Marktentwicklung: Teile und genießbare Schlachtnebenerzeugnisse von Hühnern "Hausgeflügel", gefroren (ausg. von Trut- und Perlhühnern) (CN 020714) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht untersucht die Entwicklung des EU-Außenhandels mit gefrorenen Hähnchenteilen und -schlachtnebenerzeugnissen (KN-Code 020714) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Produktgruppe umfasst ein breites Spektrum — von entbeinten Teilen über Hälften und Viertel, ganze Flügel, Schenkel bis hin zu Lebern und anderen Schlachtnebenerzeugnissen — und ist eine der umsatzstärksten Positionen im EU-Geflügelhandel.
Im Untersuchungszeitraum zeichnen sich drei zentrale Entwicklungen ab: Erstens führten stark steigende Importpreise bei gleichzeitig stagnierenden Exportpreisen zu einer deutlichen Erosion des Handelsüberschusses. Zweitens veränderten der Brexit und geopolitische Ereignisse die Handelspartnerschaften der EU grundlegend. Drittens verschoben sich die Produktions- und Exportstrukturen innerhalb der EU merklich — allen voran durch den Aufstieg Polens zum führenden Exporteur.
1. Importpreisboom und schwindender Handelsüberschuss
Die Exporte verloren über den Zeitraum an Dynamik
Die EU-Exporte von gefrorenen Hähnchenteilen in Drittländer entwickelten sich rückläufig. Der Exportwert sank von 1.076 Mio. EUR (2015) auf 985 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 8,5 % entspricht. Die Exportmenge fiel im gleichen Zeitraum von 932.844 Tonnen auf 887.751 Tonnen (−4,8 %). Der durchschnittliche Exportpreis blieb mit einem Rückgang von 1.154 EUR/t auf 1.110 EUR/t (−3,8 %) weitgehend stabil. Ihren Höchststand erreichten die Exporte im Jahr 2019 mit 1.232 Mio. EUR und 1.332.181 Tonnen, bevor die COVID-19-Pandemie und anschließend die Energiekrise den Aufwärtstrend beendeten.
| Kennzahl | 2015 | 2019 (Höchstwert) | 2023 (Tiefstwert) | 2025 | Δ 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mio. EUR) | 1.076 | 1.232 | 930 | 985 | −8,5 % |
| Exportmenge (t) | 932.844 | 1.332.181 | 770.162 | 887.751 | −4,8 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 1.154 | 924 | 1.208 | 1.110 | −3,8 % |
Die Importe stiegen trotz Mengenrückgang sprunghaft an
Im Gegensatz dazu stieg der Importwert von 341 Mio. EUR (2015) auf 561 Mio. EUR (2025) — ein Zuwachs von 64,3 %. Bemerkenswert: Die importierte Menge sank im gleichen Zeitraum sogar leicht von 192.620 auf 183.926 Tonnen (−4,5 %). Der gesamte Anstieg des Importwerts ist somit auf die extreme Preissteigerung zurückzuführen: Der durchschnittliche Importpreis kletterte von 1.772 EUR/t auf 3.049 EUR/t (+72,0 %). Das Jahr 2021 markierte mit lediglich 196 Mio. EUR und 116.687 Tonnen den Tiefpunkt der Einfuhren, bevor sowohl Mengen als auch Preise wieder deutlich anzogen.
| Kennzahl | 2015 | 2021 (Tiefstwert) | 2025 | Δ 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 341 | 196 | 561 | +64,3 % |
| Importmenge (t) | 192.620 | 116.687 | 183.926 | −4,5 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.772 | 1.674 | 3.049 | +72,0 % |
Der Handelsüberschuss halbierte sich nahezu
Durch die gegenläufige Preisentwicklung schrumpfte der EU-Handelsüberschuss von 735 Mio. EUR (2015) auf 424 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang um 42,3 %. Im Jahr 2019 hatte der Überschuss noch 922 Mio. EUR betragen. Die globalen Preisschocks des Jahres 2022 — ausgelöst durch die Energiekrise, Lieferkettenstörungen und den Beginn des Ukraine-Krieges — wirkten als Beschleuniger: Bei den Importen aus Brasilien schoss der Preis 2022 um 80,8 % in die Höhe, bei Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich um 47,3 %. Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum Nettoexporteur, doch die Ausgangslage hat sich fundamental verschlechtert.
2. Tektonische Verschiebungen bei den Handelspartnern
Der Brexit halbierte den Handel mit dem Vereinigten Königreich
Das Vereinigte Königreich war 2015 mit Abstand der wichtigste Handelspartner der EU für gefrorene Hähnchenteile — als Exportziel (384 Mio. EUR, 35,7 % der EU-Ausfuhren) wie auch als Importquelle (132 Mio. EUR, 38,5 % der EU-Einfuhren). Bis 2025 sanken die Exporte nach Großbritannien auf 192 Mio. EUR (−49,9 %) und die Importe auf 55 Mio. EUR (−58,2 %). Der vollzogene Brexit ab 2021 markierte einen Wendepunkt: Die Exportmengen brachen von 180.534 Tonnen (2019) auf 59.299 Tonnen (2025) ein, während die Exportpreise gleichzeitig von 1.886 EUR/t auf 3.245 EUR/t stiegen — ein deutliches Zeichen dafür, dass vor allem preisgünstigere Teile aus dem bilateralen Handelsstrom verschwanden.
Ukraine: Vom Exportmarkt zum zweitgrößten Importlieferanten
Die Ukraine vollzog eine bemerkenswerte Transformation. Als Exportzielmarkt für EU-Hähnchenteile verlor das Land an Bedeutung (von 22 Mio. EUR in 2015 auf 16 Mio. EUR in 2025, −29,8 %). Gleichzeitig stiegen die EU-Importe aus der Ukraine von 39 Mio. EUR auf 218 Mio. EUR — eine Steigerung um 465 %. Die Importmengen wuchsen im selben Zeitraum von 16.329 Tonnen auf 56.648 Tonnen (+247 %). Die Ukraine profitierte dabei vom 2016 vorläufig in Kraft getretenen DCFTA-Abkommen und entwickelte sich nach Brasilien zum zweitwichtigsten Importlieferanten der EU. Zusammen deckten Brasilien und die Ukraine im Jahr 2025 rund 79 % des gesamten EU-Importwerts ab.
| Top-Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Δ |
|---|---|---|---|
| Brasilien | 142 | 227 | +60,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 132 | 55 | −58,2 % |
| Ukraine | 39 | 218 | +465,4 % |
| Thailand | 10 | 25 | +151,8 % |
| Chile | 9 | 7 | −17,9 % |
| Norwegen | 3 | 9 | +213,0 % |
Afrika als wachstumsstarker Exportmarkt — und der Einbruch traditioneller Partner
Auf der Exportseite gewannen westafrikanische Märkte erheblich an Gewicht. Ghana entwickelte sich zum zweitgrößten Exportziel der EU: Die Ausfuhren stiegen von 44 Mio. EUR (2015) auf 127 Mio. EUR (2025, +190,6 %). Gleichzeitig brachen traditionelle Märkte drastisch ein: Südafrika fiel von 173 Mio. EUR auf 15 Mio. EUR (−91,4 %), Hongkong von 73 Mio. EUR auf 15 Mio. EUR (−79,4 %). Vietnam hingegen entwickelte sich zu einem dynamischen Wachstumsmarkt (von 19 Mio. EUR auf 56 Mio. EUR, +196,1 %). Die Philippinen verzeichneten ebenfalls ein moderates Plus (+36,2 %).
| Top-Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Δ |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 384 | 192 | −49,9 % |
| Ghana | 44 | 127 | +190,6 % |
| Vietnam | 19 | 56 | +196,1 % |
| Philippinen | 30 | 41 | +36,2 % |
| Südafrika | 173 | 15 | −91,4 % |
| Hongkong | 73 | 15 | −79,4 % |
Sinkende Exportkonzentration, stabile Importabhängigkeit
Die Diversifizierung der Exportmärkte spiegelt sich im Herfindahl-Hirschman-Index wider: Bei den Exporten sank der HHI von 1.728 (2015) auf 780 (2025), was einem Rückgang von 54,9 % und einer deutlich gleichmäßigeren Verteilung der Exportströme entspricht. Bei den Importen blieb der HHI mit 3.353 (2015) bzw. 3.285 (2025) auf ähnlichem Niveau. Die hohe Konzentration der Einfuhren auf wenige Großlieferanten stellt ein potenzielles Verwundbarkeitsrisiko dar.
3. Polens Aufstieg und die Reorganisation der EU-Geflügelproduktion
Polen überholt die Niederlande als führender EU-Exporteur
Innerhalb der EU vollzog sich ein bemerkenswerter Machtwechsel. Die Niederlande, 2015 mit 450 Mio. EUR der mit Abstand größte EU-Exporteur von gefrorenen Hähnchenteilen, verloren bis 2025 auf 249 Mio. EUR (−44,8 %) erheblich an Boden. Gleichzeitig mehrte Polen seine Exporte von 182 Mio. EUR auf 393 Mio. EUR (+116,1 %) und stieg damit zum führenden Exporteur der EU auf. Polens Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) von 0,59 und ein RCA-Wert von 3,92 (2025) unterstreichen die herausragende Spezialisierung des Landes in diesem Segment. Auch die übrigen traditionellen Exportländer — Belgien (−38,0 %), Deutschland (−44,7 %), Frankreich (−47,5 %) und Dänemark (−36,8 %) — verzeichneten teils deutliche Rückgänge.
| EU-Exportländer | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Δ |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 450 | 249 | −44,8 % |
| Polen | 182 | 393 | +116,1 % |
| Belgien | 98 | 61 | −38,0 % |
| Deutschland | 55 | 30 | −44,7 % |
| Frankreich | 69 | 36 | −47,5 % |
Die Niederlande als wachsender Import-Drehkreuz
Paradoxerweise wuchsen die Importe in die Niederlande im selben Zeitraum drastisch — von 123 Mio. EUR auf 305 Mio. EUR (+147,7 %). Die Niederlande entwickelten sich somit vom primären Produzenten-Exporteur hin zu einem bedeutenden Import- und Verteilungsknoten innerhalb der EU. Auch Österreich verzeichnete ein außergewöhnliches Importwachstum (von 2,7 Mio. EUR auf 38,5 Mio. EUR), was auf eine zunehmende Bedeutung des Binnenmarkthandels hindeutet.
Wachsende Produktion bei sinkender Exportquote
Die EU-Produktion von gefrorenen Hähnchenteilen stieg im Zeitraum 2015–2025 deutlich an — von 1.248 Mio. kg (1.881 Mio. EUR) auf 2.516 Mio. kg (3.900 Mio. EUR). Allerdings sank die Exportquote (Exportpropensity) im selben Zeitraum von 53,2 % auf 26,8 %, was darauf hindeutet, dass ein wachsender Anteil der Produktion innerhalb der EU konsumiert wird. Die Handelsintensität fiel von 58,8 % auf 34,1 %. Diese Entkopplung von Produktionswachstum und Exportorientierung deutet auf eine zunehmende Binnenmarktorientierung der EU-Geflügelwirtschaft hin.
Entbeinte Teile dominieren den Import — Exporte sind heterogener
Produktseitig zeigt sich bei den Importen eine zunehmende Konzentration auf die Kategorie „entbeinte Teile, gefroren" (KN 02071410): Deren Anteil am Importwert stieg von 70,5 % (2015) auf 88,1 % (2025) — bei einem Importpreis von 3.447 EUR/t deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Bei den Exporten ist die Zusammensetzung heterogener: entbeinte Teile (390 Mio. EUR, 39,6 %), Flügel (205 Mio. EUR, 20,8 %), Rücken und Hälse (116 Mio. EUR, 11,8 %), Schenkel (80 Mio. EUR, 8,1 %) sowie Schlachtnebenerzeugnisse (51 Mio. EUR). Der Exportanteil von Hälften und Vierteln sank dabei von 16,3 % (2015) auf lediglich 8,0 % (2025).
Fazit
Der EU-Markt für gefrorene Hähnchenteile durchlief zwischen 2015 und 2025 eine Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen. Drei Kernbefunde stechen hervor:
Preisgetriebene Erosion des Handelsüberschusses. Während die Exportpreise nahezu unverändert blieben (−3,8 %), verdoppelten sich die Importpreise fast (+72,0 %). Dies führte dazu, dass sich der Handelsüberschuss trotz nur moderater Mengenrückgänge von 735 Mio. EUR auf 424 Mio. EUR verringerte. Die globalen Preisschocks von 2022 — insbesondere bei Lieferungen aus Brasilien (+80,8 %) und dem Vereinigten Königreich (+47,3 %) — wirkten als Katalysator dieser Entwicklung.
Neue Handelsgeografien. Der Brexit veränderte die Handelsströme nachhaltig und halbierte bilateralen Handel mit dem Vereinigten Königreich. Gleichzeitig stieg die Ukraine zum zweitwichtigsten Importlieferanten auf, während afrikanische Märkte — allen voran Ghana — als Exportziele an Bedeutung gewannen. Die Exportkonzentration sank erheblich (HHI von 1.728 auf 780), was auf eine diversifiziertere und damit resilientere Exportstruktur hindeutet. Die Importabhängigkeit von Brasilien und der Ukraine (zusammen ~79 % des Importwerts) bleibt jedoch bestehen.
Innerer Wandel der EU-Geflügelwirtschaft. Polen hat die Niederlande als führenden Exporteur überholt, während die EU-Produktion insgesamt stark wuchs. Die gleichzeitig sinkende Exportquote (von 53 % auf 27 %) deutet auf eine zunehmende Binnenmarktorientierung hin. Diese Entkopplung von Produktionswachstum und Exportdynamik könnte den Handelsüberschuss der EU in den kommenden Jahren weiter unter Druck setzen.