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Marktentwicklung: Abfälle und Schrott von Silber, einschl. Silberplattierungen, und andere Abfälle und Schrott, Silber oder Silberverbindungen enthaltend, von der hauptsächlich zur Wiedergewinnung von Edelmetallen verwendeten Art (ausg. Aschen, eingeschmolzener und zu Rohblöcken, Masseln oder zu ähnl. Formen gegossener Abfall und Schrott sowie Abfälle oder Schrott von elektrischen und elektronischen Geräten unter Pos. 8549) (CN 711299) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Silberabfällen und -schrott (Zolltarifnummer 711299) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die CN-Position 711299 erfasst Abfälle und Schrott von Silber, einschließlich Silberplattierungen, sowie andere Abfälle und Schrott, die Silber oder Silberverbindungen enthalten, soweit sie hauptsächlich zur Wiedergewinnung von Edelmetallen verwendet werden. Ausgenommen sind Aschen (Pos. 711230), eingeschmolzener und zu Rohblöcken gegossener Schrott sowie Abfälle von elektrischen und elektronischen Geräten (Pos. 8549). Auf der Ebene der EU-Produktion ist dieses Produkt dem Prodcom-Code 38.32.21.10 (Sekundärrohstoffe aus Silber) zugeordnet.

Im analysierten Zeitraum zeigt sich ein Bild des starken Wachstums, fundamentaler struktureller Verschiebungen bei Handelspartnern und erheblicher Preisdynamik, die insgesamt auf einen Markt im Umbruch hindeuten — getrieben von der steigenden Nachfrage nach recyceltem Silber im Kontext der Energiewende und der wachsenden Bedeutung der Kreislaufwirtschaft.

Weitere Informationen zur Produktdefinition finden Sie unter: Umfang & Definitionen.


1. Explosionsartiges Exportwachstum: Von der Importabhängigkeit zum Exporteur mit globaler Reichweite

Die auffälligste Entwicklung im Zeitraum 2015–2025 ist das außerordentliche Wachstum der EU-Exporte von Silberabfällen und -schrott. Während die Einfuhren zwar ebenfalls stiegen, war das Exportwachstum weit dynamischer und veränderte die Handelsstruktur der EU grundlegend.

1.1 Die Exporte vervierfachten sich im Wert, während die Einfuhren „nur" verdoppelt wurden

Die EU-Exporte stiegen von 325,5 Mio. € (2015) auf 1.895,3 Mio. € (2025), was einem Wachstum von 482,2 % entspricht. Im selben Zeitraum wuchsen die Einfuhren von 1.337,6 Mio. € auf 2.587,3 Mio. € (+93,4 %). Der Handelsbilanzdefizit verbesserte sich entsprechend von −1.012,1 Mio. € auf −692,0 Mio. € (+31,6 %). Die EU bleibt zwar Nettoimporteur — die Nettoimportabhängigkeit lag 2024 bei 95,2 % — doch das Exportwachstum zeigt eine zunehmende Fähigkeit der EU, Silberabfälle auf dem Weltmarkt zu vermarkten.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. €) 0,33 1,90 +482,2 %
Importwert (Mrd. €) 1,34 2,59 +93,4 %
Handelsbilanz (Mrd. €) −1,01 −0,69 +31,6 %
Exportmenge (t) 14.759 16.528 +12,0 %
Importmenge (t) 30.830 36.477 +18,3 %
Exportpreis (€/t) 22.057 114.664 +419,9 %
Importpreis (€/t) 43.386 70.927 +63,5 %

Quelle: Allgemeine Übersicht

1.2 Preistreibende Dynamik: Exportpreise explodierten um 420 %

Das Exportwachstum wurde fast vollständig von Preissteigerungen getragen. Die Exportpreise stiegen von 22.057 €/t (2015) auf 114.664 €/t (2025) — ein Anstieg um 419,9 %. Demgegenüber stiegen die Importpreise im gleichen Zeitraum nur um 63,5 % (von 43.386 €/t auf 70.927 €/t). Die Mengenentwicklung fiel vergleichsweise moderat aus: Exportmengen wuchsen um 12,0 % und Importmengen um 18,3 %. Dies deutet darauf hin, dass der Silbergehalt der exportierten Abfälle sich verbessert hat — die EU exportiert zunehmend hochwertigere, Silber-reichere Abfälle zu deutlich höheren Preisen. Die starke Preisdynamik reflektiert den weltweiten Silberpreisanstieg sowie die steigende Nachfrage nach Sekundärrohstoffen.

1.3 Deutschland und Polen als Triebkräfte des Exportbooms

Die Analyse der EU-Mitgliedstaaten als Hauptexporteure zeigt eine extreme Konzentration des Exportwachstums auf wenige Länder:

Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. €) Exporte 2025 (Mio. €) Veränderung
Deutschland 94,5 1.446,2 +1.430,6 %
Polen 3,5 154,2 +4.341,7 %
Italien 26,9 93,7 +248,1 %
Schweden 27,8 39,1 +40,6 %
Frankreich 25,7 44,2 +71,6 %
Tschechien 66,9 13,4 −79,9 %
Niederlande 5,2 6,2 +18,9 %

Deutschland allein steigerte seine Exporte von 94,5 Mio. € auf 1.446,2 Mio. € (+1.430,6 %) und dominierte 2025 mit einem Anteil von rund 76 % an den gesamten EU-Exporten. Polen verzeichnete ein noch spektakuläreres relatives Wachstum (+4.341,7 %) und stieg vom Nischenakteur zum zweitgrößten EU-Exporteur auf. Demgegenüber verloren Tschechien und die Niederlande an Bedeutung im Exportgeschäft.


2. Struktureller Wandel der Importquellen: Diversifizierung und geopolitische Umbrüche

Die Importseite zeigt eine bemerkenswerte Diversifizierung der Lieferantenbeziehungen, die sowohl von wirtschaftlichen als auch von geopolitischen Faktoren geprägt ist.

2.1 Die USA bleiben der dominierende Lieferant, verlieren aber Marktanteile

Die Vereinigten Staaten waren über den gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Lieferant von Silberabfällen an die EU. Die Importe aus den USA stiegen von 702,6 Mio. € (2015) auf 1.167,9 Mio. € (2025), was einem Wachstum von 66,2 % entspricht. Allerdings sank der Anteil der USA an den gesamten EU-Importen erheblich — von über 52 % (2015) auf rund 45 % (2025). Das Importmaximum wurde 2021 mit 1.905,0 Mio. € erreicht, gefolgt von einem Rückgang in den Folgejahren. Dies reflektiert eine gewisse Sättigung bzw. eine Verlagerung der EU-Bezugsquellen.

2.2 Die Türkei und die Schweiz als dynamische Wachstumsmärkte

Zwei Partner verzeichneten ein außergewöhnliches Wachstum bei den EU-Importen von Silberabfällen:

Partnerland Importe 2015 (Mio. €) Importe 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkei 34,8 240,2 +590,1 %
Schweiz 88,8 303,3 +241,4 %
Australien 0,7 21,5 +3.051,7 %
Vereinigtes Königreich 153,9 293,1 +90,4 %
Peru 26,9 4,7 −82,6 %

Die Türkei entwickelte sich von einem mittleren Lieferanten (34,8 Mio. €) zum viertwichtigsten Importpartner (240,2 Mio. €). Dies kann mit der Expansion türkischer Recyclingkapazitäten und der geografischen Nähe erklärt werden. Die Schweiz, als traditionelles Edelmetallzentrum, verdreifachte ihre Exporte an die EU nahezu. Peru hingegen, einst ein relevanter Lieferant (26,9 Mio. €), verlor drastisch an Bedeutung (−82,6 %), was auf schwankende Minenproduktion und veränderte Exportströme hindeuten könnte.

2.3 Der vollständige Wegfall Russlands als Lieferant nach 2021

Ein besonders markantes Ereignis ist das vollständige Verschwinden Russlands als Lieferant von Silberabfällen. Bis 2020 importierte die EU regelmäßig Silberabfälle aus Russland (z. B. 2.290 t im Jahr 2020). Ab 2022 brachen diese Importe auf null zusammen — ein direktes Ergebnis der Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine. Die Daten zeigen eine Anomalie im Jahr 2021: Die Menge sank bereits auf 312 t bei gleichzeitig extrem gestiegenem Preis (39.489 €/t vs. Baseline 14.968 €/t), was auf eine Verringerung der Handelsbeziehungen noch vor den formalen Sanktionen hindeuten könnte. Dieses „Supply-Shock"-Ereignis mit einer Abnormalität von 71,3 war eines der signifikantesten im gesamten Zeitraum.

2.4 Italien und Deutschland als größte EU-Importeure

Auf der Importeur-Seite innerhalb der EU dominieren Italien und Deutschland:

Mitgliedstaat Importe 2015 (Mio. €) Importe 2025 (Mio. €) Veränderung
Italien 815,2 1.250,8 +53,4 %
Deutschland 440,5 595,3 +35,1 %
Belgien 348,8 (2016) 497,0 +42,5 %
Spanien 20,5 76,7 +273,7 %
Polen 1,3 25,3 +1.885,6 %
Litauen 9,0 19,2 +113,2 %

Italien behauptete über den gesamten Zeitraum seine Position als größter EU-Importeur (815,2 Mio. € → 1.250,8 Mio. €). Deutschland erreichte sein Importmaximum 2021 mit 1.555,8 Mio. €, sank danach aber deutlich ab. Spanien und Polen verzeichneten überproportionales Wachstum, was auf die Entstehung neuer Recyclingkapazitäten in diesen Ländern hindeuten könnte.


3. Steigende Exportkonzentration und wachsende Verwundbarkeit des Marktes

Die strukturelle Analyse des Marktes offenbart eine zunehmende Konzentration der Exporte bei gleichzeitiger Diversifizierung der Importe — ein Spannungsfeld, das die EU-Handelsposition mit Silberabfällen prägt.

3.1 Exportkonzentration stieg um 88 %, Importkonzentration sank um 19 %

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) als Maß für Marktkonzentration zeigt gegenläufige Entwicklungen:

Indikator 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.992 2.418 −19,2 %
HHI Exporte (Wert) 2.604 4.900 +88,2 %

Der Rückgang der Importkonzentration (von 2.992 auf 2.418) signalisiert eine Diversifizierung der Bezugsquellen — die EU bezieht Silberabfälle aus einer breiteren Basis von Lieferanten. Demgegenüber stieg die Exportkonzentration stark an (von 2.604 auf 4.900), was bedeutet, dass die EU-Exporte sich zunehmend auf wenige Bestimmungsländer konzentrieren. Im Jahr 2025 entfielen große Teile der Exporte auf die Schweiz (1.283,4 Mio. €) — ein einzelnes Land absorbierte damit rund 68 % der gesamten EU-Exporte. Diese extreme Konzentration birgt ein erhebliches Risiko: Störungen im Handel mit der Schweiz könnten den gesamten EU-Exportmarkt empfindlich treffen.

3.2 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU: Deutschland, Niederlande und Litauen führen

Die Spezialisierungsanalyse (basierend auf dem Revealed Symmetric Comparative Advantage, RSCA) für 2025 zeigt, dass nur wenige EU-Mitgliedstaaten eine ausgeprägte Spezialisierung im Handel mit Silberabfällen aufweisen:

Mitgliedstaat RSCA RCA Produktionsanteil
Litauen 0,785 8,32 5,2 %
Niederlande 0,381 2,23 32,4 %
Deutschland 0,298 1,85 39,1 %
Bulgarien 0,127 1,29 0,8 %
Zypern 0,126 1,29 0,04 %

Litauen zeigt die höchste Spezialisierung (RSCA: 0,785), was auf eine überdurchschnittliche Bedeutung des Silberrecyclings in der litauischen Wirtschaft hindeutet. Deutschland und die Niederlande dominieren allerdings absolut: Zusammen sind sie für über 71 % der EU-Produktion (gemessen am Produktionsanteil) verantwortlich. Die meisten anderen EU-Länder (z. B. Luxemburg mit RSCA −0,999, Rumänien mit −0,931, Griechenland mit −0,895) haben praktisch keine Spezialisierung in diesem Bereich.

3.3 Preisvolatilität und geopolitische Schocks prägten den Markt

Die Volatilitätsanalyse der Handelsmengen zeigt bei mehreren Partnern erhebliche Schwankungen (gemessen am Variationskoeffizienten, CV):

Importe — höchste Volatilität (CV der Mengen):

Partner CV
Japan 1,36
Mexiko 1,27
Brasilien 0,96
Kanada 0,94
Norwegen 0,93

Exporte — höchste Volatilität (CV der Mengen):

Partner CV
Indien 2,19
China 2,04
Singapur 1,74
Pakistan 1,66
Hongkong 0,96

Zudem wurden mehrere signifikante Preisschock-Ereignisse identifiziert:

  • Kirgisistan (2017): Preis sprung um 184 % bei gleichzeitigem Mengenanstieg um 379 % gegenüber der Baseline — ein abnormaler Preisschock mit einer Abnormalität von 319,3.
  • Norwegen (2020): Preis verdreifachte sich (+216,8 %) bei halbierten Mengen — möglicherweise bedingt durch COVID-19-bedingte Lieferunterbrechungen.
  • Russland (2021): Letzte relevante Lieferung vor dem vollständigen Handelsstopp; Preis stieg um 163,8 % bei drastisch gesunkener Menge.
  • Vereinigtes Königreich (Exporte, 2020): Preisexplosion um +219,3 % als Schock bei Exporten — diese Anomalie trug 55 % des Exportwertes bei.

Schlussfolgerung

Der Markt für Silberabfälle und -schrott (CN 711299) im EU-Außenhandel hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Die zentrale Erkenntnis ist das außergewöhnliche Exportwachstum (+482 % im Wert), das nahezu vollständig auf Preissteigerungen (+420 %) zurückzuführen ist. Deutschland und Polen haben sich als Exportnationen etabliert, während die traditionellen Abnehmerländer in Asien (Japan, Hongkong) an Bedeutung verloren haben.

Auf der Importseite zeigt sich eine zunehmende Diversifizierung der Lieferantenbasis, wobei die USA ihre dominante Position behaupten, aber relativ an Boden verlieren. Die Türkei und die Schweiz sind als neue bzw. gestärkte Lieferanten hervorgetreten. Der vollständige Wegfall russischer Lieferungen ab 2022 infolge geopolitischer Ereignisse stellt ein bedeutendes Strukturbruch dar.

Die gleichzeitig steigende Exportkonzentration (HHI +88 %) auf wenige Bestimmungsländer, insbesondere die extreme Abhängigkeit von der Schweiz als Abnehmer, birgt strategische Risiken. Die EU bleibt mit einer Nettoimportabhängigkeit von rund 95 % ein klarer Nettoimporteur von Silberabfällen, doch die wachsende Exportfähigkeit — insbesondere Deutschlands — deutet auf eine sich entwickelnde Rolle der EU als Verarbeitungs- und Re-Export-Drehscheibe im globalen Silberrecycling hin.

Für die Zukunft sind insbesondere die Silberpreisentwicklung, die weitere Entwicklung der Recyclingkapazitäten in der EU (Stichwort: Kreislaufwirtschaft und kritische Rohstoffe) sowie die geopolitischen Rahmenbedingungen als treibende Faktoren zu beobachten. Die hohe Preisvolatilität bei mehreren Handelspartnern unterstreicht die Notwendigkeit einer diversifizierten Handelsstrategie zur Risikominimierung.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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