Marktentwicklung: Wasser, einschl. Mineralwasser und kohlensäurehaltiges Wasser, mit Zusatz von Zucker, anderen Süßmitteln oder Aromastoffen, unmittelbar als Getränk zu verwenden (CN 220210) — 2015–2025
Einführung
Der Handel der EU mit dem Zollprodukt CN 220210 — hierzulande geläufig als Erfrischungsgetränke, aromatisierte Wässer und gesüßte Getränke — hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 in mehrfacher Hinsicht strukturell verändert. Die Gesamtübersicht zeigt, dass die EU in diesem Marktsegment durchgehend Nettoexporteur ist: Der Überschuss lag 2015 bei rd. 1,18 Mrd. € und erreichte 2025 mit rd. 1,34 Mrd. € ein stabiles Niveau — nach einem Höchststand von 1,91 Mrd. € im Rekordjahr 2022. Gleichzeitig haben sowohl Ausfuhren als auch Einfuhren substanziell zugenommen, wobei sich die Importe (+70,5 %) deutlich dynamischer entwickelten als die Exporte (+37,0 %). Diese Asymmetrie, gepaart mit einem erheblichen Rückgang des wichtigsten Exportziels USA und einer steigenden Konzentration neuer Handelspartner, macht die Dekade zu einer Phase fundamentaler Umorientierung im EU-Außenhandel mit Getränken dieses Typs.
1. Volumenwachstum bei sinkenden Exportpreisen — eine preisgetriebene Verschiebung der Handelsströme
1.1 Die Exporte: Mengenboom trotz Preisverfalls
Die EU-Exporte verzeichneten zwischen 2015 und 2025 ein bemerkenswertes Mengenwachstum von 1.857 auf rd. 2.897 Tsd. Tonnen (+56,0 %), wobei der Höchstwert 2022 mit 3.162 Tsd. Tonnen erreicht wurde. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Exportpreis von 1.080 €/t auf 948 €/t (−12,2 %). Der Exportwert stieg insgesamt um 37,0 % auf rd. 2,75 Mrd. € an — allerdings blieb er damit deutlich hinter dem Mengenwachstum zurück.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2022 (Peak) | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 2,01 | 2,79 | 3,18 | 2,75 | +37,0 % |
| Exportmenge (Tsd. t) | 1.857 | 2.510 | 3.162 | 2.897 | +56,0 % |
| Exportpreis (€/t) | 1.080 | 1.111 | 1.006 | 948 | −12,2 % |
Gesamtübersicht — Handelsströme
1.2 Die Importe: Wert wächst schnelt als Volumen
Im Gegensatz zu den Exporten stiegen bei den Importen sowohl Mengen als auch Preise. Die Einfuhrmenge erhöhte sich von 870 Tsd. Tonnen auf rd. 1.230 Tsd. Tonnen (+41,4 %), der Importwert jedoch um 70,5 % auf rd. 1,40 Mrd. €. Der durchschnittliche Importpreis legte von 946 €/t auf 1.141 €/t zu (+20,6 %) — ein Indiz dafür, dass importierte Getränke zunehmend im Premiumsegment positioniert sind oder höhere Produktionskosten widerspiegeln.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mrd. €) | 0,82 | 1,15 | 1,27 | 1,40 | +70,5 % |
| Importmenge (Tsd. t) | 870 | 1.141 | 1.173 | 1.230 | +41,4 % |
| Importpreis (€/t) | 946 | 1.007 | 1.085 | 1.141 | +20,6 % |
Gesamtübersicht — Handelsströme
1.3 COVID-19 als moderater Dämpfer, nicht als Einbruch
Bemerkenswert ist die geringe Anfälligkeit des Sektors gegenüber der Pandemie 2020: Die Exportmenge stieg sogar leicht auf 2.584 Tsd. Tonnen, und der Exportwert erreichte mit 2,84 Mrd. € sein damaliges Maximum. Die Importe gingen lediglich moderat zurück (−7,4 % gegenüber 2019), was auf die relativ stabile Inlandsnachfrage nach Erfrischungsgetränken hindeutet. Der Getränkemarkt erwies sich als krisenresistent — allerdings veränderte sich die Nachfragestruktur (weniger Gastronomie, mehr Einzelhandel).
2. Tiefgreifende Umstrukturierung der Handelspartner — von den USA zu Europa und aufstrebenden Märkten
2.1 Der dramatische Rückgang der US-Exporte
Die mit Abstand gravierendste Verschiebung betraf die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten: Von einem Höchststand von rd. 1,18 Mrd. € im Jahr 2020 sanken sie auf nur noch 193 Mio. € im Jahr 2025 — ein Rückgang von rd. 83,7 % gegenüber dem Peak. Damit fielen die USA vom mit Abstand wichtigsten Exportmarkt (2020: 41,5 % der EU-Exporte) auf einen Anteil von lediglich 7,0 % im Jahr 2025 zurück. Ursächlich dürften eine Kombination aus gestiegenen Handelsbarrieren, veränderten regulatorischen Anforderungen und verstärkter lokaler Konkurrenz in den USA sein.
| Jahr | Export USA (Mrd. €) | Anteil an EU-Exporten |
|---|---|---|
| 2015 | 0,60 | 30,0 % |
| 2018 | 0,94 | 37,0 % |
| 2020 | 1,18 | 41,5 % |
| 2022 | 0,67 | 21,0 % |
| 2025 | 0,19 | 7,0 % |
Top-Handelspartner nach Wert — Exporte
2.2 Aufstrebende Exportmärkte kompensieren teilweise den US-Rückgang
Während das Vereinigte Königreich als stabilster Exportpartner mit rd. 506 Mio. € (2025) lediglich einen leichten Rückgang von −2,2 % gegenüber 2015 verzeichnete, wuchsen zahlreiche andere Märkte stark an:
- Brasilien: +484,4 % — von 29 Mio. € auf 168 Mio. €
- Norwegen: +244,6 % — von 52 Mio. € auf 181 Mio. €
- Schweiz: +79,2 % — von 131 Mio. € auf 235 Mio. €
- Bosnien und Herzegowina: +152,3 % — von 23 Mio. € auf 57 Mio. €
- Serbien: +148,1 % — von 20 Mio. € auf 50 Mio. €
Die Diversifizierung der Exportmärkte spiegelt sich auch im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI): Dieser sank bei den Exporten von 1.675 auf 640 (−61,8 %), was eine deutlich geringere Konzentration auf einzelne Abnehmerländer bedeutet.
2.3 Importseite: Westbalkan und Osteuropa gewinnen stark an Bedeutung
Auf der Importseite dominierten 2025 die Schweiz (503 Mio. €) und das Vereinigte Königreich (421 Mio. €) weiterhin. Die auffälligsten Wachstumsraten verzeichneten jedoch:
| Partnerland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Ukraine | 0,9 | 42,2 | +4.640 % |
| Serbien | 8,4 | 103,4 | +1.133 % |
| Norwegen | 4,9 | 11,1 | +128 % |
| Bosnien und Herzegovina | 8,1 | 16,8 | +109 % |
| Türkei | 26,7 | 53,8 | +101 % |
Top-Handelspartner nach Wert — Importe
Der HHI sank bei den Importen von 4.151 auf 2.289 (−44,9 %). Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten — insbesondere der Schweiz, die 2015 noch rd. 55 % der EU-Importe ausmachte — hat sich erheblich reduziert. Der Import-HHI-Verlauf zeigt einen kontinuierlichen Rückgang über den gesamten Zeitraum.
3. Produzentenstruktur in der EU — Spezialisierung, Volatilität und Schocks
3.1 Österreich als dominierender, aber schrumpfender Exporteur
Innerhalb der EU war und bleibt Österreich der mit Abstand größte Exporteur von CN 220210, was mit der hohen Spezialisierung des Landes zusammenhängt (RSCA von 0,677 — Spezialisierungskarte). Allerdings sank Österreichs Exportwert von rd. 1,11 Mrd. € (2015) auf rd. 857 Mio. € (2025, −22,9 %), nachdem 2022 mit rd. 1,53 Mrd. € ein Höchststand erreicht worden war. Der damit verbundene Bedeutungsverlust führte dazu, dass der Marktanteil Österreichs an den EU-Gesamtexporten von rd. 55 % auf rd. 31 % sank.
Demgegenüber gewannen mehrere Länder erheblich an Boden:
| EU-Mitgliedstaat | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung | RSCA (2025) |
|---|---|---|---|---|
| Italien | 76 | 280 | +268 % | −0,310 |
| Polen | 69 | 215 | +213 % | +0,016 |
| Niederlande | 111 | 335 | +201 % | +0,002 |
| Deutschland | 131 | 235 | +80 % | −0,106 |
| Frankreich | 123 | 214 | +74 % | −0,245 |
3.2 Inlandsproduktion zeigt kräftiges Wachstum
Die EU-Gesamtproduktion stieg mengenmäßig von rd. 30,2 Mrd. Litern (2015) auf rd. 37,3 Mrd. Liter (2024) — ein Zuwachs von rd. +24 %. Wertschöpfungsseitig war der Anstieg noch deutlicher: von rd. 17,2 Mrd. € auf rd. 29,9 Mrd. € (+74 %). Der Produktionspreis erhöhte sich von rd. 0,57 €/l auf rd. 0,80 €/l, was auf steigende Produktionskosten, Premiumisierung und Inflation hindeutet.
Die Netto-Importabhängigkeit (Netto-Importrelianz) blieb über den gesamten Zeitraum negativ (von −2,4 % 2015 auf −4,9 % 2025), was die Position der EU als Nettobestätigt. Die Handelsintensität verdoppelte sich beinahe: von 5,0 % auf 13,7 % (Handelsintensität), und auch die Exportneigung stieg von 3,8 % auf 9,5 % (Exportneigung) — ein Zeichen für die zunehmende Verflechtung des EU-Getränkemarktes mit der Weltwirtschaft.
3.3 Preis-Schocks und Handelsvolatilität
Die Analyse der Schwankungsintensität und der identifizierten Schocks ergibt ein differenziertes Bild:
-
Vereinigtes Königreich (Exportpreis-Schock 2021): Der Exportpreis sank um 34,5 % gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt — ein Effekt, der zeitlich mit dem Inkrafttreten des Handelsabkommens nach dem Brexit zusammenfiel. Die Menge blieb weitgehend stabil, was auf eine marktbasierte Preisanpassung hindeutet. Der Schock hatte einen abnormality-Wert von 24,8 und betraf rd. 24,8 % des EU-Exportwerts.
-
Russland (Exportpreis-Schock 2022): Der Exportpreis stieg um rd. 77 %, während die Menge um rd. 11 % sank — konsistent mit den Handelsbeschränkungen infolge des Ukraine-Kriegs. Der Exportwert nach Russland sank in den Folgejahren drastisch.
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Südafrika (Exportpreis-Schock 2017): Ein außergewöhnlicher Preisschock mit einem abnormality-Wert von 90,7 — der Preis stieg um 39,1 %, während die Menge um rd. 40 % einbrach. Dieser Schock hatte jedoch nur einen Wertanteil von 2,1 % und damit begrenzte systemische Auswirkungen.
Hinsichtlich der Mengenvolatilität zeigen Importe aus der Ukraine den höchsten Variationskoeffizienten (CV = 1,02), gefolgt von Serbien (CV = 0,52) und Norwegen (CV = 0,44). Auf der Exportseite weisen Chile (CV = 0,64), die Türkei (CV = 0,53) und Brasilien (CV = 0,51) die höchsten Schwankungen auf — ein Hinweis darauf, dass die Diversifierung der Exportmärkte zwar strategisch sinnvoll ist, aber auch mit erhöhter Volatilität einhergeht.
Fazit
Der EU-Markt für CN 220210 hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem US-dominierten Exportmarkt zu einem diversifizierten, volumenstarken Handelsmarkt gewandelt. Die drei zentralen Entwicklungen sind:
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Preis-Mengen-Divergenz: Die EU exportiert zunehmend größere Mengen zu niedrigeren Preisen, während Importe teurer werden — ein Muster, das auf zunehmende Wettbewerbsintensität im Export und Premiumisierung im Import hindeutet.
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Geopolitische Umstrukturierung: Der Einbruch der US-Exporte (−83,7 % vom Peak), die Abschottung des russischen Marktes und das Wachstum in Brasilien, Norwegen, der Schweiz und auf dem Westbalkan spiegeln eine fundamentale Neuausrichtung der Handelsströme wider, die sowohl geopolitische als auch wettbewerbspolitische Ursachen hat.
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Steigende Integration bei gleichzeitiger Autonomie: Obwohl die Handelsintensität auf 13,7 % gestiegen ist und die EU ihre Exportneigung erheblich ausgeweitet hat, bleibt die Netto-Importabhängigkeit negativ und hat sich sogar leicht vertieft. Die EU bleibt somit struktureller Nettoexporteur und hat ihre Versorgungssouveränität in diesem Segment trotz Globalisierung behalten — wenngleich die steigende Abhängigkeit von einer breiteren Basis an Handelspartnern neue Risiken birgt.