Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Acryllack (CN 32082090) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union für den Zollcode 32082090 — Anstrichfarben und Lacke auf der Grundlage von Acryl- oder Vinylpolymeren, in einem nichtwässrigen Medium dispergiert oder gelöst im Zeitraum von 2015 bis 2025. Dieses Produkt fällt unter die kombinierte Nomenklaturposition 3208 – Lackfarben und Lacke auf Basis synthetischer Polymere in nichtwässrigem Medium – und wird innerhalb der EU auch dem PRODCOM-Code 20.30.12.50 zugeordnet.

Die EU hat sich im untersuchten Zeitraum zunehmend als Nettoexporteur etabliert. Drei zentrale Entwicklungslinien prägen die Dekade: erstens ein robustes Exportwachstum bei steigenden Handelsüberschüssen, zweitens eine geopolitisch bedingte Umorientierung der Handelspartnerstruktur und drittens ein deutlicher Preiseffekt, der die mengenmäßige Entwicklung weit übertrifft.


1. Die EU festigt ihre Position als führender Nettoexporteur mit wachsenden Überschüssen

Das Exportvolumen übertraf 2025 die Marke von 700 Mio. € und wuchs deutlich stärker als die Einfuhren

Die EU-Exporte dieses Produktbereichs stiegen im Betrachtungszeitraum von 445,6 Mio. € (2015) auf 703,2 Mio. € (2025), was einem Zuwachs von 57,8 % entspricht. Die Importe wuchsen im selben Zeitraum deutlich schwächer – von 148,5 Mio. € auf 191,3 Mio. € (+28,9 %). Der Handelsbilanzüberschuss verdoppelte sich nahezu: von 297,1 Mio. € auf 511,9 Mio. € (+72,3 %). Damit setzte sich der EU-weite Trend einer sich vertiefenden Eignerposition auf dem Weltmarkt für Acryllacke fort.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte
Wert (Mio. €) 445,6 703,2 +57,8 %
Menge (t) 88.186 100.180 +13,6 %
Preis (€/t) 5.053 7.015 +38,8 %
Importe
Wert (Mio. €) 148,5 191,3 +28,9 %
Menge (t) 33.269 29.843 −10,3 %
Preis (€/t) 4.463 6.410 +43,6 %
Handelsbilanz (Mio. €) 297,1 511,9 +72,3 %

(Quelle: Gesamtübersicht)

Handelsintensität und Exportaffinität haben sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt

Die zunehmende Exportorientierung spiegelt sich in zwei zentralen Indikatoren wider. Die Handelsintensität (Exporte + Importe in Relation zur Produktion) stieg von 28,1 % auf 56,7 % – eine Verdopplung um 102,1 %. Noch deutlicher nahm die Exportaffinität zu: von 21,2 % auf 51,0 % (+140,9 %). Zugleich verschärfte sich die negative Netto-Importabhängigkeit von −13,0 % auf −60,3 % – die EU exportierte zuletzt fast sechsmal so viel, wie sie importierte (gemessen am Produktionsvolumen). Diese Werte unterstreichen, dass der Acryllacksektor zu einem strategischen Exporteuropäischen Gewerbe geworden ist.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität (%) 28,1 56,7 +102,1 %
Exportaffinität (%) 21,2 51,0 +140,9 %
Netto-Importabhängigkeit (%) −13,0 −60,3 −362,6 %*

* Der negative prozentuale Veränderungswert reflektiert die Vertiefung der Nettoexportposition.

Ein breit diversifiziertes Exportportfolio mindert Konzentrationsrisiken

Die Konzentration der Exportziele (gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index, HHI) sank von 604 auf 565 – ein Zeichen für zunehmende Diversifikation der Absatzmärkte. Demgegenüber blieb die Konzentration der Importquellen mit einem HHI von 4.203 auf 4.131 unverändert hoch. Dies liegt vor allem am starken Gewicht des Vereinigten Königreichs, das 2025 rund 62 % der gesamten EU-Importe in diesem Produktsegment stellte. Die asymmetrische Konzentration – breit diversifizierte Exporte bei stark konzentrierten Importen – bedeutet, dass die EU bei den Exporten widerstandsfähig gegen einzelne Marktausfälle ist, während die Importseite stärker auf wenige Partner angewiesen bleibt.


2. Geopolitische Umbrüche verlagern die Handelsströme nachhaltig

Russland als ehemals drittgrößter Exportmarkt brach nach den Sanktionen vollständig weg

Die dramatischste Einzelveränderung im Partnergefüge betraf die Russische Föderation auf dem Exportmarkt. Im Jahr 2015 exportierte die EU Acryllack im Wert von 55,5 Mio. € nach Russland – die Russische Föderation war damit der drittgrößte Einzelmarkt. Im Jahr 2025 belief sich der verbleibende Exportwert auf lediglich 1.283 €. Der Rückgang von −100,0 % ist unmittelbar auf die nach dem Angriff auf die Ukraine verhängten EU-Sanktionen zurückzuführen. Der Wegfall dieses Marktes stellte eine erhebliche strukturelle Herausforderung dar, da er in absoluten Zahlen einen Exportanteil von rund 12,4 % des Jahres 2015 repräsentierte.

Die Türkei und die USA füllten die Marktlücke und wurden zu den dynamischsten Absatzmärkten

Zwei Schlüsselmärkte kompensierte den Russland-Verlust überproportional. Die EU-Exporte in die Türkei stiegen von 33,1 Mio. € auf 78,2 Mio. € (+136,2 %), was die Türkei zum zweitgrößten Exportziel der EU machte. In die Vereinigten Staaten exportierte die EU 68,6 Mio. € (+143,2 %). Auch die Ukraine verzeichnete ein robustes Wachstum auf 20,2 Mio. € (+92,5 %). Diese drei Märkte zusammen gewannen 2015–2025 rund 111,3 Mio. € an Exportvolumen hinzu und überkompensierten den Russland-Verlust von 55,5 Mio. € um ein Vielfaches.

Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 60,9 80,9 +32,8 %
Türkei 33,1 78,2 +136,2 %
Russische Föderation 55,5 0,0 −100,0 %
Vereinigte Staaten 28,2 68,6 +143,2 %
China 31,0 40,5 +30,7 %
Schweiz 28,3 31,9 +12,7 %
Ukraine 10,5 20,2 +92,5 %

China verfünffachte seine Einfuhren in die EU, während das Vereinigte Königreich die Importdominanz ausbaute

Auf der Importseite verschob sich die Struktur ebenfalls. China steigerte seine Lieferungen in die EU von 1,8 Mio. € auf 12,7 Mio. € – ein Anstieg von beachtlichen 614,4 %. In Relation zum Gesamtimportvolumen bleibt China mit einem Anteil von 6,6 % dennoch ein Nischenakteur. Der Vereinigtes Königreich als mit Abstand größter Importpartner baute seinen Anteil von 91,0 Mio. € auf 119,0 Mio. € aus (+30,9 %). Die Schweiz als zweitgrößter Importpartner verlor hingegen leicht (29,6 → 22,9 Mio. €, −22,5 %). Diese Entwicklungen deuten auf eine langsame Diversifikation der Importquellen hin – weg von traditionell westeuropäischen Partnern, hin zu asiatischen Anbietern.

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 91,0 119,0 +30,9 %
Schweiz 29,6 22,9 −22,5 %
Türkei 4,9 8,4 +71,6 %
China 1,8 12,7 +614,4 %
Vereinigte Staaten 8,0 9,4 +18,3 %
Norwegen 1,9 1,7 −9,1 %
Indien 1,0 1,2 +27,0 %

Aufschlussreich ist auch die Bilanz der Schwankungsintensität auf Partnerbasis. Die Exporte in die Türkei (Variationskoeffizient 0,22) und in die Ukraine (0,18) zeigen moderate Schwankungen, was auf stabile, wenn auch wachsende Handelsbeziehungen hindeutet. Importschwankungen aus China (0,25) und Indien (0,45) sind dagegen stärker volatil – ein Hinweis auf eine noch fragile Handelsstruktur mit aufstrebenden Lieferanten. Gravierende Preisschocks traten 2022 bei Exporten nach Brasilien (Abnormalität 16,9, Preisanstieg +16,8 %), Südkorea (6,6, +22,7 %) und Australien (4,5, +29,7 %) auf – konsistent mit den globalen Lieferkettenstörungen und Energiepreisspitzen nach Beginn des Ukraine-Kriegs.


3. Preisgetriebenes Wachstum bei weitgehend stabiler Mengenentwicklung

Steigende Einheitspreise erklären mehr als zwei Drittel des Exportwertzuwachses

Ein zentrales Strukturmerkmal der Dekade ist die Dominanz von Preiseffekten gegenüber Mengenwachstum. Die Exportpreise stiegen um 38,8 % (von 5.053 €/t auf 7.015 €/t), während die exportierte Menge lediglich um 13,6 % wuchs (von 88.186 t auf 100.180 t). Rechnerisch ließe sich der Exportwertzuwachs von 257,6 Mio. € rein mengenseitig nur mit rund 62 Mio. € erklären; der Rest – gut 76 % – ist preisinduziert. Dieselbe Dynamik zeigt sich auf der Importseite: die eingeführte Menge sank sogar um 10,3 % (von 33.269 t auf 29.843 t), doch die Importpreise stiegen mit +43,6 % (von 4.463 €/t auf 6.410 €/t) sogar noch stärker als die Exportpreise. Der Importwert wuchs trotz gesunkener Mengen um 42,8 Mio. €. Diese Preisentwicklung ist vermutlich sowohl auf gestiegene Rohstoff- und Energiekosten als auch auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen, spezialisierten Produktsorten zurückzuführen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (€/t) 5.053 7.015 +38,8 %
Importpreis (€/t) 4.463 6.410 +43,6 %
Preisdifferenz Export/Import (%) +13,2 % +9,4 %

(Quelle: Gesamtübersicht)

Interessanterweise näherten sich die Export- und Importpreise im Zeitverlauf leicht an: die Preisschere zwischen EU-Exporten und -Importen schloss sich von 13,2 % (2015) auf 9,4 % (2025). Dies könnte auf eine Angleichung der Produktqualität oder auf einen stärkeren Wettbewerbsdruck auf den Importmärkten hindeuten.

Die EU-Produktion blieb mengenmäßig nahezu stabil, der Produktionswert stieg jedoch um fast 20 %

Die inländische Produktionsentwicklung bestätigt das Muster der Preisdominanz. Die Produktionsmenge stagnierte nahezu: von 346.786 t im Jahr 2015 auf 351.014 t im Jahr 2025 (+1,2 %). Der Produktionswert verdagegen stieg von 1,205 Mrd. € auf 1,443 Mrd. € (+19,8 %). Im Minimum – vermutlich pandemiebedingt – fiel die Produktionsmenge auf 259.177 t, stieg danach jedoch bis auf einen Höchstwert von 437.522 t (2022) wieder an. Der tendenziell flache Mengentrend bei gleichzeitig steigenden Werten zeigt, dass die EU-Lackindustrie über Preisgestaltungskraft verfügt, die Produktionsmengen aber nicht nennenswert ausweiten konnte – ein Hinweis auf reifende Märkte, Kapazitätsgrenzen oder regulatorische Rahmenbedingungen.

Deutschland dominiert die Exporte, während südeuropäische Mitgliedstaaten am stärksten wuchsen

Innerhalb der EU-Mitgliedstaaten konzentriert sich der Export im Wesentlichen auf sieben Staaten. Deutschland als spezialisiertester und größter Produzent exportierte 2025 Acryllack im Wert von 230,3 Mio. € und hielt damit 32,7 % des gesamten EU-Exportvolumens. Die relativen Wachstumsraten zeigen jedoch eine bemerkenswerte Verschiebung: Spanien (+209,8 %), Frankreich (+125,8 %) und Italien (+75,6 %) wuchsen überdurchschnittlich stark, was auf eine Diversifizierung der europäischen Produktions- und Exportbasis hindeutet.

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Deutschland 149,3 230,3 +54,3 %
Belgien 77,8 88,8 +14,1 %
Niederlande 54,7 68,9 +26,0 %
Italien 34,0 59,7 +75,6 %
Polen 26,1 40,5 +55,5 %
Spanien 19,3 59,6 +209,8 %
Frankreich 20,9 47,3 +125,8 %

(Quelle: Berichterstatter nach Exportwert)

Auf der Importseite dominiert Italien mit einem Zuwachs von 9,7 Mio. € auf 26,5 Mio. € (+172,9 %), gefolgt von Belgien (5,9 → 33,8 Mio. €, +473,2 %), wobein Belgiens starker Anstieg möglicherweise auf eine Ausweitung der Hafenfunktion (Antwerpen/Rotterdam) als Umschlagplatz für Drittlandslieferungen zurückzuführen ist. Die Niederlande verzeichneten als traditioneller Handelsknoten dagegen einen Rückgang der Importe (30,4 → 17,6 Mio. €, −42,0 %).


Fazit

Der EU-Markt für Acryllack (CN 32082090) hat sich zwischen 2015 und 2025 tiefgreifend transformiert. Drei Kernbefunde verdichten sich:

  1. Strukturelle Exportstärke. Die EU hat sich zu einem substanziellen Nettoexporteur entwickelt. Der Handelsbilanzüberschuss wuchs um 72,3 % auf 511,9 Mio. €, die Exportaffinität mehr als verdoppelte sich. Die EU produziert Acryllack nicht nur für den Binnenmarkt, sondern zunehmend für die Welt.

  2. Geopolitische Neuausrichtung. Der vollständige Verlust des russischen Marktes (−100 %) wurde durch dynamisches Wachstum in der Türkei (+136 %) und den USA (+143 %) sowie durch Ukraine-Stabilisierung mehr als kompensiert. China avancierte zum am schnellsten wachsenden Importpartner (+614 %). Die Handelsströme haben sich damit von Osteuropa nach Nahost und den transatlantischen Raum verlagert.

  3. Preisdominanz ohne Mengenwachstum. In der gesamten Wertschöpfungskette – von der Produktion über Exporte bis zu den Importen – überwiegt der Preiseffekt die Mengendynamik. Die EU-Produktion stagnierte mengenmäßig bei steigendem Produktionswert. Dies legt nahe, dass die europäische Acryl- und Vinylpolymer-Lackindustrie in einer Phase moderater Reife angelangt ist, in der margengetriebene Strategien an die Stelle von Volumenwachstum getreten sind.

Die zukünftige Herausforderung liegt in der Abhängigkeit vom Vereinigten Königreich als dominantem Importpartner (HHI > 4.100), der Sichtbarkeit neuer Abnehmer in Schwellenmärkten und der Frage, ob die preisinduzierte Wertschöpfungssteigerung angesichts möglicher Nachfrageeinbrüche und Rohstoffkostensteigerungen nachhaltig ist.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.