Marktentwicklung: Erfrischungsgetränke (CN 2202) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern für die Zollnomenklatur 2202 im Zeitraum 2015–2025. CN 2202 umfasst Wasser mit Zusatz von Zucker, anderen Süßmitteln oder Aromastoffen sowie andere nichtalkoholhaltige Getränke, ausgenommen Frucht-, Nuss- und Gemüsesäfte sowie Milch. Die Unterteilung gliedert sich in drei Subpositionen: 220210 (gesüßte oder aromatisierte Wässer und Erfrischungsgetränke), 220299 (sonstige nichtalkoholhaltige Getränke) und 220291 (alkoholfreies Bier mit ≤ 0,5 % vol). Der Zeitraum deckt elf vollständige Berichtsjahre ab und ermöglicht damit die Identifikation struktureller Trends sowie außergewöhnlicher Ereignisse.
1. Deutliche Exportexpansion und wachsender Handelsüberschuss
Die EU festigt ihre Position als Nettoexporteur
Die EU weist im gesamten Betrachtungszeitraum einen erheblichen und kontinuierlich wachsenden Handelsüberschuss bei CN 2202 auf. Der Überschuss stieg von 2,34 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 3,72 Mrd. EUR im Jahr 2025, was einem Anstieg von 58,9 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit rund 4,04 Mrd. EUR erreicht. Die Netto-Importabhängigkeit lag durchgehend im negativen Bereich (von −3,8 % auf −8,3 %), was bedeutet, dass die EU stets mehr exportiert als importiert.
Exporte wachsen schneller als Importe — sowohl im Wert als auch im Volumen
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exporte (Wert) | 3,47 Mrd. EUR | 5,57 Mrd. EUR | +60,6 % |
| Exporte (Menge) | 3,14 Mio. t | 4,76 Mio. t | +51,3 % |
| Importe (Wert) | 1,13 Mrd. EUR | 1,85 Mrd. EUR | +64,0 % |
| Importe (Menge) | 1,14 Mio. t | 1,58 Mio. t | +39,4 % |
Quelle: General Overview — Trade
Auffällig ist, dass der Exportwert stärker wuchs als das Exportvolumen (+60,6 % vs. +51,3 %), was auf steigende Durchschnittspreise hindeutet. Die Exportpreise stiegen von 1.103 EUR/t auf 1.171 EUR/t (+6,1 %). Bei den Importen war die Preisdynamik deutlich stärker: von 994 EUR/t auf 1.170 EUR/t (+17,6 %). Dies deutet darauf hin, dass importierte Produkte sich im Zeitverlauf verteuerten oder ein Mix hin zu hochpreisigeren Importgütern stattfand.
Die Handelsintensität und Exportneigung nehmen stark zu
Die Handelsintensität (Anteil des Handels an der Produktion) stieg von 6,0 % auf 15,0 % (+150,7 %), die Exportneigung von 4,8 % auf 11,6 % (+139,7 %). Die Produktion selbst wuchs im gleichen Zeitraum um 38,1 % (Volumen) bzw. 78,6 % (Wert), wie die Daten zur Produktionsentwicklung zeigen. Die EU hat somit ihre Exportbasis nicht nur absolut, sondern auch relativ zur eigenen Produktion deutlich ausgeweitet.
2. Verschiebung der Handelspartnerschaften und zunehmende Diversifizierung
Das Importland Österreich dominiert, verliert aber an relativer Bedeutung
Innerhalb der EU war Österreich mit Abstand der größte Importeur von CN 2202 aus Drittländern (465 Mio. EUR im Jahr 2025), gefolgt von Irland (348 Mio. EUR) und Deutschland (193 Mio. EUR). Bemerkenswert ist das Wachstum in den Niederlanden (+172,2 %), Deutschland (+101,9 %) und Bulgarien (+451,3 %). Bei den Exporten überholten die Niederlande (1,22 Mrd. EUR, +146,2 %) und Deutschland (825 Mio. EUR, +114,3 %) den traditionellen Marktführer Österreich, dessen Exporte von 1,19 Mrd. EUR auf 955 Mio. EUR sanken (−19,8 %).
Die Handelskonzentration nimmt sowohl bei Importen als auch Exporten ab
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 3.254 auf 1.853 (−43,1 %), was eine erhebliche Entkonzentration der Importquellen signalisiert. Bei den Exporten fiel der Rückgang moderater aus (von 1.399 auf 1.046, −25,2 %). Dies bedeutet, dass die EU ihre Bezugsquellen deutlich diversifiziert hat.
Bestimmte Drittländer verzeichnen außergewöhnliches Wachstum
| Partnerland (Importe) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 344 Mio. EUR | 514 Mio. EUR | +49,5 % |
| Schweiz | 541 Mio. EUR | 578 Mio. EUR | +6,9 % |
| Serbien | 22 Mio. EUR | 123 Mio. EUR | +459,7 % |
| Ukraine | 3 Mio. EUR | 48 Mio. EUR | +1.545,4 % |
Quelle: Top Partners — Imports
Bei den Exporten fielen die USA als Abnehmer deutlich zurück (von 701 Mio. EUR auf 359 Mio. EUR, −48,9 %), was den Trend des rückläufigen US-Anteils widerspiegelt. Gleichzeitig stiegen die Exporte nach Norwegen (+209,2 %), Brasilien (+249,7 %) und Israel (+141,3 %) überproportional an.
Spezialisierungsmuster innerhalb der EU variieren stark
Gemäß dem Spezialisierungsindikator (RSCA) weisen Zypern (RSCA 0,67) und Österreich (RSCA 0,64) die höchste Spezialisierung im Erfrischungsgetränke-Handel auf. Demgegenüber zeigen Irland (RSCA −0,71) und Finnland (RSCA −0,55) eine deutliche Unterspezialisierung, d. h. sie importieren vergleichsweise mehr als sie exportieren. Dies korrespondiert mit Irlands Rolle als drittgrößtem EU-Importeur aus Drittländern.
3. Segmentverschiebung zugunsten nichtalkoholhaltiger Getränke und alkoholfreiem Bier
Die Untergliederung zeigt unterschiedliche Wachstumspfade
| Segment | Beschreibung | Exportanteil 2025 (Wert) | Wachstum 2017–2025 (Wert) |
|---|---|---|---|
| 220210 | Gesüßte/aromatisierte Wässer | 49,3 % | +13,7 % |
| 220299 | Sonstige nichtalkoholhaltige Getränke | 45,5 % | +89,2 % |
| 220291 | Alkoholfreies Bier (≤ 0,5 % vol) | 5,0 % | +141,8 % |
Quelle: Product Segment Breakdown
Das Segment 220210 (Erfrischungsgetränke im engeren Sinne) bleibt mengenmäßig dominant, aber sein Anteil am Gesamtwert ist rückläufig. Auf der Importseite machte 220210 im Jahr 2025 rund 75,7 % des Wertes aus (1,40 Mrd. EUR von 1,85 Mrd. EUR), auf der Exportseite fiel der Anteil auf unter 50 %.
Alkoholfreies Bier als dynamischstes Segment
Das Segment 220291 (alkoholfreies Bier) zeigt die mit Abstand höchste Wachstumsdynamik: Die Exportmenge stieg von 117.000 t (2017) auf 271.000 t (2025), der Exportwert von 116 Mio. EUR auf 281 Mio. EUR (+141,8 %). Auch bei den Importen verfünffachte sich das Volumen nahezu (von 10.835 t auf 27.447 t). Dies spiegelt den globalen Trend zu alkoholfreien und alkoholarmen Getränken wider. Die Produktionsdaten bestätigen eine zunehmende Gesamtproduktion in der EU (von 41,5 Mrd. auf 57,3 Mrd. 1.000 m³).
Die Untergliederung 220299 gewinnt sowohl im Import als auch Export an Gewicht
Das Segment 220299 (sonstige nichtalkoholhaltige Getränke) wurde ab 2017 separat ausgewiesen. Sein Exportwert wuchs von 1,34 Mrd. EUR auf 2,54 Mrd. EUR (+89,2 %), der Importwert von 269 Mio. EUR auf 421 Mio. EUR (+56,7 %). Die Importpreise in diesem Segment stiegen überproportional (von 1.068 EUR/t auf 1.288 EUR/t), was auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Getränken hindeuten könnte — etwa Energy-Drinks, Funktionsgetränke oder andere Spezialgetränke. Die Exportpreise lagen 2025 mit 1.600 EUR/t deutlich über denen des Segments 220210 (948 EUR/t), was auf eine höhere Wertschöpfung in diesem Bereich schließen lässt.
Preis- und Mengenschocks betreffen vor allem Drittländer-Exportmärkte
Die Schockanalyse identifizierte drei signifikante Preisereignisse bei EU-Exporten. Der auffälligste Schock betraf die Russische Föderation im Jahr 2022 (Abnormalität 10,9, Preisanstieg +55,5 %), zeitlich korrespondierend mit den Sanktionen nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts. Der Exportanteil Russlands lag bei 2,0 % des Gesamtwerts. Ebenso auffällig war ein Preisschock in Richtung Südafrika im Jahr 2017 (+28,6 %). Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass Brasilien (CV 0,48) und die Russische Föderation (CV 0,41) die instabilsten Exportmärkte waren, während beim Import die Ukraine (CV 0,90) und China (CV 0,55) die höchste Schwankung aufwiesen.
Fazit
Der EU-Außenhandel mit Erfrischungsgetränken (CN 2202) zeigt im Zeitraum 2015–2025 ein robustes Wachstum mit einer klaren Tendenz zur Exportexpansion und Handelsdiversifizierung. Die EU hat ihren Handelsüberschuss von 2,3 auf 3,7 Mrd. EUR ausgebaut und ihre Position als weltweit relevanter Exporteur gefestigt. Gleichzeitig haben sich die Handelsbeziehungen sowohl bei den Importquellen als auch bei den Exportzielen deutlich diversifiziert, wie der Rückgang des HHI-Index belegt.
Strukturell verschiebt sich die Zusammensetzung des Handels: Während das traditionelle Segment 220210 (gesüßte Wässer und Erfrischungsgetränke) mengenmäßig weiter dominiert, gewinnen alkoholfreies Bier und sonstige nichtalkoholhaltige Getränke rapide an Bedeutung — ein Trend, der dem veränderten Konsumverhalten in Richtung gesundheitsbewusster und alkoholfreier Alternativen entspricht. Die steigenden Importpreise bei gleichzeitig moderat wachsenden Exportpreisen deuten darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertige Spezialgetränke importiert, während sie preislich wettbewerbsfähige Massenprodukte exportiert.
Geopolitische Ereignisse — insbesondere die Sanktionen gegen Russland ab 2022 — haben einzelne Handelsströme nachhaltig beeinflusst. Insgesamt zeigt sich der EU-Erfrischungsgetränkemarkt als dynamisch, zunehmend globalisiert und durch substanzielle strukturelle Veränderungen gekennzeichnet.