken, die den Markt in den vergangenen zehn Jahren geprägt haben.


I. Wertschöpfung statt Volumen: Die qualitative Aufwertung des EU-Textilhandels

Die auffälligste Entwicklung im Handel mit Baumwollhemden (KN 610510) ist die zunehmende Diskrepanz zwischen mengen- und wertbasierten Kennzahlen. Dieses Muster zeigt sich sowohl bei Exporten als auch bei Importen, allerdings in jeweils unterschiedlicher Ausprägung.

Die EU exportiert weniger Stücke, erzielt aber deutlich höhere Erlöse

Die EU-Exporte von Baumwollhemden verloren im Zeitraum 2015–2025 rund ein Viertel ihres Volumens: Die Exportmenge in Tonnen sank von 5.970 Tonnen auf 4.944 Tonnen (−17,2 %), die Stückzahl sogar von 24,0 Mio. auf 17,6 Mio. (−26,9 %). Gleichzeitig stieg der Exportwert von 319,5 Mio. € auf 476,3 Mio. € (+49,1 %). Dies bedeutet, dass die Durchschnittspreise pro Stück von 13,30 € auf 27,12 € (+103,9 %) und pro Tonne von 53.510 € auf 96.315 € (+80,0 %) gestiegen sind.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 319,5 Mio. € 476,3 Mio. € +49,1 %
Exportmenge (t) 5.970 t 4.944 t −17,2 %
Exportmenge (Stück) 24,0 Mio. 17,6 Mio. −26,9 %
Preis pro Stück 13,30 € 27,12 € +103,9 %
Preis pro Tonne 53.510 € 96.315 € +80,0 %

Diese Entwicklung legt nahe, dass sich die EU bei Baumwollhemden zunehmend auf hochwertige, preisintensive Nischenprodukte konzentriert – ein Muster, das mit der Spezialisierungslage der führenden Exportländer wie Italien (RSCA: 0,33), Dänemark (RSCA: 0,38) und Portugal (RSCA: 0,47) übereinstimmt.

Die Importpreise bleiben niedrig – Volumen weitgehend stabil

Im Gegensatz zu den Exporten zeigen die EU-Importe eine bemerkenswerte mengenmäßige Stabilität. Die Importmenge betrug 2015 rund 60.572 Tonnen und 2025 etwa 61.087 Tonnen (+0,8 %), die Stückzahl sank lediglich von 232,8 Mio. auf 227,1 Mio. (−2,4 %). Der Importwert stieg moderat von 1.111,0 Mio. € auf 1.148,5 Mio. € (+3,4 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 1.111,0 Mio. € 1.148,5 Mio. € +3,4 %
Importmenge (t) 60.572 t 61.087 t +0,8 %
Importmenge (Stück) 232,8 Mio. 227,1 Mio. −2,4 %
Preis pro Stück 4,77 € 5,06 € +5,9 %
Preis pro Tonne 18.342 € 18.798 € +2,5 %

Der enorme Preisunterschied zwischen Export- und Importpreisen – 27,12 € versus 5,06 € pro Stück im Jahr 2025 – verdeutlicht die Dualität des Marktes: Die EU importiert mengenmäßig dominierende Volumina zu Niedrigpreisen, exportiert aber qualitativ hochwertigere Produkte zu einem Vielfachen des Importpreises.


II. Geopolitische Umwälzungen: Verschiebungen in der Handelspartnerlandschaft

Die Dekade 2015–2025 war durch tiefgreifende geopolitische Ereignisse geprägt – von der Pandemie über Handelskonflikte bis hin zum Brexit –, die sich deutlich in den Handelsströmen mit Baumwollhemden widerspiegeln.

Bangladesch festigt seine Vormachtstellung als Importlieferant

Bangladesch hat seine Position als mit Abstand wichtigster Lieferant der EU für Baumwollhemden im Zeitraum weiter ausgebaut. Der Importwert aus Bangladesch stieg von 426,4 Mio. € auf 551,5 Mio. € (+29,4 %). Damit entfielen 2025 rund 48 % aller EU-Importe in diesem Segment auf Bangladesch. Die Konzentration der Importe (HHI) stieg entsprechend von 1.986 auf 2.659 (+33,9 %) – ein Indikator dafür, dass die EU ihre Beschaffung zunehmend auf wenige Partner konzentriert.

China verliert an Boden – Pakistan gewinnt rapide hinzu

Der wohl markanteste Strukturwandel auf der Importseite ist der Bedeutungsverlust Chinas. Die Importe aus China sanken von 169,2 Mio. € auf 105,1 Mio. € (−37,9 %). China fiel damit vom zweitgrößten auf den drittgrößten Lieferanten zurück, hinter Bangladesch und der Türkei. Parallel dazu stiegen die Importe aus Pakistan sprunghaft von 17,6 Mio. € auf 39,2 Mio. € (+122,6 %). Pakistan erreichte damit sein Maximum im gesamten Betrachtungszeitraum.

Herkunftsland 2015 2025 Veränderung
Bangladesch 426,4 Mio. € 551,5 Mio. € +29,4 %
China 169,2 Mio. € 105,1 Mio. € −37,9 %
Türkiye 119,4 Mio. € 125,6 Mio. € +5,2 %
Indien 107,2 Mio. € 104,5 Mio. € −2,5 %
Vietnam 49,1 Mio. € 59,7 Mio. € +21,6 %
Pakistan 17,6 Mio. € 39,2 Mio. € +122,6 %
Vereinigtes Königreich 53,1 Mio. € 11,3 Mio. € −78,8 %

Der Rückgang der Importe aus dem Vereinigten Königreich von 53,1 Mio. € auf 11,3 Mio. € (−78,8 %) ist als Brexit-Effekt zu interpretieren: Nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs Anfang 2021 werden Handelsströme mit dem UK als Drittlandshandel erfasst. Die hohe Volatilität des UK-Handels (Variationskoeffizient von 0,70 bei Importen) bestätigt diesen Strukturbruch.

Die EU-Exportmärkte diversifizieren sich – UK-Exporte brechen ein

Auf der Exportseite vollzog sich eine bemerkenswerte Neuausrichtung. Der HHI-Index der Exporte sank von 1.835 auf 717 (−60,9 %), was eine deutliche Diversifizierung der Absatzmärkte anzeigt.

Bestimmungsland 2015 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 127,6 Mio. € 58,2 Mio. € −54,4 %
Schweiz 30,0 Mio. € 75,3 Mio. € +150,5 %
China 12,3 Mio. € 37,9 Mio. € +208,3 %
USA 18,9 Mio. € 46,5 Mio. € +146,7 %
Türkei 10,6 Mio. € 24,1 Mio. € +128,1 %
Russische Föderation 14,4 Mio. € 17,4 Mio. € +20,8 %
Mexiko 5,8 Mio. € 9,7 Mio. € +67,2 %

Die Exporte in das Vereinigte Königreich halbierten sich von 127,6 Mio. € auf 58,2 Mio. € (−54,4 %). Der zuvor mit Abstand wichtigste Exportmarkt ging damit auf die dritte Position zurück. Die EU kompensierte diesen Verlust durch massive Zugewinne in der Schweiz (+150,5 %), in China (+208,3 %) und in den USA (+146,7 %). Die drei letztgenannten Märkte wiesen zudem eine relativ niedrige Exportvolatilität auf (CV: 0,15–0,19), was auf stabile Handelsbeziehungen hindeutet.


III. Schwindende Produktionsbasis und wachsende Importabhängigkeit

Hinter den Handelszahlen verbirgt sich ein tiefgreifender Strukturwandel der europäischen Baumwollhemden-Industrie: Die inländische Produktion schrumpft, während die Abhängigkeit von Importen zunimmt.

Die EU-Produktion halbiert sich in zehn Jahren

Die Produktionsmenge von Baumwollhemden in der EU sank im Betrachtungszeitraum von 74,9 Mio. Stück auf 37,4 Mio. Stück (−50,1 %) – eine Halbierung innerhalb einer Dekade. Der tiefste Punkt wurde mit 20,0 Mio. Stück erreicht, was auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 zurückzuführen sein dürfte. Parallel dazu stieg der Produktionswert von 433,8 Mio. € auf 495,6 Mio. € (+14,3 %) – ein weiterer Beleg für die qualitative Aufwertung der verbliebenen Produktion.

Kennzahl 2015 Tiefpunkt 2025 Veränderung 2015–2025
Produktionsmenge (Stück) 74,9 Mio. 20,0 Mio. 37,4 Mio. −50,1 %
Produktionswert 433,8 Mio. € 239,5 Mio. € 495,6 Mio. € +14,3 %

Importabhängigkeit nimmt deutlich zu

Die Netto-Importabhängigkeit stieg von 40,5 % im Jahr 2015 auf 62,5 % im Jahr 2025 (+54,2 %). Der Höchstwert wurde mit 78,7 % erreicht. Diese Kennzahl misst den Anteil des inländischen Verbrauchs, der durch Netto-Importe gedeckt wird. Die Zunahme spiegelt die schrumpfende inländische Produktionsbasis wider und unterstreicht die wachsende strategische Abhängigkeit der EU von Drittlandslieferungen in diesem Segment.

Gleichzeitig stieg die Handelsintensität von 72,1 % auf 106,7 % (+48,0 %), was bedeutet, dass der Gesamthandel (Importe plus Exporte) inzwischen das inländische Produktionsvolumen übersteigt. Die Exportneigung wuchs sogar von 41,5 % auf 126,1 % (+203,9 %), was darauf hindeutet, dass die EU inzwischen mehr Baumwollhemden exportiert, als sie selbst produziert – ein Hinweis auf die Bedeutung von Re-Exporten und Zulieferketten.

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierungspyramide

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 offenbart eine deutliche Rangordnung innerhalb der EU-Mitgliedstaaten:

Land RSCA RCA Anteil an EU-Produktion Anteil an EU-Exporten
Portugal 0,474 2,802 3,9 % 1,4 %
Dänemark 0,376 2,204 3,8 % 1,7 %
Italien 0,329 1,983 15,9 % 8,0 %
Frankreich 0,106 1,237 9,7 % 7,8 %
Niederlande 0,095 1,211 17,6 % 14,5 %

Portugal, Dänemark und Italien weisen die höchsten Spezialisierungskoeffizienten auf und sind damit die Kernländer der europäischen Baumwollhemden-Produktion. Italien ist zudem mit Abstand der größte EU-Exporter (155,3 Mio. €), gefolgt von Deutschland (111,7 Mio. €). Der Anteil Italiens an den EU-Exporten stieg von 95,9 Mio. € auf 155,3 Mio. € (+61,9 %), während Deutschland von 67,8 Mio. € auf 111,7 Mio. € zulegte (+64,6 %).

Im Gegensatz dazu zeigen Länder wie Malta (RSCA: −0,929), Irland (−0,907), Finnland (−0,880) und Ungarn (−0,742) eine ausgeprägte negative Spezialisierung – sie sind Netto-Importeure mit kaum eigener Produktion.


Schlussfolgerung

Die Analyse des EU-Handels mit Baumwollhemden (KN 610510) im Zeitraum 2015–2025 offenbart einen Markt im tiefgreifenden Strukturwandel. Drei zentrale Dynamiken prägen die Entwicklung:

Erstens vollzieht sich eine qualitative Aufwertung: Die EU exportiert weniger Volumen zu deutlich höheren Preisen, während die Importpreise nur moderat steigen. Dies deutet auf eine Spezialisierung der verbleibenden europäischen Produktion auf hochwertige Segmente hin.

Zweitens hat die geopolitische Neuausordnung die Handelspartnerlandschaft verändert. Bangladesch hat seine Dominanz als Importlieferant weiter ausgebaut, China verliert an Bedeutung, und der Brexit hat den bilateralen Handel mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig gestört – auf Import- wie Exportseite. Die Exportmärkte haben sich gleichzeitig deutlich diversifiziert.

Drittens schwindet die inländische Produktionsbasis: Die EU-Produktion hat sich in zehn Jahren halbiert, während die Netto-Importabhängigkeit auf über 62 % gestiegen ist. Dies birgt strategische Risiken, insbesondere angesichts der wachsenden Konzentration der Importe auf wenige Herkunftsländer (HHI-Steigerung um 34 %). Die Handelspolitik der EU wird sich in den kommenden Jahren verstärkt mit der Frage beschäftigen müssen, wie Versorgungssicherheit und Diversifizierung in einem Segment gewährleistet werden können, das zunehmend von Drittlandslieferungen abhängt.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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