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Marktentwicklung: Acryllacke (CN 320820) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 320820 erfasst Anstrichfarben und Lacke auf der Grundlage von Acryl- oder Vinylpolymeren, die in einem nichtwässrigen Medium dispergiert oder gelöst sind, sowie Lösungen auf Basis dieser Polymere in flüchtigen organischen Lösemitteln (Lösungsmittelanteil > 50 Gew.-%). Der Code umfasst zwei Unterpositionen: 32082090 (Dispersionslacke) und 32082010 (Lösungen in flüchtigen Lösemitteln). Die hier analysierte Periode 2015–2025 ist durch drei zentrale Entwicklungen geprägt: ein stark wachsender Exportüberschuss der EU, substanzielle Preissteigerungen als dominanter Werttreiber sowie geopolitische Schocks, die zu einer deutlichen Umstrukturierung der Handelspartner geführt haben. Der folgende Bericht analysiert diese Dynamiken anhand der vorliegenden Handels-, Produktions- und Konzentrationsdaten.


1. Aufstieg zum starken Nettoexporteur: Die EU festigt ihre Außenhandelsposition

1.1 Exportüberschuss verdoppelt sich nahezu über den Betrachtungszeitraum

Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur von Acryllacken im Zeitraum 2015–2025 erheblich ausgebaut. Der Handelsüberschuss stieg von 407 Mio. € (2015) auf 681 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 67,3 % entspricht. Im selben Zeitraum wuchsen die Exporte von 598 Mio. € auf 921 Mio. € (+54,0 %), während die Importe von 191 Mio. € auf 240 Mio. € zulegten (+25,7 %). Die EU exportiert damit fast viermal soviel Acryllacke wie sie importiert.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 598 921 +54,0 %
Importwert (Mio. €) 191 240 +25,7 %
Handelsbilanz (Mio. €) 407 681 +67,3 %
Exportmenge (t) 117.440 133.565 +13,7 %
Importmenge (t) 41.492 38.838 −6,4 %

Die mengenmäßige Entwicklung fällt dabei deutlich moderater aus als die Wertentwicklung: Die Exportmenge stieg um lediglich 13,7 %, die Importmenge sank sogar um 6,4 %. Daraus ergibt sich, dass der überwiegende Teil des Wertwachstums auf Preissteigerungen zurückzuführen ist (dazu ausführlicher in Abschnitt 2).

1.2 Steigende Handelsintensität und Exportquote

Die Handelsintensität — also der Anteil der Produktion, der im Außenhandel eine Rolle spielt — stieg von 27,7 % (2015) auf 50,3 % (2025), was einer Zunahme von 81,4 % entspricht. Noch dynamischer entwickelte sich die Exportquote: Diese verdoppelte sich nahezu von 21,1 % auf 44,3 % (+109,7 %). Die EU produziert also einen immer größeren Anteil ihrer Acryllacke für den Export.

Die Netto-Importabhängigkeit — gemessen als (Importe − Exporte) / Produktion — lag 2015 bei −13,7 % und sank bis 2025 auf −47,7 %. Der negative Wert bedeutet, dass die EU Nettoexporteur ist; die Zunahme des negativen Werts zeigt, dass die EU ihre Exportabhängigkeit vom Rest der Welt kontinuierlich ausgeweitet hat. Die Acrylack-Industrie der EU ist damit ein klarer Profiteur der Globalisierung in diesem Segment.

1.3 Deutschland als unbestrittener Motor der EU-Produktion und des Exports

Innerhalb der EU ist die Produktion und der Export stark konzentriert. Deutschland dominiert mit einem Exportanteil von rund 33 % am EU-Gesamtexport und einem Produktionsanteil von ebenfalls über 33 %. Die deutschen Exporte stiegen von 226 Mio. € auf 318 Mio. € (+40,9 %).

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. €) Exporte 2025 (Mio. €) Veränderung
Deutschland 226 318 +40,9 %
Belgien 98 125 +27,9 %
Niederlande 76 89 +17,1 %
Italien 48 85 +75,9 %
Frankreich 25 53 +109,6 %
Polen 28 48 +67,2 %
Spanien 23 68 +192,3 %

Besonders auffällig ist das Wachstum bei Spanien (+192,3 %), Frankreich (+109,6 %) und Italien (+75,9 %). Diese drei Länder haben ihren Exportanteil über den Betrachtungszeitraum deutlich ausgebaut, während Deutschland trotz absoluter Dominanz relativ gesehen etwas Boden verlor.


2. Preisgetriebenes Wertwachstum in beiden Handelssegmenten

2.1 Steigende Preise als dominanter Wachstumstreiber

Die Analyse der Preisentwicklung zeigt ein einheitliches Bild: In beiden Segmenten und sowohl bei Importen als auch bei Exporten sind die Preissteigerungen der Haupttreiber des Wertwachstums. Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 5.093 €/t auf 6.894 €/t (+35,4 %), der Importpreis von 4.605 €/t auf 6.185 €/t (+34,3 %). Demgegenüber steht ein mengenmäßiges Exportwachstum von nur 13,7 % und ein Rückgang der Importmengen um 6,4 %.

Kennzahl 2015 (€/t) 2025 (€/t) Veränderung
Exportpreis 5.093 6.894 +35,4 %
Importpreis 4.605 6.185 +34,3 %
Exportpreis 32082090 (Dispersionslacke) 5.053 7.015 +38,8 %
Exportpreis 32082010 (Lösungen) 5.212 6.529 +25,3 %
Importpreis 32082090 (Dispersionslacke) 4.463 6.410 +43,6 %
Importpreis 32082010 (Lösungen) 5.179 5.437 +5,0 %

Die Daten deuten auf mehrere mögliche Ursachen hin: gestiegene Rohstoffkosten (insbesondere Acryl- und Vinylpolymer-Rohstoffe sowie flüchtige organische Lösemittel), höhere Energiekosten in der Produktion sowie eine generelle Inflationsentwicklung. Die Preissteigerung bei den Importen und Exporten verlief weitgehend parallel, was auf einen globalen Kostentreiber hindeutet.

2.2 Segmentvergleich: Dispersionslacke dominieren, Lösungen zeigen andere Dynamik

Das Segment 32082090 (Anstrichfarben und Lacke in nichtwässrigem Medium) dominiert sowohl den Import- als auch den Exportmarkt mit rund 76 % bzw. 80 % des jeweiligen Gesamtwerts. Die Exportmengen dieses Segments lagen 2025 bei 100.180 t (Wert: 703 Mio. €), die des Segments 32082010 (Lösungen in flüchtigen Lösemitteln) bei 33.385 t (Wert: 218 Mio. €).

Segment Exportwert 2025 (Mio. €) Exportmenge 2025 (t) Preis 2025 (€/t)
32082090 – Dispersionslacke 703 100.180 7.015
32082010 – Lösungen in VOC 218 33.385 6.529

Besonders bemerkenswert ist die Preisentwicklung im Importbereich: Während der Importpreis für Dispersionslacke (32082090) um 43,6 % stieg, erhöhte sich der Importpreis für die Lösungen (32082010) lediglich um 5,0 %. Dieser Unterschied könnte auf eine stärkere Wettbewerbssituation bei den VOC-haltigen Lösungen hindeuten, bei denen alternative Lieferländer einen stärkeren Preisdruck ausüben.

2.3 Produktionswachstum vor allem preisgetrieben

Die EU-Produktion von Acryllacken wuchs mengenmäßig lediglich von 469 Mio. kg auf 481 Mio. kg (+2,5 %), wohingegen der Produktionswert von 1,58 Mrd. € auf 2,09 Mrd. € stieg (+32,0 %). Der durchschnittliche Produktionswert pro kg erhöhte sich damit von 3,38 €/kg auf 4,35 €/kg (+28,7 %). Dies bestätigt die Erkenntnis, dass die gesamte Wertschöpfungskette — von der Produktion bis zum Außenhandel — in erster Linie durch Preis- und weniger durch Mengeneffekte getrieben wird.


3. Geopolitische Schocks und Umstrukturierung der Handelspartner

3.1 Russland-Embargo als einschneidendster Einzelereignis

Der dramatischste Einbruch im Betrachtungszeitraum ist der Zusammenbruch der EU-Exporte nach Russland. Russland war 2015 mit 67 Mio. € der drittgrößte Exportmarkt der EU; 2025 beliefen sich die Exporte auf nur noch 85.000 € — ein Rückgang von nahezu 100 %. Der Schock wurde als „supply"-Schock mit einer Abnormalität von 4,2 klassifiziert und datiert auf das Jahr 2023. Dies ist klar auf die Sanktionspolitik der EU als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückzuführen. Der Verlust dieses bedeutenden Marktes wurde jedoch durch Wachstum in anderen Destinationen weitgehend kompensiert.

Partnerland Exporte 2015 (Mio. €) Exporte 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 86 108 +25,5 %
Türkei 42 97 +134,3 %
Russland 67 0,085 −99,9 %
Vereinigte Staaten 42 92 +121,0 %
China 43 48 +12,9 %
Schweiz 38 41 +8,3 %
Ukraine 12 26 +121,5 %

3.2 Türkei und USA als dynamische Wachstumsmärkte

Die Türkei hat sich mit einem Anstieg von 42 Mio. € auf 97 Mio. € (+134,3 %) zum zweitgrößten Exportmarkt der EU entwickelt. Auch die Exporte in die Vereinigten Staaten verdoppelten sich nahezu von 42 Mio. € auf 92 Mio. € (+121,0 %). Die Ukraine als Nachbarland des Konflikts verzeichnete ebenfalls ein starkes Exportwachstum (+121,5 %), was auf einen gestiegenen Bedarf an Beschichtungsmaterialien im Kontext des Wiederaufbaus und der industriellen Aktivität hindeuten könnte.

Auf der Importseite fällt das massive Wachstum der Einfuhren aus China auf: von 2,2 Mio. € auf 16,5 Mio. € (+664,2 %). Zwar bleibt China in absoluten Zahlen hinter dem Vereinigten Königreich (138 Mio. €) und der Schweiz (32 Mio. €) zurück, doch das prozentuale Wachstum ist bemerkenswert. Gleichzeitig sanken die Importe aus der Schweiz um 25,8 %, was auf eine Verlagerung der Beschaffungsströme hindeuten könnte.

3.3 Volatilität und Konzentration der Handelsbeziehungen

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient, CV) zeigt erwartungsgemäß die höchste Schwankung bei den Exporten nach Russland (CV: 0,70), gefolgt von Serbien (0,21) und der Ukraine (0,22). Auf der Importseite weisen Korea (0,49), die Türkei (0,49) und Indien (0,44) die höchsten Schwankungen auf, während die Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich bemerkenswert stabil sind (CV: 0,09).

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Exporte lag 2025 bei 527 (nach Werten) und ist damit niedrig, was eine breite Diversifizierung der Exportmärkte bestätigt. Der Import-HHI lag dagegen bei 3.621, was auf eine deutlich höhere Konzentration hindeutet — in erster Linie bedingt durch die dominante Rolle des Vereinigten Königreichs als Importquelle. Die EU-Exporte haben sich über den Zeitraum hinweg noch leicht diversifiziert (HHI-Rückgang von 595 auf 527), während die Importkonzentration nahezu unverändert blieb.

3.4 Spezialisierung innerhalb der EU ist ungleich verteilt

Die Analyse der komparativen Kostenvorteile (RSCA) zeigt ein klares Spezialisierungsmuster innerhalb der EU. Slowenien (RSCA: 0,45), Belgien (0,33), Schweden (0,23) und Deutschland (0,22) weisen die höchste Spezialisierung auf Acryllacke auf. Am anderen Ende des Spektrums stehen Irland (RSCA: −1,00), Malta (−1,00) und Luxemburg (−0,89), die in diesem Segment kaum exportieren. Dieses Muster spiegelt die traditionelle Stärke der chemischen Industrie in Mitteleuropa wider — insbesondere in Deutschland, Belgien und Schweden, wo große Lackhersteller ansässig sind.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Acryllacke (CN 320820) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem moderaten Nettoexporteur zu einem stark exportorientierten Sektor entwickelt. Der Handelsüberschuss stieg um 67,3 % auf 681 Mio. €, wobei die Exportquote sich auf 44,3 % mehr als verdoppelte. Allerdings ist dieses Wachstum vor allem preis- und weniger mengengetrieben: Die Exportpreise legten um 35,4 % zu, während die Exportmengen nur um 13,7 % stiegen. Die EU-Produktion verzeichnete mengenmäßig nur ein Plus von 2,5 %, wertmäßig jedoch von 32,0 %.

Der einschneidendste Strukturbruch war der nahezu vollständige Wegfall der Exporte nach Russland (−99,9 %), der jedoch durch starkes Wachstum in der Türkei (+134,3 %) und den USA (+121,0 %) kompensiert werden konnte. Auf der Importseite gewann China als Lieferant stark an Bedeutung (+664,2 %). Deutschland bleibt mit großem Abstand der wichtigste Produzent und Exporteur innerhalb der EU, doch Länder wie Spanien, Frankreich und Italien haben ihre Exporte überproportional ausgebaut. Die Exportmärkte sind breit diversifiziert (HHI: 527), während die Importe deutlich konzentrierter sind (HHI: 3.621), was die EU in puncto Beschaffung anfälliger für Lieferunterbrechungen einzelner Partner macht. Insgesamt zeigt der Markt eine stabile, exportorientierte Grundtendenz mit einer klaren Verschiebung der Handelsströme als Reaktion auf geopolitische Ereignisse.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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