Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Schweinespeck (CN 0209) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 0209 umfasst Schweinespeck ohne magere Teile, Schweinefett und Geflügelfett – jeweils unausgeschmolzen und „unausgezogen" – in verschiedenen Zustandsformen (frisch, gekühlt, gefroren, gesalzen, in Salzlake, getrocknet oder geräuchert). Die Datenbasis untergliedert sich in zwei Unterkapitel: 020910 (Schweinespeck und Schweinefett) sowie 020990 (Geflügelfett).

Im Zeitraum 2015–2025 vollzog sich am EU-Außenhandel für diese Warengruppe ein bemerkenswerter Strukturwandel: Die EU blieb durchgehend ein erheblicher Nettoexporteur, doch das Exportvolumen sank leicht, während die Exportwerte infolge drastischer Preissteigerungen erheblich stiegen. Besonders prägend war die massive Nachfrageexpansion aus China und Südostasien, die vor allem 2019–2020 durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausgelöst wurde, sowie die Verschiebung der Exportführerrolle innerhalb der EU. Gleichzeitig schrumpften die EU-Importe auf einen Bruchteil ihres Ausgangsniveaus.


1. Vom Mengenwachstum zum Preisboom: Die Transformation des EU-Exportmarktes

1.1 Der Exportwert stieg um 76 %, obwohl das Volumen leicht sank

Die EU-Exporte von CN 0209 an Drittländer entwickelten sich gegenläufig: Während die exportierte Menge von 222.963 Tonnen (2015) auf 211.888 Tonnen (2025) um 5,0 % abnahm, stieg der Exportwert im selben Zeitraum von 131,2 Mio. € auf 231,5 Mio. € – ein Plus von 76,4 %. Den absoluten Höchstwert erreichte der Exportwert 2020 mit 335,9 Mio. €.

Kennzahl 2015 2020 (Höchstwert) 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mio. €) 131,2 335,9 231,5 +76,4 %
Exportmenge (t) 222.963 296.045 211.888 −5,0 %
Durchschnittspreis (€/t) 588 1.134 1.092 +85,7 %

Diese Dynamik ist vollständig auf den Preisanstieg zurückzuführen: Der durchschnittliche Exportpreis verdoppelte sich von 588 €/t auf 1.092 €/t. Der Höchstwert wurde 2022 mit 1.416 €/t erreicht.

1.2 Die subproduktale Zusammensetzung: Schweinefett dominiert, Geflügelfett bleibt marginal

Die Exporte werden fast vollständig vom Unterkapitel 020910 (Schweinespeck und Schweinefett) getragen. Dessen Anteil lag stets bei über 97 % des Gesamtwerts. Im Jahr 2025 exportierte die EU 229,9 Mio. € an Schweinefett/Speck (020910) gegenüber lediglich 1,5 Mio. € an Geflügelfett (020990).

Jahr Exportwert 020910 (Mio. €) Exportwert 020990 (Mio. €) Anteil 020910
2015 128,8 2,3 98,2 %
2019 306,7 0,9 99,7 %
2025 229,9 1,5 99,3 %

Beim Schweinefett (020910) stieg der Preis von 582 €/t (2015) auf 1.088 €/t (2025), mit einem Spitzenwert von 1.417 €/t im Jahr 2022. Die exportierte Menge blieb über den gesamten Zeitraum relativ stabil und schwankte zwischen 178.287 t (2023) und 295.058 t (2020).

1.3 Die EU-Importe schrumpften auf ein Minimum

Die EU-Importe von CN 0209 aus Drittländern fielen im betrachteten Zeitraum drastisch:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. €) 4,2 1,5 −63,3 %
Importmenge (t) 9.577 1.174 −87,7 %
Durchschnittspreis (€/t) 439 1.316 +199,7 %

Während der Importwert sich um 63,3 % reduzierte, sank die eingeführte Menge sogar um 87,7 %. Der Importpreis hingegen vervierfachte sich nahezu. Betrachtet man die Subprodukte, so ist der Rückgang besonders beim Schweinefett (020910) markant: Die Menge fiel von 8.901 t auf 1.132 t. Die Geflügelfett-Importe (020990) brachen von 676 t auf nur noch 42 t ein.


2. ASP-getriebene Nachfrageexpansion: China und Südostasien als zentrale Wachstumsmärkte

2.1 China: Der kurzfristige Mega-Boom und sein abruptes Ende

Die Exporte in die Volksrepublik China entwickelten sich als das dominante Handelsereignis des Jahrzehnts. Ausgehend von 21,6 Mio. € (2015) explodierten die Exporte auf 192,2 Mio. € im Jahr 2019 – ein Anstieg um fast 790 %. Dieser Boom war direkte Folge der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die ab 2018 den chinesischen Schweinebestand dramatisch dezimierte und die Nachfrage nach importiertem Schweinefett massiv erhöhte.

Der Preisstoß nach China war extrem: Die Shock-Analyse identifiziert für 2019 einen abnormalen Preisanstieg von 85,4 % (Abnormalität: 18,3) bei einem Anteil am Gesamtexportwert von 33,9 %.

Ab 2021 setzte jedoch ein steiler Rückgang ein. Bis 2025 fielen die Exporte nach China auf nur noch 4,0 Mio. € – ein Minus von 81,4 % gegenüber 2015 und über 97 % unter dem Spitzenwert. Dieser Einbruch reflektiert die Wiederherstellung der chinesischen Schweineproduktionskapazitäten sowie die Normalisierung der Bestände.

2.2 Südostasien als neues Wachstumsfeld: Philippinen und Vietnam

Parallel zum China-Boom expandierte die EU-Ausfuhr in zwei weitere asiatische Märkte erheblich:

Markt 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Philippinen 19,4 82,0 +322,5 %
Vietnam 0,6 33,7 +5.335 %

Die Exporte in die Philippinen stiegen stetig an und erreichten 2023 mit 86,1 Mio. € ihren Höhepunkt. Bemerkenswert ist die geringe Volatilität dieser Handelsbeziehung (Variationskoeffizient: 0,28), was auf einen stabilen, langfristig gewachsenen Markt hindeutet.

Noch spektakulärer war der Aufstieg Vietnams: Von praktisch null (0,6 Mio. € in 2015) stiegen die Exporte auf 33,7 Mio. €. Ein Preisschock wurde 2019 detektiert (Preisanstieg von 60,4 %, Abnormalität: 6,0). Vietnam profitierte, wie auch die Philippinen, von der ASP-induzierten Fleischknappheit in der gesamten Region.

2.3 Geopolitische Verschiebungen: Rückgänge bei traditionellen Partnern

Gegenläufig zu den asiatischen Wachstumsmärkten verloren einige traditionelle Handelspartner an Bedeutung:

  • Georgien: Rückgang von 15,5 Mio. € auf 4,6 Mio. € (−70,2 %).
  • Vereinigtes Königreich: Trotz Brexit stiegen die Exporte von 6,9 Mio. € auf 16,8 Mio. € (+142,4 %), was teilweise auf veränderte Handelsmodalitäten nach dem Austritt zurückzuführen sein könnte.

Auf der Importseite fielen besonders die Importe aus dem Vereinigten Königreich (von 3,6 Mio. € auf 0,7 Mio. €, −81,6 %) und aus China (von 40.023 € auf 2.271 €, −94,3 %). Die Importkonzentration (HHI) sank von 7.510 auf 2.900, was auf eine Diversifizierung der ohnehin kleinen Importbasis hindeutet.


3. Strukturwandel innerhalb der EU: Spanien übernimmt die Exportführung von Deutschland

3.1 Spaniens Aufstieg zur dominierenden Exportnation

Die dramatischste Verschiebung vollzog sich bei den exportierenden EU-Mitgliedstaaten. Spanien steigerte seine Exporte von 15,8 Mio. € (2015) auf 87,0 Mio. € (2025) – ein Anstieg von 451 %. Damit überholte es Deutschland, dessen Exporte im gleichen Zeitraum von 44,7 Mio. € auf 12,2 Mio. € (−72,8 %) einbrachen.

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. €) 2020 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Spanien 15,8 136,3 87,0 +451,0 %
Deutschland 44,7 8,4 12,2 −72,8 %
Niederlande 10,4 40,6 33,8 +224,4 %
Polen 22,5 30,5 30,3 +34,6 %
Dänemark 11,4 26,9 14,6 +28,4 %
Frankreich 8,4 12,8 18,2 +115,4 %

Spaniens Sonderstellung wird durch die Spezialisierungsanalyse bestätigt: Mit einem RCA-Index von 2,95 und einem RSCA von 0,49 liegt Spanien unter den am stärksten spezialisierten EU-Exporteuren. Es verfügt über einen Anteil von 17,1 % an der EU-Produktion (gemessen am Produktionswert).

3.2 Die EU als Nettoexporteur mit sinkender Handelsintensität

Die EU weist durchgehend einen positiven Handelsbilanzüberschuss aus, der von 127,0 Mio. € (2015) auf 229,9 Mio. € (2025) stieg (+81,1 %). Der Spitzenwert lag 2020 bei 328,4 Mio. €.

Die Nettoimportabhängigkeit lag stets deutlich im negativen Bereich (d.h. die EU ist Nettoexporteur): von −50,4 % (2015) auf −22,8 % (2025). Der höchste Wert (größte Nettoexportabhängigkeit) wurde 2019 mit −194,7 % erreicht – ein Jahr, in dem die Exporte die Importschwelle massiv überstiegen.

Gleichzeitig sanken sowohl die Handelsintensität (von 34,4 % auf 24,0 %, −30,2 %) als auch die Exportquote (von 34,0 % auf 21,7 %, −36,4 %). Dies steht im Einklang mit dem gleichzeitigen Produktionswachstum: Die EU-Produktion stieg mengenmäßig um 8,4 % (von 851 Mio. kg auf 922 Mio. kg) und wertmäßig um 252,6 % (von 323 Mio. € auf 1,14 Mrd. €). Der steigende Binnenverbrauch und die gestiegenen Preise dürften dazu beigetragen haben, dass der Exportanteil an der Produktion sank.

3.3 Konzentration und Volatilität: China als systemisches Risiko

Die Exportkonzentration (HHI nach Wert) stieg im Zeitraum von 1.148 auf 1.647 (+43,5 %). Der Spitzenwert lag 2019 bei 3.456 – genau in dem Jahr, als China mit 33,9 % am EU-Gesamtexportwert beteiligt war. Diese kurzfristige Konzentration stellte ein erhebliches Diversifikationsrisiko dar, wie der anschließende Einbruch der chinesischen Nachfrage belegt.

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Handelsbeziehungen mit China (CV: 1,03), Georgien (CV: 1,00) und Vietnam (CV: 0,86) am instabilsten waren. Dagegen waren die Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich (CV: 0,19) und Uruguay (CV: 0,21) deutlich vorhersehbarer.


Fazit

Der EU-Außenhandel mit Schweinespeck und -fett (CN 0209) durchlief zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Wandel, der maßgeblich durch drei Triebkräfte geprägt wurde:

  1. Preisrevolution: Trotz leicht rückläufiger Exportmengen stieg der Exportwert um 76 %, was fast vollständig auf eine Verdopplung der Durchschnittspreise zurückzuführen ist. Die EU-Produktion wuchs mengenmäßig moderat (+8,4 %), aber wertmäßig um über 250 %.

  2. ASP-getriebene Märktechiebe: Die Afrikanische Schweinepest schuf 2018–2020 einen beispiellosen Nachfrageschub aus Asien. China wurde zum wichtigsten Einzelmarkt, doch der Boom war von kurzer Dauer. Philippinen und Vietnam etablierten sich als nachhaltigere Wachstumsmärkte.

  3. Inner-EU-Strukturwandel: Spanien löste Deutschland als führenden EU-Exporteur ab – eine Verschiebung, die sowohl auf veränderte Wettbewerbsvorteile als auch auf den raschen Aufbau asiatischer Handelsbeziehungen durch spanische Exporteure hindeutet.

Die EU als Ganzes bleibt ein starker Nettoexporteur mit geringer Importabhängigkeit. Die gestiegene Exportkonzentration auf einzelne Märkte birgt jedoch weiterhin ein Diversifikationsrisiko – eine Lehre, die der China-Boom und -Bust eindrücklich illustriert.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.