Marktentwicklung: Abfälle und Schrott von Platin, einschl. Platinplattierungen, und andere Abfälle und Schrott, Platin oder Platinverbindungen enthaltend, von der hauptsächlich zur Wiedergewinnung von Edelmetallen verwendeten Art (ausg. Aschen sowie eingeschmolzener und zu Rohblöcken, Masseln oder zu ähnl. Formen gegossener Abfall und Schrott von Platin, andere Edelmetalle enthaltende Rückstände [Gekrätz] sowie Abfälle oder Schrott von elektrischen und elektronischen Geräten unter Pos. 8549) (CN 711292) — 2015–2025
Einleitung
Der europäische Markt für Platin-Abfälle und -Schrott (KN-Code 711292) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 grundlegend gewandelt. Dieser Zollcode erfasst Abfälle und Schrott von Platin sowie platinhaltige Materialien, die hauptsächlich der Wiedergewinnung von Edelmetallen dienen — ausgenommen Aschen, eingeschmolzene und zu Blöcken gegossene Formen, Gekrätz sowie Elektronikschrott unter Position 8549. Die Warengruppe ist dem Prodcom-Code 38.32.21.00 (Sekundärrohstoffe aus Metallen der Platingruppe) zugeordnet.
Der Analysezeitraum umfasst die Jahre 2015 bis 2025 (Jahresfrequenz), wobei unvollständige Perioden bereits ausgeschlossen sind. Die Daten beziehen sich auf den EU-weiten Handel mit Drittländern. Im Folgenden werden die wichtigsten Entwicklungen in drei Themenfeldern analysiert: die fundamentale Neuausrichtung der Handelsbilanz, die sich wandelnde Geografie der Lieferketten sowie Preischocks und strategische Verwundbarkeit.
1. Vom Exportüberschuss zum Milliardendefizit: Die radikale Neuausrichtung der EU-Handelsbilanz
Das exponentielle Importwachstum ab 2018 als Strukturbruch
Die wohl auffälligste Entwicklung des gesamten Analysezeitraums ist das explosionsartige Wachstum der EU-Importe ab dem Jahr 2018. Während die Einfuhren von Platin-Schrotten in den Jahren 2015 bis 2017 noch zwischen 432 Mio. € und 511 Mio. € lagen, stiegen sie im Jahr 2018 auf 1.307 Mio. € — eine Versechsfachung innerhalb eines Jahres. In der Folge setzte sich der Aufwärtstrend fort, bis die Importe im Jahr 2022 mit 5.001 Mio. € ihren Höhepunkt erreichten. Im letzten verfügbaren Jahr 2025 beliefen sich die Einfuhren auf 2.079 Mio. € — ein Anstieg um 381,2 % gegenüber 2015.
Auch mengenmäßig ist das Wachstum beeindruckend: Die Importmenge stieg von 3.422 kg im Jahr 2015 auf 33.603 kg im Jahr 2025 — ein Plus von 881,9 %. Den mengenmäßigen Höchstwert markierte das Jahr 2024 mit 38.557 kg. Die Entwicklung der Importmengen zeigt, dass die EU ab 2018 systematisch erheblich größere Mengen an Platin-Schrott importierte als in den Vorjahren.
Demgegenüber blieben die Exporte vergleichsweise stabil. Der Ausfuhrwert lag 2015 bei 681 Mio. € und 2025 bei 913 Mio. € (+34,0 %). Mengenmäßig sanken die Ausfuhren sogar von 6.687 kg auf 4.571 kg (−31,6 %). Der mengenmäßige Höchstwert wurde 2021 mit 7.983 kg erreicht, als der Exportwert mit 1.995 Mio. € ebenfalls seinen Spitzenwert verzeichnete.
Preisdivergenz als Indikator für Wertschöpfungsketten-Rollen
Eine bemerkenswerte Gegenläufigkeit zeigt sich bei den durchschnittlichen Einheitspreisen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importpreis (€/kg) | 126.042 | 61.866 | −50,9 % |
| Exportpreis (€/kg) | 101.837 | 199.680 | +96,1 % |
Die Importpreise erreichten ihren Höchstwert 2021 mit rund 142.212 €/kg und ihren Tiefstwert 2024 mit rund 41.361 €/kg. Die Exportpreise erreichten ihren Spitzenwert 2022 mit rund 271.869 €/kg.
Diese Divergenz ist strukturell bedeutsam: Die EU importierte zunehmend größere Mengen Platin-Schrott zu niedrigeren durchschnittlichen Kilopreisen, exportierte aber weniger Mengen zu deutlich höheren Preisen. Dies legt nahe, dass die EU als zentrales Verarbeitungs- und Raffinerie-Drehscheibe fungiert — niedrig konzentrierte Platin-Schrotte werden importiert, das Edelmetall wird gewonnen und in höherwertiger Form wieder ausgeführt. Die EU erzielt demnach ihren Mehrwert vor allem in der Aufbereitung und Wiedergewinnung.
Vom Überschuss zum strukturellen Handelsdefizit
Die Kombination aus steigenden Importen und stagnierenden Exporten führte zu einer dramatischen Verschiebung der Handelsbilanz:
| Jahr | Exporte (Mio. €) | Importe (Mio. €) | Saldo (Mio. €) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 681 | 432 | +249 |
| 2016 | 624 | 488 | +135 |
| 2017 | 620 | 511 | +109 |
| 2018 | 708 | 1.307 | −600 |
| 2019 | 820 | 1.793 | −973 |
| 2020 | 956 | 2.967 | −2.011 |
| 2021 | 1.995 | 3.776 | −1.781 |
| 2022 | 1.585 | 5.001 | −3.417 |
| 2023 | 878 | 2.382 | −1.503 |
| 2024 | 621 | 1.595 | −974 |
| 2025 | 913 | 2.079 | −1.167 |
Der Wendepunkt liegt klar im Jahr 2018. In den drei Jahren zuvor wies die EU noch einen positiven Handelssaldo auf, der 2015 noch 249 Mio. € betrug. Ab 2018 kippte die Bilanz ins Negative. Das maximale Defizit wurde 2022 mit −3.417 Mio. € erreicht. Auch wenn sich das Defizit 2023 und 2024 etwas verringerte, blieb es 2025 mit −1.167 Mio. € weiterhin erheblich.
2. Wachsende Konzentration und geopolitische Risiken in den Lieferketten
Südafrika, USA und Vereinigtes Königreich als dominierende Importpartner
Die Importe der EU konzentrieren sich auf wenige Hauptherkunftsländer. Im Jahr 2025 entfielen auf die drei größten Lieferanten zusammen rund 1.646 Mio. € von insgesamt 2.079 Mio. € Importwert — ein Anteil von 79 %.
| Herkunftsland | 2015 (Mio. €) | 2018 (Mio. €) | 2022 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Südafrika | 24 | 304 | 858 | 504 | +1.984 % |
| Vereinigte Staaten | 77 | 336 | 2.185 | 769 | +895 % |
| Vereinigtes Königreich | 58 | 133 | 712 | 373 | +542 % |
| Nigeria | 0,06 | 32 | 116 | 13 | +22.256 % |
| Schweiz | 67 | 125 | 208 | 81 | +21 % |
| Brasilien | 3 | 13 | 135 | 44 | +1.460 % |
| Saudi-Arabien | 26 | 17 | 42 | 16 | −39 % |
Südafrika als klassisches Platin-Förderland ist eine erwartbare Quelle. Bemerkenswert ist jedoch die Dominanz der USA und des Vereinigten Königreichs, die beide keine primären Platinproduzenten sind, aber als bedeutende Recycling-Standorte fungieren. Der Importwert aus den USA erreichte 2022 mit 2.185 Mio. € seinen Spitzenwert. Der Import aus dem Vereinigten Königreich sprang 2021 auf 904 Mio. €, nachdem er 2017 noch bei 47 Mio. € gelegen hatte.
Verdopplung der Herfindahl-Konzentration auf der Importseite
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importe nach Wert stieg von 1.011 im Jahr 2015 auf 2.313 im Jahr 2025 — eine Zunahme um 128,9 %. Ein HHI über 2.500 gilt gemeinhin als hochkonzentriert. Die EU nähert sich dieser Schwelle damit deutlich an. Der Höchstwert wurde 2022 mit 2.458 erreicht, als die USA allein Importe im Wert von 2.185 Mio. € stellten.
Auf der Exportseite war der HHI bereits zu Beginn hoch (3.501 im Jahr 2015) und sank leicht auf 2.943 im Jahr 2025 (−15,9 %). Die Exportkonzentration bleibt damit ebenfalls hoch, ist aber etwas diversifizierter als noch zu Beginn des Zeitraums.
| Kennzahl | 2015 | 2022 | 2025 |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 1.011 | 2.458 | 2.313 |
| HHI Exporte (Wert) | 3.501 | 2.940 | 2.943 |
Neue und volatile Quellen: Nigeria und Brasilien
Zwei Länder traten im Analysezeitraum als neue Importquellen in Erscheinung, die sich durch hohe Volatilität auszeichnen. Nigeria stieg von praktisch null (56.000 € im Jahr 2015) auf einen Spitzenwert von 156 Mio. € im Jahr 2021, bevor der Wert 2025 auf 13 Mio. € zurückging. Brasilien folgte einem ähnlichen Muster: von 3 Mio. € (2015) über 154 Mio. € (2021) auf 44 Mio. € (2025).
Diese Schwankungen deuten darauf hin, dass Nigeria und Brasilien als intermittierende Quellen fungieren — möglicherweise in Abhängigkeit von lokalen Recyclingkapazitäten, regulatorischen Rahmenbedingungen oder globalen Platinpreisen. Beide Länder sind keine traditionellen Platinproduzenten, was darauf hindeutet, dass es sich um Sekundär-Recyclingströme oder Transitströme handeln könnte.
Schweden und Österreich als neue Exportakteure der EU
Innerhalb der EU zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung bei den exportierenden Mitgliedstaaten:
| EU-Mitgliedstaat | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 397 | 320 | −19,5 % |
| Belgien | 114 | 101 | −11,4 % |
| Schweden | 51 | 254 | +400 % |
| Österreich | 0,0005 | 120 | — |
| Spanien | 0,2 | 65 | — |
| Frankreich | 26 | 15 | −41,1 % |
| Italien | 62 | 5 | −91,5 % |
Deutschland bleibt zwar der größte EU-Exporteur, hat seinen Anteil aber leicht reduziert. Der bemerkenswerteste Aufstieg gelang Schweden, das seine Exporte von 51 Mio. € auf 254 Mio. € mehr als verfünffachte, sowie Österreich, das von nahezu null auf 120 Mio. € anstieg. Auch Spanien entwickelte sich zu einem relevanten Exporteur.
Auf der Importseite dominieren Deutschland (886 Mio. € in 2025) und Belgien (875 Mio. € in 2025). Schweden verzeichnete ebenfalls ein starkes Importwachstum: von 0,1 Mio. € (2015) auf 202 Mio. € (2025).
Die Spezialisierungsanalyse bestätigt diese Muster: Deutschland weist mit einem RSCA-Wert von 0,55 und einem RCA von 3,43 die höchste Spezialisierung unter den großen Volkswirtschaften auf und kontrolliert 72,6 % der EU-Produktion in diesem Segment. Luxemburg (RSCA 0,72) und Kroatien (RSCA 0,68) zeigen ebenfalls hohe Spezialisierung, allerdings bei wesentlich kleineren Handelsvolumina.
3. Preischocks, Volatilität und strategische Verwundbarkeit
Massive Preisabweichungen im Handel mit den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich
Die Analyse von Preischocks identifizierte drei signifikante Ereignisse im Zeitraum 2015–2025:
| Schockereignis | Zeitpunkt | Typ | Abnormalität | Preissprung | Anteil am Handelswert |
|---|---|---|---|---|---|
| USA-Importe | 2020 | Preis | 13,8 | +307,7 % | 47,1 % |
| VK-Importe | 2018 | Preis | 8,9 | +169,0 % | 22,7 % |
| USA-Exporte | 2020 | Preis | 8,0 | +109,5 % | 50,2 % |
Der schwerwiegendste Schock betraf die EU-Importe aus den USA im Jahr 2020. Der durchschnittliche Importpreis stieg von einem Basiswert von 93.070 €/kg (Durchschnitt 2018–2019) auf 379.434 €/kg im Jahr 2020 — ein Anstieg auf das Vierfache. Gleichzeitig sank die importierte Menge um 42 % (von 4.067 kg auf 2.344 kg). Dieses Ereignis fiel in die Phase der COVID-19-Pandemie, die globale Lieferketten stark beeinträchtigte.
Ein ähnliches Muster zeigte sich bei den EU-Importen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2018: Der Preis stieg von durchschnittlich 94.577 €/kg (2016–2017) auf 254.403 €/kg — eine Verdreieinhalbfachung, bei gleichzeitig leicht rückläufigen Mengen. Dies könnte mit dem bevorstehenden Brexit und der damit verbundenen Unsicherheit über Handelsmodalitäten zusammenhängen.
Auf der Exportseite trat 2020 ein Preischock im Handel mit den USA auf: Der durchschnittliche Exportpreis verdoppelte sich von 117.545 €/kg auf 246.288 €/kg, bei gleichzeitig halbierten Mengen. Dieses Ereignis repräsentierte 50,2 % des gesamten EU-Exportwerts in diesem Jahr.
Hohe Mengenvolatilität bei Schlüsselhandelspartnern
Der Variationskoeffizient (CV) der jährlichen Mengenströme zeigt, dass einige Handelsbeziehungen durch erhebliche Schwankungen geprägt sind:
| Partnerland | CV (Importe) | Partnerland | CV (Exporte) |
|---|---|---|---|
| Kanada | 1,59 | Vereinigte Arabische Emirate | 1,97 |
| Vereinigtes Königreich | 1,07 | Südafrika | 1,94 |
| Vereinigte Staaten | 0,99 | Norwegen | 1,62 |
| Brasilien | 0,78 | Australien | 1,15 |
| Südkorea | 0,68 | Südkorea | 1,15 |
| Südafrika | 0,66 | Japan | 1,12 |
| Taiwan | 0,65 | Hongkong | 0,83 |
| Nigeria | 0,57 | Schweiz | 0,73 |
Werte über 1,0 deuten auf eine hohe Variabilität hin. Besonders auffällig sind die Importe aus Kanada (CV 1,59) sowie die Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate (CV 1,97), nach Südafrika (CV 1,94) und nach Norwegen (CV 1,62). Diese hohen Schwankungen unterstreichen die intermittierende Natur bestimmter Handelsbeziehungen und die Schwierigkeit, stabile Liefer- oder Absatzbeziehungen aufrechtzuerhalten.
Im Gegensatz dazu zeichnen sich die Schweiz (CV 0,34 bei Importen, 0,73 bei Exporten) und Singapur (CV 0,32 bei Exporten) durch vergleichsweise stabile Handelsmuster aus.
Rückläufige EU-Produktion bei anhaltend hoher Netto-Importabhängigkeit
Die EU-Produktion von Sekundärrohstoffen aus Platingruppenmetallen ist im verfügbaren Zeitraum (2022–2024) deutlich rückläufig:
| Indikator | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Produktionswert (Mio. €) | 251 | 154 | 140 |
| Datenqualität | Schätzung | Schätzung | Gerundet |
Der Produktionswert sank von 251 Mio. € (2022) auf 140 Mio. € (2024) — ein Rückgang um 44,1 %. Diese Entwicklung ist besonders bedeutsam im Kontext der Netto-Importabhängigkeit, die im gesamten Zeitraum zwischen 89 % und 94 % lag:
| Indikator | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit (%) | 93,6 | 91,1 | 89,0 |
| Exportneigung (%) | 632,7 | 572,0 | 429,6 |
Die Netto-Importabhängigkeit sank leicht von 93,6 % auf 89,0 %, bleibt aber auf extrem hohem Niveau. Die EU ist damit in hohem Maße von externen Quellen für Platin-Schrott abhängig.
Die Exportneigung — das Verhältnis von Exportwert zu Produktionswert — lag 2022 bei 633 % und sank bis 2024 auf 430 %. Dies bedeutet, dass die EU das Vier- bis Sechsfache ihrer eigenen Produktionsmenge exportiert. Dieses hohe Verhältnis unterstreicht die Rolle der EU als internationales Verarbeitungszentrum: Importierte Schrotte werden aufbereitet und das gewonnene Platin teilweise wieder exportiert. Der rückläufige Trend könnte sowohl auf die abnehmende inländische Produktionsbasis als auch auf die Korrektur der Exporte nach dem Höchstjahr 2021 zurückzuführen sein.
Die Handelsintensität blieb mit Werten zwischen 124 % und 128 % über den gesamten Zeitraum stabil auf hohem Niveau, was die tiefe Integration der EU in den globalen Platin-Schrott-Handel bestätigt.
Fazit
Der EU-Markt für Platin-Abfälle und -Schrott (KN 711292) hat sich zwischen 2015 und 2025 in seiner gesamten Struktur verändert. Die Kernbefunde lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Strukturelle Transformation der Handelsbilanz: Die EU wandelte sich von einem Nettoexporteur mit einem Überschuss von +249 Mio. € (2015) zu einem starken Nettoimporteur mit einem Defizit von −1.167 Mio. € (2025). Der Wendepunkt lag 2018, als die Importe sprunghaft anstiegen. Der Höchstwert des Defizits wurde 2022 mit −3.417 Mio. € erreicht.
Zunehmende Lieferkettenkonzentration: Die Importe konzentrieren sich auf wenige Herkunftsländer — allen voran Südafrika, die USA und das Vereinigte Königreich, die 2025 zusammen 79 % der EU-Importe stellten. Der Herfindahl-Index verdoppelte sich nahezu auf der Importseite, was strategische Abhängigkeiten verstärkt.
Wertschöpfung durch Verarbeitung: Die Preisdivergenz zwischen fallenden Importpreisen (−50,9 %) und steigenden Exportpreisen (+96,1 %) deutet auf eine bedeutende Wertschöpfungskette innerhalb der EU hin: Niedrig konzentrierte Schrotte werden importiert, Edelmetalle gewonnen und höherwertig wieder exportiert.
Schockanfälligkeit und Volatilität: Schwere Preisschocks — insbesondere 2020 im Handel mit den USA (Preisvervierfachung) und 2018 im Handel mit dem Vereinigten Königreich — sowie hohe Mengenvolatilität bei zahlreichen Handelspartnern machen den Markt anfällig für externe Störungen.
Abnehmende Eigenproduktion: Die EU-Produktion von Sekundärrohstoffen aus Platingruppenmetallen sank im Zeitraum 2022–2024 um 44 %, während die Netto-Importabhängigkeit bei rund 89–94 % verharrte.
Diese Entwicklungen werfen Fragen der strategischen Resilienz auf. Die EU ist in hohem Maße auf Importe von Platin-Schrotten angewiesen, deren Beschaffung von wenigen, teils volatilen Quellen abhängt. Gleichzeitig bildet die Verarbeitungskapazität — repräsentiert durch Deutschland als dominierenden Verarbeitungsstandort sowie aufstrebende Zentren in Schweden und Österreich — einen wichtigen Wertschöpfungsfaktor, der es der EU ermöglicht, trotz hoher Rohstoffabhängigkeit eine signifikante Rolle in der globalen Edelmetall-Recycling-Kette zu spielen.