Marktentwicklung: Pferde- und Eselfleisch (CN 0205) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern für den Zolltarif CN 0205 – Fleisch von Pferden, Eseln, Maultieren oder Mauleseln, frisch, gekühlt oder gefroren im Zeitraum 2015 bis 2025. Der Markt zeichnet sich durch drei zentrale Trends aus: einen deutlichen Rückgang der Handelsvolumina bei gleichzeitig steigenden Preisen, eine wachsende Konzentration auf wenige lateinamerikanische Lieferanten sowie einen tiefgreifenden Strukturwandel in der EU-Produktion und -Handelsposition.
1. Schrumpfende Volumina, steigende Preise — ein Markt im Umbau
Die EU als Nettoimporteur verliert an Handelsvolumen
Die EU ist in diesem Segment traditionell ein erheblicher Nettoimporteur. Im gesamten Betrachtungszeitraum übersteigen die Importe die Exporte sowohl mengen- als auch wertmäßig deutlich. Allerdings haben beide Handelsströme in den letzten zehn Jahren spürbar an Volumen verloren:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importe (Wert, EUR) | 83,6 Mio. | 57,5 Mio. | −31,2 % |
| Importe (Menge, t) | 21.832 | 11.624 | −46,8 % |
| Exporte (Wert, EUR) | 19,0 Mio. | 14,8 Mio. | −22,3 % |
| Exporte (Menge, t) | 3.877 | 1.188 | −69,4 % |
| Handelsbilanz (EUR) | −64,6 Mio. | −42,7 Mio. | +33,8 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
Der mengenmäßige Rückgang fällt bei den Exporten mit −69,4 % besonders dramatisch aus — die EU exportierte 2025 nur noch rund 1.188 Tonnen, verglichen mit fast 3.900 Tonnen zu Beginn des Zeitraums. Die Importe verloren ebenfalls fast die Hälfte ihres Volumens. Infolgedessen verbesserte sich die Handelsbilanz um gut ein Drittel, blieb aber mit −42,7 Mio. EUR weiterhin deutlich negativ.
Stückpreise nahezu verdreifacht — insbesondere bei Exporten
Parallel zum Volumenrückgang sind die durchschnittlichen Preise pro Tonne erheblich gestiegen:
| Kennzahl | 2015 (EUR/t) | 2025 (EUR/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importpreis | 3.828 | 4.945 | +29,2 % |
| Exportpreis | 4.899 | 12.421 | +153,6 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
Die Exportpreise haben sich nahezu verdreifacht — von unter 5.000 EUR/t auf über 12.400 EUR/t. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend nur noch hochwertiges, spezialisiertes Pferdefleisch exportiert, während günstigere Volumina aus dem Exportmuster verschwinden. Die Importpreise stiegen moderater, blieben aber unter dem Exportpreisniveau, was auf die anhaltende Bedeutung preisgünstiger Importe aus Südamerika hindeutet.
2. Konzentration auf Lateinamerika und geopolitische Verschiebungen bei den Handelspartnern
Importpartner: Argentinien und Uruguay dominieren, Kanada und Brasilien fallen weg
Die Struktur der wichtigsten Importpartner hat sich im Betrachtungszeitraum grundlegend verändert:
| Partner | Importwert 2015 (EUR) | Importwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Argentinien | 32,3 Mio. | 39,3 Mio. | +21,7 % |
| Uruguay | 13,1 Mio. | 15,5 Mio. | +17,9 % |
| Vereinigtes Königreich | 3,4 Mio. | 1,5 Mio. | −56,0 % |
| Kanada | 18,9 Mio. | 0,02 Mio. | −99,9 % |
| Brasilien | 5,5 Mio. | 0,17 Mio. | −97,0 % |
| Australien | 2,4 Mio. | 0,16 Mio. | −93,2 % |
| Island | 0,07 Tsd. | 0,88 Mio. | n. a. |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
Drei Entwicklungen fallen besonders auf:
- Kanada fiel von 18,9 Mio. EUR Importwert (2015) auf praktisch null (−99,9 %). Dies steht im Einklang mit dem EU-Verbot von Pferdefleischimporten aus kanädischen Schlachthäusern infolge von Tierschutzskandalen und fehlender Rückverfolgbarkeit, das Kanada als Quelle nahezu vollständig vom europäischen Markt verdrängte.
- Brasilien und Australien verloren ebenfalls über 93 % ihres Exportwerts in die EU — ein Hinweis auf regulatorische, logistische oder nachfragebedingte Barrieren.
- Argentinien und Uruguay konnten ihre Position hingegen ausbauen und dominieren den EU-Importmarkt mit einem kombinierten Anteil von über 85 % am Importwert. Argentinien allein beliefert die EU mit einem Volumen von fast 39,3 Mio. EUR — trotz eines im Zeitraum 2022 festgestellten Preisschocks mit einer abnormalen Preisverschiebung von 17 %.
- Island stieg von einem vernachlässigbaren Handelsvolumen zu einem relevanten Lieferanten mit fast 880.000 EUR auf.
Exportpartner: Schweiz als Dauerkunde, Vietnam und Kasachstan brechen ein
| Partner | Exportwert 2015 (EUR) | Exportwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 12,8 Mio. | 12,2 Mio. | −4,8 % |
| Japan | 2,5 Mio. | 2,6 Mio. | +3,1 % |
| Vietnam | 1,1 Mio. | 0,11 Mio. | −90,6 % |
| Kasachstan | 2,1 Mio. | 0,05 Mio. | −97,5 % |
| Hongkong | 0,003 Mio. | 0,18 Mio. | n. a. |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
Die Schweiz ist mit Abstand der wichtigste Exportmarkt für die EU und blieb mit 12,2 Mio. EUR über den gesamten Zeitraum bemerkenswert stabil (−4,8 %). Japan hielt ebenfalls als stabiler Premiummarkt. Dagegen brachen die Exporte nach Vietnam (−90,6 %) und Kasachstan (−97,5 %) ein. Hongkong entwickelte sich dagegen zu einem wachsenden Nischenmarkt.
Steigende Konzentration auf beiden Seiten des Handels
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt eine markante Zunahme der Konzentration sowohl bei Importen als auch bei Exporten:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 2.371 | 5.403 | +127,8 % |
| HHI Exporte (Wert) | 4.861 | 7.107 | +46,2 % |
Quelle: Marktkonzentration (HHI)
Der Import-HHI mehr als sich auf das Doppelte — ein Zeichen dafür, dass der Wegfall von Kanada, Brasilien und Australien die EU in eine stärkere Abhängigkeit von Argentinien und Uruguay gebracht hat. Auch die Exportkonzentration nahm zu, da kleinere Märkte (Vietnam, Kasachstan, UK) an Bedeutung verloren und die Schweiz zunehmend dominiert. Diese gestiegene Konzentration birgt das Risiko einer erhöhten Verwundbarkeit gegenüber Lieferunterbrechungen.
3. Produktionsrückgang und gewandelte Handelsposition der EU
EU-Inlandsproduktion im freien Fall
Parallel zum Handelsrückgang hat auch die inländische Produktion innerhalb der EU erheblich abgenommen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (kg) | 51.816.212 | 20.778.160 | −59,9 % |
| Produktionswert (EUR) | 211,7 Mio. | 123,0 Mio. | −41,9 % |
Quelle: Produktionsvolumen
Die Produktionsmenge fiel um fast 60 % — ein dramatischer Einbruch, der auf den anhaltenden Rückgang der Pferdezucht in vielen EU-Mitgliedstaaten, geänderte Konsumgewohnheiten und zunehmende regulatorische Anforderungen zurückzuführen ist. Der Produktionswert sank weniger stark (−41,9 %), was auf steigende Stückpreise bei der Inlandsproduktion hindeutet.
Spezialisierung: wenige Mitgliedstaaten tragen den Export
Die Spezialisierungsmuster innerhalb der EU zeigen eine klare geografische Konzentration:
| Mitgliedstaat | RCA | RSCA | Anteil an EU-Produktion |
|---|---|---|---|
| Rumänien | 6,01 | 0,71 | 10,0 % |
| Polen | 3,35 | 0,54 | 22,2 % |
| Belgien | 2,85 | 0,48 | 24,1 % |
| Spanien | 2,47 | 0,42 | 14,3 % |
| Niederlande | 1,45 | 0,18 | 21,1 % |
Quelle: Spezialisierung der Mitgliedstaaten
Belgien, Polen und die Niederlande produzieren zusammen rund 67 % der EU-Gesamtproduktion. Rumänien weist mit einem RCA-Wert von 6,0 die höchste Spezialisierung auf, auch wenn sein Produktionsanteil kleiner ist. Demgegenüber weisen große Volkswirtschaften wie Deutschland (RSCA: −0,99), Irland (−1,00) und Portugal (−1,00) praktisch keine Spezialisierung in diesem Segment auf.
Sinkende Importabhängigkeit trotz Produktionseinbruch
Die Netto-Importabhängigkeit der EU ist im Betrachtungszeitraum trotz des Produktionsrückgangs gesunken:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Netto-Importabhängigkeit (%) | 37,6 % | 26,5 % | −29,5 % |
| Handelsintensität (%) | 38,6 % | 42,0 % | +8,9 % |
| Exportquote (%) | 0,97 % | 13,4 % | +1.280,5 % |
Quelle: Netto-Importabhängigkeit
Dieses scheinbare Paradoxon — sinkende Importabhängigkeit bei ebenfalls sinkender Produktion — erklärt sich durch den noch stärkeren Rückgang der Importe relativ zur Produktion. Besonders bemerkenswert ist der explosionsartige Anstieg der Exportquote von unter 1 % auf über 13 %: Die EU exportiert einen wachsenden Anteil ihrer (zwar geschrumpften) Produktion, vor allem in hochwertige Märkte wie die Schweiz und Japan. Dies unterstreicht den Trend zur Premium-Nische: Was exportiert wird, ist teurer und spezialisierter als zuvor.
Fazit
Der EU-Markt für Pferde- und Eselfleisch (CN 0205) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Die Handelsvolumina sind sowohl bei Importen (−47 % mengenmäßig) als auch bei Exporten (−69 %) erheblich geschrumpft, während die Preise — insbesondere bei Exporten (+154 %) — stark gestiegen sind. Der Importmarkt hat sich auf Argentinien und Uruguay konzentriert, nachdem Kanada, Brasilien und Australien als Lieferanten praktisch ausfielen. Auf der Exportseite dominiert die Schweiz als Hauptabnehmer. Die EU-Inlandsproduktion brach um 60 % ein, konzentriert sich aber zunehmend auf wenige Mitgliedstaaten (Belgien, Polen, Niederlande). Die EU bewegt sich in diesem Segment offensichtlich weg von einem volumenorientierten Massenmarkt hin zu einer kleineren, hochpreisigen Nische. Das damit verbundene Konzentrationsrisiko — sowohl bei den Lieferanten als auch bei den Abnehmern — sollte von Marktteilnehmern und politischen Entscheidern im Blick behalten werden.