Marktentwicklung: Zubereitungen zum Herstellen von Würzsoßen und zubereitete Würzsoßen sowie zusammengesetzte Würzmittel (ausg. Sojasoße, Tomatenketchup und andere Tomatensoßen, Senf und Senfmehl) (CN 210390) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU für den Zolltarifcode 210390 im Zeitraum 2015 bis 2025. CN 210390 ist eine Restposition innerhalb der Unterposition 2103 und umfasst Zubereitungen zum Herstellen von Würzsoßen und zubereitete Würzsoßen sowie zusammengesetzte Würzmittel, mit Ausnahme von Sojasoße (210310), Tomatenketchup und anderen Tomatensoßen (210320) sowie Senfmehl und Senf (210330). Die Position ist damit heterogen und deckt ein breites Spektrum an Würzzubereitungen ab – von flüssigem Mango-Chutney über aromatische Bitter bis hin zu diversen Saucenpräparationen und Gewürzmischungen.
Der Analysezeitraum umfasst elf Jahre und damit mehrere marktrelevante Phasen: die post-Brexit-Übergangszeit, die COVID-19-Pandemie, die Energie- und Inflationskrise ab 2022 sowie die geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Diese externen Schocks prägen die beobachtbaren Handelsdynamiken maßgeblich.
Die Produkthierarchie zeigt, dass CN 210390 in drei Unterpositionen aufgeteilt ist: 21039090 (die breite Restposition), 21039010 (flüssiges Mango-Chutney) und 21039030 (aromatische Bitter). Diese Segmentierung wird im Abschnitt zur Produktsegmentierung näher beleuchtet.
1. Wachstumsmarkt mit starker Exportorientierung: Die EU als Nettoexporteur verdoppelt ihre Handelsüberschüsse
Die EU-Exporte haben sich im betrachteten Zeitraum mehr als verdoppelt
Der Gesamtwert der EU-Exporte von CN 210390 stieg von 1,02 Mrd. € im Jahr 2015 auf 2,40 Mrd. € im Jahr 2025 – eine Steigerung von 136,5 %. Die Exportmenge wuchs im gleichen Zeitraum von 436.851 Tonnen auf 728.446 Tonnen (+66,7 %). Damit war das Exportwachstum sowohl mengen- als auch wertgetrieben. Die Exportpreise stiegen von 2.324 €/t auf 3.296 €/t (+41,8 %), was auf eine Aufwertung der exportierten Produkte sowie auf allgemeine Preissteigerungen (Inflation, Rohstoffkosten) hindeutet.
Das Wachstum war weitgehend kontinuierlich, mit leichten Rückgängen lediglich 2025 (von 2,47 Mrd. € auf 2,40 Mrd. €). Die stärksten Zuwächse verzeichneten die Jahre 2020 (+11,8 % gegenüber 2019), 2021 (+12,1 %), 2022 (+16,7 %) und 2023 (+12,2 %).
| Jahr | Exportwert (Mrd. €) | Exportmenge (t) | Preis (€/t) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 1,02 | 436.851 | 2.324 |
| 2018 | 1,22 | 521.791 | 2.338 |
| 2020 | 1,49 | 631.181 | 2.367 |
| 2022 | 1,95 | 703.453 | 2.779 |
| 2024 | 2,47 | 744.988 | 3.319 |
| 2025 | 2,40 | 728.445 | 3.296 |
Die EU-Importe wuchsen ebenfalls deutlich, aber langsamer als die Exporte
Die EU-Importe stiegen von 515 Mio. € (2015) auf 1,04 Mrd. € (2025), was einem Anstieg von 101,4 % entspricht. Die Importmenge wuchs von 209.480 Tonnen auf 339.265 Tonnen (+62,0 %), die Importpreise von 2.456 €/t auf 3.055 €/t (+24,4 %). Das Importwachstum fiel damit schwächer aus als das Exportwachstum – sowohl in absoluten Werten als auch bei den Preisen.
Der Handelsüberschuss hat sich auf 1,36 Mrd. € mehr als verdoppelt
Die Nettoimportabhängigkeit der EU für CN 210390 lag im gesamten Zeitraum im negativen Bereich – d. h. die EU ist Nettoexporteur. Der Handelsüberschuss entwickelte sich wie folgt:
| Jahr | Exportwert (Mrd. €) | Importwert (Mrd. €) | Überschuss (Mrd. €) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 1,02 | 0,51 | 0,50 |
| 2018 | 1,22 | 0,64 | 0,58 |
| 2020 | 1,49 | 0,68 | 0,82 |
| 2022 | 1,95 | 0,90 | 1,05 |
| 2024 | 2,47 | 1,02 | 1,46 |
| 2025 | 2,40 | 1,04 | 1,36 |
Der Überschuss wuchs um 172,6 % – von 501 Mio. € auf 1,36 Mrd. €. Der Nettoimportreliance-Indikator verschob sich von −3,9 % (2015) auf −18,3 % (2025), was bedeutet, dass die EU ihre Position als Nettoexporteur erheblich ausgebaut hat. Die Handelsintensität (Trade Intensity) stieg von 11,9 % auf 33,7 %, und die Exportneigung (Export Propensity) von 8,1 % auf 26,4 % – ein Anstieg von 227,9 %. Diese Dynamik zeigt, dass die EU-Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie zunehmend auf den Export dieses Produktsegments setzt.
2. Geografische Umorientierung: Der US-Markt als Hauptwachstumstreiber, während Russland an Bedeutung verliert
Das Vereinigte Königreich bleibt der mit Abstand wichtigste Handelspartner – in beide Richtungen
Das Vereinigte Königreich dominiert sowohl den Import- als auch den Exportmarkt der EU für CN 210390:
- Importe aus dem VK: Von 194 Mio. € (2015) auf 350 Mio. € (2025), +79,9 %. Das VK hielt durchgehend den Rang als wichtigster Importpartner.
- Exporte in das VK: Von 369 Mio. € (2015) auf 751 Mio. € (2025), +103,6 %. Das VK ist das mit Abstand wichtigste Exportziel.
Die Bilateralhandelsstruktur zeigt, dass die EU gegenüber dem VK einen erheblichen Überschuss erzielt (751 Mio. € Exporte vs. 350 Mio. € Importe im Jahr 2025). Die Brexit-Folgen scheinen den Handel nicht nachhaltig gestört zu haben – beide Ströme wuchsen kontinuierlich.
Die Vereinigten Staaten haben sich zum zweitwichtigsten Exportmarkt entwickelt
Die dynamischste Entwicklung zeigte sich bei den EU-Exporten in die USA:
| Jahr | Exportwert in USA (Mio. €) | Exportmenge in USA (t) |
|---|---|---|
| 2015 | 87 | 28.685 |
| 2018 | 126 | 47.517 |
| 2020 | 254 | 101.238 |
| 2022 | 406 | 149.670 |
| 2024 | 591 | 171.838 |
| 2025 | 482 | 143.376 |
Die Exporte in die USA wuchsen um 451,6 % (Wert) bzw. rund 400 % (Menge) – das stärkste Wachstum aller Hauptmärkte. Der starke Rückgang 2025 (von 591 Mio. € auf 482 Mio. €, −18,5 %) könnte auf handelspolitische Spannungen oder Marktsättigung zurückzuführen sein. Die hohe Volatilität der US-Exporte (Variationskoeffizient von 0,556) unterstreicht die Schwankungsanfälligkeit dieses Marktes.
Russland verliert als Exportmarkt rapide an Bedeutung
Während die EU-Exporte in die Russische Föderation von 2015 bis 2021 von 75 Mio. € auf 123 Mio. € stiegen, sanken sie ab 2022 deutlich – von 118 Mio. € (2022) auf 79 Mio. € (2025). Die Exportmenge fiel von 32.000 Tonnen (2021) auf unter 14.000 Tonnen (2025). Diese Entwicklung ist unmittelbar mit den Sanktionen und Handelsbeschränkungen im Zuge des Krieges in der Ukraine zu erklären.
Thailand und China gewinnen als Importquellen stark an Bedeutung
| Partnerland | Import 2015 (Mio. €) | Import 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Thailand | 72 | 186 | +159,1 % |
| China | 20 | 83 | +322,6 % |
| Japan | 16 | 46 | +182,0 % |
| Türkei | 6 | 20 | +229,9 % |
| Schweiz | 82 | 72 | −12,0 % |
Besonders auffällig ist das stürmische Wachstum der Importe aus China (+322,6 %), aus der Türkei (+229,9 %) und aus Japan (+182,0 %). Diese Zuwächse deuten auf eine Diversifizierung der Importquellen hin. Die Schweiz hingegen, die 2015 noch zweitwichtigster Importpartner war, verlor kontinuierlich an Bedeutung (von 82 Mio. € auf 72 Mio. €).
3. EU-Binnenmarktstruktur: Italien als Exportmotor, steigende Konzentration der Produktion
Italien dominiert die EU-Exporte mit einem Drittel des Gesamtwerts
Die innergemeinschaftliche Exportstruktur zeigt eine klare Führungsrolle Italiens:
| EU-Mitgliedstaat | Exportwert 2015 (Mio. €) | Exportwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 201 | 849 | +322,3 % |
| Niederlande | 151 | 321 | +112,9 % |
| Deutschland | 162 | 237 | +45,8 % |
| Belgien | 61 | 253 | +315,7 % |
| Polen | 71 | 133 | +88,2 % |
| Spanien | 82 | 121 | +46,9 % |
| Frankreich | 91 | 117 | +29,1 % |
Italiens Exporte stiegen um 322,3 % und machten 2025 rund 35 % der gesamten EU-Ausfuhren aus. Der Spezialisierungsindikator (RSCA) bestätigt Italiens komparativen Vorteil: Mit einem RSCA von 0,356 und einem RCA von 2,11 weist Italien die dritthöchste Spezialisierung in der EU auf (nach Estland mit RSCA 0,63 und Kroatien mit 0,51). Belgien zeigt ebenfalls ein starkes Wachstum (+315,7 %), während Frankreich trotz seiner Größe nur ein moderates Wachstum verzeichnete (+29,1 %).
Die drei wichtigsten Importländer innerhalb der EU
| EU-Mitgliedstaat | Importwert 2015 (Mio. €) | Importwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 84 | 200 | +138,3 % |
| Frankreich | 63 | 178 | +179,7 % |
| Deutschland | 93 | 171 | +84,2 % |
| Irland | 72 | 143 | +98,3 % |
Frankreich zeigte das stärkste Importwachstum unter den großen EU-Mitgliedstaaten (+179,7 %), was auf eine zunehmende Nachfrage nach importierten Würzzubereitungen hindeuten könnte. Die Niederlande profitieren vermutlich von ihrer Funktion als Handelsdrehscheibe (Rotterdam-Effekt).
Die EU-Produktion wuchs, aber mit Datenlücken
Die EU-Produktionsdaten zeigen einen Anstieg der Produktionsmenge von 3,18 Mrd. kg (2015) auf 3,05 Mrd. kg (2024), wobei die Datenreihe mehrfach gerundete Werte enthält und einzelne Jahre (z. B. 2018 mit 33,4 Mrd. kg) aufgrund von Rundungsartefakten als Ausreißer erscheinen. Die Produktionswerte stiegen von 5,84 Mrd. € (2015) auf 9,26 Mrd. € (2024), was einem Anstieg von 83,7 % entspricht. Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für Importe sanken von 2.048 auf 1.697 (−17,1 %), was auf eine leichte Dezentralisierung der Importquellen hindeutet, während die Exportkonzentration mit einem HHI von 1.485 relativ stabil blieb.
Die Produktegmentanalyse zeigt die Dominanz der Restposition
Die Untergliederung nach CN-8-Stellen verdeutlicht, dass 21039090 (die breite Restposition) sowohl bei Importen als auch Exporten mit über 99 % dominiert. Flüssiges Mango-Chutney (21039010) macht mengenmäßig weniger als 0,2 % aus, zeigt aber ein interessantes Exportpreiswachstum (von 3.419 €/t auf 5.449 €/t). Aromatische Bitter (21039030) sind mengenmäßig marginal, weisen aber extreme Preisschwankungen auf (Exportpreise von unter 5.000 €/t bis über 28.000 €/t), was auf die geringen und variablen Handelsvolumina sowie auf Unterschiede in der Produktzusammensetzung zurückzuführen ist.
Schlussfolgerung
Der Markt für CN 210390 hat sich im Zeitraum 2015–2025 zu einem dynamischen Wachstumsmarkt entwickelt, der von drei zentralen Trends geprägt ist:
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Steigende Exportorientierung: Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur erheblich ausgebaut. Der Handelsüberschuss verdoppelte sich, die Exportneigung verdreifachte sich. Dies deutet auf eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Würzmittelindustrie auf globalen Märkten hin.
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Geopolitische Neuausrichtung: Der US-Markt wurde zum wichtigsten Wachstumstreiber, während Russland als Exportmarkt an Bedeutung verlor. Gleichzeitig diversifizierten sich die Importquellen mit stark wachsenden Lieferungen aus China, Thailand, Japan und der Türkei, während traditionelle Partner wie die Schweiz an Gewicht verloren.
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Italienische Dominanz und Konzentrationsprozesse: Italien hat sich als unangefochtener EU-Exporteur etabliert, was auf die Spezialisierung der italienischen Lebensmittelindustrie im Bereich Saucen und Würzmittel zurückzuführen ist. Die Herstellung ist zunehmend auf wenige große Produzentenländer konzentriert.
Die beobachteten Preis- und Mengenschocks (insbesondere bei Importen aus der Schweiz und Japan im Jahr 2023) sowie die hohe Volatilität bei Exporten in die USA und nach Marokko zeigen, dass der Markt trotz des robusten Wachstumstrends anfällig für externe Störungen bleibt. Die anhaltende geopolitische Unsicherheit, mögliche Handelsbarrieren und die zunehmende Regulierung von Lebensmittelzusatzstoffen könnten die weitere Marktentwicklung beeinflussen.