Marktentwicklung: Andere Styrolpolymere (CN 39039090) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 39039090 erfasst eine Restkategorie innerhalb der Styrolpolymere — jene Erzeugnisse, die nicht unter die explizit ausgenommenen Polystyrol-, SAN- oder ABS-Codes fallen. Dazu zählen unter anderem spezielle Styrol-Alkohol-Copolymere und bromiertes Polystyrol. Obwohl die Position als Residualcode definiert ist, umfasst sie ein beachtliches Handelsvolumen: Die EU exportierte 2025 Waren im Wert von rund 376 Mio. EUR und importierte rund 179 Mio. EUR. Im Folgenden werden die zentralen Marktdynamiken im Zeitraum 2015 bis 2025 analysiert — mit Fokus auf Volumenströme, Partnerschaftsverschiebungen, Preisentwicklungen und strukturelle Veränderungen der EU-Produktionslandschaft.
1. Schrumpfende Exporte bei steigenden Preisen: Die EU als Nett-exporteur verliert an Volumen
Die EU behauptet ihren Handelsüberschuss, doch das Exportvolumen sinkt deutlich
Die EU war im gesamten Betrachtungszeitraum ein Netto-exporteur von Styrolpolymeren des Codes 39039090. Der Handelsbilanzüberschuss betrug 2015 noch rund 299 Mio. EUR und sank bis 2025 auf etwa 197 Mio. EUR — ein Rückgang von 34,0 %. Dieser Trend ist vor allem auf den Rückgang der Exporte zurückzuführen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 439,7 | 375,9 | −14,5 % |
| Exportmenge (t) | 296.584 | 207.473 | −30,0 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 1.482 | 1.812 | +22,2 % |
| Importwert (Mio. EUR) | 140,9 | 178,6 | +26,8 % |
| Importmenge (t) | 65.223 | 68.708 | +5,3 % |
| Importpreis (EUR/t) | 2.159 | 2.599 | +20,3 % |
Die Exportmenge sank um 30 %, was in Kombination mit einem Preisanstieg von 22 % zu einem lediglich 14,5 %igen Rückgang des Exportwerts führte. Die Importe hingegen stiegen sowohl in Menge (+5,3 %) als auch im Wert (+26,8 %). Die EU verliert somit an Exportvolumen, ohne dass die Importnennung in gleichem Maße steigt — ein Hinweis auf eine strukturelle Verschiebung der Produktions- und Nachfragebedingungen.
Die Binnennachfrage verschiebt sich zugunsten von Importen
Die Nettoimportquote blieb über den gesamten Zeitraum negativ — die EU war also durchgehend Nettoexporteur. Allerdings intensivierte sich die Exportabhängigkeit erheblich: Der Wert sank von −9,2 % (2015) auf −64,1 % (2025). Parallel dazu stiegen die Handelsintensität von 37,3 % auf 81,5 % und die Exportneigung von 26,2 % auf 74,9 %. Das bedeutet: Die EU produziert zwar weiterhin in großem Maßstab, exportiert aber einen wachsenden Anteil — und importiert gleichzeitig mehr, um die Binnennachfrage zu decken.
Die EU-Produktion wächst mengenmäßig, verliert aber an Wert
Die verfügbaren Produktionsdaten zeigen ein bemerkenswertes Spannungsfeld: Die Produktionsmenge stieg von 600 Mio. kg (2015) auf 657 Mio. kg (2025) — ein Plus von 9,6 %. Der Produktionswert hingegen fiel von rd. 1.000 Mio. EUR auf rd. 606 Mio. EUR — ein Minus von 39,4 %. Dies deutet auf erhebliche Preiserosionen auf Produzentenseite hin, die möglicherweise durch Überkapazitäten, Rohstoffpreiszyklen oder verstärkten Wettbewerbsdruck aus Drittländern verursacht wurden.
2. Partnerlandschaft im Wandel: Südkorea und Israel gewinnen, Großbritannien und Russland verlieren
Die Importseite wird zunehmend von asiatischen und nahöstlichen Partnern dominiert
Die Top-Importpartner der EU haben sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben:
| Partnerland | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Südkorea | 36,8 | 67,2 | +82,6 % |
| USA | 36,2 | 30,4 | −15,9 % |
| Israel | 9,3 | 17,7 | +90,2 % |
| Türkei | 3,9 | 9,4 | +141,8 % |
| Großbritannien | 20,5 | 6,4 | −68,6 % |
| Singapur | 8,2 | 7,4 | −9,3 % |
| Taiwan | 5,2 | 5,3 | +2,6 % |
Südkorea ist mit Abstand der wichtigste Importpartner und hat seinen Anteil nahezu verdoppelt. Israel (+90,2 %) und die Türkei (+141,8 %) verzeichneten die stärksten relativen Zuwächse. Großbritannien hingegen — einst der drittgrößte Importeur — verlor rund 69 % seines Importwerts, was im Kontext des Brexits und der damit verbändten Handelsreibungen interpretiert werden kann.
Russland als Exportmarkt bricht weg, China wird aufgebaut
Die Top-Exportmärkte zeigen eine gravierende geopolitische Umstrukturierung:
| Partnerland | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 84,7 | 71,0 | −16,1 % |
| Großbritannien | 74,9 | 43,0 | −42,5 % |
| China | 27,9 | 54,9 | +96,6 % |
| USA | 45,3 | 35,2 | −22,4 % |
| Russland | 27,8 | 7,7 | −72,3 % |
| Ägypten | 18,2 | 11,3 | −37,6 % |
| Schweiz | 19,8 | 15,4 | −22,2 % |
Russland verlor 72,3 % seines EU-Exportwerts — ein Zusammenbruch, der mit den Sanktionen nach 2022 zusammenhängt. China hingegen verdoppelte seine Importe aus der EU nahezu (+96,6 %). Die Türkei bleibt mit 71 Mio. EUR der größte Einzelmarkt, trotz eines Rückgangs von 16 %. Großbritannien verlor als Exportmarkt 42,5 % — ein weiterer Hinweis auf die post-Brexit-Handelsverschiebungen.
Die Importkonzentration steigt, die Exportkonzentration bleibt stabil
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg im Wert von 1.708 auf 2.025 (+18,5 %) und im Volumen sogar von 1.684 auf 2.514 (+49,3 %). Dies signalisiert eine zunehmende Konzentration der Importquellen — die EU wird abhängiger von wenigen Lieferanten, insbesondere von Südkorea. Der Export-HHI blieb hingegen mit 890 bis 935 auf niedrigem Niveau, was auf eine diversifizierte Exportbasis hinweist.
3. Preisschocks und Volatilität: Israel als Extremfall und die strukturelle Verwundbarkeit der EU
Preispreis bei Importen aus Israel und Taiwan deuten auf Lieferkettenstörungen hin
Die Analyse von Handelsschocks identifizierte mehrere signifikante Ereignisse:
| Schockereignis | Typ | Flow | Jahr | Preissprung | Abnormalitäts-Score |
|---|---|---|---|---|---|
| Israel | Preis | Import | 2022 | +72,3 % | 10,2 |
| Taiwan | Preis | Import | 2021 | +38,1 % | 8,4 |
| Marokko | Preis | Export | 2021 | +36,2 % | 4,9 |
Der Israel-Schock von 2022 war mit einem Preissprung von 72,3 % und einem Abnormalitäts-Score von 10,2 das gravierendste Ereignis. Israel wurde gleichzeitig zu einem der am stärksten wachsenden Importpartner (+90,2 % im Wert), was auf eine extreme Preis- und Mengendynamik hindeutet. Der Taiwan-Schock von 2021 (+38,1 %) fällt in die Phase der globalen Lieferkettenkrise nach der COVID-19-Pandemie.
Die Volatilität der Handelsströme variiert stark zwischen Partnern
Der Variationskoeffizient (CV) misst die Schwankungsintensität der Handelswerte über den gesamten Zeitraum:
| Partner (Import) | CV | Partner (Export) | CV |
|---|---|---|---|
| Iran | 0,82 | Malaysia | 0,58 |
| Mexiko | 0,77 | Russland | 0,31 |
| Großbritannien | 0,60 | China | 0,32 |
| Russland | 0,58 | Ägypten | 0,42 |
| China | 0,50 | USA | 0,23 |
| Japan | 0,43 | Großbritannien | 0,17 |
| Türkei | 0,34 | Türkei | 0,17 |
| USA | 0,27 | Israel | 0,16 |
| Israel | 0,23 | ||
| Taiwan | 0,22 | ||
| Singapur | 0,23 | ||
| Südkorea | 0,17 |
Iran (CV 0,82) und Mexiko (CV 0,77) zeigen die höchste Volatilität bei Importen — möglicherweise bedingt durch geopolitische Sanktionen bzw. geringe und sporadische Liefermengen. Südkorea hingegen, als größter Importpartner, zeigt mit einem CV von 0,17 eine bemerkenswert stabile Handelsbeziehung. Auf der Exportseite sind die etablierten Märkte Türkei, Großbritannien und Israel mit CV-Werten unter 0,20 vergleichsweise vorhersagbar.
Belgium dominiert die EU-Produktion und -Spezialisierung
Innerhalb der EU zeigt die Spezialisierungsanalyse, dass Belgien mit einem RCA von 4,28 und einem RSCA von 0,62 der mit Abstand am stärksten spezialisierte Mitgliedstaat ist. Belgien hielt 2025 rund 36,2 % der EU-Produktion und 8,5 % des EU-Gesamthandels in diesem Segment. Deutschland (RCA 1,03) und die Niederlande (RCA 1,14) weisen ebenfalls einen leichten Spezialisierungsvorteil auf, während Estland, Kroatien und Luxemburg praktisch nicht in diesem Segment produzieren.
Schlussfolgerung
Die Marktentwicklung des EU-Handels mit anderen Styrolpolymeren (CN 39039090) im Zeitraum 2015–2025 ist von drei zentralen Dynamiken geprägt:
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Volumenrückgang bei steigender Wertschöpfung: Die EU exportiert mengenmäßig deutlich weniger als noch 2015, kann dies aber teilweise durch höhere Preise kompensieren. Gleichzeitig steigen die Importe — sowohl mengen- als auch wertmäßig. Die Handelsbilanz bleibt positiv, schrumpft aber spürbar.
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Geopolitische Umstrukturierung der Partnerschaften: Russland als Exportmarkt ist weitgehend weggebrochen, China gewinnt an Bedeutung. Bei den Importen dominieren südkoreanische Lieferungen, während Großbritannien nach dem Brexit an Relevanz verloren hat. Die zunehmende Importkonzentration (HHI) birgt strategische Risiken.
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Preisschocks und strukturelle Verwundbarkeit: Insbesondere der Israel-Importpreisschock von 2022 und der Taiwan-Schock von 2021 zeigen, dass die EU-Lieferketten in diesem Segment anfällig für externe Störungen sind. Gleichzeitig steigen sowohl Handelsintensität als auch Exportneigung, was die EU stärker in globale Märkte einbindet — mit entsprechenden Chancen und Risiken.
Die EU bleibt ein relevanter Produzent und Nettoexporteur von Styrolpolymeren außerhalb der Standardtypen. Die Herausforderung besteht darin, das schrumpfende Exportvolumen und die wachsende Importabhängigkeit von wenigen Partnern auszugleichen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen — vor allem belgischen, deutschen und niederländischen — Produktion zu gefährden.