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Marktentwicklung: Aluminiumbleche (CN 760611) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für das Zollprodukt CN 760611 — Bleche und Bänder aus nichtlegiertem Aluminium mit einer Dicke von mehr als 0,2 mm, quadratisch oder rechteckig (ausgenommen Streckbleche und -bänder). Dieses Produkt bildet einen zentralen Werkstoff für die Bau-, Automobil- und Verpackungsindustrie und umfasst sowohl dünne als auch dicke Bleche sowie Verbundplatten und beschichtete Varianten.

Die Daten zeigen eine fundamentale Strukturverschiebung: Die EU hat sich im Betrachtungszeitraum von einem nahezu ausgeglichenen Handelspartner zu einer stark importabhängigen Volkswirtschaft in diesem Segment entwickelt. Begleitet wurde diese Transformation von einem drastischen Rückgang der europäischen Produktion, einer Verschiebung der Lieferantenstruktur sowie erheblichen Preisschocks. Die folgenden Abschnitte analysieren diese Dynamiken im Detail.

Übersicht und Definitionen des Produkts


I. Vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur: Der Strukturwandel der Handelsbilanz

Die Handelsbilanz hat sich dramatisch verschlechtert

Die EU-Handelsbilanz bei Aluminiumblechen hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 erheblich verschlechtert. Der bilaterale Saldo zwischen Importen und Exporten verschlechterte sich von −386,5 Mio. EUR auf −715,2 Mio. EUR, was einer Verschlechterung um 85,0 % entspricht. Das Handelsdefizit erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 2022 mit rund −872,1 Mio. EUR.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Wert) 356,3 Mio. EUR 150,3 Mio. EUR −57,8 %
Exporte (Menge) 63.074 t 27.815 t −55,9 %
Importe (Wert) 742,8 Mio. EUR 865,5 Mio. EUR +16,5 %
Importe (Menge) 307.781 t 267.709 t −13,0 %
Handelssaldo −386,5 Mio. EUR −715,2 Mio. EUR −85,0 %

Entwicklung von Importen und Exporten

Die Nettoimportabhängigkeit hat sich vervielfacht

Der Indikator der Nettoimportabhängigkeit (Net Import Reliance) verdeutlicht das Ausmaß der Transformation. Lag die EU im Jahr 2015 mit −5,8 % noch in einer Position leichter Nettoexportabhängigkeit (d. h. sie exportierte netto mehr als sie importierte), stieg dieser Wert bis 2025 auf +31,3 % — ein Anstieg um 642 %. Das bedeutet, dass die EU im Segment der Aluminiumbleche heute auf Importe angewiesen ist, um ein Drittel ihres Binnenverbrauchs zu decken.

Die europäische Produktion ist eingebrochen

Hintergrund dieser Entwicklung ist ein massiver Rückgang der EU-Produktion. Die Produktionsmenge sank von 1.721.751 Tonnen (2015) auf lediglich 440.000 Tonnen (2025) — ein Rückgang von 74,4 %. Der Produktionswert fiel von 3.024,7 Mio. EUR auf 1.120,0 Mio. EUR (−63,0 %). Diese Entwicklung spiegelt sowohl die Verlagerung energieintensiver Aluminiumverarbeitung außerhalb Europas als auch die Auswirkungen der Energiekrise 2021/2022 wider.

Produktionsentwicklung in der EU

Exporte sind überproportional eingebrochen

Während die Importe mengenmäßig um 13,0 % zurückgingen, sanken die Exporte um 55,9 % mengenmäßig und 57,8 % wertmäßig. Der durchschnittliche Exportpreis veränderte sich dabei nur moderat von 5.648 EUR/t auf 5.400 EUR/t (−4,4 %). Der Exportrückgang ist also primär ein Mengenphänomen und nicht auf Preisverfall zurückzuführen — er spiegelt vielmehr den Verlust europäischer Wettbewerbsfähigkeit in diesem Segment.

Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Importpreis von 2.413 EUR/t auf 3.233 EUR/t (+34,0 %), was auf verteuerte Rohstoffkosten, Energiepreise und gestiegene Weltmarktpreise hindeutet.


II. Umorientierung der Lieferantenstruktur: Türkei ersetzt China

Die Türkei ist zum dominierenden Importeur aufgestiegen

Die auffälligste Veränderung in der Partnerstruktur betrifft den Aufstieg der Türkei zum wichtigsten Importpartner der EU bei Aluminiumblechen. Die Importe aus der Türkei stiegen von 142,8 Mio. EUR (2015) auf 381,4 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 167,1 %. Damit hat sich die Türkei innerhalb von zehn Jahren von einem unter den Top-Lieferanten zum mit Abstand wichtigsten Bezugsland entwickelt und macht zuletzt rund 44 % des EU-Importwerts aus.

Herkunftsland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Türkei 142,8 381,4 +167,1 %
China 190,1 48,4 −74,5 %
Norwegen 121,3 173,2 +42,8 %
Vereinigtes Königreich 185,7 113,2 −39,1 %
Ägypten 32,7 95,9 +193,5 %
Serbien 16,6 30,7 +85,0 %

Top-Importpartner nach Wert

China hat als Lieferant stark an Bedeutung verloren

Im Gegensatz zum Aufstieg der Türkei sind die Importe aus China drastisch gesunken — von 190,1 Mio. EUR auf 48,4 Mio. EUR (−74,5 %). China war 2015 noch der zweitwichtigste Importpartner, 2025 rangiert es nur noch an fünfter Stelle. Diese Entwicklung steht im Einfuhrzusammenhang mit den seit 2018 geltenden EU-Schutzmaßnahmen gegen Aluminiumimporte (Definitive Safeguard-Measures) sowie mit Antidumpingzöllen, die den chinesischen Marktzugang erheblich eingeschränkt haben.

Neue Lieferanten gewinnen an Bedeutung

Neben der Türkei haben sich auch Ägypten (von 32,7 Mio. EUR auf 95,9 Mio. EUR, +193,5 %) und Serbien (von 16,6 Mio. EUR auf 30,7 Mio. EUR, +85,0 %) als relevante Bezugsquellen etabliert. Norwegen, das traditionell aufgrund seiner energieintensiven Aluminiumproduktion ein wichtiger Partner ist, verzeichnete ebenfalls ein Plus von 42,8 %. Diese Diversifizierung hin zu süd- und osteuropäischen sowie nahöstlichen Partnern deutet auf eine Neuausrichtung der Beschaffungsstrategien europäischer Abnehmer hin — sowohl aus handelspolitischen als auch aus logistischen Erwägungen.

Auch bei den Exporten verlieren alle Hauptpartner

Die EU-Exporte sind in sämtlichen Hauptmärkten rückläufig. Die Exporte in das Vereinigte Königreich — den wichtigsten Exportmarkt — sanken von 46,2 Mio. EUR auf 22,4 Mio. EUR (−51,5 %). Die Ausfuhren in die Schweiz gingen um 25,9 % zurück, in die USA um 19,3 %. Am stärksten betroffen war Brasilien mit einem Rückgang von 64,1 %. Dies unterstreicht, dass der EU bei Aluminiumblechen nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit im Binnenmarkt, sondern auch in Drittländern abhandengekommen ist.

Top-Exportpartner nach Wert

Die Importkonzentration hat zugenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 1.948 auf 2.683 (+37,7 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Lieferanten hindeutet. Der Aufstieg der Türkei zum dominierenden Partner hat die Lieferantenbasis trotz der Diversifizierung durch neue Quellen wie Ägypten und Serbien in der Gesamtbetrachtung weniger divers gestaltet. Im Gegensatz dazu sank der Export-HHI von 1.157 auf 796 (−31,2 %), was darauf hindeutet, dass die EU-Ausfuhren breiter gestreut wurden — allerdings bei einem deutlich geringeren Gesamtvolumen.

Konzentrationsindikatoren (HHI)


III. Preisschocks, Volatilität und zunehmende Anfälligkeit

Die Energiekrise 2021/2022 hat die Preise massiv getrieben

Die durchschnittlichen Importpreise verdoppelten sich zwischen 2020 und 2022 nahezu — von rund 2.190 EUR/t auf rund 4.173 EUR/t (dem Maximum im gesamten Zeitraum). Auch die Exportpreise stiegen sprunghaft, erreichten jedoch nicht das gleiche Ausmaß. Diese Preisentwicklung korreliert stark mit der europäischen Energiekrise 2021/2022, da die Aluminiumverarbeitung zu den energieintensivsten Industriezweigen gehört.

Besonders betroffen war die Preisdynamik bei den dickeren Blechsorten:

Segment Importpreis 2020 (EUR/t) Importpreis 2022 (EUR/t) Veränderung
76061191 (0,2–3 mm) 2.283 4.265 +86,8 %
76061199 (≥ 6 mm) 2.126 3.859 +81,5 %
76061193 (3–6 mm) 1.792 4.191 +133,9 %

Preisentwicklung nach Segment

Preisschocks bei Drittlandexporten weisen auf strukturelle Vulnerabilität hin

Im Bereich der Volatilität und Schocks wurden mehrere signifikante Preisschocks identifiziert. Der auffälligste betraf die EU-Exporte nach Kanada im Jahr 2022, wo ein abnormaler Preisanstieg von 31,3 % mit einer Anomalie-Stärke von 17,8 detektiert wurde. Ebenso verzeichneten die Exporte nach Mexiko (Preisanstieg 51,2 %, Anomalie 10,2) und in die Russische Föderation (2021, +23,6 %, Anomalie 7,6) erhebliche Ausschläge. Diese Schocks sind zum Teil auf die globalen Rohstoffpreissteigerungen und Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie sowie auf die geopolitischen Verwerfungen infolge des Ukraine-Konflikts zurückzuführen.

China und Ostasien als besonders volatile Handelspartner

Der Variationskoeffizient (CV) als Maß für die Volatilität der Handelsströme zeigt, dass die Importe aus bestimmten Regionen besonders schwankungsanfällig waren. Importe aus Vietnam (CV 2,87), Indonesien (1,26), Südkorea (0,95) und Indien (0,81) zeigten die höchste Volatilität — ein Indiz dafür, dass Handelsströme aus diesen Ländern stark auf handelspolitische Maßnahmen reagierten. Die Importe aus der Türkei (CV 0,24) und Norwegen (CV 0,08) waren hingegen deutlich stabiler, was diese beiden Partner als zuverlässigere Bezugsquellen ausweist.

Volatilitätsanalyse der Handelsströme

Die Handelsintensität unterstreicht die wachsende Abhängigkeit

Die Handelsintensität — gemessen als Anteil von Im- und Exporten am Gesamthandel (Inlandproduktion + Importe − Exporte) — stieg von 39,0 % auf 58,7 %. Das bedeutet, dass der Außenhandel heute einen weitaus größeren Anteil an der Versorgung der EU mit Aluminiumblechen hat als noch 2015. Gleichzeitig sank die Exportneigung von 26,3 % auf nur noch 28,3 % — vergleichsweise moderat und im Wesentlichen stagnierend. Die EU exportiert demnach einen immer kleineren Teil ihrer Produktion, während sie gleichzeitig stärker auf Importe angewiesen ist.

Innerhalb der EU zeigt sich eine heterogene Spezialisierung

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, dass Kroatien (RSCA 0,84), Luxemburg (0,77), Slowenien (0,53) und Österreich (0,52) die am stärksten spezialisierten Exporteure innerhalb der EU sind. Deutschland, das mit Abstand der größte Exporteur war (236,3 Mio. EUR in 2015), verzeichnete einen Rückgang um 76,0 % auf lediglich 56,7 Mio. EUR. Die Importseite wird von Deutschland (+98,3 %), Italien (+87,8 %) und Polen (+214,2 %) dominiert, die ihre Importe erheblich ausgeweitet haben, während Frankreich (−72,2 %) und Griechenland (−95,8 %) ihre Bezüge stark reduzierten.


Schlussfolgerung

Die Analyse des EU-Handels mit Aluminiumblechen (CN 760611) im Zeitraum 2015 bis 2025 offenbart eine fundamentale Transformation des Marktes. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die EU von einer Position nahezu ausgeglichener Handelsbilanz zu einer stark importabhängigen Volkswirtschaft entwickelt. Die Nettoimportabhängigkeit stieg von −5,8 % auf +31,3 %, getrieben durch einen Rückgang der heimischen Produktion um 74,4 % und einen Einbruch der Exporte um fast 56 %.

Zweitens hat sich die Lieferantenstruktur grundlegend verschoben. Die Türkei hat China als dominierenden Importpartner abgelöst, während gleichzeitig neue Quellen wie Ägypten und Serbien an Bedeutung gewonnen haben. Die Importkonzentration ist jedoch trotz dieser Diversifizierung gestiegen, da die Türkei nun einen dominierenden Anteil hält.

Drittens hat die Energiekrise 2021/2022 die Verwundbarkeit des europäischen Aluminiumsektors schonungslos offengelegt — sowohl in Form drastischer Preissteigerungen als auch als Katalysator für die Abwanderung energieintensiver Produktion. Die Preise für importierte Aluminiumbleche stiegen im Krisenjahr 2022 teils um mehr als 130 % gegenüber dem Vor-Corona-Niveau.

Für die europäische Aluminiumindustrie und die handelspolitische Steuerung ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Während die Diversifizierung der Importquellen ein positives Signal ist, birgt die zunehmende Konzentration auf die Türkei sowie die schwindende heimische Produktionsbasis mittelfristig strategische Risiken — insbesondere angesichts geopolitischer Unsicherheiten und der europäischen Klimaschutzambitionen, die energieintensive Industrien vor besondere Herausforderungen stellen.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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