Marktentwicklung: Steroidhormone, deren Derivate und deren strukturverwandte Verbindungen, hauptsächlich als Hormone verwendet (ausg. Cortison, Hydrocortison, Prednison [Dehydrocortison], Prednisolon [Dehydrohydrocortison] sowie Halogenderivate und halogenierte Derivate der Corticosteroide [Hormone der Nebennierenrinde], Östrogene und Gestagene) (CN 293729) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Rest der Welt für die Warengruppe CN 293729 (Steroidhormone, deren Derivate und strukturverwandte Verbindungen, hauptsächlich als Hormone verwendet, ausgenommen Cortison, Hydrocortison, Prednison, Prednisolon sowie Halogenderivate der Corticosteroide sowie Östrogene und Gestagene) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Datengrundlage zeigt eine signifikante Verschiebung in der Handelsbilanz, sinkende Exporte bei moderat steigenden Importen sowie eine starke Volatilität bei den Handelspartnern und -preisen. Der Bericht gliedert sich in drei Hauptteile, die die wichtigsten dynamischen Veränderungen und deren Treiber erläutern.
1. Ein struktureller Wandel: Vom Überschuss zum Defizitmarkt
Die Analyse der Handelsströme über den gesamten Zeitraum hinweg offenbart einen fundamentalen Wandel der Position der EU auf dem Weltmarkt für diese Produktgruppe.
Der dramatische Einbruch der EU-Exporte
Der Exportwert der EU für CN 293729 ist zwischen 2015 und 2025 um 47,6 % von 823,6 Mio. € auf 431,2 Mio. € gefallen (Gesamtübersicht: Handelsentwicklung). Dieser Trend setzte sich trotz eines vorübergehenden Anstiegs bis 2019 fort. Parallel dazu sank die exportierte Menge um 38,8 %, was bedeutet, dass der Rückgang nicht nur preisbedingt war. Die Vereinigten Staaten, einst der mit Abstand wichtigste Abnehmer mit Importen im Wert von 280,6 Mio. € im Jahr 2015, importierten in 2025 nur noch Waren im Wert von 65,5 Mio. € aus der EU. Ein ähnlicher, wenn auch weniger dramatischer Rückgang ist bei Exporten nach Kanada, Brasilien und dem Vereinigten Königreich zu beobachten.
Steigende Importe und der Wechsel in die Handelsabhängigkeit
Im Gegensatz zu den Exporten verzeichneten die EU-Importe einen moderaten Anstieg von 460,3 Mio. € (2015) auf 501,8 Mio. € (2025), was einer Steigerung von 9,0 % entspricht (Gesamtübersicht: Handelsentwicklung). Die importierte Menge stieg sogar um 13,6 %. Diese gegenläufigen Entwicklungen führten dazu, dass die EU von einem Nettotexporteur mit einem Überschuss von rund 363 Mio. € im Jahr 2015 zu einem Nettimporteur mit einem Defizit von rd. 70,6 Mio. € im Jahr 2025 wurde. Der prominente Indikator für die Nettimportabhängigkeit bestätigt diesen Wandel: Er sank von 64,3 % (hohe Exportabhängigkeit) im Jahr 2015 auf -34,9 % (starke Importabhängigkeit) im Jahr 2025.
Der Rückgang der EU-Produzentenpreise als ein begleitender Faktor
Eine Analyse der Preisentwicklung zeigt, dass die EU-Exportpreise von rd. 3,81 Mio. €/Tonne im Jahr 2015 auf 3,26 Mio. €/Tonne in 2025 fielen (-14,5 %). Die Importpreise blieben hingegen relativ stabil bei rd. 1,91 Mio. €/Tonne. Dieses divergierende Preisverhalten schwächte die Wettbewerbsposition der EU-Exporteure zusätzlich. Die Preisdaten für die inländische EU-Produktion (Produktionsvolumen) weisen eine extreme Volatilität auf, was auf mögliche Probleme bei der statistischen Erfassung oder auf Schwankungen in der Wertschöpfungstiefe hindeuten könnte.
2. Umstrukturierung der globalen Lieferketten und neue Abhängigkeiten
Mit dem Rückgang des Gesamthandelsvolumens veränderten sich auch die Handelspartner der EU erheblich. Alte Partnerschaften verloren an Bedeutung, während neue Akteure an Einfluss gewannen.
Taiwan als neuer, dominanter und volatiler Importeur
Die auffälligste Veränderung auf der Importseite ist der Aufstieg Taiwans. Die Einfuhren aus Taiwan stiegen von nur 2,2 Mio. € (2015) auf 63,9 Mio. € (2025), was einem Anstieg von über 2.800 % entspricht. Damit hat Taiwan die Schweiz und Indien überholt und sich als drittgrößter Importpartner nach China und den USA etabliert (Top-Partner nach Handelswert: Importe). Allerdings ist dieser Handel extrem volatil mit einem Variationskoeffizient (CV) von rd. 1,94, was auf spezifische, möglicherweise vertrags- oder produktionsbedingte Spitzen in manchen Jahren hindeutet.
Die andauernde, aber instabile Bedeutung von China und den USA China
hat seine Position als größter EU-Lieferant behauptet und die Importe von 68,3 Mio. € auf 138,6 Mio. € mehr als verdoppelt (+102,9 %). Die USA blieben der zweitwichtigste Partner, doch der Handel ist stark schwankend und lag 2025 mit 235,8 Mio. € unter dem Niveau von 2015 (339,4 Mio. €). Bemerkenswert ist ein massiver Preisschock bei US-Importen im Jahr 2023, als die Preise um fast 190 % nach oben schossen, während die Mengen einbrachen, was auf Verwerfer in der Lieferkette oder Qualitätsänderungen hindeutet (Top-Schockereignisse bei Preisen).
Konzentration der Exporte: Die Rolle Kanadas nimmt ab
Auf der Exportseite war Kanada lange der wichtigste Abnehmer, insbesondere in den Jahren 2018 und 2019, als es fast die Hälfte des EU-Exportvolumens absorbierte. Der Exportwert dorthin fiel jedoch von rd. 717 Mio. € (2019) auf 179 Mio. € (2025). Ein durch die Pandemie im Jahr 2020 ausgelöster Mengen- und Preisschock (Top-Schockereignisse bei Preisen) markiert den Beginn dieses Niedergangs. Heute ist Brazilien (25,0 Mio. €) der größte verbleibende Einzelmarkt, gefolgt von Indien und neuen Nischen in der Türkei und Israel.
Geringere Konzentration der Importe, stabilere Ausfuhren
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe, ein Maß für die Konzentration, sank zwischen 2015 und 2025 von rd. 5.695 auf 3.175, was eine Diversifizierung der Importe bedeutet (Konkurrenzindikatoren: Konzentration). Auf der Exportseite blieb der HHI hingegen mit rd. 2.194 relativ stabil, was andeutet, dass die EU ihre Exporte trotz rückläufiger Gesamtwerte weiterhin recht diversifiziert vertreibt.
3. Innerstaatliche Spezialisierung und strukturelle Verwerfungen in der EU
Die Handelsdaten verbergen eine Umverteilung der Produktions- und Handelsaktivitäten innerhalb der EU-Mitgliedstaaten.
Belgiens abnehmende Vorherrschaft und Italiens Aufstieg
Belgien war zu Beginn des Zeitraums sowohl der mit Abstand größte Importeur als auch ein führender Exporteur in dieser Produktgruppe. Seine Importe gingen jedoch von 335,6 Mio. € (2015) auf 266,8 Mio. € (2025) zurück, was einem Rückgang von 20 % entspricht. Die Exporte Belgiens brachen von 186,5 Mio. € (2015) auf ebenfalls rd. 186,0 Mio. € (2025) ein, nachdem sie 2018 einen Höchststand von 684,5 Mio. € erreicht hatten. Gleichzeitig nahm Italien bei den Importen (+10,4 %) und insbesondere bei den Exporten (+71,1 %) deutlich zu. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt, dass Belgien nach wie vor einen hohen RCA-Wert (7,86) besitzt, Italien jedoch mit einem positiven RSCA (0,25) als ausgewogener spezialisierter gilt.
Der Zusammenbruch der irischen und schwedischen Exporte
Noch dramatischer sind die Veränderungen in einzelnen Ländern. Irland, das 2018 Exporte im Wert von 109,2 Mio. € meldete, verzeichnete 2025 nur noch 0,016 Mio. €. Schweden, 2019 der zweitgrößte Exporteur der EU mit rd. 411 Mio. €, exportierte 2025 nur noch 51,5 Mio. € (Top-Reporters nach Handelswert: Exporte). Diese Einbrüche sind so massiv, dass sie statistische Ausreißer oder einen vollständigen Standortwechsel von Produktions- oder Handelsaktivitäten vermuten lassen.
Uneinheitliche Entwicklung der Produktion und hohe Volatilität
Die gemeldeten Produktionsmengen der EU (Produktionsvolumen) sind stark schwankend: von rd. 862.783 (Geräteeinheiten?) im Jahr 2015 auf rd. 40.000.000 in 2025. Die zugehörigen Produktionswerte zeigen ein ähnliches Bild. Diese extremen Schwankungen, oft mit hohen Rundungsbandbreiten, deuten entweder auf einige wenige, dominante, output-starke Unternehmen hin, deren Produktion von Jahr zu Jahr stark schwankt, oder auf statistische Erfassungsprobleme hin. Diese Intransparenz erschwert eine belastbare Bewertung der tatsächlichen inländischen Wertschöpfung.
Schlussfolgerung
Die Handelsentwicklung der EU mit dem Zollcode 293729 im Zeitraum 2015–2025 ist durch einen tiefgreifenden strukturellen Wandel gekennzeichnet. Die EU hat ihre Stellung als Nettotexporteur eingebüßt und ist in eine Nettimportabhängigkeit gerutscht. Dieser Wandel wurde durch einen deutlichen Rückgang der Exporte – insbesondere in die USA und nach Kanada – und einen gleichzeitig moderaten Anstieg der Importe aus Asien, namentlich China und Taiwan, verursacht. Die Handelsketten haben sich neu ausgerichtet, was sich in einer dynamischeren, aber auch volatileren Partnerlandschaft widerspiegelt. Innerhalb der EU zeigt sich eine Umverteilung der Aktivitäten, mit einem relativen Bedeutungsverlust Belgiens und dem Aufstieg Italiens. Die Daten deuten auf eine mögliche Verlagerung oder Konzentration von produktionsnahen Aktivitäten sowie auf erhebliche Lücken oder Herausforderungen in der statistischen Erfassung hin. Für die künftige Versorgungssicherheit der EU mit dieser für die Pharmaindustrie wichtigen Stoffgruppe sind die zunehmende Abhängigkeit von wenigen, teils volatilen asiatischen Lieferanten sowie die innereuropäischen Umstrukturierungen die zentralen Faktoren, die es zu beobachten gilt.