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Marktentwicklung: Zinnschrott (CN 8002) — 2015–2025

Einleitung

Der europäische Markt für Zinnschrott (KN-Code 8002) umfasst Abfälle und Schrott aus Zinn, ausgenommen Aschen und Rückstände der Zinnherstellung sowie Rohblöcke aus eingeschmolzenen Abfällen. Dieser Sektor ist für die Kreislaufwirtschaft von strategischer Bedeutung, da Zinn ein kritisches Metall in der Elektronikfertigung, im Lötvorgang und in zahlreichen industriellen Anwendungen ist. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet dabei Volumen-, Preis- und Strukturveränderungen sowie sich verändernde Handelsbeziehungen.

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1. Volumenrückgang bei gleichzeitigem Wertanstieg: Die strukturelle Verschiebung der EU-Handelsströme

1.1 Die EU als Nettoimporteur mit wachsendem Defizit

Die EU weist über den gesamten Betrachtungszeitraum einen deutlichen Handelsbilanzdefizit bei Zinnschrott auf. Dieses Defizit verschärfte sich von −10,5 Mio. EUR im Jahr 2015 auf −20,1 Mio. EUR im Jahr 2025, was einer Verschlechterung von rund 92 % entspricht. Die EU ist somit ein struktureller Nettoimporteur von Zinnschrott – ein Muster, das auf die hohe inländische Nachfrage nach Sekundärrohstoffen bei gleichzeitig begrenztem Angebot aus EU-internen Quellen hindeutet.

Handelsübersicht

1.2 Mengenrückgang bei steigenden Warenwerten – sowohl bei Importen als auch Exporten

Auffälligstes Merkmarktmerkmal der Periode ist die gegenläufige Entwicklung von Mengen und Werten:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert, EUR) 14.050.621 26.748.077 +90,4 %
Importe (Menge, t) 1.617 1.184 −26,8 %
Importe (Preis, EUR/t) 8.689 22.589 +160,0 %
Exporte (Wert, EUR) 3.587.096 6.686.237 +86,4 %
Exporte (Menge, t) 1.783 302 −83,1 %
Exporte (Preis, EUR/t) 2.012 22.148 +1.001 %

Während die Einfuhrmenge um rund ein Viertel sank, stieg der Importwert um 90 % an – einzig durch die massive Preissteigerung erklärbar. Noch drastischer ist das Bild bei den Ausfuhren: Hier fiel das Volumen um 83 %, während der Wert dennoch um 86 % zunahm. Der Exportpreis vervelfachte sich von gut 2.000 EUR/t auf über 22.000 EUR/t.

1.3 Preisexplosion als zentraler Treiber

Die extreme Preisentwicklung – insbesondere bei den Exportpreisen (+1.001 %) – spiegelt mehrere Faktoren wider:

  • Globale Zinnpreisrallye: Die Weltmarktpreise für Zinn stiegen ab 2020 deutlich an, getrieben durch Lieferengpässe und steigende Nachfrage aus der Elektronikbranche.
  • Qualitätsselektion: Der drastische Rückgang des Exportvolumens bei gleichzeitigem Wertanstieg deutet darauf hin, dass hochwertige, zinnreiche Schrotte bevorzugt exportiert werden, während geringerwertige Partien im Binnenmarkt verbleiben.
  • Inflationäre Effekte: Allgemeine Preissteigerungen in der Rohstoffwirtschaft nach der COVID-19-Pandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges trugen ebenfalls bei.

2. Umwälzung der Handelspartnerlandschaft: Neue Lieferanten und neue Abnehmer

2.1 Mexiko als neuer dominanter Importpartner

Die größte strukturelle Veränderung im EU-Importmarkt betrifft die Herkunft der Lieferungen. Mexiko entwickelte sich von einem marginalen Lieferanten (19.103 EUR im Jahr 2015) zum mit Abstand wichtigsten Importpartner mit einem Wert von 10,3 Mio. EUR im Jahr 2025 – eine Steigerung von über 53.600 %. Gleichzeitig verloren die traditionellen Lieferanten stark an Bedeutung:

Partnerland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Mexiko 19.103 10.260.954 +53.614 %
Japan 548.149 2.919.616 +433 %
Schweiz 1.103.841 4.032.362 +265 %
Hongkong 1.912.663 2.826.042 +48 %
Vereinigtes Königreich 2.846.724 956.797 −66 %
Vereinigte Staaten 3.871.651 795.554 −80 %

Top-Handelspartner nach Wert

2.2 Exportzielmarkt: Philippinen und die Schweiz als neue Schwerpunkte

Auch auf der Exportseite vollzog sich ein deutlicher Wandel. Die Philippinen stiegen von einem geringfügigen Abnehmer (89.263 EUR) zum drittgrößten Exportziel mit 1,5 Mio. EUR (+1.614 %). Die Schweiz entwickelte sich ebenfalls stark (+218 %). Demgegenüber brachen etliche traditionelle Märkte ein:

Partnerland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Philippinen 88.926 1.523.725 +1.614 %
Schweiz 337.560 1.071.843 +218 %
Malaysia 1.236.649 1.754.949 +42 %
Vereinigte Staaten 2.966.443 3.879.852 +31 %
Vereinigte Arabische Emirate 85.762 337 −100 %

2.3 Zunahme der Konzentration bei Importen, Abnahme bei Exporten

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt eine gegenläufige Entwicklung:

  • Importkonzentration (Wert): Anstieg von 1.483 auf 2.000 – die Importe konzentrieren sich zunehmend auf wenige Lieferanten, allen voran Mexiko.
  • Exportkonzentration (Wert): Rückgang von 6.946 auf 4.168 – die EU exportiert Zinnschrott inzwischen breiter gestreut an verschiedene Partnerländer.

Diese Entwicklungen deuten auf eine strategische Diversifizierung der Exportmärkte hin, während die Importseite zunehmend von einzelnen Quellen abhängig wird.

Konzentrationsanalyse (HHI)


3. Regionale Umverteilung innerhalb der EU und steigende Verwundbarkeit

3.1 Dezentralisierung der EU-internen Handelsströme

Innerhalb der EU verschoben sich die Hauptströme erheblich. Spanien entwickelte sich zum mit Abstand größten Importeur mit einem Anstieg von 1,7 Mio. EUR auf 12,1 Mio. EUR (+602 %), während Deutschland (+366 %) und Belgien (+98 %) ebenfalls zulegten. Poland und die Niederlande verloren hingegen stark an Bedeutung:

EU-Mitgliedstaat Importe 2015 (EUR) Importe 2025 (EUR) Veränderung
Spanien 1.727.285 12.120.994 +602 %
Belgien 4.271.570 8.456.424 +98 %
Deutschland 602.281 2.805.109 +366 %
Polen 4.630.895 1.166.402 −75 %
Niederlande 1.815.346 17 −100 %

Top-Reporterländer nach Wert

3.2 Ungarn als neues Exportzentrum der EU

Bei den Exporten aus der EU trat Ungarn als neuer Marktführer hervor. Der Exportwert stieg von 199.095 EUR auf 3,9 Mio. EUR – eine Steigerung von 1.847 %. Italien (+161 %) entwickelte sich ebenfalls stark, während die Niederlande (−49 %), Spanien (−99 %) und Deutschland (−100 %) ihre Exporte drastisch reduzierten. Dies deutet auf eine Verlagerung der Recycling- und Exportaktivitäten in mittel- und osteuropäische Länder hin.

3.3 Steigende Produktion, aber zunehmende Importabhängigkeit

Die EU-Produktion von Sekundärrohstoffen aus Zinnabfällen (PRODCOM 38.32.29.10) stieg im Zeitraum um rund 49 % (von 1,63 Mrd. kg auf 2,43 Mrd. kg) und im Wert um 56 % (von 1,92 Mrd. EUR auf 3,00 Mrd. EUR). Dennoch reichte dieser Anstieg nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken, wie das wachsende Handelsdefizit zeigt.

Produktionsvolumen

3.4 Preischocks im Jahr 2021 als Wendepunkt

Das Jahr 2021 markiert einen deutlichen Wendepunkt mit mehreren identifizierten Preischocks:

Partnerland Strom Preisabweichung Preissprung Wertanteil
Hongkong Importe 27-fach +140 % 7,0 %
Vereinigtes Königreich Importe 22-fach +64 % 16,3 %
Israel Importe 7-fach +175 % 3,6 %

Diese Schocks sind zeitlich mit den globalen Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie und dem beginnenden Rohstoffboom korreliert. Besonders bemerkenswert ist der extrem hohe Variationskoeffizient bei Importen aus China (2,09) und der Türkei (1,09), der auf eine hochvolatile und unzuverlässige Lieferbeziehung hindeutet.

Erkannte Schockereignisse


Fazit

Der EU-Markt für Zinnschrott durchlebte im Zeitraum 2015–2025 eine fundamentale Transformation. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

  1. Preisgetriebene Wertsteigerung bei schrumpfenden Mengen: Die dramatische Preisexplosion – insbesondere bei Exportpreisen (+1.001 %) – hat die Handelswerte erheblich aufgebläht, während die physischen Volumen sowohl bei Importen als auch Exporten zurückgingen. Dies unterstreicht die zunehmende Knappheit und den steigenden strategischen Wert von Zinn als Sekundärrohstoff.

  2. Geopolitische Umorientierung der Handelsströme: Der Aufstieg Mexikos zum wichtigsten Importlieferanten und der Philippinen als Exportziel markieren eine geographische Neuausrichtung des EU-Zinnschrotthandels. Traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten verloren deutlich an Bedeutung – ein Trend, der durch den Brexit und veränderte globale Recyclingketten begünstigt wurde.

  3. Strukturelle Vulnerabilität der EU: Trotz wachsender inländischer Produktion steigt die Nettoimportabhängigkeit. Die zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Partnerländer (HHI-Anstieg) sowie die identifizierten Preischocks im Jahr 2021 deuten auf wachsende Liefer- und Preissicherheitsrisiken hin, die eine strategische Rohstoffsicherungsinitiative für Zinnabfälle nahelegen könnten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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