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Marktentwicklung: Apparate und Geräte für Mechanotherapie, Massageapparate und -geräte sowie Apparate und Geräte für Psychotechnik (CN 901910) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode CN 901910 umfasst Apparate und Geräte für Mechanotherapie, Massageapparate und -geräte sowie Apparate und Geräte für Psychotechnik. Innerhalb des übergeordneten Kapitels 90 (Optische, fotografische und präzisionsinstrumente sowie medizinische Geräte) bildet dieser Code eine spezialisierte Produktgruppe, die sowohl elektrische Vibrationsmassagegeräte (90191010) als auch übrige Mechanotherapie- und Psychotechnikgeräte (90191090) einschließt. Die Nachfrage nach diesen Produkten wird maßgeblich durch demografische Trends, Gesundheitsbewusstsein und die wachsende Wellness-Industrie getrieben.

Im Zeitraum 2015 bis 2025 hat sich der EU-Außenhandel mit diesen Produkten grundlegend verändert. Die Importe stiegen von 620 Mio. € auf über 1,2 Mrd. €, während die Exporte von 246 Mio. € auf 394 Mio. € wuchsen. Der Handelsdefizit vertiefte sich dabei erheblich. Der vorliegende Bericht analysiert die zentralen Marktdynamiken und beleuchtet die strukturellen Verschiebungen, die diesen Entwicklungen zugrunde liegen.


1. Wachsende Importabhängigkeit und Dominanz chinesischer Lieferungen

1.1 Das Handelsdefizit hat sich mehr als verdoppelt

Der EU-Handelsbilanzsaldo für CN 901910 verschlechterte sich zwischen 2015 und 2025 deutlich. Während das Defizit im Jahr 2015 bei rund −375 Mio. € lag, betrug es im Jahr 2025 bereits −830 Mio. € — eine Verschlechterung um 121,6 %. Der Tiefpunkt wurde 2022 mit rund −1.277 Mio. € erreicht, als die Importe pandemiebedingt auf über 1,7 Mrd. € explodierten.

Kennzahl 2015 2020 2021 (Peak) 2025
Exporte (Mio. €) 245,7 341,8 427,5 394,0
Importe (Mio. €) 620,4 1.091,3 1.768,5 1.224,4
Saldo (Mio. €) −374,7 −749,5 −1.341,0 −830,4

1.2 China ist der dominierende Importeur — mit wachsendem Marktanteil

Die Importpartneranalyse zeigt eine ausgeprägte Konzentration auf China. Chinas Lieferungen an die EU stiegen von 404 Mio. € (2015) auf 1.031 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 155,3 % entspricht. Im Pandemiejahr 2021 erreichten die chinesischen Lieferungen mit 1.480 Mio. € ihren historischen Höchststand. Die Konzentration der Importe auf China spiegelt sich im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), der von 4.492 (2015) auf 7.239 (2025) stieg — ein Zuwachs von 61,1 % und ein Hinweis auf eine zunehmend oligopolistische Importstruktur.

1.3 Alternative Lieferanten verlieren an Bedeutung

Während China zulegte, verloren traditionelle westliche Lieferanten deutlich an Boden:

Partnerland Importe 2015 (Mio. €) Importe 2025 (Mio. €) Veränderung
China 403,8 1.031,1 +155,3 %
USA 89,0 70,7 −20,5 %
Vereinigtes Königreich 24,2 11,9 −50,6 %
Kanada 17,0 10,3 −39,1 %
Taiwan 15,6 8,3 −46,7 %
Republik Korea 13,1 11,7 −10,7 %

Die Netto-Importabhängigkeit der EU stieg im gleichen Zeitraum von 6,3 % auf 68,4 % — ein Anstieg um fast 1.000 %. Damit ist die EU bei diesem Produktsegment hochgradig auf Importe angewiesen.


2. COVID-19 als Katalysator: Pandemieschock und Nachholeffekte

2.1 Der Pandemieboom von 2020–2021

Die COVID-19-Pandemie stellte einen Wendepunkt für den Markt dar. Sowohl Importe als auch Exporte stiegen 2020 und 2021 sprunghaft an. Die Handelsentwicklung zeigt, dass die Importmengen von 104.461 Tonnen (2019) auf 193.309 Tonnen (2021) anstiegen — ein Plus von 85 %. Parallel dazu verdoppelten sich die Importwerte von 868 Mio. € auf 1.769 Mio. €. Der Einzelhandelspreis für importierte Güter stieg dabei von 8.307 €/t auf 9.148 €/t, was auf eine höhwertige Produktmischung oder gestiegene Kosten hindeutet.

2.2 Der Einbruch 2023 und die teilweise Erholung

Nach dem Pandemiehöhepunkt kam es 2023 zu einer deutlichen Korrektur. Die Importmengen fielen von 157.004 Tonnen (2022) auf 85.468 Tonnen (2023), ein Rückgang von 45,6 %. Die Importe erholten sich bis 2025 auf 121.229 Tonnen, blieben aber unter dem Pandemieniveau. Die Exporte hingegen verloren 2023 weniger stark und lagen 2025 bei 12.102 Tonnen — über dem Vorpandemieniveau von 2019 (9.274 Tonnen).

2.3 Preis- und Mengenschock bei EU-Exporten nach China

Ein bemerkenswerter Preisschock wurde bei den EU-Exporten nach China identifiziert: Im Zeitraum 2022–2023 fielen die Exportpreise um 32,2 % gegenüber dem Baseline-Niveau, bei gleichzeitigem Mengenanstieg auf 248,4 % des Ausgangswerts. Dies deutet auf aggressive Preisdumping-Strategien oder einen Strukturwandel in der Nachfrage hin. Nach dem Schock stabilisierten sich die Preise 2024–2025 auf 78,7 % des Baseline-Niveaus.


3. Strukturelle Verschiebungen im EU-Binnenmarkt und Exportprofil

3.1 Polen und die Niederlande als neue Exportmacht

Die EU-Mitgliedstaaten zeigen eine bemerkenswerte Verschiebung der Exportaktivitäten. Polen stieg von 4,5 Mio. € (2015) auf 51,3 Mio. € (2025) — ein Wachstum von 1.046 %. Die Niederlande entwickelten sich zum spezialisiertesten EU-Exporteur mit einem RSCA-Index von 0,415 und einem RCA-Wert von 2,419 im Jahr 2025. Deutschland, traditionell der größte Exporteur, stagnierte hingegen bei rund 73 Mio. € und verlor Marktanteile.

Land Exporte 2015 (Mio. €) Exporte 2025 (Mio. €) Veränderung
Deutschland 73,2 73,0 −0,4 %
Niederlande 53,5 64,4 +20,4 %
Polen 4,5 51,3 +1.045,7 %
Ungarn 4,6 26,2 +476,0 %

3.2 Wachstumsmärkte: USA, Norwegen und die Ukraine

Die Exportziele der EU haben sich diversifiziert. Die USA entwickelten sich zum wichtigsten Exportwachstumsmarkt (+200,1 %), gefolgt von Norwegen (+170,9 %) und der Ukraine (+435,6 %). Die Ukraine profitierte dabei vermutlich von der EU-Nähe und dem Wiederaufbaubedarf. Die Exportvolatilität war bei Exporten in die USA (CV 0,65) und nach Kanada (CV 0,86) besonders hoch, was auf eine konjunkturabhängige Nachfrage hindeutet.

3.3 Produktsegmente: Elektrische Vibrationsmassagegeräte vs. übrige Geräte

Die Segmentanalyse zeigt, dass das Segment 90191090 (Mechanotherapie und Psychotechnik, ohne Vibrationsmassagegeräte) sowohl bei Importen als auch bei Exporten dominiert. Bei den Importen machte 90191090 2025 rund 56 % des Werts aus (684 Mio. € von 1.224 Mio. €). Bei den Exporten betrug der Anteil sogar 77 % (302 Mio. € von 394 Mio. €). Die durchschnittlichen Exportpreise für 90191010 (Vibrationsmassagegeräte) lagen 2025 bei 43.297 €/t und damit deutlich über denen von 90191090 (30.223 €/t), was auf eine höhere Wertschöpfung in diesem Segment hindeutet.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für CN 901910 hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens eine dramatisch gestiegene Importabhängigkeit, die sich in einem fast elffachen Anstieg der Netto-Importabhängigkeit auf 68,4 % manifestiert. Zweitens eine massive Konzentration der Importe auf China, das 2025 über 84 % der EU-Importe aus nicht-EU-Ländern liefert — begleitet von einer signifikanten Erhöhung des HHI auf 7.239. Drittens fungierte die COVID-19-Pandemie als Beschleuniger, der sowohl die Nachfrage als auch die Lieferkettenabhängigkeiten verstärkte.

Auf der Exportseite zeigt sich ein differenzierteres Bild: Während Deutschland als traditioneller Marktführer stagniert, gewinnen osteuropäische Mitgliedstaaten — insbesondere Polen und Ungarn — erheblich an Bedeutung. Die EU bleibt jedoch insgesamt ein Nettoimporteur mit einem wachsenden Defizit. Angesichts der hohen Konzentration der Importe auf einen einzigen Partner bestehen erhebliche geoökonomische Risiken, die eine Diversifizierung der Lieferketten oder eine Stärkung der europäischen Produktion nahelegen.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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